Selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden

Aus der eigenen Lebenssituation heraus wissen wir, wie viel Verpackungsmüll im Haushalt täglich anfällt. Viele Lebensmittel sind doppelt verpackt und so verwundert es nicht, dass in Deutschland pro Kopf und Jahr deutlich mehr als 200 Kilogramm Verpackungsabfall anfallen – laut Umweltbundesamt einer der höchsten Werte in Europa. Angesichts dessen und der anhaltenden Diskussion rund um die Verbannung der Plastiktüte aus dem Einzelhandel ist eindeutiges Potenzial für eine Geschäftsidee erkennbar: selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden.
In diesem Beitrag soll analysiert werden, welche Chancen und Herausforderungen auf Existenzgründer in diesem Geschäftsumfeld warten. Zudem soll bei der Analyse der Ausgangslage explizit darauf eingegangen werden, was Kunden von diesem Konzept halten. Daraus lassen sich wertvolle Hinweise für die Ausarbeitung eines kundenorientierten Angebots gewinnen. Vorweg ist allerdings eine Einordnung nötig, die sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert hat – und die jeder Gründer kennen sollte, bevor er einen Mietvertrag unterschreibt.
Analyse der Ausgangslage
Eingangs wurde erwähnt, dass in Deutschland pro Kopf mehr als 200 Kilo Verpackungsabfall anfallen. Das addiert sich zu einer gigantischen Summe, wobei nur ein Teil dieses Müllberges tatsächlich stofflich verwertet wird. Das verdeutlicht, dass die immensen Summen an Verpackungsmüll zu einem globalen Problem werden. Mittlerweile verdeutlicht der in den Ozeanen treibende Müllstrudel, dass Plastik zu einem riesigen Problem geworden ist. Denn Mikroplastik bleibt für sehr viele Jahre eine Belastung für die Umwelt und über Fische gelangt es direkt in die Nahrungskette. Aus Sicht des Umweltschutzes und der Ressourcenoptimierung hat Unverpacktes im Handel zweifelsohne Potenzial. Aber gilt das auch für die wirtschaftlichen Dimensionen der Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden‘?
Der Gründungsfahrplan Schritt für Schritt
Die folgende Übersicht ist eine unverbindliche Orientierungshilfe und ersetzt keine Beratung durch Behörde, Steuerberater oder Kontrollstelle – je nach Sortiment kommen weitere Auflagen hinzu.
- Sortimentsbreite festlegen und entscheiden, welchen Anteil des Wocheneinkaufs der Laden abdecken soll.
- Zweites Standbein prüfen: Café-Ecke, Naturkosmetik, Haushaltswaren oder Workshops.
- Bestehende Unverpackt-Läden besuchen und gezielt nach Kalkulation und Frequenz fragen.
- Preisabstand zum konventionellen Handel je Warengruppe realistisch ermitteln.
- Standortanalyse mit Blick auf Laufkundschaft, Kaufkraft und Wettbewerb durchführen.
- Businessplan mit Finanzteil erstellen, Anlaufverluste ehrlich ansetzen.
- Nötigen Tagesumsatz und Kundenzahl je Tag durchrechnen.
- Mietvertrag verhandeln, Laufzeit und Ausstiegsoptionen prüfen.
- Lieferanten suchen, die in Großgebinden und ohne Umverpackung liefern.
- Mindestabnahmemengen gegen die eigene Umschlagsgeschwindigkeit rechnen.
- Regionale Erzeuger direkt ansprechen und Konditionen verhandeln.
- Bio-Zertifizierung bei der Kontrollstelle beantragen, falls Bioware geführt wird.
- Gewerbe anmelden und den Tätigkeitsumfang genau beschreiben.
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt einreichen.
- Betrieb beim Lebensmittelüberwachungsamt anzeigen und Konzept abstimmen.
- HACCP-Eigenkontrollkonzept erstellen, Belehrungen nach § 43 IfSG organisieren.
