Selbstständig machen als Glasveredler

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Für Erfolg brauchen Existenzgründer vor allem glasklare Visionen, die auf ein konkretes Ziel ausgerichtet sind. In diesem Beitrag steht eine Geschäftsidee im Handwerk im Fokus, die zuletzt durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht 2020 in der medialen Aufmerksamkeit stand: selbstständig machen als Glasveredler.
 

Wer kann sich als Glasveredler selbstständig machen?

Dieser Beruf ist ideal für alle, die eine künstlerisch-kreative Ader haben und zudem ein stark ausgeprägtes handwerkliches Geschick ihr Eigen nennen. Wer im Kunstunterricht immer Erfüllung gefunden hat und nach der Schule eine interessante Perspektive für die spätere Selbstständigkeit sucht, kann mit einer Ausbildung zum Glasveredler die notwendige Basis legen. Mit der Option, nach der Gesellenprüfung die Meisterprüfung als Glasveredler abzulegen, steht der Gründung eines eigenen Betriebs nichts mehr im Wege. Ohne Fachkenntnisse und Erfahrungswerte wird es nicht möglich sein, sich als Glasveredler selbstständig zu machen. Daher handelt es sich bei dieser handwerklichen Geschäftsidee ausdrücklich um keine Option für den Quereinstieg in die berufliche Selbstständigkeit.
 

Unter diesen Voraussetzungen können sich Glasveredler selbstständig machen:

Wer sich als Glasveredler selbstständig machen möchte, muss seit 2020 wieder einen Meistertitel im Zuge der notwendigen Gewerbeanmeldung vorweisen können. Ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung und belastbare Erfahrungen dürfte es schwer werden, in diesem traditionellen Handwerk Fuß zu fassen. Es handelt sich laut Anlage A der Handwerksordnung wieder um ein zulassungspflichtiges Gewerbe. Im Rahmen der Gewerbeanmeldung ist die Handwerkskarte vorzulegen und die Eintragung in die Handwerksrolle vorzunehmen. Eine Existenzgründung in diesem Handwerksberuf ist als Glasveredler ohne Meistertitel nur möglich, wenn ein Meister in leitender Position eingestellt wird oder aber jahrelange Berufserfahrungen in leitender Positionen nachgewiesen werden können (Stichwort Altgesellenregelung). Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Selbstständigkeit als Glasveredler ist die körperliche Belastbarkeit. Glasveredler dürfen zudem nicht farbenblind sein, da sonst kreative Arbeiten im künstlerischen Bereich schwer umzusetzen sein werden.
 

Ausgangsanalyse: Wie selbstständig machen als Glasveredler?

Vielen Jüngeren ist der Beruf Glasveredler nicht mehr wirklich ein Begriff, obwohl dieses Handwerk längst in der Moderne angekommen ist. Selbstständige Glasveredler können sich grundsätzlich im künstlerischen Bereich positionieren und mit einem eigenen Atelier Gläser in besondere sowie farbenfrohe Formen bringen. Auf der anderen Seite sind die Erzeugnisse von Glasveredlern auch im Bereich Architektur im Lebensalltag allgegenwärtig. Zu denken ist als unterschiedlichste Glaskonstruktionen, die Gebäude gezielt aufwerten können bzw. für ein lichtdurchflutetes Flair sorgen. Dieses hat wiederum einen unmittelbaren Einfluss auf die wahrgenommene Größe von Räumen. Auch beim Innenausbau von Gebäuden ist die handwerkliche Expertise von Glasveredlern gefragt, wenn es etwa um die künstlerische Gestaltung von Fenstern, Glasmalereien oder diverse Formen der Glasgestaltung geht.
 

Welche Perspektiven gibt es für dieses Berufsbild?

Wer sich für eine Berufsausbildung als Glasveredler entscheidet, wird langfristig mit der Option spielen, sich selbstständig zu machen. Für diese planbare Option spielen Berufserfahrungen eine wichtige Rolle. Das jedenfalls sagen viele Gründer im Handwerk, die den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gewagt haben. Darüber hinaus gibt es neben der fachlichen Vertiefung die Option, sich als selbstständiger Glasveredler gezielt weiterzubilden. Auf diesem Weg können neue Leistungen angeboten und so neue Zielgruppen/Märkte erschlossen werden. Zu denken ist konkret etwa an eine Weiterbildung zum Glastechniker, zum Restaurator oder im Bereich Produktdesign.
 

Glasveredler: Was macht er?

