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Selbstständig machen als Winzer

Winzer bei der Weinprobe

Für viele ist es eine reizvolle Vorstellung, mit dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit einen Traum zu verwirklichen. Viele Menschen lieben einen guten Wein als Ausdruck genießbarer Lebensqualität. Warum sollte aus dieser Leidenschaft nicht eine vielversprechende Existenzgründung werden? In letzter Zeit mehren sich die prominenten Beispiele: So vermarktet z.B. Günther Jauch erfolgreich seine Weine. In dieser Hinsicht soll im folgenden Beitrag die beliebte Geschäftsideeselbstständig machen als Winzer‘ näher beleuchtet werden. Welche Voraussetzungen fachlicher und formaler Natur gibt es, um sich als Winzer selbstständig machen zu können? Welche Themen und Trends sollten ganz oben auf der Planungsagenda stehen, um einen Weinberg wirtschaftlich betreiben zu können? Welche Einstellung brauchen Gründer, um aus dem Hobby einen Beruf zu machen?

Alle Optionen prüfen: selbstständig machen als Winzer bzw. mit Wein

Wer zu Beginn alle Optionen in diesem gewerblichen Bereich prüfen möchte, kann sich auch mit einem Weinhandel (https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/weinhandel) näher befassen. Diese Option ist vor allem für all diejenigen prüfenswert, die sich mit der landwirtschaftlichen Materie nicht wirklich auskennen oder die keinen geeigneten Weinberg nutzen können.
 

Existenzgründung als Winzer: selbstständig machen mit erlesenen Tropfen

  • Kontext, Ausgangslage & Herausforderungen

  • Weingut gründen: Wo und wie einen Weinberg finden?

  • Kapitalbedarf & Investitionen in Technik

  • mögliche weitere Einnahmequellen

  • Organisation des Vertriebes

  • gewerblich Wein anbauen: Voraussetzungen

     

Ausgangslage für selbstständige Winzer richtig einschätzen

In Deutschland finden sich die meisten Weinberge entlang der Mosel, wo klimatisch hervorragende Bedingungen herrschen. In der Regel ist es so, dass Weinberge von erfahrenen Weinbauern bestellt werden, und dies oft schon seit mehreren Generationen. Vielen selbstständigen Winzern wurde das Wissen quasi in die Wiege gelegt. Aber natürlich steht es auch Quereinsteigern offen, sich erfolgreich selbstständig als Winzer zu machen, zumal es sich um einen anerkannten Ausbildungsberuf handelt. Abgesehen davon gibt es akademische Weiterbildungsoptionen im Bereich Weinbau, Weinbauwirtschaft sowie Önologie. Ohne Ausbildung bzw. fundiertes Fachwissen wird die Existenzgründung als Winzer nicht funktionieren, da der Weinanbau und der Herstellungsprozess recht aufwändig sind (dazu später noch mehr). Wer insofern aus seiner Leidenschaft zu Wein einen Beruf machen möchte, sollte die Selbstständigkeit eher langfristig planen. Idealerweise können schon langjährige Erfahrungen in einem Weinanbaubetrieb gesammelt werden, und zwar was die kaufmännische und die handwerkliche Geschäftsführung angeht. Denn nur wenn diesen beiden Faktoren ineinandergreifen, wird der Betrieb dauerhaft Gewinne abwerfen können.
 

Chancen am Markt einschätzen

Seit Jahren konsumieren die Deutschen Wein auf einem konstant hohen Niveau. So beläuft sich der jährliche Konsum insgesamt auf etwa 20 Millionen Hektorliter, was einem pro Kopf Verbrauch von rund 24 Litern entspricht. Hinzu kommt, dass deutsche Weine im Ausland einen hohen Stellenwert haben. In dieser Hinsicht lassen sich je nach Angebot durchaus auch internationale Absatzmärkte anvisieren, beispielweise mit einem Online Fachhandel für erlesene Weine. Der mögliche Erfolg als selbstständiger Winzer wird auch durch die Vielfalt an Weinen erhöht. Alleine hierzulande gibt es mehr als 140 Sorten (der Großteil sind Weißweine). Vor allem Müller-Thurgau und Riesling erfreuen sich hierzulande einer großen Nachfrage. Insofern kann das Anbauspektrum nachfrageorientiert ausgerichtet werden oder aber strategisch auf eine Angebotslücke zielen: Welche Weinsorten werden hierzulande gerne gekauft, aber noch nicht im großen Umfang angebaut? Natürlich muss immer auch geprüft werden, ob eine bestimmte Rebsorte für den gewählten Standort in Frage kommt.
 

