Vorteile und Nachteile der Digitalisierung

Tastatur - digital analog

Digitale Technologien (Smartphones und Apps als Beispiele) sind aus dem Lebensalltag nicht mehr wegzudenken: Doch welche Vorteile und Nachteile der Digitalisierung müssen Existenzgründer eigentlich auf dem Bildschirm haben? Inwiefern können digitale Chancen genutzt werden, um ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell auf dem Markt zu platzieren? Welche Gefahren der Digitalisierung sind für Selbstständige relevant? Dieser Beitrag vermittelt einen kompakten Überblick.
 

Seit wann gibt es die Digitalisierung eigentlich?

Es ist nicht einfach bzw. wenig zielführend, sich auf ein konkretes Datum festlegen zu wollen. Letztlich handelt es sich um einen Prozess, der gerade in den letzten Jahren rasant an Tempo gewonnen hat. Viele Experten sehen in der Erfindung des Mikrochips den Beginn der Digitalisierung. Plötzlich konnten enorme Datenmengen schnell bearbeitet werden. Das Mooresche Gesetz sieht in dieser Hinsicht vor, dass sich die nutzbare Rechenleistungen ca. eine ein bis zwei Jahre verdoppelt. Wer kann sich heute noch an PCs erinnern, die mit dürftigen 128 Megabyte Arbeitsspeicher ausgerüstet waren?

Was bedeutet Digitalisierung für Gründer?

Wer eine Antwort auf die Frage sucht, was die Digitalisierung für Gründer bedeutet, muss zunächst einmal eruieren, welcher Teil der Digitalisierung hier gemeint ist. Die Digitalisierung kann einerseits die Umwandlung von Daten bezeichnen und andererseits auch ein Zeitalter beschreiben, in dem analoge und manuelle Arbeitsweisen immer stärker verdrängt werden. Über Chancen und Risiken der Digitalisierung für Gründer soll dieser Beitrag Auskunft geben.
 

Wie macht sich Digitalisierung bemerkbar?

Bevor es um die Vorteile und Nachteile der Digitalisierung geht, soll ein kurzer Blick auf die Auswirkungen im Privatbereich sowie in der Arbeitswelt geworfen werden. Beide Bereiche beeinflussen Gründer unmittelbar: So kann die Digitalisierung für die anvisierte Zielgruppe als Mehrwert im Fokus stehen und die eigenen betrieblichen Abläufe deutlich effizienter und somit kostensparender werden lassen.

In der Produktion werden digitale Technologien vor allem mit zunehmender Automatisierung in Verbindung gebracht. Der Begriff ‚Industrie 4.0‘ ist in diesem Kontext zu einem sehr bekannten Schlagwort geworden. Im Lebensalltag sind es vor allem smarte Technologien, die die Digitalisierung bzw. den technischen Fortschritt im wahrsten Wortsinne greifbar machen. Zu denken ist neben dem omnipräsenten Smartphone vor allem auch an Lösungen mit Blick auf das Smart Home oder das zukunftsweisende Smart Driving. In all diesen Handlungsfeldern lässt sich mit absatzstarken Innovationen ein profitables Geschäftsmodell hochziehen.
 

Die Digitalisierung hat die Einkaufsgewohnheiten revolutioniert

Der Onlinehandel (E-Commerce) boomt seit Jahren. Immer mehr Kunden kaufen online, wobei die große Mehrheit ohnehin das Internet nutzt, um eine Kaufentscheidung zu fällen oder sie mit weiteren Informationen abzusichern. Insofern kann es sich auch ein kleines Start-up nicht mehr erlauben, auf die Wachstumschancen der Digitalisierung zu verzichten. Diese müssen schon im Businessplan angelegt und im operativen Geschäftsbetrieb konsequent genutzt werden.
 

Das sind die Vorteile der Digitalisierung

  1. Die Digitalisierung erleichtert den Alltag. Daten werden via Knopfdruck verschickt. Das revolutioniert mitunter auch die Personalphilosophie im Betrieb. Durch schnelle Datenverbindungen ist es heute längst nicht mehr nötig, dass alle Mitarbeiter in einer Stadt und an einem Ort gemeinsam arbeiten.