Für die Veredlung von Glas bzw. Glaserzeugnissen kommen mittlerweile chemische und mechanische Techniken zum Einsatz, was das anspruchsvolle handwerkliche Profil für diesen Beruf verdeutlicht. Ein Glasveredler bringt den transparenten Werkstoff in unterschiedlichste Forme und Farben. Polieren, Schleifen, Sägen und Bohren sind die gängigsten Tätigkeiten. Auch Ätzungen, Glasmalereien und komplexe Konstruktionen aus Glas können zum Leistungsspektrum dieses Berufs zählen. In alten Gebäuden mit großen Glasfronten führen sie zudem restauratorische Maßnahmen durch, wozu aber eine besondere Qualifikation erforderlich ist. Die letzte nennenswerte Modernisierung hat der Beruf Glasveredler im Jahr 2004 durchlebt, als neue Fertigungsverfahren und weitere Technologien in die Ausbildungsordnung aufgenommen wurden. Anfang des Jahres 2020 sorgte die Wiedereinführung der Meisterpflicht für Glasveredler für Aufsehen. Weiter unten wird erläutert, aus welchen Gründen nun wieder der Meistertitel vorgesehen ist, um sich selbstständig als Glasveredler machen zu können.
 

Wie viele Glasveredler gibt es?

Hierzu finden sich kaum zuverlässige Daten, was die Notwendigkeit einer fundierten Standort- und Konkurrenzanalyse für diesen traditionellen Handwerksberuf unterstreicht. Generell handelt es sich um einen recht seltenen Beruf, sodass die Konkurrenzsituation an vielen Standorten nicht allzu angespannt sein sollte. Das nützt aber nur dann etwas, wenn es Kooperationspartner und eine belastbare Nachfrage am auserkorenen Standort gibt.
 

Fachkräfte & Auszubildende: Das sollten Existenzgründer planen!

Wer eine Existenzgründung als Glasveredler anstrebt, sollte mit Blick auf den eigenen Nachwuchs im Betrieb langfristig denken. Meisterbetriebe können Lehrlinge ausbilden. In den letzten Jahren können sich aber immer weniger Schulabgänger für einen Handwerksberuf begeistern. Daher ist ein Konzept zu erarbeiten, wie Nachwuchs bzw. Auszubildende für den eigenen Betrieb gewonnen werden können. Der Businessplan ist der richtige Rahmen, um diese und weitere erfolgskritische Aspekte rund um die Existenz- bzw. Betriebsgründung lösungsorientiert anzugehen.
 

Businessplan für Glasveredler: So stellen Gründer glasklare Transparenz her

Im Businessplan müssen Umfang und Ausrichtung der Geschäftsidee glasklar und potenzialorientiert umrissen werden. Die Ressourcen, insbesondere finanzieller Art, müssen für die ersten Geschäftsjahre exakt geplant werden. Nur so können Außenstehende erkennen, wie rentabel das Geschäftsmodell ist und ob es sich lohnt, darin zu investieren. Um sich am Markt auch gegenüber der Konkurrenz strategisch klug positionieren zu können, spielt das Leistungsspektrum als selbstständiger Glasveredler eine wichtige Rolle. Dieses sollte natürlich von der eigenen Qualifikation her begründet sein, aber unbedingt auch zur vorhandenen Nachfrage am Standort passen. Generell kommen diese 3 Fachrichtungen in Betracht, wobei durch Weiterbildungen oder neue Techniken für Kunden zugkräftige Mehrwerte in den Fokus gerückt werden können.
 

Überblick: Diese Fachrichtungen/Spezialisierungen für Glasveredler sind möglich

  1. Schliff und Gravur

  2. Kanten- und Flächenveredelung

  3. Glasmalerei und Kunstverglasung

Ein größerer Betrieb für Glasveredlung kann natürlich durch entsprechendes Personal mehrere Fachrichtungen bedienen und so ein ganzheitliches Leistungsspektrum zugänglich machen. Die Standortanalyse im Businessplan muss zeigen, für welche Ausrichtung/Leistungen Kooperationspartner und Abnehmer vorhanden sind. Der Aktionsradius ist nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten genau zu definieren.
 

