Selbstständig machen als Fahrzeugverwerter

Warum auf den Gedanken kommen, sich als Fahrzeugverwerter selbstständig zu machen? Spätestens seit der Kultsendung um die Brüder Ludolf ist vielen klar geworden, dass es sich bei einem Schrottplatz bzw. genauer gesagt der Fahrzeugverwertung um ein lukratives Geschäftsmodell handelt. Durch die weltweit steigende Nachfrage für begrenzte Rohstoffe scheint es sich zudem um ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell zu handeln. Beim Verkauf von Materialien aus der professionellen Fahrzeugverwertung lassen sich nämlich am Markt hohe Preise erzielen. Sei es ein Totalschaden oder eine nicht mehr lohnende Reparatur: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ein Auto verschrottet bzw. final veräußert werden muss.

Grund genug also von der Nachfrage her, um in diesem Beitrag der Geschäftsideeselbstständig machen als Fahrzeugverwerter‘ praxisorientiert auf den Grund zu gehen, und zwar mit diesen Inhalten:

  • Warum selbstständig machen mit Fahrzeugverwertung?

  • Was gehört in den Businessplan?

  • Welche strategischen Ausrichtungen gibt es für die Fahrzeugverwertung?

  • Wie lassen sich Kunden gewinnen und welcher Verdienst ist als Fahrzeugverwerter möglich?


Was macht ein Fahrzeugverwerter?

Sofern es sich um eine professionelle, gewerblich organisierte Tätigkeit handelt, werden bei der Autoverwertung alle brauchbaren Teilen von zu entsorgenden getrennt. Diese können wieder verkauft werden, worin die wirtschaftliche Chance für diese Geschäftsidee liegt. Der Rest wird entsorgt, wobei alle geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten sind. Der Fahrzeugverwerter zerlegt also das Auto, wobei der in der Regel mit dem Trockenlegen beginnt (alle Betriebsflüssigkeiten sind zu entfernen). Aus der Karosserie können sämtliche Bauteile entfernt werden, sofern diese am Markt noch Abnehmer finden. Im Gegensatz zum konventionellen Schrotthandel müssen Fahrzeugverwerter strengere Umweltauflagen beachten. Angesichts dessen handelt es sich um einen kostenintensiveren Geschäftsbetrieb, der aber auf der anderen Seite attraktive Verdienstmöglichkeiten in Aussicht stellt.


Voraussetzungen, um sich als Fahrzeugverwerter selbstständig zu machen:

Beim Berufsbild Fahrzeugverwerter handelt es sich laut Anlage B der Handwerksordnung um ein handwerksähnliches, zulassungsfreies Gewerbe. Für die selbstständige Berufsausübung brauchen Fahrzeugverwerter insofern keinen Meistertitel. Eine Berufsausbildung und belastbare Erfahrungen in der Branche sind erforderlich, um den Betrieb erfolgsorientiert führen zu können. Im Vorfeld der Planung haben selbstständige Fahrzeugverwerter bereits die zahlreichen gesetzlichen Auflagen zu beachten. Wer sich selbstständig als Autoverwerter machen möchte, muss ein Zertifikat vorweisen können. Hierfür ist eine Prüfung durch den TÜV notwendig. Wer gewerbliche Fahrzeugverwertung betreibt, muss sich bereits im Vorfeld der Existenzgründung mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz befassen, das wesentliche Rahmenbedingungen vorgibt. Darüber hinaus ist die Richtlinie der Europäischen Union (200/53/EG) für Altfahrzeuge zu beachten. Falls die Autoverwertung den Geschäftsbetrieb aufnehmen darf, wird sie auf der GESA, der gemeinsamen Stelle für Altfahrzeuge aller Bundesländer, eingetragen.


Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen mit Fahrzeugverwertung?

Bereits vor 13 Jahren war im Stern ein Bericht zu lesen, in dem Schrottplätze als Goldgruben bezeichnet wurden. Angesichts knapper werdender Rohstoffe und einem 2020 deutlich stärker ausgeprägten Nachhaltigkeitsgedanken dürfte das mehr denn je gelten. Und schließlich können potenzielle Kunden je nach Restwert auch darauf hoffen, beim Fahrzeugverwerter nichts zahlen zu müssen, sondern noch ein paar Euro zu bekommen.
 

