Selbstständig machen als Fahrzeugverwerter

Zuletzt aktualisiert: 04.08.2026

Warum auf den Gedanken kommen, sich als Fahrzeugverwerter selbstständig zu machen? Spätestens seit der Kultsendung um die Brüder Ludolf ist vielen klar geworden, dass es sich bei einem Schrottplatz bzw. genauer gesagt der Fahrzeugverwertung um ein lukratives Geschäftsmodell handeln kann. Durch die weltweit steigende Nachfrage für begrenzte Rohstoffe scheint es sich zudem um ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell zu handeln. Beim Verkauf von Materialien aus der professionellen Fahrzeugverwertung lassen sich am Markt Preise erzielen, die den Aufwand tragen können. Sei es ein Totalschaden oder eine nicht mehr lohnende Reparatur: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ein Auto verschrottet bzw. final veräußert werden muss.

Grund genug also von der Nachfrage her, um in diesem Beitrag der Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Fahrzeugverwerter' praxisorientiert auf den Grund zu gehen, und zwar mit diesen Inhalten:

  • Warum selbstständig machen mit Fahrzeugverwertung?
  • Welche Genehmigungen und Zertifikate sind zwingend erforderlich?
  • Was gehört in den Businessplan?
  • Welche strategischen Ausrichtungen gibt es für die Fahrzeugverwertung?
  • Wie lassen sich Kunden gewinnen und welcher Verdienst ist als Fahrzeugverwerter möglich?

Was macht ein Fahrzeugverwerter?

Sofern es sich um eine professionelle, gewerblich organisierte Tätigkeit handelt, werden bei der Autoverwertung alle brauchbaren Teile von den zu entsorgenden getrennt. Diese können wieder verkauft werden, worin die wirtschaftliche Chance für diese Geschäftsidee liegt. Der Rest wird entsorgt, wobei alle geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten sind. Der Fahrzeugverwerter zerlegt also das Auto, wobei er in der Regel mit dem Trockenlegen beginnt (alle Betriebsflüssigkeiten sind zu entfernen). Aus der Karosserie können sämtliche Bauteile entfernt werden, sofern diese am Markt noch Abnehmer finden. Im Gegensatz zum konventionellen Schrotthandel müssen Fahrzeugverwerter strengere Umweltauflagen beachten. Angesichts dessen handelt es sich um einen kostenintensiveren Geschäftsbetrieb, der aber auf der anderen Seite attraktive Verdienstmöglichkeiten in Aussicht stellt.

Voraussetzungen, um sich als Fahrzeugverwerter selbstständig zu machen

Für die selbstständige Berufsausübung brauchen Fahrzeugverwerter keinen Meistertitel – es handelt sich nicht um ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung. Eine Berufsausbildung und belastbare Erfahrungen in der Branche sind gleichwohl erforderlich, um den Betrieb erfolgsorientiert führen zu können. Wer im Betrieb allerdings auch Reparaturen anbietet, bewegt sich in Richtung Kfz-Technikerhandwerk – und das ist zulassungspflichtig. Die Abgrenzung sollte vorab mit der Handwerkskammer geklärt werden.

Die eigentlichen Hürden liegen im Umwelt- und Abfallrecht. Wer gewerbliche Fahrzeugverwertung betreibt, muss sich bereits im Vorfeld der Existenzgründung mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) befassen, das die wesentlichen Rahmenbedingungen vorgibt. Konkretisiert werden diese durch die Altfahrzeug-Verordnung (AltfahrzeugV), mit der Deutschland die EU-Richtlinie 2000/53/EG über Altfahrzeuge umgesetzt hat.

Ohne Anerkennung geht gar nichts: Altfahrzeuge dürfen nur von einem anerkannten Demontagebetrieb angenommen, trockengelegt und zerlegt werden. Die dafür nötige Anerkennung erfolgt über ein Zertifikat, das ausschließlich von einem anerkannten Sachverständigen – etwa einem nach § 36 GewO öffentlich bestellten Sachverständigen – oder einem zugelassenen Umweltgutachter nach § 6 AltfahrzeugV ausgestellt werden darf. Es ist also nicht mit einer beliebigen „TÜV-Prüfung" getan. Der Betrieb wird anschließend jährlich überprüft; das Zertifikat ist zeitlich befristet. Anerkannte Betriebe werden über die Gemeinsame Stelle Altfahrzeuge (GESA) zentral erfasst.

