Die richtige Geschäftsidee finden: Trends 2020 & Zukunftsaussichten für das neue Jahrzehnt

Wer sich erfolgreich beruflich selbstständig machen möchte, braucht in erster Linie eine gute sowie durchdachte Geschäftsidee. Doch was ist überhaupt eine gute Geschäftsidee? Mit Blick auf die Nachhaltigkeit des zu gründenden Geschäfts spielen vor allem gesellschaftliche (Mega)trends eine Rolle, die eine hohe Akzeptanz bei einer großen Zielgruppe finden und insofern als wirkungsvoller Verkaufsmotor agieren können. Die anhaltenden Diskussionen rund um den Klimaschutz zeigen, dass die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen werden. In diesem Beitrag sollen die wichtigsten Trends in aller Kürze vorgestellt werden.

Worum geht es im Kern in den folgenden Ausführungen?

Existenzgründer können sich hier über grundlegende Rahmenbedingungen informieren, die in den nächsten Jahren prägend für die Geschäftsentwicklung sein werden.
 

Erfolgreich ist, was nachhaltig ist…

…und unternehmerische Verantwortung erkennen lässt! Das Ende 2019 in verschärfter Form verabschiedete Klimapaket und ein Umdenken in weiten Teilen der Bevölkerung werden dafür sorgen, dass Umweltaspekte bei vielen zukunftsorientierten Geschäftsmodellen eine wichtige Rolle spielen müssen, auch vor dem Hintergrund steigender Energiepreise: Geschäftsmodelle, die sehr energieintensiv sind, werden mit Blick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit die Energiekosten so gering wie nur möglich halten müssen.

Wer erfolgreich gründen bzw. eine gute Geschäftsidee finden will, darf sich nicht von kurzlebigen Trends verführen lassen. Vielmehr muss es um nachhaltige Chancen gehen, die gerade im Bereich Umwelt- und Klimaschutz zu ergreifen sind und auch für das eigene Marketing in Zukunft eine wichtige Rolle spielen können (Stichwort green marketing). Bevor im Businessplan zu großen Teilen Theorie verarbeitet wird, muss ein Blick auf die wirtschaftliche Wirklichkeit geworfen werden, und zwar so konkret wie möglich für den eigenen Standort bzw. Aktionsradius.
 

Gebrauchte Dinge finden schnell ein neues Zuhause

Der Erfolg vieler Internetplattformen zeigt, dass der Handel mit gebrauchten Waren ein sehr profitables Geschäftsmodell sein kann. Hier greift auch der weiter oben bereits skizzierte Trend der Nachhaltigkeit. Warum soll ich als Kunde für ein Produkt mehrere hundert Euro ausgeben, wenn ich es auch für weniger als die Hälfte in einem sehr guten gebrauchten Zustand kaufen kann? Diese Mentalität können sich Existenzgründer zunutze machen, wenn sie eine gefragte Nische finden und diese mit qualitativ überzeugenden Produkten ausfüllen können.
 

Megatrend der Individualisierung

An diesem omnipräsenten Megatrend des 21. Jahrhunderts wird kaum ein Existenzgründer vorbeikommen. Nicht aus Zufall haben Kunden fast überall die Möglichkeit, sich ein Produkt nach eigenen Wünschen individualisieren zu lassen. Sei es eine persönliche Gravur in einem Schmuckstück, selbst kreierte Parfums oder ein in Eigenregie konfigurierter Neuwagen (um nur wenige Beispiele zu nennen): Kunden lieben Produkte, die im wahrsten Wortsinne perfekt auf sie zugeschnitten sind. Aus Kundensicht erhöht sich somit der wahrgenommene (Mehr)wert, womit auch letztlich höhere Verkaufspreise erzielt werden können, obwohl das Produkt selbst eigentlich nicht (wesentlich) teurer ist als der Standard. Genau hier liegen die zu ergreifenden unternehmerischen Chancen. Erfolgreich ist, was von Kunden individualisiert werden kann. Dabei spielt es im Grunde keine große Rolle, ob es sich um ein Produkt oder eine professionelle Dienstleistung handelt. Existenzgründer sollten sich fragen, inwiefern ihr Angebot mittels Individualisierungsoptionen zu einer wirksamen unique selling proposition beitragen kann.
 

Warum kaufen, wenn man auch mieten kann?