- Im Verpackungsregister LUCID registrieren, sofern Verpackungen abgegeben werden.
- Mitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft anmelden.
- Spendersysteme auswählen, die sich zerlegen und reinigen lassen.
- Geeichte Waagen beschaffen und die Tara-Handhabung festlegen.
- Regelung für mitgebrachte Kundenbehälter schriftlich fixieren und aushängen.
- Preisauszeichnung mit Grundpreisen und Allergenangaben vorbereiten.
- GoBD-konforme Kasse einrichten und beim Finanzamt melden.
- Eröffnungstermin kommunizieren und lokale Presse einbinden.
- Erklärformate anbieten, die Berührungsängste abbauen.
- Kennzahlen ab Tag eins erfassen: Bon-Höhe, Kundenzahl, Schwundquote.
Die Marktlage hat sich gedreht – und das muss man wissen
Der Unverpackt-Handel ist keine junge Wachstumsbranche mehr, sondern ein stark konsolidierter Nischenmarkt. Laut dem Branchenverband Unverpackt e. V. gab es Ende 2020 über 330 Läden in Deutschland, im April 2025 waren es noch 169. Die Zahl hat sich also etwa halbiert. Wer heute gründet, tritt nicht in einen aufstrebenden Trend ein, sondern in einen Markt, in dem viele Betreiber wirtschaftlich gescheitert sind.
Die Gründe dafür sind gut dokumentiert und für die eigene Planung aufschlussreicher als jede Trendprognose. Gestiegene Lebenshaltungskosten haben das Einkaufsverhalten spürbar preisbewusster gemacht. Unverpackt-Läden liegen preislich aber regelmäßig über dem konventionellen Handel, weil kleine Abnahmemengen schlechtere Einkaufskonditionen bedeuten und der Personalaufwand je verkaufter Einheit höher ist. Zugleich haben Supermärkte und Discounter eigene Mehrweg- und Nachfüllangebote aufgebaut und damit einen Teil des ökologischen Alleinstellungsmerkmals abgeräumt.
Das ist kein Argument gegen die Geschäftsidee, aber ein starkes Argument gegen eine Kalkulation, die auf Wachstum durch Zeitgeist setzt. Wer heute mit einem Unverpackt-Laden erfolgreich sein will, muss von Beginn an eine tragfähige Antwort auf die Preisfrage haben – und in aller Regel ein zweites Standbein, das den reinen Schüttgutverkauf ergänzt.
Wie stehen Verbraucher (potenzielle Kunden) zu Unverpacktem?
In den letzten Jahren hat der Handel Anstrengungen unternommen, um die Menge an Plastikmüll zu senken. So sind Plastiktüten nur noch sehr selten zu finden, und wenn, dann gegen Gebühr. Im Obst- und Gemüsebereich wird immer öfter zu Mehrweglösungen gegriffen, anstatt auf Plastiktüten zu setzen. Im Lebensmittelhandel ist klar der Trend zu erkennen, dass immer größere Anstrengungen mit Blick auf die Reduzierung von Verpackungsmaterialien unternommen werden. Angesichts dessen wird ein neuer Unverpackt-Laden nicht völlig ohne Konkurrenz dastehen – im Gegenteil, diese Konkurrenz ist inzwischen der eigentliche Wettbewerber.
Bei den Einstellungen der Verbraucher zeigt sich ein Muster, das die Branchenentwicklung gut erklärt: Das Image des Konzepts ist überwiegend positiv, die tatsächliche Nutzung bleibt aber weit dahinter zurück. Ein grundsätzlich wohlwollendes Publikum ist eben noch keine Stammkundschaft. Genau diese Lücke zwischen Zustimmung und Kaufverhalten ist das zentrale unternehmerische Risiko dieser Geschäftsidee – und der Grund, warum Umfragewerte allein keine Standortentscheidung tragen.
Vorbehalte potenzieller Kunden ernst nehmen!
