Selbstständig machen als Heilpraktiker

Homöopathie

Wer sich auch beruflich für das Wohlergehen anderer Menschen einsetzen möchte, kann sich hier mit der Option ‚selbstständig machen als Heilpraktiker‘ in übersichtlicher Form auseinander setzen. Dabei sollen verschiedene Perspektiven betrachtet werden für Gründer, die bereits Berufserfahrungen als Heilpraktiker sammeln konnten und solche, die erst noch eine Ausbildung ablegen wollen. Insgesamt ist dieser Bereich vielversprechend und auch zukunftssicher, da das Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Die recht große Anzahl an Heilpraktikern hierzulande verdeutlicht, dass nicht wenige Menschen Alternativen zur klassischen Schulmedizin nutzen oder es zumindest in Erwägung ziehen.

Existenzgründung als Heilpraktiker: Was Gründer hier erfahren

  • Zugangsvoraussetzungen fachlicher und persönlicher Art
  • zu treffende Grundsatzentscheidungen
  • zentrale Aufgaben bei der Planung des Gründungsprozesses
  • Leistungsspektrum und Positionierung
  • formale Voraussetzungen für selbstständige Heilpraktiker
     

Persönliche und fachliche Voraussetzungen prüfen

Wer eine eigene Heilpraktikerpraxis eröffnen möchte, muss neben dem eigentlichen Fachwissen auch über ein gewisses kaufmännisches sowie administratives Wissen verfügen. Denn abgesehen von der gesundheitsorientierten Arbeit mit Patienten muss ein Betrieb geführt werden, der mit Blick auf die eigene Einkommenssituation möglichst profitabel sein sollte. Buchhalterische und administrative Aufgaben werden zu einem wichtigen Teil der täglichen Arbeit neben einer reibungslosen Praxisorganisation, die Patienten stillschweigend voraussetzen. Wer will schon lange im Wartezimmer ausharren müssen? Insofern ziehen es viele ausgebildete Heilpraktiker vor, nach der Ausbildung zunächst in einem Anstellungsverhältnis eine gewisse Routine zu erarbeiten und einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.
 

Was ein selbstständiger Heilpraktiker von Haus aus mitbringen sollte

Generell erfordert der Weg in die Selbstständigkeit als Heilpraktiker hohe Ausprägungen der Charaktereigenschaften Belastbarkeit, Empathie, Geduld und auch emotionale Stabilität. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, sich jeden Tag auf neue Menschen einzulassen. Was das Fachwissen angeht, so ist eine fachliche Ausbildung zum Heilpraktiker unabdingbar. Die Ausbildung dauert zwischen 10 und 20 Monaten und sie muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Je nach Anbieter, Dauer und Ausbildungsform ist mit Kosten in mittlerer zweistelliger Höhe zu rechnen. Voraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Zudem ist ein Mindestalter von 25 Jahren vorgesehen. Die formalen Einstiegshürden sind also recht gering, sodass auch Quereinsteiger in einem überschaubaren Zeitrahmen den Weg in die Selbstständigkeit als Heilpraktiker meistern können.
 

Grundsatzentscheidung: eigene Praxisräume oder mobile Tätigkeit als Freelancer

Der Schritt einer Praxisgründung bedarf natürlich einer gewissenhaften Planung, die hier in ihren wesentlichen Zügen skizziert werden soll. Wer aber das vorhandene finanzielle Risiko scheut, kann auch zunächst als Freelancer ohne eigene Praxisräume arbeiten. Zu denken wäre an ein Engagement in einer vorhandenen Praxis auf freiberuflicher Basis, wobei die Gefahren einer möglichen Scheinselbstständigkeit bekannt sein sollten. Schließlich wäre auch noch ein mobiler Service denkbar. Jedoch erwarten die meisten Patienten stillschweigend eine Praxis, zumal auch professionelles Equipment je nach Therapieform vorhanden sein sollte. Wer sich persönlich, fachlich und kaufmännisch fit fühlt und eine Heilpraktikerpraxis eröffnen möchte, sollte den Standort sorgfältig auswählen. Hierbei kommt es in erster Linie darauf an, dass nicht allzu viel unmittelbare Konkurrenz vorhanden ist.
 