Diese strategischen Optionen haben selbstständige Glasveredler

Grundsätzlich müssen selbstständige Glasveredler Klarheit darüber erlangen, in welchem Bereich sie tätig sein wollen. Generell können sie sich im künstlerischen Bereich selbstständig machen und zum Beispiel ein Atelier mit Verkaufsräumen eröffnen. So wäre es möglich, Auftragsarbeiten von Kunden anzunehmen. Auf der anderen Seite ließe sich ein größerer Betrieb mit Angestellten im industriellen Bereich aufbauen, der mit Architekten oder Hausbaufirmen zusammenarbeitet bzw. Bauteile als Zulieferer zur Verfügung stellt. Letztlich muss die Standortanalyse zeigen, welche Option die vielversprechendste ist.
 

Wie Kunden/Aufträge gewinnen als Glasveredler?

Auch diese Frage muss im entsprechenden Teil des Businessplans eine überzeugende Antwort erhalten, schließlich hängt hiervon die wirtschaftliche Ertragslage unmittelbar ab. Um ein hohes Maß an Zielgenauigkeit aller Maßnahmen im Marketing Mix zu erzielen, muss in erster Linie das Leistungsspektrum optimal zur Zielgruppe oder genauer gesagt zur typischen buyer persona passen.

Welche Kooperationspartner sind vorhanden?

Mit Blick auf die konkrete Ausrichtung ist am Standort zu prüfen, welche Kooperationspartner zur Verfügung stehen. Im Falle der Ausrichtung auf die Industrie können das Architekten oder Hausbaufirmen sein. Durch Rücksprachen in einer sehr frühen Phase der Existenzgründung lassen sich die ersten Aufträge bereits ins Auge fassen, wodurch gerade in der finanziell heiklen Startphase der Existenzgründung mehr Planungssicherheit besteht. Das muss zunächst das übergeordnete Ziel sein, wenn sich Glasveredler selbstständig machen wollen. In wirtschaftlicher Hinsicht sind solide Finanzen und Puffer wichtig, um auch kleine Rückschläge überstehen zu können.
 

Mit digitaler Reichweite Aufträge gewinnen: So geht’s!

Wer sich eher im künstlerischen Bereich positionieren möchte, sollte sich so reichweitenstark wie möglich vermarkten. Das gelingt im Zeitalter der Digitalisierung am besten mit einer auf Schlüsselbegriffen optimierten Homepage. Zu analysieren ist im Detail, wonach potenzielle Kunden suchen, die die handwerklichen Künste eines Glasveredlers in Anspruch nehmen wollen. Wer sich strategisch klug in Bezug auf solche funktionalen Schlüsselbegriffe aufstellt, wird die Kunden- respektive Auftragsgewinnung ein großes Stück weit automatisieren können. Das ist ganz im Sinne einer Existenzgründung in diesem Handwerk, damit sich selbstständige Glasveredler vor allem auf ihr eigentliches Können im operativen Geschäftsbetrieb fokussieren können.
 

Selbstständigkeit als Glasveredler: Diese Voraussetzungen sind zu beachten!

Die selbstständige Berufsausübung als Glasveredler setzt seit 2020 wieder einen Meistertitel voraus. Laut Anlage A der Handwerksordnung handelt es sich um ein zulassungspflichtiges Gewerbe. Der Meisterbrief ist im Zuge der erforderlichen Gewerbeanmeldung ebenso nachzuweisen wie die notwendige Eintragung in die Handwerksrolle. Hierdurch ergibt sich ebenfalls eine Pflichtmitgliedschaft in der Handwerkskammer. Betriebe, die Glasveredler vor 2020 ohne Meistertitel gegründet haben, stehen unter Bestandsschutz. ‚Neue‘ Meisterbetriebe haben somit die Chance, sich in puncto Qualität beim Marketing selbstbewusst von vorhandenen Betrieben abheben zu können.
 

Ist eine Existenzgründung als Glasveredler ohne Meistertitel nach 2020 möglich?

Ja, über den Umweg der Altgesellenregelung. Falls mehrjährige Berufserfahrung in leitender Position nachgewiesen werden kann, wird dies als Ersatz in der Regel anerkannt. Des Weiteren besteht die Option, einen Meister in leitender Position im eigenen Betrieb einzustellen, wodurch allerdings die eigene Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird. Hier wird deutlich, dass die Existenzgründung in einem Handwerk mit Meisterpflicht möglichst schon in jungen Jahren zu planen ist.
 

Warum ist die Meisterpflicht für Glasveredler wieder eingeführt worden?