Es sollte nicht darüber hinweggesehen werden, dass Kunden auch Vorbehalte gegenüber der Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Unverpackt-Laden‘ mitbringen. Ein erheblicher Teil derjenigen, die sich einen Besuch nicht vorstellen können, führt Bedenken hinsichtlich der Hygiene an. Das Verkaufskonzept muss in dieser Hinsicht also im wahrsten Sinne des Wortes sehr sauber aufgestellt werden. Ein weiterer verbreiteter Einwand ist das im Vergleich zum Supermarkt schmalere Sortiment: Wer für den Rest des Einkaufs ohnehin noch woanders hinmuss, kommt seltener.
Insofern ist die Sortimentsbreite keine Nebensache, sondern eine strategische Kernentscheidung. Sie entscheidet darüber, ob der Laden Vollversorger für einen Teil des Bedarfs ist oder Ergänzungseinkauf bleibt – und Ergänzungseinkäufe haben deutlich niedrigere Besuchsfrequenzen.
Welche Produkte würden Kunden am ehesten unverpackt kaufen?
Hier werden Gemüse, Obst und Nüsse genannt. Insofern handelt es sich um frische Waren, wobei der Aspekt der Regionalität bei der Vermarktung ebenfalls einbezogen werden könnte. Denn immer mehr Kunden legen auch auf diesen Aspekt beim Einkaufen sehr viel Wert. Es würde sich dann um einen doppelten Mehrwert handeln, wenn sich regionale Waren unverpackt und somit umweltschonender einkaufen ließen. Schwieriger wird es bei Waren wie Joghurt, die in der Gunst weiter hinten landen. Nicht zu unterschätzen sind die Einkaufsgewohnheiten, die sich seit Jahren festgesetzt haben. Das Einkaufskonzept muss angesichts dessen als attraktive Alternative wahrgenommen werden können!
Zwischenfazit zur Ausgangslage
Umweltorientierte Änderungen im Handel, sich ändernde Einstellungen von Verbrauchern und die konkreten Chancen am Standort dürfen als wesentliche Rahmenbedingungen für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Unverpackt-Laden‘ gelten. Die Zahl der Unverpackt-Läden in Deutschland ist überschaubar und zuletzt deutlich zurückgegangen. Für Gründer heißt das zweierlei: Der Markt ist an vielen Standorten frei, aber er ist es aus einem Grund. Wer antritt, braucht ein Konzept, das die wirtschaftlichen Schwächen der gescheiterten Läden vermeidet – und nicht bloß deren Idee wiederholt.
Gewerbe anmelden und rechtlicher Rahmen
Ein Unverpackt-Laden ist Lebensmitteleinzelhandel und damit unzweifelhaft eine gewerbliche Tätigkeit. Vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit ist ein Gewerbe anzumelden, eine freiberufliche Einordnung kommt nicht in Betracht. Eine besondere Erlaubnis wie im Gaststättenrecht ist für den reinen Verkauf nicht erforderlich, wohl aber eine ganze Reihe lebensmittelrechtlicher Pflichten.
Gewerbeanmeldung Schritt für Schritt planen
Über die Rechtsform entscheidet vor allem die Haftungsfrage und der Kapitalbedarf. Im Lebensmittelhandel ist das Produkthaftungsrisiko real, was für viele Gründer den Blick auf eine Kapitalgesellschaft lenkt:
Die Pflichten, die im Unverpackt-Laden besonders zählen
Drei Themen sind hier spezifischer als im übrigen Einzelhandel und werden von Gründern regelmäßig unterschätzt:
Hygiene und Eigenkontrolle. Wer offene Lebensmittel abgibt, unterliegt der EU-Lebensmittelhygieneverordnung (VO (EG) Nr. 852/2004) und muss ein HACCP-basiertes Eigenkontrollkonzept führen sowie Reinigungs- und Temperaturkontrollen dokumentieren. Belehrungen nach § 43 Infektionsschutzgesetz sind für das Personal Pflicht, bevor es mit offener Ware in Kontakt kommt. Bei Schüttgutspendern kommt hinzu, dass Befüllung und Reinigung nachvollziehbar geregelt sein müssen.