In direkter Anlehnung an den gerade skizzierten Trend ist auch das so genannte sharing in aller Munde: Gemietet werden kann dabei im Grunde alles, was gebraucht wird und demnach auf eine große Zielgruppe trifft. Sehr erfolgreich sind aktuell etwa Mietplattformen für Kinderspielzeug. Sogar Handtaschen und Koffer können gemietet werden. Und auch hochwertige Designermode wird erschwinglich, wenn sie zu attraktiven Konditionen auf Zeit gemietet werden kann. Auch Autos und Fahrräder können in vielen Städten flexibel gemietet werden. Gerade im Bereich der flexiblen Mobilität sind innovative Lösungen gefragt, da es immer mehr Fortbewegungskonzepte jenseits von Autos und öffentlichem Nahverkehr geben wird.
 

2020: Welche Start-ups sind im neuen Jahrzehnt erfolgreich?

Sehr erfolgreich sind auch zu Beginn des neuen Jahrzehnts Unternehmensgründungen, die sich explizit den Bereichen Bio / Schonung von Ressourcen bzw. Nachhaltigkeit widmen. Explizit bedeutet in diesem Kontext, dass die unternehmerischen Bemühungen diesbezüglich klar kommuniziert werden und daher von Kunden als Mehrwert wahrgenommen werden. Experten sehen in nachhaltig produzierten Produkten ein großes Potenzial für die Zukunft. Gründer können etwa mit innovativen Produkten punkten, die eine rückstandsfreie Entsorgung ermöglichen oder aber die zu 100 % aus gebrauchten Materialien entstehen, die professionell aufbereitet werden. Vor allem hochwertige sowie ökologisch nachhaltige Produkte erfreuen sich bei einer wachsenden Zielgruppe einer großen Beliebtheit. Ein Blick auf das Sortiment im Handel zeigt, dass hiervon längst nicht mehr nur Lebensmittel betroffen sind, sodass sich in vielen Bereichen neue Wachstumschancen ergeben.
 

Agenda 2030: Herausforderungen für das neue Jahrzehnt

Wer auf der Suche nach Geschäftsideen für 2020 und die Folgejahre ist, sollte sich mit den folgenden Rahmenbedingungen befassen. Experten betonen, dass besonders steigende Energiepreise sowie zunehmende Unsicherheiten in der Weltwirtschaft zu einer Bedrohung für die Konjunktur werden können. Zudem kann eine Finanzblase wie jene im amerikanischen Immobiliensektor 2008 jederzeit wieder auftreten, und zwar mit katastrophalen Folgen. Gründer sind daher gut beraten, sich bereits mit dem Businessplan ganzheitlich auf anstehende Herausforderungen vorzubereiten und Lösungen für denkbare Szenarien zu erarbeiten.
 

Digitalisierung als Wachstumsmotor

Die Digitalisierung hat im letzten Jahrzehnt eine rasante Entwicklungsgeschwindigkeit hingelegt. Insofern ist es keine Übertreibung zu behaupten, dass die digitale Zukunft jetzt schon da ist. Die mobile Internetnutzung wird in den kommenden Jahren immer weiter an Bedeutung gewinnen. Für Unternehmen ergeben sich so rasante Wachstumschancen, die mit zeitgemäßen Strategien zu ergreifen sind. In dieser Hinsicht ist für jedes Geschäftsmodell zu prüfen, inwiefern die Digitalisierung für Kunden einen Mehrwert darstellen kann. Zu denken ist etwa an Apps, die einen innovativen Service zugänglich machen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neue Technologien auf den Markt drängen werden, die globale Märkte noch weiter vernetzen können.
 

Die Produktivität wird neue Dimensionen erreichen

Die Managementberatung Bain kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die Dekade ab 2020 voller Extreme Sein wird. Insbesondere bei der Produktivität werden viele neue Potenziale erschlossen, die Unternehmen dann aber auch mit Blick auf ihre eigene Wettbewerbsposition konsequent nutzen müssen. Es ist davon auszugehen, dass Produkte noch effizienter bzw. noch besser auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden. Der Megatrend der Individualisierung dürfte somit von der Produktivität und Effizienz her auf seinen Höhepunkt zusteuern. Mit neuen Technologien ergeben sich natürlich auch sehr innovative Geschäftsmodelle: Existenzgründer sollten sich ein Stück weit von traditionellen Denkweisen verabschieden, wenn sie in neuen Märkten erfolgreich durchstarten wollen.
 

