Selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden

Frau im Unverpackt-Laden

Aus der eigenen Lebenssituation heraus wissen wir, wie viel Verpackungsmüll im Haushalt täglich anfällt. Viele Lebensmittel sind doppelt verpackt und so verwundert es nicht, dass jeder Deutsche im Jahr deutlich mehr als 200 Kilogramm Verpackungsmüll erzeugt. Das ist europaweit gesehen ein Spitzenwert. Angesichts dessen und der anhaltenden Diskussion rund um die Verbannung der Plastiktüte aus dem Einzelhandel ist eindeutiges Potenzial für eine neue Geschäftsidee erkennbar: selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden. In diesem Beitrag soll analysiert werden, welche Chancen und Herausforderungen auf Existenzgründer in diesem noch recht neuen Geschäftsumfeld warten. Zudem soll bei der Analyse der Ausgangslage explizit darauf eingegangen werden, was Kunden von diesem Konzept halten. Daraus lassen sich wertvolle Hinweise für die Ausarbeitung eines kundenorientierten Angebots gewinnen.
 

Tipps zur Vorbereitung für diese moderne Geschäftsidee

Wer sich einen ersten Überblick verschaffen möchte, sollte zum Suchbegriff Unverpackt-Laden googeln. Schnell wird ersichtlich, ob ein solcher Laden in der Nähe zu finden ist, was gleichzeitig als Einstieg in die notwendige Standortanalyse zu sehen ist. Ein Besuch eines solchen Unverpackt-Ladens kann sehr inspirierend sein, wobei auf keinen Fall Strukturen einfach nur kopiert werden sollten. Denn letztlich gibt es kein einheitliches (Verkaufs)konzept. Entscheidend ist, dass Lebensmittel ohne Verpackungen verkauft werden. Kunden müssen also Mehrwegbehälter mitbringen oder auch umweltfreundliche Papiertüten setzen. Um tiefer in die Materie bzw. Chancen dieser Geschäftsidee einzusteigen, empfiehlt sich ein Workshop zu diesem Thema. Auch hierfür findet sich online ein ansprechendes Angebot, das für den eigenen Weg in die Selbstständigkeit mit einem Unverpackt-Laden inspirierend sein kann.
 

Existenzgründung mit Unverpackt-Laden: selbstständig machen ohne umweltbelastenden Ballast

  • Analyse der Ausgangslage

  • Herausforderungen für diese Geschäftsidee?

  • Marketing & Kundengewinnung

  • Unverpackt-Laden eröffnen: Voraussetzungen

  • Verdienst mit einem Unverpackt-Laden?

     

Analyse der Ausgangslage

Eingangs wurde erwähnt, dass jeder Deutsche im Jahr mehr als 200 Kilo Verpackungsmüll produziert. Das addiert sich zu einer gigantischen Summe, wobei Deutschland nur einen sehr geringen Teil dieses Müllberges selber recycelt. Das verdeutlich, dass die immensen Summen an Verpackungsmüll zu einem globalen Problem werden. Mittlerweile verdeutlicht der in den Ozeanen treibende Müllstrudel, dass Plastik zu einem riesigen Problem geworden ist. Denn Mikroplastik bleibt für sehr viele Jahre eine Belastung für die Umwelt und über Fische gelangt es direkt in die Nahrungskette. Aus Sicht des Umweltschutzes und der Ressourcenoptimierung hat Unverpacktes im Handel zweifelsohne Potenzial. Aber gilt das auch für die wirtschaftlichen Dimensionen der Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden?‘.
 

Wie stehen Verbraucher (potenzielle Kunden) zu Unverpacktem?

In den letzten Jahren hat der Handel Anstrengungen unternommen, um die Menge an Plastikmüll signifikant zu senken. So sind Plastiktüten nur noch sehr selten zu finden, und wenn dann gegen Gebühr. Im Obst- und Gemüsebereich wird immer öfter zu Mehrweglösungen gegriffen, anstatt auf Plastiktüten zu setzen. Im Lebensmittelhandel ist klar der Trend zu erkennen, dass immer größere Anstrengungen mit Blick auf die Reduzierung von Verpackungsmaterialien unternommen werden. Angesichts dessen wird ein neuer Unverpackt-Laden nicht völlig ohne Konkurrenz dastehen.

