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Kapitalbeschaffung über Crowdinvesting

Hände mit Geld auf Schild Crowdinvest

Angenommen, Sie haben eine großartige Idee, um ihr Geschäft zu erweitern, aber ihre Bank lehnt jede Unterstützung ab: zu unsicher, zu risikoreich, zu wenig Erfahrungswerte. Es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass Innovationen neu sind und deshalb gewisse Risiken dazu gehören. Natürlich ist eine sicherheitsorientierte Bank für diese Argumente nicht zugänglich.

Die gute Nachricht lautet: Wenn Sie von ihrer Idee überzeugt sind, können Sie auf die Finanzierung mithilfe der Crowd setzen und ganz ohne Bank ihre Geschäftsidee pushen.
 

Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist eine Wortschöpfung, die nur in Deutschland benutzt wird. International wird von „equity-based Crowdfunding“ gesprochen. Beide Begriffe, Crowdinvesting und equity-based Crowdfunding, meinen dasselbe. Crowdinvesting bedeutet, für eine Geschäftsidee oder ein Projekt viele einzelne Geldgeber zur Finanzierung zu gewinnen.
 

Kapitalgeber werden am Unternehmen oder am Projekt beteiligt

Beim Crowdinvesting werden die Kapitalgeber am Gewinn beteiligt. Crowdinvesting ist in vielen Bereichen anwendbar, kaum eine Branche nutzt Crowdinvesting nicht als Alternative oder als Ergänzung zu gängigen Bankkrediten.

Warum aber sind Anleger daran interessiert, per Crowdinvesting in Unternehmen zu investieren? Die Vorteile liegen in den Gewinnchancen, die bereits mit kleinen Beträgen machbar sind. Auf manchen Plattformen sind Investitionen ab 5 Euro möglich. Jeder, der ein wenig Geld übrighat, kann sich beteiligen. Damit ist Crowdinvesting eine demokratische Finanzierungsform, weil das Einkommen des Investors keine große Rolle spielt.

Investoren haben bei manchen Plattformen die Möglichkeit, sich mit den Unternehmern auszutauschen, die ein Projekt online stellen. Sie als Unternehmer müssen demnach unter Umständen sehr viel Zeit investieren, um einzelne Investoren zu überzeugen. Allerdings sind gerade bei Projekten mit innovativen und nachhaltigen Ansätzen die Projektinhalte für Investoren besonders wichtig. Sie identifizieren sich mit dem Projekt und wollen es unterstützen. Besonders engagierte Investoren belassen es nicht bei wenigen Euros, sondern investieren unter Umständen eine drei- oder vierstellige Summe. Die Höhe des Anlagebetrags ist je nach Plattform und Konzept limitiert, in der Regel liegt der maximal mögliche Investitionsbetrag pro Investor bei 10.000 EUR.

Tipp: Sie können Investoren aus der Crowd exklusive Rabatte einräumen oder andere attraktive Vorteile gewähren, um die Investitionsbereitschaft zu fördern.
 

Welche Vorteile haben Sie vom Crowdinvesting?

Sie profitieren von einigen Vorteile, wenn sie sich für Crowdinvesting entscheiden.

  • Ein Vorteil ist die Unabhängigkeit von den klassischen Banken. Allein dieser Punkt mag für manches Unternehmen einen großen Wert darstellen.

  • Ein weiterer unschätzbar Vorteil liegt in der Vielzahl der Investoren. Wenn sie auf einer Crowdinvesting-Plattform Ihr Projekt vorstellen, bei der die Kommunikation zwischen Investoren und Unternehmen gefördert wird, können Sie viele unterschiedliche Perspektiven zu ihrem Projekt hören.

  • Sie erhalten gezieltes Feedback und können an Ihrem Produkt oder Ihrer Dienstleistung frühzeitig sinnvolle Änderungen vornehmen, falls nötig.

  • Wenn Sie später in die Vermarktungsphase einsteigen, können die einzelnen Unterstützer zu einem wichtigen Sprachrohr für Sie werden.

