Soll ich mich selbstständig machen? Vorteile und Nachteile einer Existenzgründung

fragender Gründer

Der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit will gut geplant sein. Nicht wenige Gründer nehmen ein Lebensprojekt in Angriff, das sie über viele Jahre einnehmen wird! Daher finden Gründer auf diesem Portal zahlreiche Hilfestellungen und viele praxisrelevante Themen, um sich ganzheitlich auf diesen Schritt vorzubereiten.
 

Erfahrungsgemäß gibt es in wirtschaftlich guten Zeiten weniger Existenzgründer, da sich auf dem Arbeitsmarkt viele Chancen ergeben. Trotzdem ist es für viele Menschen ein Traum, sich irgendwann selbstständig zu machen.
 

In diesem Beitrag soll den Motiven und möglichen Beweggründen nachgegangen werden, wozu auch die Ergebnisse einer Studie vorgestellt werden sollen. Darüber hinaus sollen auch Motive angesprochen werden, die sich nicht als Grundlage für eine Existenzgründung eignen. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, ob es einen perfekten Zeitpunkt für eine Existenzgründung gibt und welche grundlegenden Voraussetzungen stimmen müssen.
 

Motivanalyse: Warum machen sich Menschen selbstständig?

Endlich sein eigener Chef sein! Dieses sprichwortartige Motiv werden viele Existenzgründer nennen. Klar ist, dass eine Existenzgründung je nach Umfang und Geschäftsumfeld mit großen finanziellen Risiken verbunden ist. Wer dies in Kauf nimmt, wird die gewonnene Handlungs- und Entscheidungsfreiheit sehr stark gewichten. Zu den wichtigsten Beweggründen für eine Existenzgründung zählen ferner die größere zeitliche Unabhängigkeit sowie die Aussicht auf ein besseres Einkommen.
 

Allerdings darf nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass der Weg in die berufliche Selbstständigkeit per se zu diesen Verbesserungen führt. Denn wer gut verdienen will, muss sich entsprechend klug strategisch positionieren und reichweitenstark vermarkten. Und wer tatsächlich mehr (Frei)zeit als neue Lebensqualität genießen will, darf in puncto Work-Life-Balance nichts dem Zufall überlassen.

Viele Menschen handeln aus einer konkreten Situation heraus, die sie beenden bzw. verbessern wollen. So ist eine Existenzgründung auch dank nutzbarer Fördermittel ein selbstbestimmter Weg, um eine Phase der Arbeitslosigkeit hinter sich zu lassen. In nicht wenigen Fällen wollen sich Gründer selbst beweisen und nochmal völlig neu ausrichten. Verfolgt wird nicht selten der ideelle Reiz, etwas Besonderes zu schaffen und eine starke Marke zu etablieren. In den letzten Jahren haben auch insbesondere soziales und ökologisches Engagement verstärkt zu Existenzgründungen geführt. Und dass sich in der digitalen Welt immer neue Geschäftsmodelle ergeben, muss nicht weiter ausgeführt werden.
 

In einer Forsa-Umfrage gaben Existenzgründer für den Schritt in die Selbstständigkeit folgende Motive an:

  1. Eigenverantwortliches Arbeiten (83 %)

  2. Chancen, eigene Ideen umzusetzen (78 %)

  3. Aussicht, sein eigener Chef zu sein (76 %)

  4. Freie Einteilung der Arbeitszeit (61 %)

  5. Attraktive Perspektiven für die Zukunft (51 %)

  6. Aussicht auf einen guten Verdienst (41 %)

  7. Keine bessere Alternative in Sicht (37 %)

     

Die Top 3 Motive zeigen, dass vor allem innere Werte der Antrieb für die Selbstständigkeit sind. Auch wenn es oft als wichtiges Motiv genannt wird, so spielen die Verdienstaussichten keine übergeordnete Rolle. Erstaunlich ist, dass mehr als ein Drittel aller Existenzgründer angibt, diesen Schritt wegen fehlender Alternativen zu gehen. Das sind nicht die besten Voraussetzungen, um sich erfolgreich selbstständig zu machen. Es braucht Leidenschaft und intrinsische Motivation, auch um eine normale Durststrecke am Anfang überwinden zu können. Wer sich zur Existenzgründung aufgrund äußerer Bedingungen ‚gezwungen‘ sieht, wird womöglich nicht mit der nötigen Entschlossenheit agieren können.
 

Sich selbstständig machen und neue Freiräume nutzen

Die idealerweise hinzugewonnene Flexibilität dürfte einer der Hauptvorteile sein, die für den Weg in die Selbstständigkeit sprechen. Je nach Branche und Unternehmen sind die Arbeitszeiten bei einem Angestelltenverhältnis nicht wirklich attraktiv und auch nicht zu beeinflussen. Insofern kann und sollte die Selbstständigkeit genutzt werden, um die individuelle Lebensqualität deutlich zu erhöhen. Das kann aber –gerade wenn eine Familie vorhanden ist– nur mit einem konsequenten Zeitmanagement gelingen.