Noch ist diese Geschäftsidee jung: In den kommenden Jahren kann sich der Trend aber als nachhaltige Entwicklung herausstellen. Insofern macht es Sinn, jetzt in diesen Markt einzusteigen, ihn aktiv zu gestalten und die eigene Wettbewerbsposition langfristig zu sichern. Eine aktuelle Untersuchung von Splendid Research zeigt ganz klar, dass viel wirtschaftliches Potenzial in der hier vorgestellten Geschäftsidee steckt. So geben 71 % der befragten Kunden an, das Image eines solchen Konzepts als positiv zu bewerten. Auf der anderen Seite haben aber erst 8 % der Kunden einen solchen Unverpackt-Laden besucht, womit noch immenses Wachstumspotenzial vorhanden ist. Dafür wird allerdings auch eine gewisse Aufklärungsarbeit notwendig sein, die Teil des Marketingkonzeptes sein sollte. Deutlich über 70 % der Befragten nennen als Beweggrund für den Besuch eines solchen Ladens die Reduzierung von Verpackungsmaterialien und den Umweltschutz. Es handelt sich also um eine Geschäftsidee, die einen gewissen Zeitgeist anspricht. Gut ein Fünftel aller Kunden spricht die Vorstellung an, (frische) Waren in einer besonderen Zusammenstellung kaufen zu können, die es so in der Form nicht im konventionellen Handel zu kaufen gibt.
 

Vorbehalte potenzieller Kunden ernst nehmen!

Es sollte nicht darüber hinweggesehen werden, dass Kunden auch Vorbehalte gegenüber der Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Unverpackt-Laden mitbringen. 58 % der Befragten, die sich einen Besuch in einem Unverpackt-Laden nicht vorstellen können, führen Befürchtungen zu mangelnder Hygiene an. Das Verkaufskonzept muss in dieser Hinsicht also im wahrsten Sinne des Wortes sehr sauber aufgestellt werden. Gut 50 % der Befragten geben an, dass schlichtweg das mangelnde Angebot sie darin hindere, einen Unverpackt-Laden zu besuchen.
 

Welche Produkte würden Kunden am ehesten unverpackt kaufen?

Hier werden Gemüse, Obst und Nüsse genannt. Insofern handelt es sich um frische Waren, wobei der Aspekt der Regionalität bei der Vermarktung ebenfalls einbezogen werden könnte. Denn immer mehr Kunden legen auch auf diesen Aspekt beim Einkaufen sehr viel Wert. Es würde sich dann um einen doppelten Mehrwert handeln, wenn sich regionale Waren unverpackt und somit umweltschonender einkaufen ließen. Schwieriger wird es bei Waren wie Joghurt oder Obst, die auf den letzten Plätzen des Rankings landen. Nicht zu unterschätzen sind die Einkaufsgewohnheiten, die sich seit Jahren festgesetzt haben. Das Einkaufskonzept muss angesichts dessen als attraktive Alternative wahrgenommen werden können!
 

Zwischenfazit zur Ausgangslage

Umweltorientierte Änderungen im Handel, sich ändernde Einstellungen von Verbrauchern und die konkreten Chancen am Standort dürfen als wesentliche Rahmenbedingungen für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden‘ gelten. Aktuell ist die Anzahl an UnverpacktLäden in Deutschland noch überschaubar. Angesichts des zunehmenden Nachhaltigkeitsgedankens dürfte sich das aber in den nächsten Jahren ändern.
 

Planung des Verkaufskonzepts: Was wie unverpackt anbieten?

Der Businessplan ist der richtige Rahmen, um dem Geschäftsmodell eine erfolgsorientierte Ausrichtung zu verleihen. Generell hat sich am Markt noch kein einheitliches Konzept für einen Unverpackt-Laden entwickelt. Das Sortiment kann also sehr individuelle Züge annehmen, vor allem auch mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe am Standort. Regionale Produkte aus biologischer Erzeugung oder besonders fair gehandelte Artikel können aus Kundensicht weitere Gründe sein, um den Nachhaltigkeitsgedanken mit einem Einkauf in einem Unverpackt-Laden zu unterstützen.

Generell muss im Zuge der Standort- und Konkurrenzanalyse festgestellt werden, ob das Interesse und die Kaufkraft für einen solchen Laden hoch genug sind. Was die Gestaltung der Abläufe im Laden selbst angeht, so ist vor allem die unverpackte Präsentation der Waren zu planen. Sollen sich Kunden selbst bedienen können oder werden sie bedient? Wie soll bei frischen Produkten ein hohes Maß an Hygiene sichergestellt werden? Welche Behältnisse müssen/können Kunden zum Einkauf mitbringen? Welche umweltschonenden Alternativen für den mehrfachen Gebrauch sollen im Geschäft angeboten werden? Wie kann der Einkauf in einem Unverpackt-Laden für Kunden zu einem Erlebnis werden? Im Zuge der Konzepterstellung müssen vor allem zugkräftige Alleinstellungsmerkmale deutlich werden.
 