Umfeldbedingungen in der Landwirtschaft

Auch wenn der Anblick von Weinbergen idyllisch anmuten mag, so sollte Klarheit darüber herrschen, dass die Landwirtschaft ein hartes Pflaster ist. Dies gilt auch für den gewerblichen Weinanbau. Es bedarf einer wirtschaftlichen Geschäftsführung und ggf. einer Ausweitung der Geschäftsaktivitäten, damit ein Weingut dauerhaft Gewinne abwirft. Und nicht zu vergessen ist, dass es sich um harte Arbeit handelt, insbesondere zur Zeit der Ernte. Wenn Frost im Frühjahr droht, müssen umgehend Maßnahmen ergriffen werden, damit die Reben nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht jedes Jahr ist aufgrund wechselnder Witterungsverhältnisse ein gutes Weinjahr. Das unternehmerische Risiko ist in dieser Hinsicht nicht zu leugnen, sodass von Beginn an Rücklagen für schlechtere Zeiten gebildet werden sollten. Der Geschäftsbetrieb muss so jederzeit aufrechterhalten werden können, zu denken ist ebenfalls an notwendige Investitionen in Weintechnik. Die Liquidität wird insofern im operativen Geschäftsbetrieb als selbstständiger Winzer eine zentrale Bedeutung einnehmen.
 

Gewerblich Wein anbauen: Trends strategisch nutzen

Beim wöchentlichen Einkauf in Supermärkten oder bei Discountern dürfte niemandem verborgen bleiben, dass mittlerweile ein großes Sortiment an deutschen und ausländischen Weinen verfügbar ist. In den letzten Jahren lässt sich dabei der Trend erkennen, dass immer mehr Kunden Wein bei Discountern kaufen, und dies für einen durchschnittlichen Literpreis von etwa 3 Euro. Wer hingegen Wein im Fachhandel, im Internet oder auf seinem Weingut als Winzer verkauft, kann laut Auswertungen einen durchschnittlichen Literpreis von deutlich über 6 Euro erzielen.

Hier sollten angehende selbstständige Winzer strategische Ableitungen vornehmen und Rechenspiele durchführen: Welcher Literpreis für eigens hergestellten Wein muss bei einer erwartbaren Produktionsmenge X erzielt werden, um jenseits der benennbaren Kosten eine Gewinnmarge in Höhe von % zu erzielen? Wer dies weiß, kann letztlich entscheiden, welche Preis- und Verkaufsstrategie er fahren will. Je kleiner die Menge an produziertem Wein ist, desto höher muss der Preis letztlich sein. In diesem Fall müssen aber auch Zielgruppe und Vertriebswege exklusiver werden. Wer seine Weine in Supermärkten und bei Discountern platzieren will, muss Listenplätze ergattern. Hierfür ist ein hohes Verhandlungsgeschick nötig, da insbesondere kleine Winzer angesichts der Marktmacht eine nicht wirklich starke Verhandlungsposition einnehmen. In jedem Fall gilt es, solche erfolgskritischen Geschäftsaspekte schon sehr früh auf dem Bildschirm zu haben.
 

Weingut kaufen: Quereinstieg als Winzer?

Wer gewerblich Wein anbauen möchte bzw. ein Weingut gründen will, muss nicht zwangsläufig eine Ausbildung oder gar ein Studium vorweisen können. Letztlich sind fundierte Kenntnisse aber unabdingbar, denn die Qualität der Weinlese und letztlich auch der Weine kann schon durch kleine Details erheblichen Schwankungen unterliegen. Und auch der Umgang mit der Technik will gelernt sein, ganz zu schweigen von der Betriebsführung inklusive Buchhaltung. Folgende Themen sollten sicher beherrscht werden. Andernfalls müsste fachliche Expertise durch Personal sichergestellt werden, wodurch sich eine grundlegend andere Kosten- bzw. Gewinnsituation ergeben kann.

  • Wie müssen Reben ganzjährig gepflegt werden?

  • Welche Rebsorte ist mit dem Standort vereinbar?

  • Wie dürfen welche Dünge-/Schutzmittel eingesetzt werden?

  • Wie kann eine perfekte Lagerung gewährleistet werden?

  • Wie werden funktionale und gewinnorientierte Verkaufspreise ermittelt?

  • Wie soll der Verkauf organisiert werden?

