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Selbstständig machen mit einem Getränkemarkt

Paar kauft ein im Getränkemarkt

Wer auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee ist, sollte in erster Linie nachfrageorientiert denken. Das unterscheidet unternehmerisches Denken von unkonkreten Plänen. Am besten ist es, an einem menschlichen Grundbedürfnis anzusetzen, da ein solches immer eine gewisse Nachfrage in Aussicht stellt. Die konkreten Erfolgschancen lassen sich immer erst am Standort einschätzen. Insofern erscheint es perspektivenreich, sich mit der Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Getränkemarkt‘ näher zu befassen. Genau dies soll im folgenden Beitrag mit einem hohen Maß an Praxisorientierung geschehen. Neben Gefahren und Chancen sollen ebenfalls zentrale formale Rahmenbedingungen beleuchtet werden.
 

Existenzgründung mit Getränkemarkt: selbstständig machen mit der richtigen Einnahmequelle

  • Analyse der Ausgangslage: Chancenbewertung

  • Persönliche Anforderungen an Existenzgründer

  • Franchise Lösungen als prüfenswerte Alternative

  • Getränkemarkt eröffnen: Planung der Finanzen

  • Was macht einen guten Standort aus?

  • Angebot und weitere Serviceleistungen

  • das Problem saisonaler Einnahmeschwankungen

  • Voraussetzungen, um sich selbstständig mit einem Getränkemarkt zu machen

     

Ausgangsanalyse für die Selbstständigkeit mit einem Getränkemarkt

Die Umsätze in diesem Wirtschaftszweig lagen 2017 bei 21 Milliarden Euro, was einem leichten Wachstum entspricht. Zu den Konsumgütern in diesem Bereich zählen diverse alkoholische Getränke sowie Mineralwasser und sonstige Erfrischungsgetränke/Säfte. Zu beachten ist, dass nicht jede Getränkesorte einen Wachstumskurs in Aussicht stellt. So sind insbesondere die Bierumsätze in den letzten Jahren zurückgegangen. Insofern ist bei der Zusammenstellung des Produktsortiments auf eine gesunde Mischung zu achten, die Risiken streut und der Nachfrage vor Ort bestmöglich entspricht. Wer sich selbstständig mit einem Getränkemarkt machen will, sollte ohnehin die aktuellen Trends und Entwicklungen kennen. Nur so wird es möglich sein, die Strategie des Geschäftes mit der notwendigen Nachhaltigkeit auszurichten.
 

Aktuelle Situation freier Getränkemärkte in Deutschland

Zu bedenken ist ferner, dass es hierzulande nur noch wenige freie Getränkemärkte gibt. Diese Geschäftsform wäre ja mit einer Existenzgründung in diesem Bereich verbunden. Große Handelsketten und das attraktive Angebot von Supermärkten und Discountern setzen kleinen Getränkemärkten immer mehr zu. Insofern muss der Standort mit Bedacht gewählt werden. Auch die erfolgskritischen Lieferantenbeziehungen und -konditionen müssen den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Getränkemarkt grundsätzlich als profitabel erscheinen lassen. In diesem Kontext gilt schon bei der Planung: durchrechnen mit konkreten Zahlen & Szenarien ist besser als ein kostenintensives Scheitern nach wenigen Monaten. Insofern sollte direkt zu Beginn auch die strategische Option von Franchiselösungen ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Eine alternative Geschäftsidee kann darin bestehen, sich mit einem Kiosk selbstständig zu machen (https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/kiosk). Auf diesem Weg wäre das Produktspektrum zu großen Teilen, aber eben nicht nur auf Getränke auszurichten.
 

