Selbstständig machen als Reiseführer

Reisegruppe Frankreich

Wer gerne reist, kulturell interessiert ist und den Umgang mit Menschen schätzt, kann sich hier mit einer sehr facettenreichen Geschäftsidee praxisorientiert befassen: selbstständig machen als Tour Guide (Reiseführer). Die Tourismusbranche boomt, jedes Jahr besuchen mehrere Millionen Menschen Deutschland. Urlaub im eigenen Land liegt voll im Trend. Wer am Urlaubsort mehr über die Region und ihre Geschichte erfahren möchte, wird sich nicht selten an einen Tour Guide wenden. Denn Führungen sind eine klassische Form, um sich in eine neue Welt entführen zu lassen. Ein Reiseführer/Tour Guide kann aber nicht nur mit historischem und regionalem Wissen punkten: Er weiß seine Zuhörer durch sein sympathisch-authentisches Auftreten und die eine oder andere Anekdote zu fesseln. Der eine oder andere Geheimtipp wird die Zuhörer für die weitere Urlaubsplanung sicher freuen und zu wünschenswerten Weiterempfehlungen beitragen.
 

Perspektiven: Neuausrichtung, sich beruflich (nochmal) selbst verwirklichen

Beim Tour Guide/Reiseführer handelt es sich um keinen offiziellen Ausbildungsberuf, jeder darf sich so nennen. Die Einstiegshürden für eine Existenzgründung als Tour Guide sind somit vergleichsweise gering, was diese Geschäftsidee als optimale Alternative für Quereinsteiger erscheinen lässt. Wer aus seinem Hobby einen Beruf machen oder eine Chance zur beruflichen Neuausrichtung ergreifen möchte, kann sich mit dieser perspektivenreichen Geschäftsidee befassen. Die eingangs skizzierten Anforderungen zeigen aber, dass es ohne Fachwissen, eine empathische kommunikative Ader und gute Beziehungen schwer werden kann mit der Selbstständigkeit als Tour Guide. Ein Reiseführer muss seinen Gästen etwas zu erzählen haben und dies gerne tun. Wer nicht gerne vor anderen frei redet, sollte Abstand von dieser Geschäftsidee nehmen. Schließlich sollen Selbstbestimmung und eine hohe Zufriedenheit ja gerade für den Weg in die Selbstständigkeit wichtige Motive sein. Um sich einen gewissen Namen zu machen, müssen Führungen für Gäste ein unvergessliches Erlebnis werden. Wer sich jeden Tag durch Touren quält, wird auf Dauer kaum Erfüllung finden. Wie bei jeder Existenzgründung sollte Leidenschaft vorhanden sein. Genauso wichtig sind allerdings Realitätssinn und eine ganzheitliche Vorbereitung. In diesem Sinne möchte der folgende Beitrag einige zentrale Anregungen mit auf den Weg geben.
 

Existenzgründung als Tour Guide: selbstständig machen in der Tourismusbranche

  • Analyse der Ausgangslage

  • Businessplan: Wohin soll die ‚Reise‘ gehen?

  • Kunden gewinnen als selbstständiger Tour Guide?

  • Voraussetzungen, um sich als Tour Guide selbstständig zu machen

  • Kann man vom Gehalt als Reiseführer leben?

     

Analyse der Ausgangslage

Insgesamt gesehen erweist sich Deutschland als weltweit beliebtes Urlaubsziel. Viele Europäer zieht es in die quirligen Metropolen Berlin, München und Hamburg. Internationale Geschäftsleute bereisen Deutschland regelmäßig, da es sich um einen international bedeutsamen Messestandort handelt. Mittlerweile besuchen jedes Jahr fast 40 Millionen Touristen Deutschland, was knapp der Hälfte der Gesamtbevölkerung entspricht. Somit wird deutlich, dass die Tourismusbranche attraktive Rahmenbedingungen für eine Existenzgründung bietet . Allerdings stehen und fallen die Chancen als selbstständiger Reiseführer mit dem Standort, an dem es viel zu sehen und erleben geben muss. Und ist dies wie in den genannten Großstädten der Fall, lässt die Konkurrenz nicht lange auf sich warten.
 