     

Weinanbaugebiet als Standort , Technik und Investitionen

Dem Standort kommt bei dieser Geschäftsidee eine andere, aber umso größere Bedeutung zu. Genau genommen muss es um den Standort eines Weinberges gehen, in dessen Nähe auch ein Weingut nutzbar ist. Wer nicht über (Familien)beziehungen an ein Weingut kommt, wird es suchen müssen. Abgesehen von oftmals weiterführenden persönlichen Kontakten gilt es, entsprechende Angebote im Internet zu suchen.

Was den Standort angeht, so müssen Gründer flexibel sein! Ein optimaler Standort ist durch die Weinanbaugebiete in Deutschland aufgrund der dort herrschenden klimatischen Bedingungen auf wenige Regionen begrenzt. Die Sommermonate müssen warm und der Winter möglichst mild und frostfrei sein. Viel Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit erweisen sich ebenfalls als sehr wichtig. Es ist kein Zufall, dass Weinreben immer an einem Hang wachsen. So kann das Wasser ablaufen, es wird natürlicherweise für eine Drainage gesorgt. Ein selbstständiger Winzer muss also seinen Weinberg finden und zu ihm ziehen. Für die Umsetzung dieser Geschäftsidee gehört es ggf. dazu, seine Heimat hinter sich zu lassen. Die Konkurrenzsituation spielt nicht unmittelbar eine entscheidende Rolle, da Weine deutschland- oder weltweit verkauft werden können. Zudem besteht die Möglichkeit, sich durch andere Rebsorten/Weine von der unmittelbaren Konkurrenz abzuheben. Auch das Service- oder Erlebnisangebot des angegliederten Weingutes kann sich in dieser Hinsicht von der Konkurrenz deutlich unterscheiden.
 

Kapitalbedarf im Businessplan realistisch benennen

Es versteht sich von selbst, dass für die Herstellung von Wein hohe Investitionskosten für Technik und landwirtschaftliches Gerät anfallen. Auch für die Weiterverarbeitung des Mosts und die Lagerung wird in zuverlässige Technik zu investieren sein, um eine hohe Qualität zu erreichen. Gleiches gilt für Abfüllanlagen, um bei hoher Nachfrage schnell große Mengen auf den Markt bringen zu können. Der Businessplan wird angesichts dessen als Visitenkarte herhalten müssen, um Banken oder sonstige Kreditgeber zu überzeugen. Die Zahlen und erwarteten Prognosen müssen stimmen und ein möglichst positives Licht auf die Rentabilität des Geschäftsbetriebes werfen.

Um die anfänglichen Kosten und Risiken zu senken, kann in gebrauchte Landwirtschaftstechnik für den Weinanbau investiert werden. Denkbar ist es auch, einen kompletten Betrieb eines Weinguts zu übernehmen, sofern ein Blick in die Bücher dies langfristig als lohnenswert erscheinen lässt. Zu bedenken ist, dass moderne und effiziente Technik für den Weinanbau einen direkten Einfluss auf die Ertragslage und letztlich auch Gewinnsituation haben wird. Zudem sollte Klarheit darüber herrschen, dass ein Weingut in den ersten Jahren wenig bis keine Gewinne abwirft, schließlich muss das Geschäft erst anlaufen. Der Businessplan muss insofern zahlenbasiert verdeutlichen, mit welchem Kapitalbedarf die Liquidität zu jeder Zeit gewährleistet ist. Investoren wissen natürlich, dass ein selbstständiger Winzer nicht von jetzt auf gleich hohe Gewinne erwirtschaften kann.
 

Verkauf organisieren als selbstständiger Winzer

Oben wurde bereits angedeutet, dass der Vertrieb das A&O für den Erfolg als selbstständiger Winzer ist. Was nützen die beste Ernte und die erlesensten Weine, wenn sich dafür keine Abnehmer finden? Insofern muss der Verkauf samt Vertriebswegen schon organisiert sein, noch bevor die erste Flasche Wein abgefüllt wurde. Es gilt, neben Listenplätzen im Handel weitere Vertriebswege zu prüfen.
 