  • Wenn alles gut läuft, ist die Crowd ein wirkungsvoller Multiplikator für Ihr Geschäft. Aus dem Multiplikatoren-Status ergibt sich ein weiterer Vorteil: Sie können über die Crowdinvest Plattform einen neuen Kundenstamm aufbauen.

  • Viele Investoren kaufen das unterstützte Produkt oder buchen die unterstütze Dienstleistung und machen Mundpropaganda für Sie.

Kurz gesagt, Crowdinvest-Plattformen sind nicht nur geeignet, um Geld zu beschaffen, sondern sie stellen gleichzeitig ein gutes Marketingwerkzeug und einen ungewöhnlichen Vertriebsweg dar.

Wichtig: Wer Geld über die Crowd generieren will, muss manchmal viel Zeit investieren. Es ist ein arbeitsintensiver Prozess, der ein gewisses Maß an Offenheit erfordert. Sie sollten fähig und bereit sein, sich mit den einzelnen Investoren auszutauschen. Diese werden Sie über viele Details ausfragen – nicht nur, was das Projekt betrifft. Sie sollten darauf vorbereite sein, dass die Investoren Ihre Motivation hinterfragen und herausfinden wollen, ob Ihre Energie und auch Ihr Fachwissen ausreichen, um das Vorhaben zum Erfolg zu führen. Haben Sie das Geld eingesammelt, stehen sie in der Pflicht und müssen liefern. Unterschätzen Sie diesen Druck nicht.
 

Welche Risiken und Gefahren gibt es beim Crowdinvesting für Unternehmen?

Eine Gefahr, die beim Crowdinvesting lauert, ist die Höhe der Zinsen. Crowdinvesting ist für Anleger nämlich gerade deshalb interessant, weil im Vergleich zu herkömmlichen Geldanlagemöglichkeiten hohe Renditen winken. Für die Unternehmen, die sich über Crowdinvesting finanzieren, bedeutet das hohe Zinszahlungen.
 

In welcher Form beteiligen sich die Investoren?

Wer sich über Crowdinvesting Kapital beschafft, arbeitet mit dem sogenannten mezzaninen Kapital. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital. In der Praxis heißt das, dass die Beteiligungen der Investoren auf einer Crowdinvesting-Plattform als nachrangiges Darlehen ausgegeben werden. Diese Einstufung spielt dann eine Rolle, wenn eine Firma insolvent geht. Denn dann werden die Forderungen der Gläubiger, die über Crowdinvesting Kapital hingegeben haben, erst nach allen anderen Forderungen bedient. Falls im Rahmen der Insolvenz die Gläubiger, die vor den Crowdinvesting Investoren bezahlt werden müssen, alles bereitstehende Kapital aufgebraucht haben, bekommen die Investoren auf der Crowdinvesting Plattform kein Geld mehr und gehen leer aus.

Übrigens ist Crowdinvesting-Kapital aufgrund der Einstufung als nachrangiges Darlehen aus Bankensicht wie Eigenkapital zu behandeln. Das heißt, dass sie beispielsweise ein gewissen Grundstock über Crowdinvesting-Plattformen schöpfen können und mit diesem Geld als Eigenkapitalanteil bei der Bank weitere Kredite bekommen - ein überlegenswerter Schachzug, wenn es um hohe Summen geht.
 

Wie lange sind Investoren einer Crowdinvesting-Plattform beteiligt?

Die Dauer der Beteiligung hängt mit den Laufzeiten der Darlehen zusammen. Diese legen Sie selbst fest, wenn Sie Ihre Anfrage über ein Crowdinvesting-Plattform starten. Der übliche Durchschnitt liegt bei 2-5 Jahren, kapitalintensive Vorhaben von Startups weisen eine durchschnittliche Laufzeit von 5-8 Jahren auf.
 

Welche Informationspflichten haben sie gegenüber Investoren einer Crowdinvesting-Plattform?