Franchisenehmer werden für einen Getränkemarkt

Wer sich für diese Option entscheidet, kann sofort auf ein funktionierendes System zurückgreifen. Besonders wertvoll dabei ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht, dass das Produktspektrum samt Lieferkooperationen sofort an einem funktionalen Standort genutzt werden kann. Es besteht nicht der Druck, als kleiner Getränkemarkt preislich mit der unmittelbaren Konkurrenz mithalten zu müssen. Aber natürlich hat die Selbstständigkeit mit einem Getränkemarkt in einem Franchisesystem ihren Preis. Gefordert wird oft eine große Summe an Eigenkapital und die Umsatzbeteiligungen können die eigenen Gewinne deutlich mindern. Hinzu kommt, dass Existenzgründer ihre Entscheidungsfreiheit zu großen Stücken abgeben müssen, da sie ja quasi nur per Vertrag und klar definierter Rahmenbedingungen auf ein funktionierendes System zurückgreifen können. Allerdings erscheint diese Lösung im Bereich des Getränkehandels als sehr prüfenswert, um die Crux der Lieferantenbeziehungen zu umgehen. Es kann auf jeden Fall nicht schaden, sich online einen Überblick verschiedener Anbieter zu verschaffen und die Konditionen im Detail zu vergleichen. Auch hier gilt: Entscheidungen sollten immer zahlenbasiert und nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden.
 

Persönliche Anforderungen an Existenzgründer

Wer nicht auf Franchise setzen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass fundierte betriebswirtschaftliche bzw. buchhalterische Kenntnisse unabdingbar sind, um einen Geschäftsbetrieb mit größtmöglichen Gewinnmargen profitabel führen zu können. Hinzu kommt, dass es sich gerade im Falle eines kleinen Getränkemarktes um eine körperliche Belastung handelt, wenn der Chef selbst mit anpacken muss. Im Falle eines größeren Betriebes rückt der Bereich der Personalführung mit all seinen administrativen Erfordernissen auf den Plan. Ein Staplerschein sollte unbedingt vorhanden sein, um das Verladen so effizient wie nur möglich zu gestalten.
 

Getränkemarkt eröffnen: Standort und Produktpalette

Die Gedanken zur Ausgangslage haben offenbart, dass eine ganzheitliche Analyse zu Beginn der Planung erforderlich ist, um mit einem Getränkemarkt erfolgreich in die Selbstständigkeit zu starten. Der Businessplan ist der richtige Rahmen, um alle erfolgskritischen Geschäftsbereiche zu planen und aufeinander abzustimmen. Die wichtigsten Aufgaben in diesem Bereich werden im Folgenden vorgestellt. In jedem Fall wird der Businessplan sehr überzeugend sein müssen, wenn damit externe Geldgeber/Banken überzeugt werden sollen. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Arbeit für einen professionellen Businessplan in jeder Hinsicht auszahlen wird.

Wer sich mit einem freien Getränkemarkt selbstständig machen möchte, braucht zunächst einen guten Standort und geeignete Räumlichkeiten. Neben der Lage und einer guten Verkehrsanbindung muss natürlich die unmittelbare Konkurrenzsituation analysiert werden. Nur so kann eingeschätzt werden, wie groß die Nachfrage am Standort sein wird. Was die Räumlichkeiten angeht, so müssen diese groß genug sein, um das Produktspektrum angemessen zu präsentieren. Insofern können höhere Kosten durchaus gerechtfertigt sein, wenn der Standort samt Räumlichkeiten eine nachhaltig gute Geschäftsbasis in Aussicht stellt. Von immenser Bedeutung sind ausreichende Parkmöglichkeiten mit möglichst kurzen Wegen, denn schwere Getränkekisten werden in aller Regel mit dem Auto eingekauft. Auch das Thema Pfandrückgabe muss für Kunden so angenehm wie möglich gelöst werden, denn vor dem Einkauf werden Kisten und Einwegflaschen für gewöhnlich wieder abgegeben. Dieser Prozess muss sich zügig und problemlos erledigen lassen, um für ein angenehmes Einkauferlebnis zu sorgen, das zum Wiederkommen einlöst. Insofern muss im Businessplan jedes Detail stimmen, um alle Verkaufsprozesse aus Kundensicht optimal zu gestalten.
 

