Die richtige Geschäftsidee finden: Trends 2021 - Corona war gestern

Fisch schwimmt gegen den Strom

Das Jahr 2020 war für viele Branchen eine beispiellose Herausforderung: In Folge der Corona-Pandemie ist die Wirtschaft in Deutschland um 5 % eingebrochen, in vielen Branchen ging nichts mehr. Lockdowns erforderten wochenlange Geschäftsschließungen. Lieferketten wurden unterbrochen. Bisher gut funktionierende Geschäftsmodelle hatten von heute auf morgen keine Einnahmegrundlage mehr. Diese Bestandsaufnahme gilt auch für den Beginn des Jahres 2021, sodass sich Existenzgründer in gewisser Weise einer ‚neuen‘ Realität stellen sollten.

Grenzenlose globalisierte Märkte bringen auch Risiken mit sich

In den geschilderten Ausmaßen offenbarten sich die Schattenseiten der globalisierten Welt in Form extremer Abhängigkeiten. Doch so prägend diese wirtschaftliche Krise auch war, so lehrreich kann sie in Bezug auf neue Trends und Chancen für die kommenden Jahre sein. Zu den Gewinnern der Krise zählen zweifelsohne der Online-Handel, der auch Paketdiensten bzw. Logistikunternehmen eine nachhaltige Expansion bescheren dürfte. Gerade der Online-Handel wird durch die wachsende Bedeutung der mobilen Internetnutzung in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen (Stichwort M-Commerce). Auch Spielwarenhersteller durften sich in der Krise über kräftige Zuwächse freuen. Diese dürften aber ebenso zeitlich begrenzt sein wie der Run auf Klopapier: Hier lagen die kurzfristigen Nachfragerhöhungen teils bei 700 %. Trotzdem handelt es sich ganz klar nicht um ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Und damit sind wir mitten im thematischen Kern: Was sind die Voraussetzungen und Trends, um sich 2021 selbstständig machen zu können?
 

Gute Ideen alleine reichen nicht: Nur ein nachhaltiger Plan ist eine Basis!

Wer sich erfolgreich beruflich selbstständig machen möchte, braucht in erster Linie eine gute sowie durchdachte Geschäftsidee. Doch was ist überhaupt eine gute Geschäftsidee? Mit Blick auf die Nachhaltigkeit des zu gründenden Geschäfts spielen vor allem gesellschaftliche (Mega)trends eine Rolle, die eine hohe Akzeptanz bei einer großen Zielgruppe finden und insofern als wirkungsvoller Verkaufsmotor agieren können. Die anhaltenden Diskussionen rund um den Klimaschutz zeigen, dass die Themen Nachhaltigkeit, Regionalität und Energieeffizienz in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen werden. In diesem Beitrag sollen die wichtigsten Geschäftsideen Trends 2021 in aller Kürze vorgestellt werden.
 

Worum es im Kern geht: Den Geschäftsfokus ausrichten

Existenzgründer können sich hier über grundlegende Rahmenbedingungen informieren, die in den nächsten Jahren prägend für die Geschäftsentwicklung sein werden. Es ist zu erwarten, dass aus der Krisenerfahrung der Corona-Pandemie ein nachhaltiger Wandel in vielen Bereichen einsetzt. Es dürfte auf der Hand liegen, dass strategische Anpassungsfähigkeit wichtiger denn je in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts ist. Wer sich mit seiner Geschäftsidee krisensicher(er) aufstellen möchte, wird digitale Herausforderungen von Beginn an konsequent annehmen müssen. Nur so lassen sich effiziente Strukturen und belastbare Prozesse schaffen, die ein hohes Maß an krisensicherer Flexibilität eröffnen. Im Businessplan sollte spätestens 2021 eine digitale Geschäftsstrategie erkennbar sein: Diese kann sich auf die Arbeitsabläufe, das Marketing und vor allem auf die digitalen Absatzkanäle beziehen – gerade hier liegt zweifelsohne eine wachstumsstarke Zukunft.
 

Erfolgreich ist, was nachhaltig ist…

…und unternehmerische Verantwortung erkennen lässt! Das Ende 2019 in verschärfter Form verabschiedete Klimapaket und ein Umdenken in weiten Teilen der Bevölkerung werden dafür sorgen, dass Umweltaspekte bei vielen zukunftsorientierten Geschäftsmodellen eine wichtige Rolle spielen müssen, auch vor dem Hintergrund steigender Energiepreise: Geschäftsmodelle, die sehr energieintensiv sind, werden mit Blick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit die Energiekosten so gering wie nur möglich halten müssen.