    Vorteil: Frisch gegründete Unternehmen strotzen vor Energie und Flexibilität. Die Entwicklungen der Digitalisierung tragen genau diesem Unternehmertum Rechnung. Ein Beispiel: Die fachliche Unterstützung – beispielsweise zur grafischen Ausarbeitung des Corporate Designs – muss längst nicht mehr im selben Büro sitzen oder in derselben Stadt arbeiten. Über den Datenhighway lassen sich Unterlagen schnell austauschen. Bei Gesprächsbedarf hilft die Video-Telefonie.

  2. Die Digitalisierung ermöglicht einen raschen Datenfluss – und offeriert die Möglichkeit, schnell zu reagieren. Ein Beispiel: Natürlich gibt es noch einige, die frühmorgens nicht auf ihre Zeitung am Frühstückstisch verzichten möchten. Allerdings zeigt sich auch in Printmedien eine Umstellung auf das digitale Format, das sogenannte ePaper.

    Vorteil: Wer ein regionales Business aufbauen möchte, braucht lokale Nachrichten, um die Marktlage zu kennen. Über Smartphone und Tablet kann gezielt nach diesen Branchennews gesucht werden. Oder noch besser: Wer thematisch relevante Newsletter abonniert, bekommt die wichtigsten Informationen direkt digital geliefert.

  3. Die digitale Welt kommt mit einer großen Kostenersparnis daher, denn diverse Kommunikationskanäle und -foren ermöglichen einen kostengünstigen Austausch – über Kontinente hinweg. Hinzu kommt eine grundsätzlich sehr transparente Form in punkto Preisbildung. Wer vergleicht, kann hier bares Geld sparen.

    Vorteil: Wer einst noch viel Geld in internationale Telefonate gesteckt hat, setzt heute auf Internet-Telefonie und die Zeit im Internet wird bequem über die Flatrate abgebucht. Das macht den Gründer-Alltag letztlich auch kalkulierbarer – und an einigen Ausgabepunkten günstiger.

  4. Das Marketing-Budget kann durch die Digitalisierung deutlich zielführender eingesetzt werden. Dabei geht es nicht darum, dass es günstiger ist, eine Anzeige im Sozialen Netzwerk zu schalten als in der Printausgabe der Zeitung – vielmehr geht es um die Nachhaltigkeit und auch das Controlling. Eine online ausgespielte Anzeige hat eine deutlich höhere Nutzungsfrequenz. Zudem kann ausgewertet werden, welchen User die Anzeige anspricht.

    Vorteil: Die meisten Gründer agieren online. Kaum einer denkt mehr daran, in der Offline-Welt Geld für eine Anzeige aufzuwenden und auch klassische Werbemittel wie Flyer oder dergleichen sind rückläufig. Gründer können das Online Marketing auch deswegen nutzen, weil es ihnen Informationen zu ihrer Zielgruppe liefert.

  5. Digitale Medien wie E-Books, Podcasts, Blogs, Webseiten und diverse Social-Media-Kanäle erlauben es, mit maximaler Kosteneffizienz eine sehr hohe Reichweite sicherzustellen. Durch Netzwerkeffekte wie Likes oder Teilen kann ein Beitrag mit etwas Glück zum viralen Hit werden und so viele tausende potenzielle Kunden ansprechen. Digitale Medien sind nicht nur immer abrufbar, sondern auch auf vielen Kanälen gleichzeitig nutzbar. Auch das erhöht die Sichtbarkeit und letztlich Bekanntheit von Unternehmen deutlich.

  6. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Digitalisierung neue Arbeitszeitmodelle hervorgebracht hat. Physische Präsenz am Arbeitsplatz ist kein Kriterium mehr, um das Unternehmen erfolgreich zu unterstützen. In ihrer (baldigen) Funktion als Chef haben Existenzgründer genügend digitale Lösungen zur Hand, um Mitarbeitern eine ansprechende Work-Life-Balance zu bieten. Das betrifft Gründer natürlich auch selbst!