Einige Fakten über den Zielmarkt

Wirtschaftsexperten schätzen, dass rund drei Millionen aller Beschäftigten im Tourismusbereich arbeiten. Die wirtschaftliche Bedeutung wird auch an dieser Zahl eindrucksvoll deutlich: Mit Umsätzen von über 300 Milliarden Euro pro Jahr befindet sich der Tourismus mit dem Maschinenbau und Einzelhandel auf Augenhöhe. Alleine Touristen aus dem Ausland lassen jedes Jahr mehr als 40 Milliarden Euro in Deutschland. Ein selbstständiger Tour Guide muss versuchen, durch eine kluge strategische Positionierung von diesem großen Kuchen teilzuhaben. Während es aktuell deutlich über 80 Millionen Übernachtungen pro Jahr gibt, erwartet die DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus) für 2030 deutlich mehr als 120 Millionen Übernachtungen. Brancheninsider gehen davon aus, dass die meisten Touristen weiterhin als Europa kommen werden. Aber Südamerika wird in Zukunft wohl eine wichtigere Rolle spielen. Letztlich folgt daraus, dass ein Tour Guide möglichst mehrere Sprachen sprechen sollte. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Führungen für eine größere Zielgruppe anbieten zu können und potenzielle Kunden in jeder Hinsicht besser anzusprechen.
 

Die Digitalisierung als große Herausforderung

Branchenkenner betonen, dass die Digitalisierung die gesamte Branche vor große Herausforderungen, aber auch Chancen stellen wird. Jetzt schon buchen die meisten Besucher Flüge und Hotels selber. Als selbstständiger Reiseführer muss es angesichts dessen um die Frage gehen, wie das eigene Angebot in puncto Buchung und Verfügbarkeit digital platziert werden kann. Dazu später mehr in den Ausführungen zum Marketing.
 

Businessplan bzw. das eigene Angebot ausarbeiten

Selbstständige Tour Guides sind von Natur aus Einzelkämpfer, zumal Führungen in aller Regel nur von einer Person durchgeführt werden. Ortskenntnis entpuppt sich in jeder Hinsicht als wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit als Reiseführer. Mit Blick auf die Planung dieser Geschäftsidee betrifft das vor allem den Standort. Dieser muss natürlich touristisch erschlossen sein. Es müssen genug Touristen über das Jahr gesehen anreisen und ferner muss es viel zu sehen und erleben geben. Ansonsten wird es schwierig, interessante Führungen mit erlebnisreichen Mehrwerten zusammenzustellen. Zu Beginn der Planung muss der Standort bzw. Aktionsradius also sehr detailliert analysiert werden. Zudem muss die Konkurrenz genau begutachtet werden. Wie viele Tour Guides oder entsprechende Agenturen gibt es schon? Wie kann das eigene Angebot dementsprechend am Markt platziert werden? Eventuell kommt es in Frage, für die Umsetzung dieser Geschäftsidee den eigenen Lebensmittelpunkt in eine andere Stadt/Region zu verlegen. Wer international durchstarten will, kann sich mit einer Existenzgründung im Ausland (https://www.selbststaendig.de/selbststaendig-machen-im-ausland) befassen.
 

Was Gäste erleben wollen…

Ist ein geeigneter Standort gefunden, müssen individuelle Touren als Kern der Geschäftsidee konzipiert werden. Hierbei gilt: Nicht der eigene Geschmack entscheidet, sondern der des Publikums. Erweist sich eine Tour nach kurzer Zeit als wenig begeisterungsfähig, so sollte sie in Frage gestellt werden. Aus Erfahrungswerten und Nachfragen in den ersten Monaten können selbstständige Reiseführer lernen und sich so immer besser auf die Wünsche der Gäste einstellen. Eventuell macht es auch Sinn, für Gäste aus unterschiedlichen Ländern/Kulturen verschiedene Schwerpunkte zu setzen. In jedem Fall sollte das Programm eines selbstständigen Tour Guides attraktiv und abwechslungsreich sein. So ist er für Gäste, aber auch für mögliche Kooperationspartner (man denke an Tourismusbüros in Städten etc.) ein interessanter Ansprechpartner. An Standorten mit viel Konkurrenz sollte eine Differenzierung über das Tourenspektrum erfolgen, um sich wirksam aus dem Einheitsbrei abzuheben. Zu denken ist auch an die Frage, aus welcher Perspektive eine Stadt oder Region vorgestellt werden soll. Abgesehen von einzelnen Touren kommen auch Pakete in Betracht für Gäste, die während einer bestimmten Aufenthaltsdauer immer etwas erkunden möchten. In finanzieller Hinsicht hätte das den Vorteil, dass die Einnahmebasis von Grund auf erhöht werden kann.
 