Mit Blick auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht für Glasveredler spielt das Kriterium der Gefahrengeneigtheit eine zentrale Rolle. Viele der Tätigkeiten bzw. gefertigten Produkte sind sicherheitsrelevant, sodass der Gesetzgeber ein hohes Maß an Fachwissen bzw. Qualität mit dem Meisterbrief sicherstellen möchte. Zu denken ist etwa an Überkopf-Verglasungen, von denen eine beachtliche Gefahr für Passanten ausgehen könnte.
 

Was verdient man als selbstständiger Glasveredler?

Für angestellte Glasveredler wird ein durchschnittliches Bruttogehalt pro Monat zwischen 1.800 und 2.200 Euro angegeben. Wer sich selbstständig macht bzw. seinen eigenen Betrieb als Glasveredler gründet, wird wesentlich mehr verdienen können. Im Endeffekt muss der Businessplan eine konkrete und möglichst belastbare Antwort auf die Frage ‚Wie viel verdient ein Glasveredler?‘ geben können. Im Finanzteil werden prognostizierte Einnahmen Kosten gegenübergestellt, sodass Gewinne deutlich werden. Die Darstellungen zur Preis- und Angebotskalkulation müssen zeigen, ob Glasveredler als Existenzgründer ihr Handwerk verstehen.
 

Was ist für einen hohen Verdienst notwendig?

Generell sind bei allen Leistungen hohe Gewinnmargen mit Blick auf die erwünschte Gewinnoptimierung einzuplanen. Der Faktor Zeit erweist sich als erfolgskritisch für den Verdienst als selbstständiger Glasveredler: Wer die Zeit falsch einschätzt und tatsächlich deutlich länger braucht, minimiert seinen Gewinn. Das gilt natürlich auch für den Einsatz von Materialkosten. Generell steigt der Verdienst als Glasveredler mit der Auslastung bzw. der Auftragslage. Eine schlanke Kostenstruktur sorgt auf der anderen Seite dafür, dass möglichst viel von den Umsätzen als Gewinn im Betrieb bleibt. Aber nicht alles werden sich Glasveredler als Lohn auszahlen können/wollen, schließlich sind ferner Rücklagen zu bilden und neue Investitionen zu tätigen.
 

Welche Versicherungen brauchen Glasveredler?

Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist alternativlos, um sich vor Forderungen zu schützen, die aus eigenen Fehlern resultieren. Die Arbeitskraft spielt natürlich gerade im Handwerk eine Schlüsselrolle, daher sollte sie bestmöglich abgesichert werden. Eine private Krankentagegeldversicherung ist die Option der Wahl, um im Krankheitsfall wegbrechende Einnahmen kompensieren zu können. In der privaten Krankenversicherung besteht im Gegensatz zur gesetzlichen der Vorteil, dass der Beginn der Auszahlung sowie die Höhe individuell bestimmbar sind. Alleine durch den Status ‚Selbstständiger‘ eröffnet sich für Glasveredler die Chance, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Andernfalls müssten sie als freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Auch in jungen Jahren ist an die Alternsversorge zu denken, sodass eine unabhängige Fachberatung im Rahmen der Existenzgründung sehr sinnvoll sein kann.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Glasveredler‘

  1. Warum selbstständig machen als Glasveredler?

Weil es sich weiterhin um einen gefragten Handwerksberuf handelt, der mit neuen Verfahren in der Moderne angekommen ist. Es lassen sich zahlreiche Spezialisierungen und Ausrichtungen nutzen, um eine profitables Marktsegment zu besetzen.

  1. Wovon hängt der Verdienst als selbstständiger Glasveredler ab?

Von der Auslastung, einer kaufmännisch durchdachten Angebotskalkulation und der Kostenstruktur im Betrieb insgesamt. Gewinne stellen aber in keinem Fall nur den Verdienst dar, da auch Rücklagen gebildet werden müssen und weitere Investitionen erforderlich sind.

  1. Ist ein Meistertitel für die Selbstständigkeit als Glasveredler notwendig?

Ja, eine Gesetzesänderung hat die Wiedereinführung der Meisterpflicht ab 2020 für diesen Beruf beschlossen. Betriebe, die zwischen 2004 und 2019 gegründet wurden, stehen unter Bestandsschutz. Alternativen, um einen fehlenden Meistertitel zu kompensieren, wurden im Text vorgestellt.

  1. Wie können selbstständige Handwerker sich im Krankheitsfall vor Einnahmeausfällen schützen?

Indem sie eine private Krankentagegeldversicherung abschließen, deren Höhe und Auszahlungsbeginn sie mit Blick auf ihre Lebenssituation selber individuell festlegen können.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?