Selbstständigkeit als Heilpraktiker vorbereiten: wichtige Aufgaben für jeden Gründer

Der Businessplan ist der richtige Ort, um die Gedanken zu ordnen und sie in eine strategische und zielorientierte Form zu bringen. Alle wesentlichen Pfeiler des Geschäftsmodells ‚Heilpraktikerpraxis‘ sollten ganzheitlich und aufeinander abgestimmt beleuchtet werden, wobei der Planung der Finanzen sicher eine Schlüsselrolle zukommt. Neben den Fixkosten für die Miete kann die Einrichtung der Praxisräume schnell hohe Geldsummen erforderlich machen. Da diese in der Regel nicht durch Eigenkapital gedeckt werden können, muss ein professionell ausgearbeiteter Businessplan externe Geldgeber mit wenigen Blicken überzeugen können. In Bezug auf die individuelle Lebenssituation sind auch alle (staatlichen) Fördermöglichkeiten zu prüfen: Hier auf selbststaendig.de finden angehende selbstständige Heilpraktiker viele nützliche Informationen.
 

Zentrale Faktoren für den nachhaltigen Erfolg einer Heilpraktikerpraxis

  • Wahl eines geeignetes Standortes inkl. Analyse der Wettbewerbssituation
  • Auffinden und Gestaltung geeigneter Praxisräume (inkl. Klärung der konkreten Nutzungsbedingungen)
  • Analyse der Nachfragesituation und Kaufkraft am gewählten Standort
     

Leistungsspektrum, strategische Positionierung und Prüfung von Spezialisierungsoptionen

Grundsätzlich ist zu überlegen, ob eine Positionierung als ‚Heilpraktiker für alle Fälle‘ oder aber auf bestimmten Gebieten vorgenommen werden soll, die idealerweise eine hohe Nachfrage aufweisen. Neben den persönlichen Qualifikationsschwerpunkten spielt auch die Nachfrage vor Ort bzw. die Konkurrenzsituation eine Rolle. Eine Positionierung als Heilpraktiker mit weit gefasstem Behandlungsspektrum bietet natürlich den Vorteil, auf Dauer eine potenziell größere Kundschaft ansprechen und gewinnen zu können. Folgende Leistungen kann ein selbstständiger Heilpraktiker u.a. anbieten:

  • Hypnose
  • Behandlung mit homöopathische Präparaten
  • Akupunktur
  • Leistungen im Bereich der Osteopathie
  • Bachblütentherapie
  • Massagen

Für die Vermarktung muss berücksichtigt werden, dass die Berufsbezeichnung keine Zusätze enthalten darf, auch wenn entsprechende Leistungen angeboten werden. Zudem dürfen Heilpraktiker vom Gesetz her bestimmte Tätigkeiten nicht ausführen. So dürfen sie keine Geburtshilfe leisten und keine verschreibungspflichtigen Medikamente bzw. Betäubungsmittel verordnen.

Zum Leistungsspektrum gehören übrigens auch die Behandlungszeiten, die für nicht wenige Kunden äußerst wichtig sind. Termine in den frühen Abendstunden oder am Wochenende sind ein Serviceplus für Berufstätige, auch wenn dadurch die eigene Freizeit eingeschränkt wird.
 

Formales für selbstständige Heilpraktiker: Erlaubnisse und Nachweise

Generell wird der Heilpraktiker den Katalogberufen zugeordnet, sodass sich eine Freiberuflichkeit rechtfertigen lässt. Dies gilt vor allem, wenn ein Heilpraktiker in einer anderen Praxis Leistungen auf Honorarbasis erbringt. Aus der Freiberuflichkeit ergeben sich Vorteile in Form einer vereinfachten Buchhaltung und eine Gewerbeanmeldung wäre nicht nötig, ebenso wenig ergäbe sich keine Pflicht zur Abführung von Gewerbesteuer. Letztlich hat das Finanzamt diesbezüglich immer die Entscheidung zu treffen, wobei neben dem Tätigkeitsspektrum auch der persönliche Qualifikationshintergrund angeschaut wird. Wer allerdings ein Unternehmen mit einer Rechtsform gründet, wird an einer Gewerbeanmeldung nicht vorbei kommen. Auch für Freiberufler kann sich durchaus eine zumindest teilweise Gewerbepflicht ergeben, wenn etwa eigene Produkte verkauft werden.

Was die weiteren beruflichen Startvoraussetzungen angeht, so ist eine Heilpraktikererlaubnis vom örtlichen Gesundheitsamt zu erwirken. Hierzu ist ferner ein mündlicher und schriftlicher Test vorgesehen. Im Vorfeld der Praxiseröffnung ist auch eine Zulassung durch die Landesverbände der Krankenkassen nötig. Für eine Zulassung ist es in der Regel nötig, aussagekräftige Skizzen von den Behandlungsräumen beizufügen.
 

