Selbstständig machen als Zahntechniker

Zahntechniker sind unverzichtbare Dienstleister bzw. ‚Zulieferer‘ für Zahnärzte und Kieferchirurgen: Sie fertigen in präziser Handarbeit hochwertigen Zahnersatz (Implantate, Kronen und Brücken) an, um passgenaue Lösungen für die Zahngesundheit zu ermöglichen. Hieran zeigt sich schon, dass ein großes handwerkliches Geschick sowie eine gewisse künstlerische Gabe in diesem Beruf unabdingbar sind. Zahntechniker können grundsätzlich in einem entsprechenden Dentallabor angestellt sein oder aber sich mit einer eingehenden Berufsqualifikation selbstständig machen. In diesem Beitrag sollen alle diesbezüglichen Aspekte kompakt und praxisorientiert vorgestellt werden. Neben den formalen Voraussetzungen einer erfolgreichen Existenzgründung sollen auch mögliche Alternativen und finanzielle Unterstützungsformen vorgestellt werden.
 

Ausübungsberechtigung: Wer kann sich als Zahntechniker selbstständig machen?

Gemäß Anlage A zur Handwerksordnung (dort Nr. 37) handelt es sich beim Berufsbild des Zahntechnikers um ein Handwerk mit Meisterpflicht. Es handelt sich ferner um ein stehendes Gewerbe, das nur Personen gestattet ist, die in der Handwerksrolle eingetragen sind. Diese Eintragung kann nur erfolgen, wenn der Leiter des Betriebs die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Hierbei ist insbesondere an die erfolgreich absolvierte Meisterprüfung zu denken. Im Handwerk ist es üblich, dass sich erfahrene Gesellen mit 4 Jahren Berufserfahrung in leitender Stellung ebenfalls selbstständig machen können. Allerdings ist der Zahntechniker (neben dem Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker und Schornsteinfeger) von dieser Regelung ausgenommen. Wer sich also als Zahntechniker ohne Meistertitel selbstständig machen möchte, kann diese nur mit einer Ausnahmebewilligung versuchen.
 

Kurzer Exkurs: Über die Bedeutung der Handwerksrolle

Wer eine Meisterprüfung bzw. eine Ausnahmebewilligung vorweisen kann, wird in die jeweilige Handwerksrolle des Bezirks eingetragen. Betriebe zulassungsfreier Handwerke oder aber handwerksähnlicher Gewerbe finden sich im Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke oder handwerksähnlicher Gewerbe. Diese Verzeichnisse werden von der Handwerkskammer geführt, für die sich im Zuge der Selbstständigkeit eine Pflichtmitgliedschaft ergibt. In Einzelfällen kann es vorkommen, dass die Industrie- und Handelskammer der konkrete Ansprechpartner ist. Zwar entstehen durch die Pflichtmitgliedschaft weitere Kosten (in den ersten Jahren allerdings vergünstigt), jedoch kann das reiche Informations- und Beratungsangebot strategisch für die eigene Geschäftsausrichtung genutzt werden.
 

Grundvoraussetzungen für die Existenzgründung als Zahntechniker

Es versteht sich von selbst, dass für eine erfolgreiche Selbstständigkeit eine Unternehmerpersönlichkeit gefragt ist, wozu neben gewissen Eigenschaften auch betriebswirtschaftliches Wissen für die Unternehmensführung gehört. Die Qualität der herzustellenden Implantate bzw. Prothesen muss immer sehr hoch sein, da es sich um individuelle und passgenaue Lösungen handelt. Für die Ausübung der Tätigkeit ist ein entsprechendes Labor mit dem professionellen Equipment erforderlich. Ein solches Labor kann direkt an eine Zahnarztpraxis angrenzen oder in diese integriert werden. Auch ein separater Standort ist denkbar. Insgesamt kommt dem Standort keine so zentrale Bedeutung zu, wie es bei vielen anderen Existenzgründungen der Fall ist. Allerdings gilt es, sich ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen. Feste Kooperationen mit Zahnarztpraxen oder Kieferchirurgen sorgen dafür, dass für eine konstant hohe Auslastung gesorgt werden kann.
 

Der Staat leistet bei der Existenzgründung finanzielle Unterstützung

Wer ein eigenes Labor eröffnen möchte, muss dazu mitunter viel Geld für die Einrichtung und das Equipment in die Hand nehmen. Ohne eine entsprechende Decke an Eigenkapital kann die Finanzierung schwierig werden. Hier ist in erster Linie ein professionell und ganzheitlich ausgearbeiteter Businessplan hilfreich, um externe Geldgeber mit ins Boot zu holen. Eine stichhaltige Wettbewerbsanalyse, aussagekräftige Marktstudien und eine schlüssige Finanzplanung erweisen sich in der Praxis oftmals als Schlüssel zum Erfolg. Der Businessplan zwingt gleichzeitig jeden Existenzgründer dazu, die richtigen strategischen Weichenstellungen direkt zu Beginn vorzunehmen. Vor allem der Finanzierung und Liquiditätsplanung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Vormals angestellte Zahntechniker könnten den Existenzgründerzuschuss nutzen, wobei seit 2011 keinerlei Rechtsanspruch mehr auf diese staatliche Leistung besteht. Auch der Antrag für diese Leistung muss ähnlich wie ein Businessplan in sich stimmig sein, um die Erfolgsaussichten so groß wie nur möglich zu gestalten. Um das Vorhaben der beruflichen Selbstständigkeit mit einem eigenen Dentallabor umzusetzen, sind in finanzieller Hinsicht auch die folgenden Optionen zu prüfen:

