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Selbstständige und Minijob – das müssen Sie wissen!

Minijob - Kellner bedient Kundin in Cafe

Unter den Selbstständigen gibt es viele, die sich fragen, ob sie neben Ihrer Selbstständigkeit einen Minijob ausüben könnten. Die klare Antwort darauf lautet: Ja! Allerdings sollten Sie einige Spielregeln beachten, um finanzielle Nachteile zu vermeiden und dem Finanzamt einwandfreie Angaben machen zu können.

Ein wichtiger Grund für Existenzgründer, einen Minijob anzunehmen, ist die finanzielle Absicherung der monatlichen Einkünfte. Im Gegensatz zu den oft sehr unregelmäßigen Geldeingängen in der Selbstständigkeit findet die Entlohnung eines Minijobbers regelmäßig und zu festgelegten Zeitpunkten statt. Mit diesem Geldeingang können Sie rechnen und das gibt eine gewisse Sicherheit. Erst, wenn sich die selbstständige Tätigkeit ein Stück weit etabliert hat, spielen finanzielle Aspekte nach und nach keine Rolle mehr.

Es gibt noch einen anderen Grund, der für einen Minijob sprechen kann: Ein Minijob kann eine willkommene berufliche Abwechslung zur selbstständigen Tätigkeit darstellen. Gerade bei Existenzgründern, die mit wenig Eigenkapital aus einer Festanstellung heraus nebenberuflich gründen, ist dieses Modell für den Übergang weit verbreitet. Sie erhalten sich mit dem Minijob eine vertraute Tätigkeit und feste Basis neben der beruflichen Neuorientierung.
 

Wie ist ein Minijob definiert?

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung und ein Arbeitsverhältnis, dessen regelmäßiger monatlicher Arbeitslohn im Höchstfall 450 Euro beträgt. Die Geringfügigkeit wird durch die Höhe des Einkommens in Verbindung mit der Stundenleistung bestimmt. Ein Minijob ist im Gegensatz zur Selbstständigkeit eine abhängige Beschäftigungsform. Der Arbeitgeber ist weisungsbefugt. Er bestimmt, welche Tätigkeiten ausgeführt werden und gibt genau vor, wann was zu erledigen ist.

Wie bei jedem anderen Beschäftigungsverhältnis sollte ein schriftlicher Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Rein rechtlich betrachtet ist das jedoch nicht zwingend erforderlich. Eine formlose Einigung per Handschlag oder mündlicher Absprache reicht aus. Auch so geschlossene Verträge sind rechtswirksam. Sogar ohne Absprache und nur durch schlüssiges Verhalten können Arbeitsverträge rechtlich bindend zustande kommen. Allerdings wird es im Streitfall schwierig, bestimmte Ansprüche geltend zu machen. Aus diesem Grund sollten Sie immer darauf bestehen, einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu schließen.

Zu unterscheiden ist ein 450-Euro-Minijob und ein kurzfristiger Minijob. Bei einem 450-Minijob handelt es sich um einen meist regelmäßigen Arbeitseinsatz, bei der der Arbeitnehmer nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen darf. Wie viele Stunden er dafür wöchentlich arbeitet, ist dabei nicht ausschlaggebend. Allerdings müssen die gesetzlichen Vorgaben zum Mindestlohn eingehalten werden.

Bei einem kurzfristigen Minijob ist entscheidend, dass der Minijobber im Laufe des Kalenderjahres weniger als drei Monate arbeitet oder insgesamt weniger als 70 Arbeitstage in diesem Jahr erzielt. Hier ist es eher eine gelegentliche Arbeitszeit, bei der die Höhe des Entgelts keine Rolle spielt. Doch auch dabei gilt die Verdienstobergrenze von jährlich 5.400 Euro, um unter die Regelung einer geringfügigen Tätigkeit zu fallen.

Die hier genannten steuerlichen Bedingungen gelten nicht generell für Personen aus den Berufsgruppen der Ärzte, Beamte, Apotheker, Rentner oder Künstler.

 

Wie steht es um den Stundenlohn des Minijobbers?