Wer erfolgreich gründen bzw. eine gute Geschäftsidee finden will, darf sich nicht von kurzlebigen Trends verführen lassen. Vielmehr muss es um nachhaltige Chancen gehen, die gerade im Bereich Umwelt- und Klimaschutz zu ergreifen sind und auch für das eigene Marketing in Zukunft eine wichtige Rolle spielen können (Stichwort green marketing). Bevor im Businessplan zu großen Teilen Theorie verarbeitet wird, muss ein Blick auf die wirtschaftliche Wirklichkeit geworfen werden, und zwar so konkret wie möglich für den eigenen Standort bzw. Aktionsradius.
 

Agenda 2030: Herausforderungen für das neue Jahrzehnt

Wer auf der Suche nach Geschäftsideen für 2021 und die Folgejahre ist, sollte sich mit den folgenden, grundlegenden Rahmenbedingungen befassen. Experten betonen, dass besonders steigende Energiepreise sowie zunehmende Unsicherheiten in der Weltwirtschaft zu einer Bedrohung für die Konjunktur werden können. Zudem kann eine Finanzblase wie jene im amerikanischen Immobiliensektor 2008 jederzeit wieder auftreten, und zwar mit katastrophalen Folgen. Gründer sind daher gut beraten, sich bereits mit dem Businessplan ganzheitlich auf anstehende Herausforderungen vorzubereiten und Lösungen für denkbare Szenarien zu erarbeiten. Wie sich der Brexit 2021 und das ausgehandelte Abkommen auf die Wirtschaft in der EU und in England selbst auswirken wird, lässt sich noch nicht fundiert beurteilen. Existenzgründer, die Großbritannien als wichtigen Absatz- oder Beschaffungsmarkt sehen, sollten sich stets auf dem Laufenden halten und Vorkehrungen treffen.
 

Die Krise als Brennglas: Diese Trends können nach 2021 zu wachstumsstarken Geschäftsbereichen werden

Als Jahrhundertereignis hat die Corona-Pandemie Schwachstellen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen und auch ökonomischen Lebens offengelegt. Kein Gründer sollte daher die Folgen ignorieren, selbst wenn die eigene Branche nicht sonderlich betroffen war. In Zukunft wird die finanzielle Absicherung in Verbindung mit einer erhöhten strategischen Anpassungsfähigkeit wichtiger werden. Unternehmen haben in der Krisenphase gesehen, wie wichtig Rücklagen und eine exzellente Liquidität sind. Auf Staatshilfen sollte sich kein Existenzgründer verlassen bzw. ausruhen. Es gilt, sich im Businessplan auf mögliche worst case-Szenarien vorzubereiten und proaktiv Konzepte zu entwickeln. Denn Experten gehen davon aus, dass diese weltweite Pandemie nicht die letzte gewesen sein wird. Ansonsten hat die Coronakrise Felder angestoßen, die vorher schon einen großen Entwicklungsschub gut hätten gebrauchen können:
 

  • Virtuelle Versorgung: Arbeitsformen werden digitaler

Das Home Office oder sogar ein vertragliches Recht darauf dürften ab 2021 weitaus selbstverständlicher werden. Es ist davon auszugehen, dass immer mehr Unternehmen auf digitale Technologien setzen werden, um auch außerhalb der Firmenzentrale sicher und produktiv an gemeinsamen Zielen arbeiten zu können. In diesem Bereich könnten sich Existenzgründer mit beratenden Dienstleistungen (IT erneuern etc.) oder digitalen Services (z. B. virtuelle Assistenz) zukunftsorientiert selbstständig machen. In ihrer Rolle als Arbeitgeber werden Gründer künftig verstärkt prüfen müssen, inwiefern Mitarbeiter regelmäßig im Home Office arbeiten können.

Die virtuelle Versorgung kann sich übrigens ganz konkret auf den Gesundheitsbereich beziehen, in dem viele Experten sehr gute Zukunftschancen sehen. Der Bereich Telemedizin wird in den kommenden Jahren eine wachsende Bedeutung aufweisen, zumal jetzt schon in einigen Regionen der Mangel an Fachärzten deutlich zu spüren ist.
 