  7. Durch die Möglichkeiten des World Wide Web haben Existenzgründer die Chance, sich global zu vernetzen und den Wachstumskurs von Beginn an möglichst breit anzulegen. Je nach Produkt und Zielgruppe spricht nichts dagegen, eine Internationalisierungsstrategie zu fahren, die sich zeitnah und kosteneffizient umsetzen lässt. Durch digitale Kommunikationstechnologie können Meetings mit Partnern auf anderen Kontinenten flexibel und zeitnah durchgeführt werden. Der Zeit- und Kostenaufwand für Reisen wird in Zukunft weiter sinken. Durch ein starkes Netzwerk können Gründer das Marketing auf die virtuelle Überholspur bringen und Kunden durch exzellente Services greifbare Mehrwerte für eine langfristige Bindung bieten.

  8. In Zukunft ist auch zu erwarten, dass bei Existenzgründern unbeliebte Behördengänge immer öfter digital erledigt werden können, sodass bürokratische Akte weniger zeit- und nervenraubend ausfallen sollten.
     

Das sind die Nachteile der Digitalisierung

  1. Der erste Ansprechpartner in Zeiten der Digitalisierung ist das Smartphone oder das Tablet. Diese Entwicklung macht jedoch häufig die persönliche Kommunikation zunichte. Hier müssen Ersatzstrategien gefunden werden. Der demografische Wandel und die Eigenarten eines manchen Geschäftsmodells können es erforderlich machen, dass der persönliche Austausch in Zukunft nicht zu kurz kommen darf. Schließlich sind nicht wenige digitale Produktinnovationen hochgradig erklärungsbedürftig.
    Natürlich sparen digitale Abläufe einem Gründer zunächst einmal Zeit, weil Kommunikation auch sehr zeitintensiv ist. Sich komplett zurückzuziehen, ist indes nicht zielführend. Regelmäßige (Video-)Konferenzen mit Mitarbeitern oder Kunden sind ein Weg, kontrolliert zu kommunizieren. Auch die Teilnahme an Netzwerktreffen ist gut und wichtig, um in der Branche im Gespräch zu bleiben.

  2. Den Chancen vieler, internetbasierter Kanäle stehen vor allem auch die Risiken des Internets gegenüber. Wer hier zu offenherzig mit den eigenen Daten umgeht, der läuft Gefahr dieser beraubt zu werden. Sicherheitsmaßnahmen zu eruieren und gezielt einzusetzen, ist heute wichtiger denn je.

    Nachteil: Einen Freelancer zu engagieren, der sich um die Themen Datenschutz und Datensicherheit kümmert, ist sicherlich ein guter Ansatz. Vor Shitstorms, Cybermobbing und anderen Internet-Gefahren kann man sich dadurch allerdings nicht schützen.

  3. Cyberrisken sind durch gezielte Angriffe sind nicht von der Hand zu weisen, schließlich sind in den letzten Jahren immer wieder teils prominente Beispiele bekannt geworden. Es braucht also eine gewisse Kompetenz und zielführende Schutzmaßnahmen, um das eigene Unternehmen bzw. Netzwerk vor virtuellen Bedrohungen konsequent zu beschützen. An dieser Stelle wird ein gerade für kleine Unternehmen bedeutender Nachteil der Digitalisierung sichtbar: Sie verursacht Kosten. Diese fallen umso höher aus, je weniger internes Knowhow vorhanden ist und je komplexer das Geschäftsmodell in digitaler Hinsicht aufgebaut ist.

In diesem Kontext spielt der Datenschutz ebenfalls eine Rolle, zumal er in den letzten Jahren deutlich verschärft wurde (Stichwort DSGVO). Daten sind auch aus eigenem Interesse gesetzeskonform zu behandeln, was angesichts vieler digitaler Fallstricke immer schwieriger wird. Datenlecks können zu einem existenzbedrohenden Problem werden, da sich solche Vorfälle unmittelbar auf das Image und die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit auswirken. Denn auch das gehört dazu: Das Internet vergisst nichts und Nachrichten können sich wie ein Lauffeuer verbreiten.


Alles ohne Papier: Zukunftsmusik oder bald Realität?