Auch wenn es bei einem regulären Minijob eine Verdienst-Obergrenze von 450 Euro monatlich gibt, ist der Stundenlohn grundsätzlich frei verhandelbar. Viele Selbstständige und Freiberufler bieten Ihre Dienstleistungen bestimmten Institutionen oder Vereinen als Minijob an. Durch die Form des Minijobs sind diese oft erst in der Lage, die Leistungen des selbstständigen Unternehmers zu bezahlen. Hier gilt es, auf Dauer abzuwägen, ob die eigenen Leistungen nicht unter Wert verkauft werden. Das regelmäßig ausgezahlte Einkommen aus einem Minijob ist allerdings ein wichtiges Gegenargument.
 

Steuerliche Vorteile aus einem Minijob

Der größte Vorteil für alle Selbstständigen und Freiberufler mit einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung besteht darin, dass Einnahmen aus einem Minijob steuer- und abgabenfrei sind. Bei einem Minijob fallen keine Einkommenssteuern an. Eine kleine Einschränkung hier: Die komplette Steuerfreiheit besteht nur bei einem Verzicht auf die Rentenversicherungspflicht des Minijobbers. Bei einem regelmäßig ausgeübten Minijob kann ein Selbstständiger in einem Jahr also 5.400 Euro steuerfrei dazu verdienen. Bei einer entsprechenden selbstständigen Tätigkeit würden beispielsweise bei einem Steuersatz von 28 % bei diesem Verdienst 1.512 Euro Steuern fällig, diese Summe wird eingespart.
 

Die steuerlichen Vorteile für Minijobber sind eindeutig: Das Bruttogehalt ist gleich netto.

Alle, die freiwillig krankenversichert sind, haben möglicherweise einen kleinen Nachteil: Bei diesen selbstständigen Mitgliedern können die Krankenkassen selbst festlegen, ob solche Einnahmen ebenfalls zur Berechnung der Beitragshöhe einfließen. So können die Einnahmen aus dem Minijob auch hinzugezählt werden. Dies gilt ebenfalls für die Pflegeversicherung. Liegen die Einnahmen im Jahr unter der Beitragsbemessungsgrenze, kommt auf die eigenommene Summe ein Krankenkassenbeitrag von 14,6 % hinzu. Die gewonnene Steuerfreiheit auf die Minijob-Einnahmen bleibt in jedem Fall erhalten.

Ausnahmen von der Regel

In manchen Fällen übernimmt ein Arbeitgeber die Einkommenssteuer des angestellten Minijobbers jedoch nicht. In einem solchen Fall wird das Arbeitsentgelt um den pauschalen Einkommenssteuerbeitrag gekürzt. Solche individuell gestalteten Einkommensbesteuerungen sind vom Arbeitsrecht her möglich.

Bei allen Selbstständigen mit einer solchen Regelung lohnt es sich zu prüfen, ob eine pauschale Einkommensbesteuerung im Vergleich zu einer individuellen Besteuerung ungünstiger ist. Dabei kann ein gewisser Steuervorteil entstehen. Erst ab einem jährlichen Gesamteinkommen von 9.100 Euro (Stand 2018) fällt Einkommenssteuer an. Bei einer ausschließlichen Einnahme aus einem Minijob und einem maximalen jährlichen Gesamteinkommen von 5.400 Euro könnte das Einkommen komplett steuerfrei bleiben. Je nach Steuerklasse des betreffenden Selbstständigen wäre möglicherweise gar keine Lohnsteuer auf die Einkünfte einzubehalten. Diese Beträge sind zwar minimal, können jedoch bei insgesamt knappem Geldbeutel eine Hilfe sein.
 

Welche Abgaben müssen selbstständige Minijobber zahlen?

Für Minijobber gelten besondere sozialversicherungspflichtige und steuerliche Vorschriften. Auf einen Minijob muss der Arbeitgeber Sozialabgaben leisten, die sich nach pauschalen Sätzen richten. Beiträge für eine Absicherung im Fall der Arbeitslosigkeit fallen nicht an. Auch eine Steuerkarte ist nicht nötig, weil der Arbeitgeber hier eine Pauschale von 2 Prozent entrichtet.