  • Fördermittel des Europäischen Sozialfonds
  • zinsgünstige Kredite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)
  • Stiftungsstipendien privater oder öffentlicher Organisationen
  • Mikrokredit
  • klassischer Kredit über die Hausbank
  • regionale Förderprogramme sind im jeweiligen Bundesland prüfen
     

Ausblick und Perspektiven: die innovative Zahntechnik weist eine hohe Zukunftssicherheit auf

Neben dem traditionellen Zugang über eine handwerkliche Berufsausbildung ergeben sich auch für Akademiker interessante und vor allem zukunftsfähige Optionen: So bietet die Fachhochschule Osnabrück im Bereich der angewandten Werkstoffwissenschaften die Fachrichtung Dentaltechnologie an. Ein entsprechender Masterabschluss befähigt zur Promotion und soll zur Selbstständigkeit im Bereich des Zahntechniker-Handwerks neue Zugangswege eröffnen. Gesellen oder auch Meister haben durch ein solches Studium die Chance, ihr theoretisches als auch praktisches Wissen zu vertiefen, um im Bereich der metallischen Werkstofftechnik innovative Lösungen zu forcieren. Hochspezialisierte Verfahren werden sicherlich im Bereich der Dentaltechnologie in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Insofern kann ein solches Studium die Antwort auf die Komplexität in diesem Handwerksbereich sein.

Die Selbstständigkeit als Zahntechniker verspricht generell gute Zukunftsperspektiven, da der Bedarf an professionellem Zahnersatz in einer alternden Gesellschaft in den nächsten Jahren konstant hoch bleiben sollte. Je nach Region und Wettbewerbssituation sollte sich also eine gute Einnahmebasis erzielen lassen, die in der Regel deutlich höher ist als bei einem Angestelltenverhältnis. Natürlich hat der höhere Lohn auch seinen Preis in Form eines größeren wirtschaftlichen Risikos bzw. generell mehr Eigenverantwortlichkeit (was besonders das notwendige Qualitätsmanagement betrifft). Demgegenüber steht allerdings das hohe Maß an Entscheidungs- bzw. Gestaltungsfreiheit. Der Verband Deutscher Zahntechniker Innungen (VDZI) bezeichnet die aktuelle Konjunkturlage als stabil, wobei sich zuletzt ein leichtes Umsatzplus verzeichnen lässt. Erfolgskritisch für die Selbstständigkeit in diesem Bereich ist es, sich ein Netz an Kooperationspartnern aufzubauen. Ein eigenes Dentallabor sollte mit Zahnärzten in der Nähe kooperieren, wozu direkt zu Beginn die Lage sondiert werden sollte. Durch Möglichkeiten des zuverlässigen Versands von Zahntechnik können Kooperationspartner allerdings auch flexibel deutschlandweit gewonnen werden.
 

Das Wichtigste auf einen Blick: selbstständig machen als Zahntechniker

  • Zugangsvoraussetzung: es handelt sich um ein Handwerk mit Meisterpflicht (siehe Nr. 37, Anlage A zur Handwerksordnung)
  • Ferner ist eine Eintragung in der Handwerksrolle vorzunehmen
  • Für die Selbstständigkeit in diesem Bereich ist ein Meistertitel zwingend vorgesehen
  • Eine so genannte Ausnahmebewilligung ist die einzige Möglichkeit, die vorgesehene Meisterpflicht mit entsprechend eingehender Berufserfahrung zu umgehen
  • Neben dem eingehenden Fachwissen müssen Existenzgründer auch eine Unternehmerpersönlichkeit mitbringen: Im zu erarbeitenden Businessplan sollten sie ihr strategisches (Fach)wissen überzeugend zu Papier bringen
  • Neben dem erforderlichen Fachwissen und buchstäblichem Fingerspitzengefühl kommt dem Qualitätsmanagement eine entscheidende Schlüsselrolle zu, denn sämtliche Erzeugnisse müssen individuell und passgenau sein
  • Im Vorfeld sind Finanzierungsoptionen zu prüfen, da für die Ausstattung/Einrichtung eines eigenen Dentallabors mitunter hohe Summen aufgebracht werden müssen
  • Für eine konstant hohe Auslastung der Auftragsbücher sind feste Kooperationen mit Zahnärzten oder Kieferchirurgen notwendig
  • Handwerk mit akademischem Background: Ein neuartiger Masterstudiengang (Fachhochschule Osnabrück) kann ebenfalls den Weg in die Selbstständigkeit als Zahntechniker ebnen oder Meistern neue Berufs- und Vermarktungsperspektiven der eigenen Person eröffnen

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