Wesentlicher Erfolgsfaktor: Bezugsquellen für den Einkauf

Franchiselösungen kommen nicht in Betracht, ein Standort samt Räumlichkeiten ist gefunden. Bevor es losgeht, muss unbedingt Klarheit über den erfolgskritischen Faktor Bezugsquellen herrschen. Gemeint sind Kooperationen mit Lieferanten und deren Vertragskonditionen. Und in diesem Bereich haben es kleine, freie Getränkemärkte sehr schwer, weshalb sich Franchiselösungen in diesem Sektor einer großen Beliebtheit erfreuen. Es gilt, Verträge mit möglichst guten Konditionen auszuhandeln, sodass Gewinnmargen erzielt werden können. Zu hohe Einkaufspreise entziehen einem Getränkemarkt angesichts der erdrückenden Konkurrenz sehr schnell die wirtschaftliche Grundlage. Insofern empfiehlt es sich, Kooperationen mit regionalen Anbietern anzustreben, die tendenziell eher mit sich handeln lassen und Rabatte gewähren. Und viele Kunden kaufen zudem ganz bewusst regionale Erzeugnisse. Je größer die Abnahmemenge, desto niedriger wird der Einkaufspreis sein. Doch Vorsicht: Zu hohe Lagerbestände, auf denen der Geschäftsführer womöglich lange sitzen bleibt, können die Liquidität sehr schnell gefährden. Und auch Getränke haben ein Verfallsdatum.
 

Zwischenfazit: Ohne Kontakte geht es nicht…

Wer sich selbstständig mit einem Getränkemarkt machen möchte, braucht in jedem Falle schon vor der Eröffnung ein gutes Netzwerk bzw. Kontakte in der Branche. Ansonsten kann es schwierig werden, (Groß)händler für sich zu gewinnen. In der Branche gilt folgende Faustregel: Je näher Getränkemärkte am Produzenten sind, desto günstiger respektive wirtschaftlicher sind die Einkaufspreise. Gewinnmargen werden sich nicht durch überteuerte Preise erreichen lassen, schließlich ist die Auswahl für Kunden fast unendlich.
 

Produktpalette und Serviceangebot

Im Businessplan sollte deutlich werden, welche Getränke in welchem Maße und zu welchen Margen verkauft werden sollen. Willkürlich sollte der Fokus auf bestimmte Getränke oder auch Biersorten nie erscheinen, sondern sich möglichst nachfrageorientiert am Standort belegen lassen. Zudem kann es durchaus sein, dass eine Angebotslücke für bestimmte Getränke vorhanden ist. Um das Sortiment bewusst von der Konkurrenz abzuheben, können besondere Produkte verkauft werden. Zu denken ist etwa an erlesene Weine aus aller Welt oder internationale Biersorten. Sinnvoll ist es ebenso, Kunden mit Aktionen immer wieder bei Laune zu halten und zum Kauf zu animieren (z.B. Bier oder Wein des Monats). Natürlich kann es auch sinnvoll sein, auf höherpreisige Nischenprodukte wie Bio-Erzeugnisse zu setzen. Neben der eigentlichen Produktpalette an Getränken spielt für Kunden zudem das direkt erlebbare Serviceniveau eine entscheidende Rolle. Gerade in diesem Bereich haben kleine Getränkemärkte die große Chance, sich von der Konkurrenz anzuheben.
 

Was ist für Kunden ein Mehrwert?

Denkbar wäre etwa eine persönliche Hilfe beim Einladen ins Autos oder bei der Pfandrückgabe. Ein kostenloser Lieferservice ab einem bestimmten Betrag in einem definierten Umkreis kann den Kundenkreis deutlich erhöhen, ebenso die Bekanntheit. Im Markt können Verköstigungsaktionen einen sinnvollen Beitrag dazu leisten, Kunden an neue Produkte heranzuführen oder diese zu testen, bevor sie in das Programm aufgenommen werden. Handlungsspielräume bestehen auch im kundenorientierten Umgang mit Reklamationen. Viele Getränkemärkte nehmen volle Kisten zurück, wenn für eine Feier zu viel eingekauft wurde. Apropos: In diesem Bereich könnte eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen werden, indem Caterer beliefert werden oder auf Veranstaltungen in der Nähe ein eigener Stand betrieben wird.
 

Die Finanzen müssen stimmen

Die Mehrzahl an Existenzgründern scheitert an den Finanzen. Daher sollten diese im Businessplan sorgfältig und vor allem realistisch geplant werden. Für Umbau und Einrichtung können schnell hohe Kosten entstehen (man denke etwa nur an ein Kassensystem und ggf. Automaten für die Rückgabe von Pfand). Das unternehmerische Risiko für die Selbstständigkeit mit einem Getränkemarkt ist nicht zu leugnen, weshalb es schon durch die Wahl der Rechtsform in die richtigen Bahnen gelenkt werden sollte (Stichwort Haftung). Die Qualität eines Businessplans ist entscheidend für die Verhandlungsposition, die Existenzgründer in Gesprächen mit Banken einnehmen können.
 