Mitgebrachte Behälter der Kunden. Genau hier liegt die praktische Besonderheit des Konzepts. Das Befüllen kundeneigener Gefäße ist zulässig, muss aber hygienisch beherrscht werden – etwa dadurch, dass der Behälter nicht in Kontakt mit dem Spender oder der Waage kommt und sichtbar sauber ist. Der Betrieb sollte eine schriftliche Regelung dazu haben; sie gehört ins Eigenkontrollkonzept und schützt im Streitfall.
Eichrecht. Wer nach Gewicht verkauft, braucht geeichte Waagen. Beim Abfüllen in mitgebrachte Behälter muss das Taragewicht korrekt abgezogen werden – das ist keine Kulanzfrage, sondern eichrechtlich vorgegeben. Fehler an dieser Stelle sind ein klassischer Beanstandungsgrund und zugleich ein direkter Margenverlust, wenn systematisch zugunsten des Kunden gewogen wird.
Hinzu kommen die Kennzeichnungspflichten: Auch bei loser Ware müssen Allergene ausgewiesen und Grundpreise angegeben werden. Wer Bioware führt, unterliegt der EU-Öko-Verordnung samt Zertifizierung und Kontrollstellennummer.
Die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Lebensmittelüberwachungsamt sollte man nicht als lästige Pflicht behandeln, sondern früh suchen. Wer sein Konzept vor der Einrichtung vorstellt, erfährt vor dem Umbau, welche Spenderlösung und welche Raumaufteilung akzeptiert werden – nachträgliche Änderungen sind ungleich teurer.
Planung des Verkaufskonzepts: Was wie unverpackt anbieten?
Der Businessplan ist der richtige Rahmen, um dem Geschäftsmodell eine erfolgsorientierte Ausrichtung zu verleihen. Generell hat sich am Markt kein einheitliches Konzept für einen Unverpackt-Laden entwickelt. Das Sortiment kann also sehr individuelle Züge annehmen, vor allem auch mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe am Standort. Regionale Produkte aus biologischer Erzeugung oder besonders fair gehandelte Artikel können aus Kundensicht weitere Gründe sein, um den Nachhaltigkeitsgedanken mit einem Einkauf in einem Unverpackt-Laden zu unterstützen.
Generell muss im Zuge der Standort- und Konkurrenzanalyse festgestellt werden, ob das Interesse und die Kaufkraft für einen solchen Laden hoch genug sind. Was die Gestaltung der Abläufe im Laden selbst angeht, so ist vor allem die unverpackte Präsentation der Waren zu planen. Sollen sich Kunden selbst bedienen können oder werden sie bedient? Wie soll bei frischen Produkten ein hohes Maß an Hygiene sichergestellt werden? Welche Behältnisse müssen/können Kunden zum Einkauf mitbringen? Welche umweltschonenden Alternativen für den mehrfachen Gebrauch sollen im Geschäft angeboten werden? Wie kann der Einkauf in einem Unverpackt-Laden für Kunden zu einem Erlebnis werden? Im Zuge der Konzepterstellung müssen vor allem zugkräftige Alleinstellungsmerkmale deutlich werden.
Eine Erfahrung aus der Branche verdient dabei besondere Beachtung: Läden, die ausschließlich Schüttgut verkaufen, tun sich wirtschaftlich am schwersten. Der reine Trockensortiment-Verkauf bindet viel Fläche bei überschaubarem Bonwert. Kombinationen mit einer Café-Ecke, mit Naturkosmetik zum Abfüllen, mit regionalem Frischeangebot oder mit Workshops erhöhen sowohl die Verweildauer als auch den Durchschnittsbon. In diesem Sinne lohnt der vergleichende Blick auf verwandte Konzepte wie den Bioladen, den Hofladen oder den Feinkostladen, die dieselbe Zielgruppe mit breiterem Sortiment ansprechen.