Vorteile dieser Geschäftsidee

Wer sich als Reiseführer selbstständig machen möchte, kann relativ zeitnah ohne lange Vorbereitungsphase loslegen. Das ist nicht bei jeder Geschäftsidee der Fall, wie es die vielen Porträts hier auf selbststaendig.de zeigen. Und auch in finanzieller Hinsicht stellt die Existenzgründung nicht wirklich hohe Hürden, denn in einen Geschäftsbetrieb ist eigentlich nicht zu investieren. Die Arbeit findet draußen statt und alles Buchhalterische kann zuhause am Schreibtisch erledigt werden, ggf. auch Marketing und Akquise. Trotzdem sollten angehende selbstständige Tour Guides einen Businessplan ausarbeiten. Weniger mit dem Ziel, externe Geldgeber zu gewinnen, sondern vielmehr als Kompass für die eigene berufliche Reise. Und einen verlässlichen Kompass wird jeder gute Reiseführer/Tour Guide mit Sicherheit brauchen.
 

Perspektive nebenberuflicher Einstieg

Grundsätzlich ist es eine prüfenswerte Option, den Einstieg in die Selbstständigkeit als Reiseführer im Nebenerwerb anzustreben. Der Hauptjob liefert dann weiter ein sicheres Einkommen, während Netzwerk und Bekanntheitsgrad sukzessive ausgebaut werden können. Bei dieser Variante ist der finanzielle Druck, sofort gut verdienen zu müssen, nicht so hoch. Auf der anderen Seite kann eine nebenberufliche Tätigkeit als Reiseführer schnell zur Belastung werden, da das Arbeitspensum deutlich steigt. Ruhe- und Erholungsphasen nach Feierabend oder am Wochenende können unter Umständen deutlich seltener werden. Wer diesen Weg gehen will, muss natürlich die formalen Rahmenbedingungen beachten. Der Hauptjob muss das größte Einkommen ausmachen und deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Darüber ist der Arbeitgeber explizit um Erlaubnis zu fragen. Einnahmen, die aus der selbstständigen Tätigkeit als Tour Guide erzielt werden, müssen versteuert werden.
 

Kunden gewinnen als selbstständiger Reiseführer?

Wer diese schwierige Hauptaufgabe löst, wird sich erfolgreich als Tour Guide selbstständig machen können. Die Frage in diesem Kontext ist, wie potenzielle Kunden gewonnen bzw. angesprochen werden können. Im digitalen Zeitalter lässt sich Reichweite eigentlich nur noch über das Internet sicherstellen. Es braucht also einen suchmaschinenoptimierten Internetauftritt, der konsequent auf relevante Keywords ausgerichtet ist. Dazu ist in Erfahrung zu bringen, wonach potenzielle Kunden überhaupt googeln. Auf der Homepage sollte es Buchungsmöglichkeiten für Touren geben, sodass Auslastung und letztlich auch Einnahmen über einen längeren Zeitraum geplant werden können. Das verleiht mehr (Planungs)sicherheit!
 

Reichweite erfordert zielfokussierte Aktivitäten

Wer selbstständig ist, kann sich nicht auf einen bekannten Markennamen oder einen Reiseveranstalter ausruhen. Es gilt, sich selber zu profilieren und für Kunden zu einer attraktiven Anlaufstellen zu werden. Aktivitäten in Social Media sind sehr hilfreich, um Interessenten einen lebendigen Einblick in Touren zu geben. Auf diesem Weg lässt sich ein internationales Publikum ansprechen, wobei Buchungsmöglichkeiten mit angelegt werden können.

Im Sinne eines starken Netzwerkes sind auch Kooperationen für eine hohe Auslastung zu prüfen: Gibt es Tourismusdienstleister, mit denen zusammengearbeitet werden kann? Werden von der Stadt, Museen, Eventagenturen etc. freie Tour Guides gebucht? Zu prüfen sind auch entsprechende Plattformen im Internet, um sich mit Blick auf eine hohe Auslastung breit aufzustellen. Eventuell kommen auch Verhandlungen mit lokalen Reiseveranstaltern bzw. solchen für das Zielgebiet in Frage. Viele bieten ihren Kunden ein attraktives Paket mit Ausflügen und Erlebnissen, wozu erfahrene Tour Guides vor Ort notwendig werden.
 