Saisonale Schwankungen bedenken bzw. ausgleichen

Es sollte Klarheit darüber herrschen, dass saisonale Schwankungen in der Natur dieser Geschäftsidee liegen. Im Sommer werden mehr Getränke konsumiert als im Winter, dementsprechend werden die Umsätze nicht gleichmäßig verteilt sein. Daher überrascht es nicht, dass in vielen Getränkemärkten nicht nur Getränke verkauft werden. Zum (saisonalen) Produktangebot können auch Knabbereien, Haushaltsartikel oder funktionale Alltagshelfer gehören. Hier sind der geschäftlichen Kreativität keine Grenzen gesetzt, um neue Einnahmequellen jenseits des Verkaufes von Getränken zu generieren.
 

Großereignisse sind eine Chance für das Geschäft

Auch sportliche Großereignisse wie eine Fußballweltmeisterschaft können die Nachfrage kurzfristig in die Höhe schnellen lassen. Es gilt, sich langfristig auf solche Chancen vorzubereiten. Zudem können Werbeaktionen gerade zu solchen Anlässen als reichweitenstarke Marketingwaffe genutzt werden. Es gibt nicht ärgerlicheres als kaufwillige Kunden, die im Getränkemarkt vor leeren Paletten enttäuscht stehen und dem Laden im schlimmsten Falle für immer den Rücken zukehren.
 

Getränkemarkt eröffnen: zu beachtende Formalitäten

Wer einen Getränkemarkt eröffnen will, muss vorher unbedingt ein Gewerbe anmelden. Das Gewerberecht sieht hierfür keine spezifischen Qualifikationen vor, sodass mit recht geringen formalen Einstiegshürden zu rechnen ist. Welche Nachweise erbracht werden müssen und ob eine Erlaubnispflicht zu beachten ist, hängt immer vom konkreten Angebotsspektrum des Getränkemarktes ab. Dieses muss ohnehin auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung umfassend geschildert werden.

Wer alkoholische Getränke und ggf. ferner Tabakwaren zur Erhöhung der Einnahmebasis verkaufen möchte, muss Kenntnisse in puncto Jugendschutz bei der Gewerbeanmeldung nachweisen können. Hinzu kommt, dass der Jugendschutz im operativen Geschäftsbetrieb eingehalten werden muss! Was die Pfandabwicklung angeht, so sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten: Welche Art von Pfand muss mit Blick auf das eigene Produktspektrum zurückgenommen werden?

Was die Räumlichkeiten angeht, so ist eine Nutzungsänderung ggf. ebenso zu beantragen wie eine Genehmigung für Umbauarbeiten. Damit die Geschäftsräume von der Gewerbeaufsicht abgenommen werden können, müssen sie den Anforderungen des Brandschutzes entsprechen. Ausreichende Parkmöglichkeiten und sanitäre Anlagen sind je nach Größe des Ladenlokals zur Verfügung zu stellen. Für den laufenden Geschäftsbetrieb sind die gesetzlichen Öffnungszeiten im Bundesland ebenso wie die Preisauszeichnungspflichten zu beachten.
 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Getränkemarkt‘

  1. Die Darstellungen zu dieser Geschäftsidee lassen folgende Faktoren für Erfolg mit einem Getränkemarkt deutlich werden: solide Finanzen, guter Standort sowie belastbare Lieferantenkooperationen und vorteilhafte Einkaufskonditionen

  2. Da es kleine, freie Getränkemärkte angesichts der enormen Konkurrenz zusehends schwerer haben, kann Franchise durchaus eine Option für die Existenzgründung in diesem Bereich sein

  3. Der Erfolg steht und fällt mit guten Einkaufskonditionen, die entscheidend für ausreichende Gewinnmargen sind. Da kleine Getränkehändler eine schwächere Verhandlungsposition haben, sollten sie eher regional denken und handeln

  4. Wer sich von der Konkurrenz abheben möchte, kann dies gezielt mit Produkten und einem hohen Serviceniveau tun. Hierin liegt auch ein großes Marketingpotenzial verborgen

  5. Vor der Eröffnung eines Getränkemarktes muss ein Gewerbe angemeldet werden. Vor allem der gesetzliche Jugendschutz muss beachtet werden, wenn alkoholische Getränke und/oder Tabakwaren verkauft werden.

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