Hinzu kommen die klassischen Anforderungen an den Standort: Die Fläche für die Annahme und Trockenlegung muss über einen flüssigkeitsundurchlässigen Untergrund mit Auffangeinrichtungen verfügen, es gelten Vorgaben zur Lagerung wassergefährdender Stoffe sowie zum Umgang mit Airbags und Gurtstraffern als pyrotechnischen Gegenständen. Je nach Umfang und Lagerkapazität ist zusätzlich eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach dem BImSchG erforderlich – diese Frage sollte vor dem Grundstückskauf geklärt sein, nicht danach.

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Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen mit Fahrzeugverwertung?

Schrottplätze sind schon vor Jahren als Goldgruben bezeichnet worden. Angesichts knapper werdender Rohstoffe und eines mittlerweile deutlich stärker ausgeprägten Nachhaltigkeitsgedankens dürfte das mehr denn je gelten. Gebrauchte Originalteile sind zudem für viele Halter älterer Fahrzeuge die einzige wirtschaftlich sinnvolle Reparaturoption, was der Nachfrage eine stabile Basis gibt. Und schließlich können potenzielle Kunden je nach Restwert auch darauf hoffen, beim Fahrzeugverwerter nichts zahlen zu müssen, sondern noch ein paar Euro zu bekommen.

Der Markt ist dabei überschaubar besetzt: Bundesweit gibt es gut 1.100 anerkannte Demontagebetriebe sowie weitere anerkannte Annahme- und Rücknahmestellen. Für Gründer heißt das zweierlei – die Zahl der Wettbewerber ist begrenzt, die formalen Hürden für den Marktzutritt sind es aber ebenfalls nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Verwertung und Verschrottung?

Auch wenn die Grenze zwischen Schrottplatz/Verschrottung und Autoverwertung fließend erscheint, so gibt es dennoch Unterschiede. Auf diese soll hier eingegangen werden, um die strategische Ausrichtung bei der Existenzgründung als Fahrzeugverwerter von Beginn an zielfokussiert vornehmen zu können.

Im Gegensatz zur Schrottpresse versuchen Fahrzeugverwerter, gezielt noch das ‚Beste' aus einem Auto herauszuholen und diese Teile am Markt möglichst gewinnbringend zu veräußern. Hierin liegt der wirtschaftliche Kern dieser Geschäftsidee. Auch der Fahrzeugverwerter wird irgendwann die Schrottpresse einsetzen. Allerdings hat er bis dahin bereits viel gewinnorientierte Vorarbeit geleistet. Und letztlich hat auch das am Ende zusammengepresste Blech noch einen Wert. Es ergeben sich somit mehrere Ansätze, um als Fahrzeugverwerter mit vermeintlichem Schrott Geld verdienen zu können.

Ein Detail mit erheblicher wirtschaftlicher Wirkung: Nur der anerkannte Demontagebetrieb darf den Verwertungsnachweis ausstellen, den der Halter für die endgültige Abmeldung des Fahrzeugs bei der Zulassungsstelle benötigt. Dieses Papier ist der eigentliche Grund, warum Kunden zum anerkannten Betrieb fahren und nicht zum nächstbesten Schrotthändler – insofern ist die Anerkennung nicht nur Pflicht, sondern auch Vertriebsargument.

Themen für den Businessplan als Fahrzeugverwerter: Darauf kommt es an!

Zunächst ist eine Standort- und Konkurrenzanalyse notwendig. Zu finden ist ein geeignetes Grundstück in einer gut erreichbaren Lage. Es muss den Kapazitäten entsprechen, die im Businessplan zahlenbasiert auf den Punkt gebracht werden – und es muss die oben genannten Anforderungen an Untergrund, Lagerung und ggf. Genehmigung erfüllen. Zudem ist im Zuge dieser notwendigen Ausgangsanalyse zu klären, welche Abnahme- und Kooperationspartner sich gewinnen lassen. Entsprechende Sondierungen oder auch bereits Verhandlungen sind so früh wie möglich zu führen.