Was kostet die Eröffnung eines Unverpackt-Ladens?
Die Investition liegt zwischen der eines kleinen Ladengeschäfts und der eines Supermarkts im Kleinformat. Die folgenden Blöcke bestimmen die Summe:
| Kostenblock | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Spendersysteme und Silos | Der prägende Posten. Qualität zahlt sich aus, weil schlecht zu reinigende Spender im Alltag zum Hygieneproblem werden. |
| Geeichte Waagen | Mehrere Geräte nötig, je nach Ladenaufteilung. Eichung und Wartung laufen weiter. |
| Kühlung und Frischebereich | Nur bei Frischesortiment, treibt Investition und Energiekosten spürbar. |
| Ladenbau und Kasse | Regale, Theke, GoBD-konformes Kassensystem. |
| Umbau der Räume | Abhängig von Vorzustand, Lüftung und Lagerraum für Großgebinde. |
| Warenerstausstattung | Großgebinde binden Kapital, bevor der erste Euro Umsatz gemacht wird. |
| Anlaufverluste | Der am häufigsten unterschätzte Posten. Die Frequenz baut sich langsam auf. |
Statt mit Pauschalsummen zu arbeiten, sollte die Rechnung von der anderen Seite aufgezogen werden: Welcher Umsatz ist nötig, damit Miete, Personal und Warenkosten gedeckt sind und ein Unternehmerlohn übrig bleibt?
Abschreibung für Spender und Ladeneinrichtung berechnen
Herausforderungen für diese Geschäftsidee
Die Lage des Unverpackt-Ladens wird ein wesentlicher Faktor für Erfolg sein. Idealerweise ist der Standort in der Lage, viel Laufkundschaft anzuziehen. In einem Unverpackt-Laden wird einer ansprechenden Warenpräsentation eine Schlüsselrolle zukommen, schließlich sind die meisten Kunden seit Jahren ein bestimmtes Schema aus konventionellen Supermärkten gewohnt.
Mit Blick auf den Einkauf von Waren spielen für wirtschaftlichen Erfolg die Konditionen eine große Rolle, schließlich sollen die Produkte mit auskömmlichen Gewinnmargen verkauft werden. Auf der anderen Seite muss je nach Produktfokus Klarheit darüber herrschen, dass viele Lieferanten bzw. Produzenten nicht darauf eingerichtet sind, unverpackte Waren zu liefern. Angesichts dessen gilt es, geeignete Lieferanten zu finden oder die eigenen Bedingungen im Sinne der Pionierarbeit am Markt durchzusetzen. Ferner muss sichergestellt werden, dass die gelieferten Waren auch ohne Verpackung in einem einwandfreien Zustand ankommen und präsentiert werden können. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass gerade mit Blick auf den Aspekt der Regionalität kleine Unternehmen aus der Umgebung oft ein vielversprechender Ansprechpartner sind. Langfristig bietet sich die Chance, das Produktsortiment verpackungstechnisch weiter Richtung Zukunft zu entwickeln.
Tücken und häufige Fehler
Aus den Schließungen der vergangenen Jahre lassen sich einige wiederkehrende Muster ablesen, die sich vermeiden lassen:
- Mindestabnahmemengen gegen Umschlag falsch gerechnet: Ein 25-Kilo-Sack einer Nischenware bindet Kapital und läuft Gefahr, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu erreichen, bevor er verkauft ist.
- Schwund nicht eingepreist: Verwehungen beim Abfüllen, Restmengen im Spender und Reinigungsverluste summieren sich. Wer ohne Schwundquote kalkuliert, rechnet die Marge zu hoch.
- Zu große Fläche angemietet: Miete ist der unbeweglichste Fixkostenblock. Viele gescheiterte Läden waren für ihre tatsächliche Frequenz schlicht zu groß.
- Preisabstand nicht kommuniziert: Wer teurer ist, muss den Grund erklären. Ohne Begründung wirkt der Preis wie ein Aufschlag auf die Gesinnung.