Wer sich keine Auszeiten gönnt bzw. die neue gewonnenen Freiheiten nicht nutzt, wird schnell auf dem Boden der Realität landen und Enttäuschung spüren. Selbst bei einem hohen Arbeitspensum in der Startphase muss Wert auf eine individuell abgestimmte Work-Life-Balance gelegt werden. Nur so lassen sich Zufriedenheit und Motivation langfristig auf einem hohen Level halten, was als wichtige Voraussetzung für dauerhaften Erfolg anzusehen ist. Wer sich mit den angesprochenen Motiven für die Existenzgründung identifizieren kann, muss deren Umsetzung auch konsequent verfolgen. Wer wirklich sein eigener Chef sein möchte, sollte sich nicht selber hetzen. Terminnot und wenig Freizeit sind nicht attraktiv: Das gilt für Selbstständige genauso wie für Angestellte! Wer die gewonnene Freiheit als Unternehmer nutzen will, muss Verantwortung übernehmen. Ohne ein Bewusstsein für die Wichtigkeit bestimmter Schlüsselaspekte wird die Selbstständigkeit nicht dauerhaft zu einem Erfolg werden können.
 

Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen?

In den letzten Jahren ist klar der Trend zu erkennen, dass viele Existenzgründer ihr Projekt aus dem Studium heraus planen und umsetzen. Insofern sind viele Start-ups in den Händen von sehr jungen Unternehmern, die sich am Markt behaupten wollen. Vieles spricht dafür, den Weg in die Selbstständigkeit früh zu wagen, da ein hohes Arbeitspensum womöglich noch nicht auf Kollisionskurs mit einer Familie ist. Da Erfahrungen kaufmännischer sowie fachspezifischer Art aber ohne Zweifel sehr wichtig für eine erfolgreiche Existenzgründung sind, ist dieser Schritt auch im fortgeschrittenen Alter möglich. Für diese Option spricht zudem, dass nicht selten auf größere finanzielle Ressourcen und Puffer zurückgegriffen werden kann. Den perfekten Zeitpunkt gibt es also nicht, er muss individuell bestimmt bzw. von innen heraus gefühlt werden.

Für den (wahrgenommenen) perfekten Zeitpunkt spielt natürlich auch die Geschäftsidee eine wichtige Rolle. Gründer müssen zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt am Ort sein. Insofern kann eine erfolgreiche Existenzgründung durchaus auch ein Zufallsprodukt sein. Nicht selten haben Gründer einen gut bezahlten Job hinter sich gelassen, um mit einer genialen und womöglich patentierten Erfindung groß rauszukommen. Gibt es einen Markt und eine Nachfrage für ein Produkt oder eine Dienstleistung, so ist der Zeitpunkt aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten als ideal anzusehen. Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung sind dann zwei Schlüsselthemen, um sich dauerhaft am Markt halten zu können. In jedem Fall sollten Träume, Visionen und der unternehmerische Gestaltungswille weitaus größer sein als Ängste!
 

Ohne diese Faktoren funktioniert eine Existenzgründung nicht

Auch das gehört zur Wahrheit: Wer sich selbstständig machen möchte, muss gerade in der Startphase zahlreiche Unsicherheiten aushalten können. Dazu gehören unsichere Finanzen und die Frage, ob sich die Geschäftsidee am Markt tatsächlich so gut verkauft wie angenommen. Es braucht also eine anpackende und unbeirrte, aber keineswegs betriebsblinde Einstellung, um die Weichen von Beginn an auf Erfolg zu stellen. Ohne Vertrieb bzw. Akquise wird sich keine Geschäftsidee umsetzen lassen. Ein Produkt oder eine Dienstleistung kann noch so große Mehrwerte bieten: Potenzielle Kunden müssen davon erfahren können! Daher ist genau auszuarbeiten, wie das Vertriebskonzept für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung auszusehen hat. Ein weiterer, sehr zentraler Faktor für Erfolg ist ein gutes Netzwerk: Über Beziehungen lässt sich die Kundengewinnung beschleunigen, Synergieeffekte können neue Potenziale für den angestrebten Wachstumskurs eröffnen. Letztlich kann eine Existenzgründung nur gelingen, wenn das private Umfeld stimmt und mitmacht! Der Partner/die Partnerin muss mitziehen und sich mit den genannten Bedingungen auseinandersetzen. Ist der private Hintergrund nicht im Einklang mit der Selbstständigkeit, können durch ständige Auseinandersetzungen viele Ressourcen verloren gehen.
 