Ob sich der Betrieb trägt, entscheidet sich an einer einzigen Größe: der Zahl der verwerteten Fahrzeuge pro Monat im Verhältnis zu den Fixkosten für Fläche, Technik und Personal. Diese Rechnung sollte vor der ersten Investition stehen:

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Notwendige Investitionen für die gewerbliche Fahrzeugverwertung

Da es sich auch um Unfallfahrzeuge handeln kann und nicht mehr alle Wagen mobil sind, ist ein Transportfahrzeug notwendig. Darüber hinaus wird eine Schrottpresse und/oder ein Schredder erforderlich sein. Falls ein Betrieb übernommen werden kann, sind alle notwendigen Ressourcen bereits vorhanden – und in aller Regel auch die Anerkennung als Demontagebetrieb, was den Start erheblich beschleunigt. Um das finanzielle Risiko in der Startphase bereits zu minimieren, kann zunächst in gebrauchte Technik für die Fahrzeugverwertung investiert werden. Für Autoverwerter spielt zudem eine Hebebühne abgesehen von kleineren Werkzeugen eine buchstäblich tragende Rolle. Hinzu kommen die Trockenlegungsanlage und geeignete Behälter für Betriebsflüssigkeiten, die sich aus den Vorgaben der AltfahrzeugV ergeben.

Weil diese Ausstattung kapitalintensiv ist, gehört die Finanzierungsfrage früh geklärt – inklusive der Rate, die der Betrieb in der Anlaufphase tatsächlich tragen kann:

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Für Investitionen in Umwelttechnik und Betriebsausstattung kommen je nach Bundesland Zuschüsse und Förderdarlehen infrage:

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Maschinen, Hebebühne und Transportfahrzeug werden über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben und mindern so den steuerlichen Gewinn:

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Schritt für Schritt in die Fahrzeugverwertung

Die folgende Übersicht dient als unverbindliche Orientierung; die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland, Standort und geplantem Umfang.

  • Fachliche Erfahrung und Branchenkontakte ehrlich einschätzen.
  • Entscheiden: Neugründung oder Übernahme eines anerkannten Betriebs.
  • Wettbewerbssituation im Einzugsgebiet prüfen.
  • Geschäftsschwerpunkt festlegen: Teilehandel, reine Verwertung oder Kombination mit Werkstatt.
  • Grundstück auf Eignung prüfen: Untergrund, Entwässerung, Lagerflächen, Zufahrt.
  • Baurechtliche Zulässigkeit im Gewerbe- bzw. Industriegebiet klären.
  • Prüfen, ob eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung erforderlich ist.
  • Frühzeitig das Gespräch mit der zuständigen Abfall- und Umweltbehörde suchen.
  • Anforderungen der AltfahrzeugV im Betriebsablauf umsetzen.
  • Sachverständigen oder Umweltgutachter für die Zertifizierung beauftragen.
  • Betriebstagebuch und Dokumentation der Stoffströme aufsetzen.
  • Nach erfolgter Anerkennung die Erfassung über die GESA sicherstellen.
  • Rechtsform wählen und Haftungsrisiken bewerten.
  • Gewerbe anmelden und den steuerlichen Erfassungsbogen einreichen.
  • Finanzierung der Erstausstattung sichern und Fördermöglichkeiten prüfen.
  • Mitgliedschaft bei der zuständigen Berufsgenossenschaft klären.
  • Abnehmer für Stahlschrott, Katalysatoren und Sekundärrohstoffe binden.
  • Vertriebswege für Gebrauchtteile aufsetzen, online wie vor Ort.
  • Lagerlogistik und Teileerfassung organisieren, damit Teile auffindbar bleiben.
  • Serviceleistungen definieren: Abholung, Abmeldung, Verwertungsnachweis.
  • Jährliche Überprüfung durch den Sachverständigen terminieren.
  • Ankaufspreise regelmäßig an die Schrott- und Teilepreise anpassen.
  • Deckungsbeitrag je Fahrzeug auswerten statt nur den Gesamtumsatz.
  • Rücklagen für Steuer und schwankende Rohstofferlöse bilden.

Vertrieb: Wohin mit den verwertbaren Fahrzeugteilen?

Bereits im Businessplan muss klar werden, wohin die verwertbaren Teile verkauft werden sollen und vor allem zu welchen Konditionen. Denn hieran wird sich die Profitabilität des Geschäftsmodells messen lassen müssen. Der Businessplan wird angesichts hoher Kosten für die Einrichtung des Geschäftsbetriebs das Ziel haben müssen, Geldgeber und Investoren zu überzeugen. Das zeigt eindringlich, warum Existenzgründer mit dem Businessplan ihre Hausaufgaben sehr gründlich machen sollten.