Herausforderungen für diese neue Geschäftsidee

Die Lage des Unverpackt-Ladens wird ein wesentlicher Faktor für Erfolg sein. Idealweiser ist der Standort in der Lage, viel Laufkundschaft anzuziehen. In einem Unverpackt-laden wird einer ansprechenden Warenpräsentation eine Schlüsselrolle zukommen, schließlich sind die meisten Kunden seit Jahren ein bestimmtes Schema aus konventionellen Supermärkten gewohnt. Mit Blick auf den Einkauf von Waren spielen für wirtschaftlichen Erfolg die Konditionen eine große Rolle, schließlich sollen die Produkte mit möglichst hohen Gewinnmargen verkauft werden. Auf der anderen Seite muss je nach Produktfokus Klarheit darüber herrschen, dass die meisten Lieferanten bzw. Produzenten noch nicht darauf eingerichtet sind, unverpackte Waren zu liefern. Angesichts dessen gilt es, geeignete Lieferanten zu finden oder die eigenen Bedingungen im Sinne der Pionierarbeit am Markt durchzusetzen. Ferner muss sichergestellt werden, dass die gelieferten Waren auch ohne Verpackung in einem einwandfreien Zustand ankommen und präsentiert werden können. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass gerade mit Blick auf den Aspekt der Regionalität kleine Unternehmen aus der Umgebung oft ein vielversprechender Ansprechpartner sind. Langfristig bietet sich die Chance, das Produktsortiment verpackungstechnisch weiter Richtung Zukunft zu entwickeln.
 

Mit dem Businessplan die Finanzierung sicherstellen

Der Businessplan sollte den Unverpackt-Laden nicht nur strategisch klug ausrichten. Er wird auch DAS Mittel sein, um Fremdkapital bei Banken oder anderen Kreditgebern/Geschäftspartnern einzusammeln. Für den Umbau und die Einrichtung werden hohe Summen aufzubringen sein, die im Finanzteil des Businessplans genau zu beziffern sind. Damit gerade der kritisch beäugte Finanzteil überzeugen kann, müssen die Zahlen realistisch sein und insgesamt ein profitables Geschäftsmodell zeigen. Um dies zu erreichen, werden hohe Gewinnmargen bzw. hohe Umsätze generell zu erzielen sein.
 

Marketing: Kunden gewinnen für einen Unverpackt-Laden

Grundsätzlich muss das Ladenlokal von außen mit ansprechender und durchaus auch kreativ-origineller Werbung versehen werden. Dem Namen wird für die Vermarktung des Unverpackt-Ladens eine wichtige Bedeutung zukommen: Er sollte auf den ersten Blick erkennen lassen, was Kunden in diesem Laden erwartet. Aussagekräftige Symbole oder angesehene Label (Bio, Fairtrade etc.) können auf einen Blick die Qualitätsansprüche deutlich machen. Eine suchmaschinenoptimierte Homepage sollte mit der Ladeneröffnung an den Start gehen. Regelmäßige Presseartikel (online und offline) sollten dafür sorgen, den Laden und das dahinter stehende Konzept bekannter zu machen. Flyer bzw. originelle Wurfzettel in einem abgesteckten Radius sind weitere Optionen, um Kunden in einen Unverpackt-Laden zu locken. Damit sie zu Stammkunden werden, muss beim ersten Besuch alles stimmen. Zu überlegen ist, inwiefern die Kundenbindung mit bestimmten Bonussystemen verbessert werden kann. In wirtschaftlicher Hinsicht ist zu betonen, dass jeder gewährte Rabatt sehr gut durchkalkuliert werden muss. Social Media bieten sich für die reichweitenstarke Vermarktung ebenfalls an. Vielleicht gelingt es, mit einem Influencer auf den Nachhaltigkeitsgedanken aufmerksam zu machen und viele Menschen für einen Unverpackt-Laden zu begeistern. Zwar waren über 90 % aller Kunden noch nie in einem solchen Laden, aber weit über 70 % können sich das vorstellen. Einblicke in den Laden können helfen, etwaige Vorurteile oder Berührungsängste gezielt abzubauen.
 