Auch wenn die Digitalisierung mittlerweile weit vorangeschritten ist, so spielen Dokumente in der deutschen Bürokratie immer noch eine wichtige Rolle. Zwar werden mittlerweile immer mehr Services von Behörden auch online angeboten und die Steuererklärung ist teils elektronisch abzugeben. Papier und Unterlagen werden aber auch in den kommenden Jahren für Existenzgründer eine Rolle spielen. Wenn wichtige Dokumente in digitaler Form aufbewahrt werden sollen, dann ist an ein Maximum an Sicherheit zu denken (etwa in Bezug auf zeitgemäße Cloud-Lösungen, die für Unternehmen jetzt und in Zukunft für die sichere Handhabung großer Datenmengen eine große Rolle spielen werden).

Fazit: Die Digitalisierung spielt vielen Gründern in die Karten

Diese Gegenüberstellung von Vorteilen und Nachteilen der Digitalisierung zeigt, dass die Vorteile klar überwiegen. Insgesamt wird deutlich, dass die Digitalisierung der Arbeitsweise vieler Gründer in die Karten spielt. Es gilt, Chancen und Risiken ganzheitlich zu betrachten und alle relevanten Aspekte mit Blick auf die Eigenarten des Geschäftsmodells auf dem Bildschirm zu haben. Angesichts der sich ändernden Informationsbeschaffung und eines immer virtuelleren Einkaufsverhaltens wird spätestens ab 2020 kein Existenzgründer mehr darauf verzichten können, digitale Wachstumsstrategien in die Geschäftsidee zu integrieren.

Flexibilität und Mobilität werden immer wichtiger. Kosten werden wenn nicht gespart, dann zumindest umgeschichtet: Weniger Kosten für Infrastruktur (Büro, Lager, etc.) stehen höheren Kosten für Equipment und Sicherheit gegenüber. Experten raten dazu, die analoge Welt nicht komplett zu vergessen, denn bei einem Totalausfall kann es durchaus hilfreich sein, auch ohne digitale Hilfsmittel arbeiten zu können.
 

Ausblick: Was bringt die Digitalisierung in Zukunft?

Bereits 2015 hat die Bundesagentur für Arbeit in einer Studien prognostiziert, dass durch die Digitalisierung 15 % der Arbeitsplätze wegfallen könnten. Somit sind in den kommenden Jahren enorme Produktivitätssprünge zu erwarten. Auf der anderen Seite geben immer noch ca. 30 % aller Unternehmen an, sich noch nicht ausreichend mit neuen digitalen Technologien auseinandergesetzt zu haben. Die Verbreitung digitaler Technologien im Privatbereich schreitet in puncto Energiemanagement und Entertainment ebenso voran wie die mobile Internetnutzung, die in wenigen Jahren schon den Ton angeben wird. Durch geringere Produktionskosten und die effizientere Berücksichtigung von Kundenwünschen haben Existenzgründer mit digitalen Wachstumsstrategien die Chance, von Beginn an auf nachhaltigen Erfolg zu setzen.
 

Zusammenfassung auf einen Blick: Die wichtigsten Vor- und Nachteile der Digitalisierung

+ Deutliche Produktivitätsgewinne und Kosteneinsparpotenziale.

+ Neue, flexiblere Arbeitsformen entstehen.

+ Globale Vernetzung und grenzenlose Kommunikation durch digitale Technologien.

+ Digitale Medien eröffnen ein hohes Maß an Reichweite, um das Unternehmen und seine Produkte in kurzer Zeit und ohne immense Ressourcen bekannter zu machen.

+ Große Datenmengen lassen sich sicher verwalten und zielführend auswerten, wodurch Marketingstrategien und die Entwicklung von Produkten/Dienstleistungen sehr viel zielfokussierter ausfallen können.
 

- Höhere Kosten für die Umsetzung digitaler Technologien (vor allem in kleinen Unternehmen, in denen das Fachwissen fehlt).

- Steigende Gefahren durch Cyberkriminalität.

- Erhöhte Anforderungen an den Datenschutz, insbesondere mit Blick auf neue Verordnungen (DSGVO).

Autor: 
Mark Leissen

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