Was ist der Unterschied zwischen Verwertung und Verschrottung?

Auch wenn die Grenze zwischen Schrottplatz/Verschrottung und Autoverwertung fließend erscheint, so gibt es dennoch Unterschiede. Auf diese soll hier eingegangen werden, um die strategische Ausrichtung bei der Existenzgründung als Fahrzeugverwerter von Beginn an zielfokussiert vornehmen zu können.

Im Gegensatz zur Schrottpresse versuchen Fahrzeugverwerter, gezielt noch das ‚Beste‘ aus einem Auto herauszuholen und diese Teile am Markt möglichst gewinnbringend zu veräußern. Hierin liegt der wirtschaftliche Kern dieser Geschäftsidee. Auch der Fahrzeugverwerter wird irgendwann die Schrottpresse einsetzen. Allerdings hat er bis dahin bereits viel gewinnorientierte Vorarbeit geleistet. Und letztlich hat auch das am Ende zusammengepresste Blech noch einen Wert. Es ergeben sich somit mehrere Ansätze, um als Fahrzeugverwerter mit vermeintlichem Schrott Geld verdienen zu können.


Themen für den Businessplan als Fahrzeugverwerter: Darauf kommt es an!

Zunächst ist eine Standort- und Konkurrenzanalyse notwendig, da es in Deutschland weit mehr als 1.000 Fahrzeugverwerter gibt. Zu finden ist ein geeignetes Grundstück in einer gut erreichbaren Lage. Es muss den Kapazitäten entsprechen, die im Businessplan zahlenbasiert auf den Punkt gebracht werden. Zudem ist im Zuge dieser notwendigen Ausgangsanalyse zu klären, welche Abnahme- und Kooperationspartner sich gewinnen lassen. Entsprechende Sondierungen oder auch bereits Verhandlungen sind so früh wie möglich zu führen.


Notwendige Investitionen für die gewerbliche Fahrzeugverwertung?

Da es sich auch um Unfallfahrzeuge handeln kann und nicht mehr alle Wagen mobil sind, ist ein Transportfahrzeug notwendig. Darüber hinaus wird eine Schrottpresse und/oder ein Schredder erforderlich sein. Falls ein Betrieb übernommen werden kann, sind alle notwendigen Ressourcen bereits vorhanden. Um das finanzielle Risiko in der Startphase bereits zu minimieren, kann zunächst in gebrauchte Technik für die Fahrzeugverwertung investiert werden. Für Autoverwerter spielt zudem eine Hebebühne abgesehen von kleineren Werkzeugen eine buchstäblich tragende Rolle.
 

Vertrieb: Wohin mit den verwertbaren Fahrzeugteilen?

Bereits im Businessplan muss klar werden, wohin die verwertbaren Teile verkauft werden sollen und vor allem zu welchen Konditionen. Denn hieran wird sich die Profitabilität des Geschäftsmodells messen lassen müssen. Der Businessplan wird angesichts hoher Kosten für die Einrichtung des Geschäftsbetriebs das Ziel haben müssen, Geldgeber und Investoren zu überzeugen. Das zeigt eindringlich, warum Existenzgründer mit dem Businessplan ihre Hausaufgaben sehr gründlich machen sollten.


Integrationsmöglichkeiten für andere Geschäftsideen prüfen

Natürlich kann die Fahrzeugverwertung auch Teil einer Kfz-Werkstatt sein bzw. an diese angegliedert werden. Wer sich für diese Option interessiert, sollte die Optionen vor Ort prüfen oder den Zusammenschluss mit anderen Gründern suchen (z. B. mit einem Kfz Meister).
 

Weitere Ausrichtungen für diese Geschäftsidee prüfen: Das ist möglich!

