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Kapitalbeschaffung über Familie & Co

Vater, Großvater und Sohn

Wenn die Bank nicht finanzieren will, muss eine Alternative her. Manche Gründer suchen gezielt nach externen Kapitalgebern mit hilfreichen Kontakten und umfassenden Erfahrungen. Sie besuchen Messen und Summits, um sich mit der Gründerszene vertraut zu machen und Kontakte zu knüpfen, die sie nach vorne bringen. Andere wiederum möchten ihre Geldgeber gar nicht so genau kennen. Sie schauen sich auf Crowdinvest-Plattformen um und versuchen möglichst viele Investoren von ihrer Idee zu überzeugen, damit diese jeweils einen kleinen Betrag riskieren. Das genaue Gegenteil davon ist die Finanzierung über die drei großen F:

  • Family

  • Friends

  • Fools

Was steckt dahinter und ist dieser Weg wirklich eine gute Entscheidung? Wie schwierig ist die Trennung von Job und Familie? Was passiert, wenn es schief geht? Diese und andere Fragen beantwortet der vierte Teil unserer Serie „Investoren und Kapital“.


Family, Friends & Fools: Wer investiert in die Geschäftsidee?

Die Kapitalbeschaffung über Familie und Freunde ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn es um eine echte Beteiligung geht, stellt die Gegenleistung ein Firmenanteil oder eine Gewinnbeteiligung dar – oder beides. Oft steigen Familienmitglieder oder Freunde mit in das Geschäft ein und sind im Tagesgeschäft aktiv. Dabei erfolgt eine Vermischung von Privatem und Beruflichem, was untrennbar miteinander verbunden ist. Sie sollten genau abwägen, ob diese Zusammenarbeit langfristige Perspektiven hat. Wie würden sich Krisen im Geschäft auf das persönliche Verhältnis auswirken? Welche Folgen könnten sich daraus für das Familienleben oder den privaten Freundeskreis ergeben?

Oft ist ein Kapitalgeber aus der Familie oder dem Freundeskreis eine sehr gute Lösung, wenn die Geschäftspartner in spe einander gut kennen. Der Geldgeber weiß, welche Qualitäten der kapitalsuchende Unternehmer hat und der Unternehmer legt sich extra stark ins Zeug, um das Geschäft voranzubringen und erfolgreich zu arbeiten. Arbeiten beide im Unternehmen als Geschäftspartner zusammen, können sie sich gegenseitig unterstützen.

Doch es darf auch nicht verschwiegen werden, dass schon so manche Freundschaft am Geld zerbrochen ist und manchmal spaltet eine desaströse Geschäftsentwicklung eine Familie in zwei Lager. Was spricht für und was spricht gegen eine Finanzierung über Family & Friends?

Vorteile
einer Finanzierung über F & F

Nachteile
einer Finanzierung über F & F

Bleibt der Geldgeber „nur“ Kapitalgeber, ohne sich im Geschäft aktiv zu engagieren, sorgt der Vertrauensvorschuss beim Unternehmer für Motivation. Das wirkt sich oft positiv auf die Leistungsfähigkeit und die Unternehmenszahlen aus.

Bleiben Geldgeber aus dem Freundeskreis oder der Familie lediglich im Hintergrund und lassen ihr Geld praktisch für sich arbeiten, könnte es zu unangenehmen Situationen bezüglich der Rapportpflicht kommen. Sie müssen bei Kapitalgebern üblicherweise regelmäßig Berichte einreichen und die Geschäftsentwicklung erläutern. Das bringt Sie unter Umständen in eine defensive Position.

Steigt der Geldgeber als gleichberechtigter Partner ein, teilen Sie sich die Verantwortung, das Risiko und den Gewinn. Gemeinsam können Sie daran arbeiten, das Geschäft nach vorne zu bringen.

Läuft das Geschäft schlecht an, könnten sich daraus persönliche Auseinandersetzungen entwickeln. Gehen die Meinungen stark auseinander, droht ein Bruch der Freundschaft bzw. der Familienfrieden könnten Schaden nehmen.

Steigen Freunde mit in ein Geschäft ein, kann sich daraus ein fantastisches Gemeinschaftsprojekt entwickeln, welches die Beteiligten eng zusammenschweißt.

Wenn sich Familienmitglieder oder Freunde mit Investitionen/Geldgeschäften nicht auskennen bzw. mit geschäftlichen Gepflogenheiten nicht vertraut sind, könnten sich bei Unstimmigkeiten fast unlösbare Probleme ergeben. Wer zum Beispiel nicht in der Lage ist, einen Vertrag so zu verhandeln, dass die eigenen Interessen gewahrt bleiben, wird im Zweifel die sich daraus ergebenden Konsequenzen nicht verstehen. Darüber kann leicht ein Streit entbrennen.

 

Was bedeutet „Fools“ im Zusammenhang mit Family, Friends & Fools?

Wenn Gründer selbst nicht genügend Eigenkapital aufbringen können, fragen Sie diejenigen, die Ihnen am ehesten einen geschäftlichen Erfolg zutrauen oder wünschen: Familienmitglieder oder Freunde. Wer aber gleich zu Beginn in ein Startup investiert, der weiß nicht, was ihn erwartet. Das Risiko, alles Geld zu verlieren, ist enorm hoch. Nur Dummköpfe (Fools) lassen sich auf ein solch unkalkulierbares Risiko ein. Konsequent zu Ende gedacht heißt das, dass jeder, der so früh in ein Geschäft investiert, zu den Fool gehört – also auch Family & Friends.
 

Sollten Sie Familie und Freunde um Kapital bitten?

In dieser Serie geht es um Kapitalbeschaffung im größeren Stil. Liegt der Kapitalbedarf im fünf- oder sechsstelligen Bereich, kommen bei Familien der deutschen Unter- und Mittelschicht ohnehin nur ganz wenige äußerst sparsame oder finanziell begabte Personen in Betracht. Haben Sie es mit letzteren zu tun, dürften die Kapitalgeber die Risiken und Chancen überblicken. Haben Sie es aber mit ersteren zu tun, dann sollten Sie davon Abstand nehmen, die Ersparnisse einer Tante oder eines Freundes für Ihre geschäftlichen Zwecke einzusetzen. Es ist möglich, dass Sie ungewollt dafür sorgen, dass der Geldgeber in eine prekäre finanzielle Schieflage gerät.

Entscheiden Sie sich aber dazu, hohe Geldsummen von Familienmitgliedern oder Freunden als Kapital für Ihr Geschäftsvorhaben einzusetzen, schließen Sie einen fairen Vertrag ab. Am besten lassen Sie den Vertrag von einem unparteiischen Dritten aufsetzen, zum Beispiel von einem Rechtsanwalt. Dieser erklärt beiden Parteien die Vor- und Nachteile einer Vereinbarung und macht auf drohende Konsequenzen und Schwierigkeiten aufmerksam. Auf diese Weise gelingt es Ihnen, vertraglich eine neutrale Basis zu schaffen. Dann müssen Sie sich zu keinem Zeitpunkt vorwerfen oder vorwerfen lassen, mit unfairen oder unerlaubten Methoden gearbeitet zu haben.

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