Wein anbauen: Vertriebswege festlegen und gestalten

Wer national und international eine große Zielgruppe erreichen will, kann einen Online Weinhandel ins Leben rufen. Auf dem Weingut müssen dann effiziente und vor allem kosteneffektive Logistikstrukturen geschaffen werden. Zu prüfen sind auch regionale Absatzstrategien, zumal sich in den meisten Weinanbaugebieten ebenfalls ein reger Tourismus finden lässt. Denkbar wäre es, Getränkehändler, Hotels oder auch Gaststätten direkt zu beliefern. Natürlich kann auf dem Weingut ein Laden für den Verkauf organisiert werden, um insgesamt mehrere Säulen für den Absatz zu nutzen. Ganz in dieser Hinsicht können Führungen durch den Weinberg oder die Produktionsanlagen dafür sorgen, dass jeden Tag möglichst viel Laufkundschaft angezogen wird. Events oder Verköstigungen für passionierte Weintrinker sind eine weitere Option, um die Einnahmebasis als selbstständiger Winzer zu erhöhen. Insgesamt erscheint es sinnvoll, Risiken gezielt zu minimieren, da mit einer schlechten Ernte natürlich der mögliche Absatz ebenfalls sinkt. Je breiter aufgestellt ein Weingut ist, desto besser können Ernteausfälle auf der Einnahmeseite kompensiert werden.
 

Formales: Gewerbeanmeldung als selbstständiger Winzer

Wer sich als Winzer selbstständig machen möchte, braucht in erster Linie einen Weinberg, der zulässig bzw. geeignet ist. Vor der Aufnahme des operativen Geschäftsbetriebes muss zwingend ein Gewerbe angemeldet werden. Zu beachten ist mit Blick auf die formalen Rahmenbedingungen, dass der Weinanbau weitreichenden nationalen sowie europäischen Richtlinien unterliegt. Insofern muss im Zuge der Gewerbeanmeldung u.a. eine Genehmigung für Rebpflanzungen erwirkt werden. Dies kann per Antrag bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geschehen. Zudem müssen im laufenden Geschäftsbetrieb zahlreiche Dokumentationspflichten beachtet werden. Im Zuge der Verarbeitung der Reben müssen höchste Hygienestandards eingehalten werden. Auf unangemeldete Kontrollen von Lebensmittelkontrolleuren sollten Winzer in dieser Hinsicht jederzeit vorbereitet sein. Hobbywinzer, die für den privaten Hausgebrauch nur wenige Liter Wein im Jahr herstellen, sind von diesen gewerblichen Rahmenbedingungen nicht betroffen. Regionale Besonderheiten sind mit Blick auf die Gewerbeanmeldung zudem frühzeitig zu beachten bzw. ggf. in Erfahrung zu bringen.
 

Beschäftigung mit der komplexen Materie Weinrecht

Zu beachten ist mit Blick auf die formalen Rahmenbedingungen und einzuhaltende Qualitätsansprüche ferner das deutsche Weinrecht. Dieses regelt u.a. die verschiedenen Weinarten, was für die Vermarktung eine nicht unwichtige Rolle spielt. Wie darf insofern ein bestimmtes Erzeugnis offiziell genannt werden? Welche Qualitätsanforderungen sind zu erfüllen? In dieser Hinsicht regelt das Weinrecht auch Güteklassen. Des Weiteren enthält es formale Rahmenbedingungen für die folgenden Themen, die zentral für die gesamten Abläufe auf dem Weingut sind:

  • Hektarertragsregelung

  • Verschnittregelungen

  • Bezeichnungsrecht

  • Amtliche Qualitätsweinprüfung

  • Kellertechnik

 

All diese Themenfelder enthalten mitunter entscheidende Details für den Erfolg als selbstständiger Winzer. Wer insofern mit seinem Fachwissen glänzen will, sollte diese formalen Rahmenbedingungen potenzialorientiert in Bezug auf die eigene Geschäftsidee auf den Punkt bringen.

Sofern Wein im Zuge von Proben vor Ort konsumiert wird, muss im Zuge der Gewerbeanmeldung ferner eine kostenpflichtige Ausschankgenehmigung erwirkt werden. Die Regelungen zum Jugendschutz in diesem Kontext sind strikt einzuhalten.
 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Winzer‘

  1. Die langfristigen Erfolgschancen in diesem Bereich sind gut, denn Wein erfreut sich einer konstant hohen Nachfrage, auch international

  2. Wer nicht aus der Weinanbautradition kommt, wird als Basis für die Umsetzung der Geschäftsidee einen geeigneten Weinberg finden müssen

  3. Investitionen in erforderliche Technik für den Weinanbau können zu Beginn sehr hoch ausfallen, sodass der Businessplan Geldgeber überzeugen können muss

  4. Der Erfolg steht und fällt mit dem Verkauf, der je nach Zielgruppe und Preisspektrum auf eine möglichst breite Basis gestellt werden sollte

  5. Der gewerbliche Weinanbau ist genehmigungspflichtig und zahlreichen Regeln unterworfen (vergl. deutsches Weinrecht). In jedem Fall muss ein Gewerbe angemeldet werden.

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