Hierzu treffen die einzelnen Plattformen individuelle Regelungen. Etablierte Plattformen fordern alle drei Monate einen Zwischenbericht, andere erwarten alle 6-12 Monate ein Update. Sie sollten darauf achten, nicht zu viele betriebliche Interna preiszugeben. Wie tief Sie der Informationspflicht Genüge tun, bleibt dennoch Ihnen überlassen. Ratsam ist es, eine gute Balance zwischen betrieblichen Interessen und den berechtigten Interessen der Investoren zu finden. Wenn Sie zu viel preisgeben, können Sie sich schaden, weil wettbewerbsrelevante Informationen über diesen Weg nach außen dringen können. Geschäftspolitisch betrachtet ist das unklug. Unser Rat: Informieren Sie so regelmäßig wie nötig und so offen wie möglich.
 

Was ist der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting steht in erster Linie das Kapital im Fokus. Es geht darum, eine bestimmte Summe zu erreichen. In der Regel handelt es sich um wirtschaftliche Projekte. Die Investoren richten ihr Augenmerk auf die mögliche Rendite. Es geht um geschäftliche Transaktionen, betriebliche Erweiterungen und Investitionen, die kurz-, mittel- oder langfristig Geld in die Kasse spülen sollen.

Beim Crowdfunding hingegen geht es vor allem um die Idee, die mit dem gesammelten Kapital realisiert werden soll. Beim Crowdfunding werden häufig gemeinnützige, soziale oder ökologisch ausgerichtete Projekte unterstützt. Auch kreative Menschen wie Autoren, Filmemacher, Tänzer und andere Künstler können über Crowdinvesting finanziert werden. Für Startups mit innovativen Geschäftsideen sind Crowdfinanzierungen ebenfalls äußerst attraktiv.
 

Welche Crowdinvesting-Plattformen gibt es?

Die Crowdinvesting-Plattformen unterscheiden sich hinsichtlich des Fokus, den sie setzen. Es gibt Plattformen, die in diesen Bereichen Projekte präsentieren:

  • Gesundheit

  • Soziales

  • Sport

  • Film

  • Privatkredite

  • Unternehmer/Selbstständige

  • Immobilien

  • Mittelstand

  • Energie

  • Innovation

  • Startup

Manche Plattformen bieten Investitionsmöglichkeiten in allen Bereichen an, andere fokussieren sich auf zwei oder drei korrespondierende Geschäftsfelder. Außerdem unterscheiden sich die Plattformen hinsichtlich der Länder, in denen sie Projekte unterstützen. Die Anzahl der Plattformen ist schier unüberschaubar. Diese drei Plattformen sind beispielsweise für Selbstständige geeignet, die eine Crowdfinanzierung suchen:

  • Auxmoney

  • Funding Circle

  • Companisto (innovative Projekte, Startups)

Und so geht es: Auf der Plattform anmelden, Projekt beschreiben und benötigte Informationen und Unterlagen bereitstellen. Je nachdem, wie groß der angefragte Kredit ist und um welches Projekt es geht, können Sie eine Finanzierung innerhalb weniger Tage oder innerhalb von Monaten auf die Beine stellen.
 

Exkurs: Welche Formen des Crowdinvesting gibt es?

Crowdinvesting ist als Finanzierungsoption wörtlich zu verstehen: Eine Menge von Menschen („crowd“) investiert („invest“) gemeinsam in ein Projekt. Klinkenputzen muss dafür heute kein Selbstständiger mehr, dann das Internet bietet für Crowdinvesting Projekte die beste Plattform. Die meisten Crowdfunding-Projekte funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Der Selbstständige mit Finanzbedarf stellt eine Projektbeschreibung online. Er erklärt dabei seinen Hintergrund, seine Motivation und seine Ziele. Welche weiteren Informationen online stehen und ob eine Rückzahlung zu einem vereinbarten Zinssatz und in einem bestimmten Zeitraum erfolgt oder, ob der Investor zum stillen Teilhaber wird, das unterscheidet die verschiedenen Crowdfunding-Modelle inhaltlich voneinander. Welche Optionen es gibt und, wie diese funktionieren, zeigt dieser Ratgeber.
 

Crowdinvesting = Equity-based Crowdfunding

Crowdfunding ist die Oberkategorie, unter der verschiedene Finanzierungsvarianten vereint werden. Der Ansatz ist dabei immer ähnlich. Sie unterscheiden sich meist nur darin, welchen Benefit der Investor von seinem Investment hat. Eine Variante des Crowdfundings, das equity-based Crowdfunding, gilt als Synonym für Crowdinvesting.