- Tara-Handhabung unsauber: Systematisch zugunsten des Kunden gewogen zu haben, fällt bei der Inventur als unerklärlicher Schwund auf.
- Alles allein machen wollen: Beratungsintensive Abfüllvorgänge binden Personal. Die Öffnungszeiten müssen zur realistischen Personaldecke passen.
- Nur auf die Kernzielgruppe gesetzt: Die überzeugte Stammkundschaft trägt selten allein. Wachstum kommt von Gelegenheitskäufern, die andere Argumente brauchen als Umweltschutz.
Mit dem Businessplan die Finanzierung sicherstellen
Der Businessplan sollte den Unverpackt-Laden nicht nur strategisch klug ausrichten. Er wird auch DAS Mittel sein, um Fremdkapital bei Banken oder anderen Kreditgebern/Geschäftspartnern einzusammeln. Für den Umbau und die Einrichtung werden hohe Summen aufzubringen sein, die im Finanzteil des Businessplans genau zu beziffern sind. Damit gerade der kritisch beäugte Finanzteil überzeugen kann, müssen die Zahlen realistisch sein und insgesamt ein profitables Geschäftsmodell zeigen.
Angesichts der Branchenentwicklung ist damit zu rechnen, dass Banken bei dieser Geschäftsidee genauer hinschauen als noch vor einigen Jahren. Umso wichtiger ist es, die Konsolidierung im Businessplan offen anzusprechen und zu erklären, warum das eigene Konzept anders aufgestellt ist – etwa durch ein Mischsortiment, eine schlankere Fläche oder ein zweites Ertragsstandbein. Ein Finanzplan, der die Marktlage ignoriert, verliert im Bankgespräch sofort an Glaubwürdigkeit.
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Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, sollte den Gründungszuschuss klären, bevor das Gewerbe angemeldet wird:
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Für die Trennung von privaten und geschäftlichen Zahlungsströmen ist ein eigenes Konto von Beginn an sinnvoll:
Marketing: Kunden gewinnen für einen Unverpackt-Laden
Grundsätzlich muss das Ladenlokal von außen mit ansprechender und durchaus auch kreativ-origineller Werbung versehen werden. Dem Namen wird für die Vermarktung des Unverpackt-Ladens eine wichtige Bedeutung zukommen: Er sollte auf den ersten Blick erkennen lassen, was Kunden in diesem Laden erwartet. Aussagekräftige Symbole oder angesehene Label (Bio, Fairtrade etc.) können auf einen Blick die Qualitätsansprüche deutlich machen. Eine suchmaschinenoptimierte Homepage sollte mit der Ladeneröffnung an den Start gehen. Regelmäßige Presseartikel (online und offline) sollten dafür sorgen, den Laden und das dahinter stehende Konzept bekannter zu machen. Flyer bzw. originelle Wurfzettel in einem abgesteckten Radius sind weitere Optionen, um Kunden in einen Unverpackt-Laden zu locken.
Damit sie zu Stammkunden werden, muss beim ersten Besuch alles stimmen. Zu überlegen ist, inwiefern die Kundenbindung mit bestimmten Bonussystemen verbessert werden kann. In wirtschaftlicher Hinsicht ist zu betonen, dass jeder gewährte Rabatt sehr gut durchkalkuliert werden muss. Social Media bieten sich für die reichweitenstarke Vermarktung ebenfalls an. Vielleicht gelingt es, mit einem Influencer auf den Nachhaltigkeitsgedanken aufmerksam zu machen und viele Menschen für einen Unverpackt-Laden zu begeistern. Einblicke in den Laden können helfen, etwaige Vorurteile oder Berührungsängste gezielt abzubauen.
Ein Punkt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Der erste Einkauf ist erklärungsbedürftig. Wer nicht weiß, ob er Behälter mitbringen muss, wie das Wiegen funktioniert und was es kostet, kommt im Zweifel gar nicht erst herein. Eine gut sichtbare Erklärung im Schaufenster senkt diese Hemmschwelle wirksamer als jede Imagekampagne. Leihgefäße für den Erstbesuch nehmen die letzte Ausrede.