Ein Arbeitgeber zahlt für jeden Minijobber prozentual zum Arbeitsentgelt folgende Abgaben:

  • 13 % Krankenversicherung

  • 15 % Rentenversicherung (bei bestehender Rentenversicherungspflicht)

  • 2,0 % pauschale Lohnsteuer

  • 0,90 % Umlage 1 (auf Lohnfortzahlung)

  • 0,24 % Umlage 2 (auf Mutterschutz)

  • ggf. 0,06 % Insolvenzgeldumlage bei gewerblichen Minijobs

Eine Sonderfall-Regelung gibt es bei dem Beitrag zur Rentenversicherung: Ein Minijobber kann sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Seit dem Jahr 2013 gelten neue Rentenversicherungsregeln für Minijobber. Diese sind immer rentenversicherungspflichtig, falls sie sich nicht ausdrücklich befreien lassen. Eine solche Verzichtserklärung gehört immer zum Arbeitsvertrag.


Abgrenzung zu einem Midijob

Ab einem regelmäßigen Einkommen von 450,01 Euro bis zu 850 Euro handelt es sich um einen Midijob. In dieser Verdienstzone oder Gleitzone sind Midijobber komplett sozialversicherungspflichtig. Hier teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge, allerdings nicht in der üblichen Verteilung. Der Midijobber hat nur reduzierte Beiträge zu leisten, die bei 450,01 Euro allerdings sehr gering ausfallen. Mit steigendem Verdienst steigen die Beitragssätze progressiv an. Über 850 Euro sind sie entsprechend der üblichen Arbeitnehmersätze.

Je nach Steuerklasse des beschäftigten Midijobbers zahlt der Arbeitgeber anfallende Steuerbeiträge abhängig von der Lohnsteuerklasse des Arbeitnehmers.
 

Die Rechte des Minijobbers

Rein rechtlich sichert das deutsche Arbeitsgericht die Gleichbehandlung von Mini – als auch Midijobbern im Vergleich zu komplett sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern. Sie haben deswegen auch in diesem geringfügigen Arbeitsverhältnis Anrecht auf Entgeltfortzahlung, Kündigungsschutz und Urlaub.

In einem Krankheitsfall beispielsweise haben auch Minijobber Anspruch auf eine Fortzahlung Ihres Verdienstes innerhalb einer Zeit von bis zu sechs Wochen. Voraussetzung für eine Fortzahlung des Arbeitslohns ist allerdings ein bestehendes Arbeitsverhältnis im Minijob von mindestens vier Wochen.
 

Kann ein Selbstständiger mehrere Minijobs ausführen?

Jeder Selbstständige kann mehrere Minijobs ausüben, allerdings kommen wiederum die Verdienstgrenzen ins Spiel. Die Minijobzentrale informiert darüber, dass die monatliche Grenze von 450 Euro nicht überschritten werden darf. Dabei werden die Einnahmen aus allen Minijobs zusammengerechnet. Sobald die Grenze überschritten wird, werden alle Minijobs sozialversicherungspflichtig.
 

Können Selbstständige einen Minijobber anstellen?

Ein selbstständiger Unternehmer kann natürlich selbst einen Minijobber anstellen, beispielsweise, wenn er Unterstützung für sein Unternehmen benötigt, aber keine sozialversicherungspflichtige Stelle besetzen will. Übt der Minijobber mehrere geringfügige Beschäftigungen aus, könnten dem selbstständigen Arbeitgeber dadurch Nachteile entstehen. Überschreitet der Minijobber die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro, werden Sozialversicherungsabgaben fällig, die den Arbeitgeber belasten. Hier ist es unverzichtbar, sich vom Minijobber in schriftlicher Form bestätigen zu lassen, dass dieser parallel keine weiteren Minijobs ausübt.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2018 zwischen ... [ weiter... ]

Nebenberuflich selbstständig und hauptberuflich angestellt

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