Aufgrund der Altfahrzeug-Verordnung sind Hersteller verpflichtet, alte Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos zu entsorgen. Angesichts dessen könnten Fahrzeugverwerter auch gezielt Kooperationen mit Herstellern eingehen und möglichst vorteilhafte Konditionen für sich aushandeln. Da Hersteller herbei oft mit Lizenzwerkstätten zusammenarbeiten, ist ein Gespräch mit solchen Partnern am Standort für diese denkbare strategische Ausrichtung sehr sinnvoll.
 

Marketing als Fahrzeugverwerter: Wie Kunden gewinnen?

Wer sein altes Auto loswerden will, wird nach ‚Fahrzeugverwertung in XX‘ googeln. Um Privat- und Geschäftskunden (je nach Ausrichtung des Geschäftsmodells) gewinnen zu können, ist eine reichweitenstarke Internetpräsenz erforderlich. Eine suchmaschinenoptimierte Homepage ist die Basis, um suchende Kunden aufmerksam machen zu können. In den kommenden Jahren wird die mobile Internetnutzung in Deutschland eine noch bedeutende Rolle spielen. Daher sollte gerade beim Marketing das mobile Element strategisch in den Fokus rücken. Darüber hinaus gibt es für Fahrzeugverwerter zahlreiche Verzeichnisse, die mit Blick auf die Vorteilhaftigkeit der Konditionen sowie Optionen zu prüfen sind. Solche Verzeichnisse können übrigens auch direkt zu Beginn der Ausgangsanalyse genutzt werden, um sich ein aussagekräftiges Bild über die Konkurrenzsituation zu verschaffen.
 

Service & Mehrwerte für die Kundengewinnung definieren

Um Kunden möglichst schnell und ohne ressourcenbindende Umwege gewinnen zu können, ist das nutzbare Servicespektrum in den Fokus zu rücken. Welche Leistungen bietet die Fahrzeugverwertung? Hier kann die Fahrzeugabholung ohne Zusatzkosten ein wichtiger Baustein sein. Zudem könnte der Fahrzeugverwerter alle Formalitäten rund um die notwendige Fahrzeugabmeldung regeln. Eine Orientierung an der Konkurrenz ist sinnvoll, um einen gewissen Mindeststandard zu wahren oder diesen idealerweise mit attraktiven Zusatzleistungen zu verbessern.
 

Wie viel verdient ein selbstständiger Fahrzeugverwerter?

Hierfür kann es keine pauschale Antwort geben, da Größe und Geschäftsfokus solcher Betriebe sehr unterschiedlich sein können. Daher muss der Finanzteil im Businessplan diese Frage anhand realistischer Zahlen und Szenarien beantworten können. Letztlich hängen die Verdienstmöglichkeiten im Bereich der Fahrzeugverwertung von der Auslastung/Anzahl der Fahrzeuge und von der geschickten Betriebsführung ab: Je besser der Inhaber die Konditionen gestaltet und je teurer er Teile verkaufen kann, desto mehr wird er mit der gewerblichen Fahrzeugverwertung verdienen können.

In den letzten Jahren zahlen Altmetallbetriebe als mögliche Abnehmer teils mehr als 100 Euro pro Tonne Stahl. Auf der anderen Seite kostet das aufwändige und umweltgerechte Recycling pro Fahrzeug auch etwa 100 Euro. Hier zeigt sich, dass die gewinnorientierte Rechnung für Fahrzeugverwerter keine allzu großen Spielräume eröffnet und ein hohes Verhandlungsgeschick erfordert. Zudem kommen Kunden mit Fahrzeugen, die noch einen gewissen Restwert haben, mit der Erwartung zum Fahrzeugverwerter, noch Geld dafür zu bekommen. Zahlt der Fahrzeugverwerter aus seiner Sicht zu viel an solche Kunden, wird er seinen Gewinn mindern. Insofern sind alle Variablen mit Bedacht durchzukalkulieren. Ein hohes Verhandlungsgeschick beim Verkauf der Fahrzeugteile ist ein weiterer wichtiger Bestandteil, um als Fahrzeugverwerter gut verdienen zu können.
 

Weitere Faktoren für den Verdienst als Fahrzeugverwerter?