Unverpackt-Laden eröffnen: Voraussetzungen

Wer sich mit einem Einzelhandelsgeschäft selbstständig machen will, sollte belastbare Berufserfahrungen in dieser Branche mitbringen. Auch Kenntnisse mit Blick auf die Betriebsführung sind unabdingbar, um ein Geschäft nachhaltig erfolgreich machen zu können. Generell sind zahlreiche behördliche Auflagen zu erfüllen, wenn ein Unverpackt-Laden eröffnet werden soll. Grundsätzlich ist vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit ein Gewerbe anzumelden. Sofern frische Lebensmittel verarbeitet bzw. verkauft werden, müssen Kenntnisse der Hygieneverordnungen nachgewiesen werden. Lagerräume müssen in diesem Sinne bestimmten Anforderungen gerecht werden, die frühzeitig in Erfahrung zu bringen sind. Welche Nachweise zu erbringen sind, hängt im Einzelfall immer vom konkreten Leistungs- und Produktspektrum ab.

Um eine hohes Maß an Planungssicherheit genießen zu können, sollten die Anforderungen frühestmöglich geprüft werden. Ansonsten kann es passieren, dass der Laden erst später öffnen darf, obwohl er bereits immense Kosten für Miete und die gefüllten Regale bzw. Lagerräume verursacht. Verzögerungen sind durch eine ganzheitliche Planung zu vermeiden, denn jeder Tag ohne Umsatz gefährdet in der finanziell heiklen Startphase unnötig die Liquidität. Und schließlich wird irgendwann zwecks Marketing ein Eröffnungsdatum kommuniziert, das dann auch einzuhalten ist.

Je nach Produktspektrum sind auch die Kennzeichnungsverordnungen bzw. die EU-Öko-Verordnung einzuhalten. Im jeweiligen Bundesland müssen die gesetzlichen Öffnungszeiten eingehalten werden und je nach Größe des Ladenlokals ist die Pflicht zu prüfen, Parkplätze anbieten zu müssen. Auch in einem Unverpackt-Laden müssen Preise eindeutig ausgeschildert sein, was sich mit Schildern aber problemlos auch ohne Verpackung realisieren lässt.
 

Verdienst mit einem eigenen Unverpackt Laden?

Da es sich um ein recht neues Geschäftsfeld handelt, lassen sich noch keine offiziellen Daten heranziehen. Und je nach Geschäftsform müssen oder wollen sich Betreiber eine Unverpackt-Ladens auch nicht in die Geschäftsbücher schauen lassen. Wer als eingetragener Kaufmann firmiert, muss in dieser Hinsicht sehr wenig an die Öffentlichkeit preisgeben. Bei Kapitalgesellschaften sieht das schon anders aus, da Informationspflichten im Sinne der Transparenz bestehen.

Um einen hohen Verdienst mit einem Unverpackt-Laden zu erzielen, müssen die Verkaufszahlen stimmen. Je nach Größe und Kostenstruktur wird es pro Tag eine gewisse Anzahl an Kunden geben müssen, die durchschnittlich X Euro im Laden lassen. Auf der anderen Seite der Rechnung muss die Kostenstruktur des Geschäfts möglichst schlank sein, um die Umsätze nicht zu schmälern. Ein gutes Verhandlungsgeschick mit Blick auf Einkaufspreise und eine durchdachte Preiskalkulation sind wichtige Voraussetzungen, um gut mit einem Unverpackt-Laden verdienen zu können. In den ersten Monaten wird der Verdienst erfahrungsgemäß gering ausfallen. Perspektivisch gesehen sollte es aber das Ziel und durchaus möglich sein, einen mittleren vierstelligen Verdienst mit einem Unverpackt-Laden zu erzielen.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Unverpackt Laden‘

  1. In den letzten Jahren wurden im Handel einige Maßnahmen unternommen, um den Verpackungsmüll zu reduzieren

  2. Mit mehr als 200 Kilogramm pro Jahr und Kopf wird in Deutschland immer noch sehr viel Verpackungsmüll produziert

  3. Ein Unverpackt-Laden ist angesichts dessen als neue Form des umweltbewussten Einkaufens zu inszenieren. Es hat sich noch keine feste Form am Markt etabliert, sodass das Sortiment je nach Standort und Zielgruppe sehr individuelle Züge annehmen kann

  4. Laut Befragungen besitzen Unverpackt-Läden ein gutes Image, auch wenn noch nichtmals jeder 10. Deutsche einen solchen Laden besucht hat

  5. Untersuchungen zeigen auch, dass potenzielle Kunden vor allem mit Blick auf frische Waren hygienische Vorbehalte äußern

  6. Das Verkaufskonzept muss also mit Einzigartigkeit, Nachhaltigkeit, Profitabilität, Kundenorientierung und zugkräftigen Alleinstellungsmerkmalen punkten.

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