Aus welchen Gründen man sich nicht selbstständig machen sollte

Das finanzielle Risiko wird in diesem Kontext oft genannt. Dabei handelt es sich aber um kein Gegenargument, denn Unternehmertum und Risiko sind untrennbar miteinander verbunden. Ein Risiko gibt es auch bei einem Angestelltenverhältnis, denn niemand ist unkündbar und Unternehmen können Pleite gehen. Das ungeregelte Einkommen gehört auch in diese Kategorie, wobei Selbstständige ihren Verdienst anders als bei einem Festgehalt maßgeblich selbst in der Hand haben.

In jedem Fall ist es kein guter Grund, es anderen mit einer Existenzgründung beweisen zu wollen. Die Motivation sollte immer von innen kommen. Von der Bewunderung von Freunden und Verwandten ist noch bei keinem Selbstständigen Geld auf dem Geschäftskonto eingegangen. Auch die Aussicht, Fördermittel nutzen zu können, sollte kein Grund für eine Existenzgründung sein. Die Höhe dieser Fördermittel ist begrenzt und nicht selten auch an Erfolg/Bedingungen geknüpft. Und ohne ein überzeugendes Konzept als Basis wird kein Existenzgründer an Fördermittel gelangen können. Die Daten oben zeigen, dass der Verdienst zwar ein wichtiger Faktor ist, aber nicht alles entscheidend. Daher sollte der Wunsch, reich zu werden, nicht die Treibfeder sein. In der finanziell mauen Anfangsphase wird sich ansonsten sehr schnell Ernüchterung einstellen. Langfristig denkende Geschäftsleute werden zudem Gewinne im Geschäft für Investitionen lassen. Ein sehr schlechter Grund, sich selbständig zu machen, ist der Wunsch, eine bestimmte Zeit (z.B. bis zur Rente) überbrücken zu wollen. Die Existenzgründung wäre dann zum Scheitern verurteilt, denn ein Geschäftsmodell auf Zeit ist nicht wirklich tragfähig. Wer nicht 100 % hinter einer langfristigen Perspektive steht, wird als Existenzgründer nicht viel bewegen können.
 

Fazit zu den Beweggründen einer Existenzgründung

Dieser Beitrag sollte verdeutlicht haben, dass zu Beginn Klarheit über die persönliche Ausgangssituation erlangt werden muss. Nun wenn das geschieht, sind Gründer mit sich, ihren Zielen und langfristigen Perspektiven im Reinen. Es braucht eine klare Vision als Triebfeder (Wo soll die Geschäftsidee in den nächsten 5 Jahren hingeführt werden?). Zur Überprüfung der persönlichen Ausgangssituation gehört natürlich auch die Einschätzung sehr wichtiger Variablen für den Weg in die Selbstständigkeit: Stimmt die Geschäftsidee bzw. hat sie Potenzial? Wie ist die weitere Lebensplanung, passt sie zur angestrebten Lebensplanung? Und vor allem: Wie steht es um die eigenen Finanzen? Welcher Verdienst ist in den nächsten Jahren erforderlich, um ein persönlich zufriedenstellendes Niveau zu erreichen?

Wer Inspiration und Orientierung sucht, kann von den Erfahrungen anderer Existenzgründer profitieren. Eine Recherche zu den Schlüsselbegriffen ‚Gründe/Motive für eine Existenzgründung‘ kann in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich sein. Persönliche Geschichten zeigen vor allem, wie die so wichtige Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Familienleben gelingen kann. Ist der Entschluss mit 100 % Überzeugung gefasst, kann die Planung zielorientierte Züge annehmen. Hier auf selbststaendig.de finden sich hunderte beliebte Geschäftsideen (https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen) im praxisorientierten Porträt.
 

Zusammenfassung zum Thema Warum selbstständig machen – und aus welchen Gründen nicht?

  1. Motivlage: Selbstbestimmtheit und eine flexiblere Zeiteinteilung spielen für die meisten Existenzgründer eine sehr wichtige Rolle

  2. Die Verdienstaussichten landen als Motiv hingegen eher auf den hinteren Plätzen

  3. Wer mögliche Freiräume und eine bessere Lebensqualität als Selbstständiger/Unternehmer tatsächlich nutzen will, muss sich selber aktiv und vorausschauend um passende Rahmenbedingungen kümmern, und zwar von Beginn an!

  4. Die Überzeugung für den Weg in die Selbstständigkeit sollte intrinsisch motiviert sein

  5. Den perfekten Zeitpunkt für eine Existenzgründung gibt es nicht. Eine ehrliche und sehr persönliche Analyse der Ausgangslage muss zeigen, ob die wichtigsten Variablen passen, jetzt und in Zukunft.

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