Intern müssen Existenzgründer auf eine schlanke Kostenstruktur achten, wenn sie gut mit der Fahrzeugverwertung verdienen wollen. Zu denken ist an die Fixkosten für den Betrieb und auch solche, die für Serviceleistungen anfallen. Der kostenlose Transport von Fahrzeugen ist für Kunden sicher ein entscheidendes Detail. Auf der anderen Seite aber verursacht diese Leistung Kosten, die gegengerechnet werden sollten. Falls Serviceleistungen rund um die Fahrzeugabmeldung vorgesehen sind, so sind auch diese kostentechnisch zu hinterfragen. Sollen diese kostenlos verfügbar sein, auch wenn sie Arbeit und somit Kosten verursachen?

 

Selbstständig machen als Fahrzeugverwerter: Was passiert mit der Krankenversicherung?

Wer vorher gesetzlich krankenversichert war, kann das als freiwillig Versicherter auch weiterhin bleiben. Allerdings würden die Beiträge dann mit dem Verdienst bis zum Höchstsatz steigen, sie müssten zudem angesichts der vorläufigen Beitragseinstufung regelmäßig nachgewiesen werden. Je nach Zusatzbeitrag und Kosten für die Pflegeversicherung ist im Höchstsatz mit einem Monatsbeitrag in der Größenordnung von 800 Euro zu rechnen. Daher kann es eine Option sein, als Selbstständiger in die private Krankenversicherung zu wechseln. Dies ist alleine durch den Status ‚Selbstständiger‘ und völlig unabhängig von den Einkünften möglich. Maßgeblich für die Beiträge zur privaten Krankenversicherung sind das individuelle Gesundheitsrisiko sowie die Bausteine, die für eine optimal abgestimmte Gesundheitsversorgung gezielt gewählt werden können.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Fahrzeugverwerter‘

  1. Welche Voraussetzungen müssen Fahrzeugverwerter erfüllen?

Sie müssen sich bereits im Vorfeld der Gewerbeanmeldung mit zahlreichen gesetzlichen (Umwelt)auflagen befassen und sich als Fachbetrieb zertifizieren lassen. Insofern sind rein formal hohe Hürden mit dem Betrieb einer Fahrzeugverwertung verbunden.

  1. Wie können Fahrzeugverwerter Kunden gewinnen?

Indem sie sich mit einem reichweitenstarken Marketingmix möglichst breit aufstellen. Zu prüfen ist, ob für die Kundenakquise eine Zusammenarbeit mit Autoherstellern bzw. Lizenzwerkstätten in Frage kommt. Laut einer Richtlinie sind Hersteller verpflichtet, unter gewissen Bedingungen Altfahrzeuge kostenlos zurückzunehmen.

  1. Gibt es einen Unterschied zwischen Verschrottung und Fahrzeugverwertung?

Ja, auch wenn beide Konzept sehr ähnlich und in einigen Aspekten überlappend sind. Bei der Verwertung kommt es vor allem darauf an, zu veräußernde Bauteile noch herauszubauen und diese vor der Verschrottung möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

  1. Wovon hängt der Verdienst als Fahrzeugverwerter ab?

Von der Kundenakquise/Anzahl der zu verwertenden Fahrzeuge, der Kostenstruktur des Betriebs, den Fach- und Marktkenntnissen des Gründers sowie insbesondere von dessen Verhandlungs-/Verkaufsgeschick. Auch die Ressourcen der Fahrzeugverwertung spielen eine Rolle: Wie viele Autos können pro Tag zerlegt werden?

Quellenangabe: 
  • https://www.stern.de/politik/deutschland/schrottplaetze-goldgruben-der-zukunft-3263876.html [zuletzt verwendet am 31.7.2020].
  • Verzeichnis der Autoverwerter in Deutschland, online abrufbar unter https://autoverwerter.de/ [zuletzt verwendet am 31.7.2020].
  • https://www.spiegel.de/auto/aktuell/schrottplatz-so-laeuft-das-geschaeft-mit-schrottautos-a-1043421.html [zuletzt verwendet am 31.7.2020].

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