Voraussetzungen, um sich als Tour Guide selbstständig zu machen

Die formalen Einstiegshürden sind gering. Dennoch sollten selbstständige Tour Guides ein großes Organisationstalent und exzellente Ortskenntnisse mitbringen. Um sich zu etablieren und einen guten Ruf aufzubauen, ist Durchhaltevermögen gefragt. Ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Tätigkeit als Reiseführer ist die Kommunikation. Tour Guides sind Geschichtenerzähler, die ihr Publikum unterhalten können müssen . Der informative Gehalt darf zwar nicht vernachlässigt werden, aber eine trockene Stunde Geschichtsunterricht will wohl kein Gast erleben…

Ob für die Tätigkeit als Reiseführer ein Gewerbe anzumelden ist, kann nicht pauschal beantwortet werden . Grundsätzlich kommt auch eine Anerkennung als Freiberufler in Betracht, da sich eine lehrende Tätigkeit in Anlehnung an Paragraf 18 des Einkommenssteuergesetzes rechtfertigen lassen kann. Dabei kommt es aber wohl vor allem auf den persönlichen Hintergrund an. Wer Geschichte studiert hat und dementsprechend Wissen mit einer hohen Schöpfungshöhe weitergeben kann, wird als Freiberufler eingestuft werden können. Dies setzt aber voraus, dass alle Touren und Inhalte in Eigenregie konzipiert und durchgeführt werden. Es empfiehlt sich aufgrund der undurchsichtigen Ausgangslage, die individuellen Startvoraussetzungen frühzeitig zu prüfen.
 

Verdienst als selbstständiger Tour Guide

Angestellte Reiseführer können mit einem Bruttoverdienst zwischen 1.900 und 2.700 Euro rechnen. Wer als selbstständige Tour Guide eine hohe Auslastung und gut besuchte Führungen erreicht, kann mit dem Gehalt deutlich darüber liegen. Insofern handelt es sich durchaus um eine Tätigkeit, von der man leben kann. Alternativ besteht im Nebenberuf die Chance, sich einen kleinen Verdienst zusätzlich zu sichern. Die Chancen, von der Selbstständigkeit als Tour Guide leben zu können, stehen und fallen mit der Auslastung. Und auch die Preiskalkulation spielt sicher eine wichtige Rolle, wobei das Ortsübliche einen starken Orientierungsrahmen vorgibt.
 

Trinkgeld versteuern? Eine weitere Einnahmequelle…

Nicht zu verachten ist, dass ein übliches Trinkgeld am Ende einer Tour den Verdienst als Tour Guide auf den Monat hochgerechnet deutlich erhöhen kann. Um Trinkgeld zu bekommen, muss die Qualität der Führung stimmen, insbesondere die zwischenmenschliche Chemie muss stimmen. Trinkgeld ist dann steuerfrei, wenn es freiwillig gezahlt wird. Davon ist bei einem professionellen Tour Guide auszugehen. Er sollte es tunlichst vermeiden, Trinkgeld offensiv einzufordern. Das würde nicht nur die ‚Spendebereitschaft‘ senken, sondern die formal notwendige Freiwilligkeit in Zweifel ziehen.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Tour Guide‘

  1. Der Tourismus spielt in Deutschland gesamtwirtschaftlich betrachtet eine bedeutende Rolle

  2. In der Zukunft wird mit noch mehr Touristen aus Europa und aller Welt gerechnet

  3. Insofern sind langfristig gute Aussichten gegeben, um sich als Reiseführer selbstständig zu machen

  4. Ein guter Standort und exzellente Ortskenntnisse erweisen sich als Schlüssel für eine erfolgreiche Existenzgründung als Tour Guide

  5. Um eine hohe Auslastung der Touren sicherzustellen, muss beim Marketing via Internet und Social Media auf Reichweite gesetzt werden

  6. Aufgrund der geringen formalen und finanziellen Einstiegshürden handelt es sich um eine attraktive Geschäftsidee für Quereinsteiger.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

 

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