Wirtschaftliche Chancen im Gesundheitssystem

Was die Digitalisierung angeht, so ist im kommenden Jahrzehnt vor allem im Gesundheitsbereich im zahlreichen Innovationen zu rechnen. Es ist davon auszugehen, dass gerade in diesem Sektor viele neue Geschäftsmodelle auf dem Markt zu finden sein werden. Durch neue Technologien werden persönliche Gesundheitsdaten viel effizienter genutzt werden können, entsprechende Services werden individueller. Jetzt schon zeichnet sich ab, dass die so genannte Telemedizin zu einer zukunftsorientierten Erweiterung der traditionellen Behandlung beim Arzt werden kann.
 

M-Commerce als neues strategisches Schlagwort

Was zukünftige Vertriebswege angeht, so wird der E-Commerce-Sektor auch im kommenden Jahrzehnt stark wachsen: Immer mehr Kunden kaufen online bzw. via Smartphone. Angesichts dessen hat sich schon das Konzept M-Commerce (m steht für mobile) festgesetzt. Kein Geschäftsmodell wird es sich mehr leisten können, auf die Potenziale der mobilen Internetnutzung zu verzichten.

Wer ein Geschäftsmodell im Bereich des stationären Handels plant, sollte das Internet als Gefahr, aber durchaus auch als Chance mit hoher strategischer Gewichtung auf dem Plan haben. Es ist davon auszugehen, dass sich das Konsumverhalten in den kommenden Jahren weiter rasant ändern wird, wobei kurzlebigere Produktlebenszyklen die Regel sein werden. Der Datenschutz, der jetzt bereits strengen Regeln unterworfen ist, wird in Zukunft gerade für kleinere Unternehmen zu einer großen Herausforderung. Es gilt, technisch zuverlässige Lösungen zu nutzen, um sensible Kundendaten optimal vor unbefugten Zugriffen zu schützen. Hackerangriffe sind jetzt und in naher Zukunft eine immense Bedrohung mit hohem potenziellen Schaden. Angesichts dessen werden Unternehmen ihre Bemühungen bzw. Investitionen in diesem schlüsselkritischen Bereich in Zukunft deutlich erhöhen müssen.
 

Klare Orientierung ostwärts der Weltwirtschaft

Je nach Geschäftsmodell und anvisierten Absatzmärkten sollten Existenzgründer bei der strategischen Ausrichtung im neuen Jahrzehnt auf dem Bildschirm haben, dass sich die Weltwirtschaft stärker an Asien und insbesondere an China ausrichten wird. Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass das Wachstum in China, Indien, im mittleren Osten und auch in Afrika stark anziehen wird. Insofern ergeben sich neue Chancen und Absatzmärkte, zumal die Kaufkraft in besagten Ländern/Regionen deutlich steigen wird.
 

Tragfähige Konzepte gegen den Fachkräftemangel

Jetzt schon ist in Deutschland der Fachkräftemangel in vielen Branchen stark ausgeprägt. Je nach Spezialisierungsgrad kann es für Start-ups zu einem existenzbedrohenden Problem werden, offene Stellen nicht mit geeignetem Personal besetzen zu können. Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren zudem verstärken. In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass die so genannte Generation der Digital Natives (Generation Z) ab 2020 schon etwa die Hälfte aller Arbeitskräfte ausmachen wird. Auf der anderen Seite wird sich der Anteil von Frauen im Arbeitsmarkt erhöhen. Experten sehen in dem Konzept einer ‚gender-Balance‘ Belegschaft eine zeitgemäße Lösung. Fachkräfte werden in Zukunft immer öfter im Ausland rekrutiert werden müssen. Dazu sind größere Anstrengungen und Kosten notwendig, als es bis dato der Fall war. Um den besagten Frauenanteil erhöhen zu können, werden flexible Arbeitszeitmodelle wohl bald schon in den meisten Unternehmen zu einer selbstverständlichen Realität werden müssen.
 

Ressourcenmangel birgt enormes Konfliktpotenzial in sich

Allein bis zum Jahr 2030 ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung auf der Erde um mehr als 1 Milliarde Menschen zunehmen wird. Das wird bis dato schon begrenzte Ressourcen sehr schnell an den Rande der Erschöpfung bringen. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu Schlüsselthemen des neuen Jahrzehnts werden. Es steht außer Frage, dass Strom, Öl und Gas teurer werden. Durch zahlreiche internationale Konfliktherde kann es völlig kurzfristig zu Preisexplosionen kommen. Erneuerbare Energien werden angesichts dessen bis 2030 eine zentrale Rolle spielen müssen. Zudem gehen Experten davon aus, dass Wasserknappheit im nächsten Jahrzehnt zu einem echten Problem für die Weltbevölkerung und globale Wirtschaftsentwicklung werden kann. Gründer, die innovative Geschäftsmodelle mit globaler Vernetzung vorantreiben wollen, werden sich stärker als bis dato notwendig mit Risikomanagement strategisch auseinandersetzen müssen.
 