  • Lernen/Bildung wird digitaler

Was in anderen Ländern längst gut funktioniert, befindet sich in Deutschland noch in den Anfangsstadien. Der Bereich digitales Lernen wird in den kommenden Jahren einen neuen Boom erwarten können. Wer sich hier beratend oder mit der Entwicklung von Apps oder Lernplattformen etablieren kann, dürfte sich in einem vielversprechenden Markt selbstständig machen.
 

  • Abstand halten? Die Robotik eröffnet viele Zukunftsperspektiven

In Zeiten, in denen Social Distancing angesagt ist und Fachkräfte als händeringend gesuchte Arbeitskraft rar gesät sind, können Roboter und wegweisende Konzepte künstlicher Intelligenz zukunftsorientierte Lösungen eröffnen. In den kommenden Jahren dürften Roboter im Lebensalltag immer sichtbarer werden: Sei es als Helfer oder als beratende Servicekraft. In dieser Technik steckt enormes Potenzial, das bislang in unserer Gesellschaft aber noch nicht ansatzweise genutzt wird. In diesem Bereich können Gründer die Zukunft jetzt wahr werden lassen und neue Märkte erobern. Dem Erfindungsreichtum sind dabei kaum Grenzen gesetzt, falls der erforderliche technische bzw. ingenieurswissenschaftliche Hintergrund vorhanden ist.
 

  • Recruiting von morgen: Antworten auf den Fachkräftemangel finden

In vielen Branchen, so etwa im Gesundheitsbereich oder in technischen Berufen, ist der Fachkräftemangel 2021 ein enormes Problem. Wer ein Unternehmen gründet, muss sich dieser Herausforderung von Beginn an mit allen Konsequenzen stellen. Es gilt, die Unternehmenskultur zu stärken und jüngere Mitarbeiter besser zu verstehen.

Mittlerweile müssen sich Personalabteilungen mit den Ansprüchen unterschiedlichster Generationen auseinandersetzen: Baby Boomer und Traditionalisten, die Generation X und die so genannte Millennials werden bald schon auf die Generation Z treffen. Im Kampf um die besten Köpfe werden gerade Startups es schaffen müssen, die Bedürfnisse junger Mitarbeiter besser zu verstehen und zu befriedigen. Die Unternehmenskultur muss einen lebendigen Rahmen eröffnen, innerhalb dessen ALLE Generationen ihre Höchstleistungen vollbringen können bzw. wollen! Startups werden mit Blick auf Gehaltszahlungen nicht mit großen Konzernen konkurrieren können. Umso wichtiger wird es sein, Mitarbeitern auf Ebene der Unternehmenskultur und mit einer langfristigen Perspektive überzeugende Argumente zu liefern.
 

  • 2021: Update für die Unternehmensfinanzierung und Lieferketten

Inwiefern aufstrebende Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. eine wichtige Rolle bei der zukünftigen Unternehmensfinanzierung spielen werden, bleibt laut Analysten und Finanzexperten noch abzuwarten. In jedem Fall hat sich bereits vor dem Jahr 2020 als Konsequenz aus der Euro- bzw. Schuldenkrise angedeutet, dass die klassische Finanzierung durch Banken nicht mehr das Allheilmittel ist. Das gilt gerade für dynamische Startups, die sich in einem hochinnovativen Wettbewerbsumfeld bewegen. Zu prüfen sind von Beginn an alle Formen der modernen Unternehmensfinanzierung. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Jahre neue Instrumente geschaffen werden. Um auch diese auf der Rechnung haben zu können, sollten Existenzgründer die aktuelle Entwicklung verfolgen.
 

Erfordernisse an den Businessplan 2021: Auf Trends müssen Taten folgen!

Im Sinne einer Risikoanalyse und -bewertung sollte das Geschäftsmodell zu Beginn genauestens diskutiert werden: Die Globalisierung eröffnet den großen Vorteil des freien Zugangs zu vielen Märkten. Lieferketten können dadurch sehr komplex werden. Fällt nur ein Partner aus, kann die gesamte Produktion ins Stocken geraten. Diese wachstumsvernichtende Erfahrung mussten viele Unternehmen in der akuten Coronakrise machen. Insofern ist zu vermuten, dass die Vernetzung in einigen Branchen in den kommenden Jahren zurückgefahren wird. In Deutschland können wieder neue Märkte entstehen, für die vorher Unternehmen im Ausland herangezogen wurden. Im Sinne einer regionalen Rückbesinnung, die bei Verbrauchern ohnehin längst auf große Beliebtheit stößt, werden viele Unternehmen internationale Abhängigkeiten minimieren, um sich krisenfester aufzustellen.
 