In der Praxis laufen die Absatzwege zunehmend über Online-Teilebörsen und Verkaufsplattformen, auf denen Gebrauchtteile mit Fahrzeug- und Teilenummer angeboten werden. Wer seine ausgebauten Teile sauber erfasst und einpflegt, erreicht Kunden weit über die Region hinaus – das ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Platz, der auf Laufkundschaft wartet, und einem Betrieb, der seine Teile aktiv vermarktet. Zu bedenken ist dabei die Gewährleistung: Beim Verkauf an Verbraucher gelten auch für gebrauchte Teile gesetzliche Fristen, die sich nur eingeschränkt verkürzen lassen.

Integrationsmöglichkeiten für andere Geschäftsideen prüfen

Natürlich kann die Fahrzeugverwertung auch Teil einer Kfz-Werkstatt sein bzw. an diese angegliedert werden. Wer sich für diese Option interessiert, sollte die Optionen vor Ort prüfen oder den Zusammenschluss mit anderen Gründern suchen (z. B. mit einem Kfz-Meister). Zu beachten ist dabei, dass die Werkstattleistung selbst dem zulassungspflichtigen Kfz-Handwerk unterfällt und daher einen entsprechenden Qualifikationsnachweis im Betrieb voraussetzt.

Weitere Ausrichtungen für diese Geschäftsidee prüfen: Das ist möglich!

Aufgrund der Altfahrzeug-Verordnung sind Hersteller verpflichtet, Altfahrzeuge ihrer Marke unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos zurückzunehmen. Sie bedienen sich dafür eines Netzes anerkannter Rücknahmestellen und Verwerter. Angesichts dessen können Fahrzeugverwerter gezielt Kooperationen mit Herstellern eingehen und möglichst vorteilhafte Konditionen für sich aushandeln. Da Hersteller hierbei oft mit Lizenzwerkstätten zusammenarbeiten, ist ein Gespräch mit solchen Partnern am Standort für diese denkbare strategische Ausrichtung sehr sinnvoll.

Marketing als Fahrzeugverwerter: Wie Kunden gewinnen?

Wer sein altes Auto loswerden will, wird nach ‚Fahrzeugverwertung in XX' suchen. Um Privat- und Geschäftskunden (je nach Ausrichtung des Geschäftsmodells) gewinnen zu können, ist eine reichweitenstarke Internetpräsenz erforderlich. Eine suchmaschinenoptimierte Homepage ist die Basis, um suchende Kunden aufmerksam machen zu können. Da ein Großteil dieser Suchen mobil und ortsbezogen erfolgt, sollte gerade beim Marketing das mobile Element strategisch im Fokus stehen – ebenso ein gepflegtes Unternehmensprofil in den Kartendiensten, über das Anfahrt, Öffnungszeiten und Bewertungen sichtbar werden. Darüber hinaus gibt es für Fahrzeugverwerter zahlreiche Verzeichnisse, die mit Blick auf die Vorteilhaftigkeit der Konditionen sowie Optionen zu prüfen sind. Solche Verzeichnisse können übrigens auch direkt zu Beginn der Ausgangsanalyse genutzt werden, um sich ein aussagekräftiges Bild über die Konkurrenzsituation zu verschaffen.

Service & Mehrwerte für die Kundengewinnung definieren

Um Kunden möglichst schnell und ohne ressourcenbindende Umwege gewinnen zu können, ist das nutzbare Servicespektrum in den Fokus zu rücken. Welche Leistungen bietet die Fahrzeugverwertung? Hier kann die Fahrzeugabholung ohne Zusatzkosten ein wichtiger Baustein sein. Zudem könnte der Fahrzeugverwerter alle Formalitäten rund um die notwendige Fahrzeugabmeldung regeln und den Verwertungsnachweis direkt aushändigen. Eine Orientierung an der Konkurrenz ist sinnvoll, um einen gewissen Mindeststandard zu wahren oder diesen idealerweise mit attraktiven Zusatzleistungen zu verbessern.

Wie viel verdient ein selbstständiger Fahrzeugverwerter?

Hierfür kann es keine pauschale Antwort geben, da Größe und Geschäftsfokus solcher Betriebe sehr unterschiedlich sein können. Daher muss der Finanzteil im Businessplan diese Frage anhand realistischer Zahlen und Szenarien beantworten können. Letztlich hängen die Verdienstmöglichkeiten im Bereich der Fahrzeugverwertung von der Auslastung/Anzahl der Fahrzeuge und von der geschickten Betriebsführung ab: Je besser der Inhaber die Konditionen gestaltet und je teurer er Teile verkaufen kann, desto mehr wird er mit der gewerblichen Fahrzeugverwertung verdienen können.