Megatrend der Urbanisierung

Eine weitere wichtige Variable ist in der rasant voranschreitenden Urbanisierung zu sehen. Experten gehen davon aus, dass bis 2050 etwa Zweidrittel der gesamten Weltbevölkerung in Städten leben werden. Die Weltwirtschaft wird somit im Wesentlichen von den großen Metropolen aus gestaltet.
 

Brexit 2020: Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar

Ende 2019 zeichnet sich nach der Neuwahl in Großbritannien ab, dass es wohl zu einem geregelten Brexit mit Übergangsphasen und klaren Rahmenbedingungen kommt. Somit dürfte es zu keinen großen Verwerfungen für Unternehmen kommen, die wirtschaftlich im Vereinten Königreich aktiv sind. Auch wenn der Brexit zum 31. Januar mit einem geregelten Vertrag in Kraft tritt, so blieben danach nur noch wenige Monate Zeit, um ein von allen Seiten gewünschtes Freihandelsabkommen auszuhandeln. Insofern bleibt 2020 und für die Jahre danach abzuwarten, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Brexit auf Existenzgründungen hierzulande hat. Zudem kann es durchaus passieren, dass weitere Länder die EU verlassen wollen oder es müssen, weil sie zentrale Stabilitätskriterien nicht mehr erfüllen können.
 

Fazit: Trends können kurzlebig sein, strategische Planung ist daher umso wichtiger

Eines steht jedenfalls unabhängig von allen aufgezeigten Trends fest: Ohne Planung wird keine Geschäftsidee auf Dauer erfolgreich sein, auch wenn sie eine noch so perspektivenreiche Marktlücke besetzt. Es ist davon auszugehen, dass auch Mitbewerber um potenzielle Kunden buhlen werden. Daher sollten Existenzgründer immer einen Schritt voraus sein.

Freilich verkörpern die hier skizzierten Trends nur grobe Rahmenbedingungen, die es durch strategische Planung zu konkretisieren gilt. Ganz in diesem Sinne finden Gründer hier auf selbststaendig.de neben konkreten Geschäftsideen viel praxisrelevantes Wissen rund um die Planung sowie die Nutzung von Fördermöglichkeiten, um das eigene Geschäftsvorhaben von Anfang an finanziell auf eine tragfähige Basis zu stellen. Und alleine der Begriff Trend sollte Existenzgründer hellhörig machen, denn schnelllebige Produktzyklen sind keine Seltenheit mehr. Insofern gilt es, seinen Zielmarkt und das Verhalten der Kunden genau im Blick zu haben, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. In diesem Sinne ist eine wirklich gute Geschäftsidee auch immer wieder in der Lage, sich neu zu erfinden bzw. an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst werden zu können.
 

Zusammenfassung: Trends & Chancen 2020 bzw. für das neue Jahrzehnt für Existenzgründer

  1. Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit knappen Ressourcen werden für Unternehmen zu einer immer größeren Herausforderungen (auch was die eigene Vermarktung angeht)

  2. Unternehmen werden in naher Zukunft mit größeren Anstrengungen für den Klimaschutz rechnen müssen. Dies betrifft höhere Abgaben auf der einen und mehr marketingwirksame Maßnahmen auf der anderen Seite

  3. Durch die wachsende Bedeutung der mobilen Internetnutzung wird der so genannte M-Commerce im neuen Jahrzehnt zu einem großen Wachstumsmotor

  4. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit 2020 lassen sich noch nicht wirklich abschätzen. Vom Brexit betroffene Unternehmen sollten daher die Entwicklungen genau verfolgen

  5. Da Trends, Produktlebenszyklen und die Weltwirtschaft insgesamt kurzlebiger bzw. anfälliger für externe Einflussfaktoren werden, ist strategische Anpassungsfähigkeit ab 2020 für Existenzgründer wichtiger denn je. Nach wie vor gibt der Businessplan den Rahmen vor. Er sollte aber nicht in Stein gemeißelt, sondern vielmehr regelmäßig mit Blick auf die Zielerreichung hinterfragt werden.

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