Das Prinzip: Neben Motivation und Intention hält die Projektbeschreibung auch Informationen darüber vor, wie der Investor von seiner finanziellen Leihgabe profitieren kann. Beim equity-based Crowdfunding wird die „Rückzahlung“ über Beteiligungen geregelt. So wird das Investment als Darlehen zurückbezahlt. Zinsen gibt es dabei in Form von Gewinnbeteiligungen. Eine Alternative könnte sein, das komplette Investment mittels einer Beteiligungsvereinbarung an den Investor zurückzubezahlen.

Geeignet für: Diese Form des Crowdinvestings ist geeignet für Selbstständige, die ihr Portfolio um eine neue Idee erweitern möchten, oder für Startups, die mit einer neuen Idee durchstarten möchten. Das Risiko für die Investoren ist vergleichsweise hoch, verteilt sich aber auf mehrere Investoren-Schultern.
 

Crowdlending = Lending-based Crowdfunding

Diese Spezialform des Crowdfundings ist einer klassischen Finanzierung per Kredit besonders ähnlich. Bevor es zur Einigung zwischen Ihnen und dem Investor kommt, beschließen Sie gemeinsam einen Prozentsatz, der die Verzinsung des Investments regelt.

Das Prinzip: Auch hier geht es darum, das Investment-Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen. Jeder Investor gibt die Summe, die er bereit ist zu investieren. So wird aus vielen kleinen Krediten ein großes Darlehen, das Ihnen die Realisierung Ihres Projekts ermöglichen kann.

Geeignet für: Das klassische Kreditprinzip ist sowohl für Selbstständige von Interesse als auch für Privatpersonen. Als Investoren kommen Privatpersonen und Unternehmer in Frage.
 

Reward-based Crowdfunding

Bei dieser Spezialform des Crowdfundings fließt Geld nur in eine Richtung: vom Investor zum Startup-Unternehmer.

Das Prinzip: Die Investoren, die auch hier als „crowd“, sprich: in der Menge, auftreten, bekommen für ihre Investment weder Geld noch eine Gewinnbeteiligung. Allerdings gehen sie auch nicht ganz leer aus. Ein kleines Präsent als Dankeschön, einen Prototypen der neuen Produktionslinie oder eine Spezialfassung des mit dem Investment aufgenommenen Musiktitels sind hier die „Bezahlung“.

Geeignet für: Diese Form des Crowdfundings kann nur funktionieren, wenn etwas zu finanzieren ist, was auch physisch vorhanden ist. Das heißt: Für den kreativen Bereich ist diese Finanzierungsform bestens geeignet. Auch im produzierenden Gewerbe ist diese Form der Finanzierung denkbar, gibt es doch sicherlich einen Prototyp, der als Gegenleistung anzubieten ist.
 

Donation-based Crowdfunding

Diese Spezialform des Crowdfundings ist eine Einbahnstraße für die Investoren: Sie investieren und bekommen keinerlei Gegenleistung dafür.

Das Prinzip: Wer hier investiert, spendet Geld für das auf der Plattform beschriebene Projekt.

Geeignet für: Auch wenn es für Investoren keinerlei Gegenleistung gibt, so ist das donation-based Crowdfunding durchaus beliebt. Finanziert werden so in erster Linie Projekte, die einem sozialen Zweck dienen.
 

Resümee

Crowdfunding ist eine neue, moderne Finanzierungsform, die kleinen, aber auch größeren Unternehmen zu Gute kommen kann. Entscheidend dafür, ob sich genügend Investoren finden, um ein Projekt realisierbar zu machen, ist die Projektbeschreibung einerseits und die Informationen, die über die Projektbeteiligten zur Verfügung stehen.

Dabei liegen auf Seite der Investoren ganz unterschiedliche Gründe einem Investment zugrunde: Wer Gutes tun möchte („donation-based Crowdfunding“), der muss ein Gefühl der Sympathie bekommen, wenn er sich über das Projekt informiert. Wer hingegen sein Geld gewinnbringend anlegen möchte setzt auf Crowdlending oder Crowdinvesting.

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