Preise und Gebühren: Verdienstmöglichkeiten als selbstständiger Heilpraktiker

Generell ist jeder Heilpraktiker im Gegensatz zu Ärzten frei bei der Festlegung von Gebühren, wobei das Branchenübliche jedoch stets als Maßstab herangezogen werden sollte. Nicht zu vergessen ist, dass es für potenzielle Patienten sehr leicht ist, Preise miteinander zu vergleichen. Werden Leistungen und Gebühren nicht schriftlich fixiert, so greift automatisch die Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH). Ein Blick in diese Gebührenordnung zeigt, wie viel ein Heilpraktiker pro Tag einnehmen kann, sofern die Auslastung eines typischen Arbeitstages bekannt ist. Zu beachten ist, dass gesetzliche Krankenkassen in aller Regel keine Leistungen übernehmen. Bei privaten Krankenversicherungstarifen kann dies zum Teil anders aussehen. Das Rechnungswesen wird mit Blick auf die Liquidität ebenfalls eine zentrale Stellung einnehmen, denn nur die wenigsten Kunden werden bar zahlen. Insofern müssen Zahlungseingänge überprüft und ggf. Mahnungen versendet werden. Die generell abnehmende Zahlungsmoral kann ein Problem werden. Insofern sollten selbstständige Heilpraktiker ihren Forderungen konsequent Nachdruck verleihen.
 

Kein Heilversprechen: zentrale gesetzliche Rahmenbedingungen und Werbung als Heilpraktiker

Selbstständige Heilpraktiker sollten das Gesetz über die Werbung im Heilwesen (HGW) strikt beachten, um mitunter empfindliche Sanktionen zu vermeiden. Ganz in diesem Sinne darf kein Heilversprechen abgegeben werden. Auch darf etwaige Werbung nicht aggressiv sein. Der Anschein eines unlauteren Wettbewerbs sollte von Anfang an vermieden werden.

Die beste Werbung sind wohl zufriedene Patienten, die aufgrund ihrer guten Erfahrungen eine persönliche Empfehlung aussprechen. Solche Empfehlungen lassen den Kundenstamm im Idealfall stetig anwachsen. Werbung in eigener Sache kann auch eine professionelle Homepage leisten. Hier findet ein selbstständiger Heilpraktiker genug Raum, um sich und seine Philosophie persönlich vorzustellen und so für Vertrauen zu werben. Darüber hinaus können Interessenten die Praxisräume schon virtuell betreten, sich mit den Leistungen auseinandersetzen und ggf. einen Termin direkt online vereinbaren. Auch sollte eine Eintragung in Branchenbüchern und entsprechenden Online-Verzeichnissen vorgenommen werden. Zu beachten ist, dass immer mehr potenzielle Kunden online Informationen suchen und schnell auf Bewertungsportalen landen. Da diese sehr wichtig für das wahrgenommene Image sind, sollten selbstständige Heilpraktiker Bewertungen im Internet stets im Auge behalten und ggf. persönlich Stellung durch Kommentare beziehen. Dieses strategisch immer wichtiger werdende Aufgabenfeld des Monitoring kann ggf. auch an eine Agentur ausgelagert werden.
 

Selbstständig machen als Heilpraktiker: praxisorientierte Kurzzusammenfassung

  1. Die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen sind ebenso wie die grundsätzlichen Optionen zu prüfen: freiberufliche Tätigkeit, Angestelltenverhältnis oder Eröffnung einer eigenen Praxis?
  2. Das zunehmende gesellschaftliche Gesundheitsbewusstsein und die Nachfrage nach Alternativen zur klassischen Schulmedizin versprechen gute Rahmenbedingungen, die es zielorientiert zu nutzen gilt
  3. Mit der Ausarbeitung des Leistungsspektrums vollzieht sich die strategische Positionierung: Heilpraktiker für alle Behandlungsfälle oder Spezialisierung (Nischenstrategie)?
  4. Zentrale Formalitäten: neben einer Heilpraktikererlaubnis ist auch eine Zulassung zu erwirken
  5. Mit Blick auf das Marketing bzw. Werbung in eigener Sache ist Gesetz über die Werbung im Heilwesen (HGW) als Rahmenbedingung zu beachten.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2018 zwischen ... [ weiter... ]