Fazit: Trends können kurzlebig sein, strategische Planung muss daher langfristige Ziele verfolgen

Eines steht jedenfalls unabhängig von allen aufgezeigten Trends fest: Ohne Planung wird keine Geschäftsidee auf Dauer erfolgreich sein, auch wenn sie eine noch so perspektivenreiche Marktlücke besetzt. Es ist davon auszugehen, dass auch Mitbewerber um potenzielle Kunden buhlen werden. Daher sollten Existenzgründer immer einen Schritt voraus sein. Das Internet bietet hierzu weitreichenstarke Möglichkeiten. Kein Startup bzw. kein Existenzgründer sollte es sich nach 2021 mehr erlauben, auf eine digitale Unternehmensstrategie zu verzichten!
 

Ran an die Planung und praxisorientierte Hilfestellungen nutzen!

Freilich verkörpern die hier skizzierten Trends nur grobe Rahmenbedingungen, die es durch strategische Planung zu konkretisieren gilt. Ganz in diesem Sinne finden Gründer hier auf selbststaendig.de neben konkreten Geschäftsideen viel praxisrelevantes Wissen rund um die Planung sowie die Nutzung von Fördermöglichkeiten, um das eigene Geschäftsvorhaben von Anfang an finanziell auf eine tragfähige Basis zu stellen. Und alleine der Begriff Trend sollte Existenzgründer hellhörig machen, denn schnelllebige Produktzyklen sind keine Seltenheit mehr. Insofern gilt es, seinen Zielmarkt und das Verhalten der Kunden genau im Blick zu haben, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. In diesem Sinne ist eine wirklich gute Geschäftsidee auch immer wieder in der Lage, sich neu zu erfinden bzw. an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst werden zu können.

Zusammenfassung: Trends & Chancen 2021 nach Corona bzw. für das neue Jahrzehnt

  1. Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit knappen Ressourcen werden für Unternehmen zu einer immer größeren Herausforderungen (auch was die eigene Vermarktung angeht). Viele Kunden setzen zunehmend auf Regionalität!

  2. Unternehmen werden in naher Zukunft mit größeren Anstrengungen für den Klimaschutz rechnen müssen. Dies betrifft höhere Abgaben auf der einen und mehr marketingwirksame Maßnahmen auf der anderen Seite

  3. Durch die wachsende Bedeutung der mobilen Internetnutzung wird der so genannte M-Commerce im neuen Jahrzehnt zu einem großen Wachstumsmotor. Die Coronakrise beschleunigt diesen Trend, wie es das Erfolgsmodell Amazon eindrucksvoll zeigt.

  4. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit 2021 lassen sich noch nicht wirklich abschätzen. Vom Brexit betroffene Unternehmen sollten daher die Entwicklungen genau verfolgen und sich frühzeitig für realistische Szenarien vorbereiten.

  5. Durch die Coronakrise sind zukunftsorientiere Handlungsfelder offenbar geworden, in denen Gründer sich wachstumsorientiert aufstellen können bzw. die sie selber im Businessplan strategisch würdigen sollten:

  6. Fokus auf digitale Arbeitsformen/virtuelle Versorgung.

  7. Robotik und künstliche Intelligenz: Die Arbeits-/Servicekraft von morgen?

  8. Digitale Bildung: Diesem Geschäftsbereich gehört die Zukunft!

  9. Modernes Recruiting im Kampf gegen den Fachkräftemangel und zur Harmonisierung unterschiedlicher Generationen im Betrieb nutzen.

  10. Nach Corona sollte die Unternehmensfinanzierung einem krisensichereren Update unterzogen werden.

  11. Nachhaltigkeit ist Trumpf, auch mit Blick auf internationale Abhängigkeiten: Zukunftsorientierte Geschäftsmodelle reduzieren Abhängigkeiten und somit letztlich Ausfallrisiken.

Autor: 
Mark Leissen

Was ändert sich bei meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?