Die Erlösseite besteht dabei aus mehreren Quellen, die sich sehr unterschiedlich entwickeln:

ErlösquelleMerkmal
Gebrauchtteilehöchste Marge, aber arbeits- und lagerintensiv; Preis hängt an Nachfrage und Fahrzeugmodell
Katalysatoren und Elektronikhoher Wert durch Edelmetalle, stark schwankende Ankaufspreise
Stahlschrott (Restkarosse)Mengengeschäft mit geringer Marge, Preis folgt dem Weltmarkt
Entsorgungsentgeltenur bei Fahrzeugen ohne Restwert, teils durch Herstellerrücknahme begrenzt
ServiceleistungenAbholung und Abmeldung; oft als kostenloser Service kalkuliert, verursacht aber Kosten

Zur Einordnung: Der Preis für Stahlschrott bewegt sich seit einigen Jahren in einer Größenordnung von rund 100 Euro pro Tonne, folgt dabei aber dem Weltmarkt und schwankt deutlich. Auf der anderen Seite kostet das aufwändige und umweltgerechte Recycling pro Fahrzeug ebenfalls einen Betrag in dieser Größenordnung. Hier zeigt sich, dass die reine Verschrottung für Fahrzeugverwerter keine allzu großen Spielräume eröffnet und ein hohes Verhandlungsgeschick erfordert – der Gewinn entsteht überwiegend im Teilegeschäft, nicht am Schrottpreis. Zudem kommen Kunden mit Fahrzeugen, die noch einen gewissen Restwert haben, mit der Erwartung zum Fahrzeugverwerter, noch Geld dafür zu bekommen. Zahlt der Fahrzeugverwerter aus seiner Sicht zu viel an solche Kunden, wird er seinen Gewinn mindern. Insofern sind alle Variablen mit Bedacht durchzukalkulieren. Ein hohes Verhandlungsgeschick beim Verkauf der Fahrzeugteile ist ein weiterer wichtiger Bestandteil, um als Fahrzeugverwerter gut verdienen zu können.

Weitere Faktoren für den Verdienst als Fahrzeugverwerter

Intern müssen Existenzgründer auf eine schlanke Kostenstruktur achten, wenn sie gut mit der Fahrzeugverwertung verdienen wollen. Zu denken ist an die Fixkosten für den Betrieb und auch solche, die für Serviceleistungen anfallen. Der kostenlose Transport von Fahrzeugen ist für Kunden sicher ein entscheidendes Detail. Auf der anderen Seite aber verursacht diese Leistung Kosten, die gegengerechnet werden sollten. Falls Serviceleistungen rund um die Fahrzeugabmeldung vorgesehen sind, so sind auch diese kostentechnisch zu hinterfragen. Sollen diese kostenlos verfügbar sein, auch wenn sie Arbeit und somit Kosten verursachen?

Da die Erlöse aus Rohstoffen schwanken, die Steuerlast aber auf den Jahresgewinn berechnet wird, gehören Rücklagen in diesem Geschäft zur Grundausstattung:

Steuerrücklagen berechnen

Wer mit dem Betrieb Mitarbeiter beschäftigt – und ohne Personal ist die Demontage kaum zu skalieren –, sollte die tatsächlichen Arbeitgeberkosten kennen:

Mitarbeiterkosten berechnen

Ab einer gewissen Betriebsgröße stellt sich zudem die Frage nach der passenden Rechtsform, gerade wegen der Haftungsrisiken im Umgang mit Altöl, Kraftstoffen und pyrotechnischen Bauteilen:

Rechtsform finden

Tücken und häufige Fehler in der Fahrzeugverwertung

  • Grundstück vor der Genehmigungsfrage gekauft: Nicht jede Gewerbefläche eignet sich für die Annahme und Trockenlegung von Altfahrzeugen.
  • Anerkennung unterschätzt: Ohne Zertifikat des Sachverständigen dürfen Altfahrzeuge weder angenommen noch zerlegt werden – und es gibt keinen Verwertungsnachweis für den Kunden.
  • Zu viel für Ankauffahrzeuge gezahlt: Der Restwert eines Fahrzeugs entscheidet sich an den verwertbaren Teilen, nicht am Wunsch des Verkäufers.
  • Nur auf den Schrottpreis geschaut: Das Mengengeschäft trägt selten den Betrieb; die Marge liegt im Teileverkauf.
  • Lager ohne Systematik: Ein Teil, das nicht auffindbar ist, ist wirtschaftlich nicht vorhanden.
  • Airbags und Gurtstraffer wie normalen Schrott behandelt: Es handelt sich um pyrotechnische Gegenstände mit eigenen Vorschriften für Ausbau und Lagerung.
  • Gewährleistung beim Verkauf an Verbraucher ausgeblendet: Auch für gebrauchte Teile gelten gesetzliche Fristen.

Entwicklungen, die die Branche derzeit prägen

Drei Entwicklungen verändern das Geschäft. Erstens verschiebt die zunehmende Zahl an Elektro- und Hybridfahrzeugen das Anforderungsprofil: Hochvoltsysteme dürfen nur von entsprechend qualifiziertem Personal freigeschaltet und ausgebaut werden, Antriebsbatterien brauchen eigene Lager- und Transportkonzepte – zugleich entsteht mit ihnen ein wertvoller Stoffstrom. Zweitens rückt die Kreislaufwirtschaft politisch weiter nach vorn; auf europäischer Ebene wird das Altfahrzeugrecht überarbeitet, unter anderem mit dem Ziel, mehr Rezyklate in Neufahrzeugen einzusetzen und die Ausfuhr von Altfahrzeugen strenger zu kontrollieren. Drittens professionalisiert sich der Handel mit Gebrauchtteilen: Wer Teile digital erfasst, fotografiert und überregional anbietet, erzielt spürbar höhere Erlöse als ein Betrieb, der nur auf Kundschaft vor Ort setzt.

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Fahrzeugverwerter'

Welche Genehmigung braucht eine Autoverwertung?

Erforderlich ist die Anerkennung als Demontagebetrieb nach der Altfahrzeug-Verordnung. Das dafür nötige Zertifikat stellt ein anerkannter Sachverständiger oder ein zugelassener Umweltgutachter aus; der Betrieb wird jährlich überprüft. Je nach Umfang kommt eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung hinzu. Ohne diese Anerkennung dürfen keine Altfahrzeuge angenommen und zerlegt werden.

Welche Voraussetzungen müssen Fahrzeugverwerter erfüllen?

Sie müssen sich bereits im Vorfeld der Gewerbeanmeldung mit zahlreichen gesetzlichen Umweltauflagen befassen und sich als Fachbetrieb zertifizieren lassen. Ein Meistertitel ist für die reine Verwertung nicht erforderlich, wohl aber fachliche Erfahrung – und ein Standort, der die Anforderungen an Untergrund und Lagerung erfüllt. Insofern sind rein formal hohe Hürden mit dem Betrieb einer Fahrzeugverwertung verbunden.

Wie können Fahrzeugverwerter Kunden gewinnen?

Indem sie sich mit einem reichweitenstarken Marketingmix möglichst breit aufstellen, ortsbezogen auffindbar sind und ihre Gebrauchtteile überregional online anbieten. Zu prüfen ist, ob für die Kundenakquise eine Zusammenarbeit mit Autoherstellern bzw. Lizenzwerkstätten in Frage kommt. Hersteller sind verpflichtet, Altfahrzeuge ihrer Marke unter bestimmten Bedingungen kostenlos zurückzunehmen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Verschrottung und Fahrzeugverwertung?

Ja, auch wenn beide Konzepte sehr ähnlich und in einigen Aspekten überlappend sind. Bei der Verwertung kommt es vor allem darauf an, zu veräußernde Bauteile noch herauszubauen und diese vor der Verschrottung möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

Wovon hängt der Verdienst als Fahrzeugverwerter ab?

Von der Kundenakquise/Anzahl der zu verwertenden Fahrzeuge, der Kostenstruktur des Betriebs, den Fach- und Marktkenntnissen des Gründers sowie insbesondere von dessen Verhandlungs- und Verkaufsgeschick. Auch die Ressourcen der Fahrzeugverwertung spielen eine Rolle: Wie viele Autos können pro Tag zerlegt werden? Entscheidend ist dabei der Anteil des Teilegeschäfts, denn dort liegt die Marge.

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