Unverpackt-Laden eröffnen: Voraussetzungen
Wer sich mit einem Einzelhandelsgeschäft selbstständig machen will, sollte belastbare Berufserfahrungen in dieser Branche mitbringen. Auch Kenntnisse mit Blick auf die Betriebsführung sind unabdingbar, um ein Geschäft nachhaltig erfolgreich machen zu können. Generell sind zahlreiche behördliche Auflagen zu erfüllen, wenn ein Unverpackt-Laden eröffnet werden soll. Grundsätzlich ist vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit ein Gewerbe anzumelden. Sofern frische Lebensmittel verarbeitet bzw. verkauft werden, müssen Kenntnisse der Hygieneverordnungen nachgewiesen werden. Lagerräume müssen in diesem Sinne bestimmten Anforderungen gerecht werden, die frühzeitig in Erfahrung zu bringen sind. Welche Nachweise zu erbringen sind, hängt im Einzelfall immer vom konkreten Leistungs- und Produktspektrum ab.
Um ein hohes Maß an Planungssicherheit genießen zu können, sollten die Anforderungen frühestmöglich geprüft werden. Ansonsten kann es passieren, dass der Laden erst später öffnen darf, obwohl er bereits immense Kosten für Miete und die gefüllten Regale bzw. Lagerräume verursacht. Verzögerungen sind durch eine ganzheitliche Planung zu vermeiden, denn jeder Tag ohne Umsatz gefährdet in der finanziell heiklen Startphase unnötig die Liquidität. Und schließlich wird irgendwann zwecks Marketing ein Eröffnungsdatum kommuniziert, das dann auch einzuhalten ist.
Je nach Produktspektrum sind auch die Kennzeichnungsverordnungen bzw. die EU-Öko-Verordnung einzuhalten. Im jeweiligen Bundesland müssen die gesetzlichen Öffnungszeiten eingehalten werden und je nach Größe des Ladenlokals ist die Pflicht zu prüfen, Parkplätze anbieten zu müssen. Auch in einem Unverpackt-Laden müssen Preise eindeutig ausgeschildert sein, was sich mit Schildern aber problemlos auch ohne Verpackung realisieren lässt.
Auch ein Unverpackt-Laden kommt am Verpackungsgesetz nicht vollständig vorbei. Sobald Papiertüten, Gläser, Leihgefäße oder Versandkartons an Endverbraucher abgegeben werden, greift die Registrierungspflicht im Verpackungsregister LUCID samt Systembeteiligung. Eine Bagatellgrenze gibt es nicht. Wer das übersieht, riskiert ein Vertriebsverbot und Bußgelder – ausgerechnet in dem Bereich, in dem der Laden inhaltlich vorbildlich sein will.
Steuern und Buchhaltung
Die Einkünfte aus dem Laden sind einkommensteuerpflichtig, für den Gewerbebetrieb greift oberhalb des Freibetrags von 24.500 Euro zusätzlich die Gewerbesteuer. Umsatzsteuerlich ist das Sortiment gemischt: Die meisten Lebensmittel unterliegen dem ermäßigten Satz von 7 Prozent, Non-Food-Artikel wie Naturkosmetik, Bürsten oder Behälter dagegen 19 Prozent. Die Kasse muss beide Sätze sauber trennen können.
Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG ist an einen Vorjahresumsatz von höchstens 25.000 Euro netto und einen laufenden Umsatz bis 100.000 Euro netto geknüpft. Für einen Laden mit Ladenlokal ist das meist nur im Rumpfjahr der Eröffnung relevant. Zu bedenken ist außerdem der Nachteil: Ohne Regelbesteuerung entfällt der Vorsteuerabzug aus den erheblichen Anfangsinvestitionen in Spender, Waagen und Ladenbau.
Kleinunternehmer-Grenze prüfen
Ob eine einfache Einnahmenüberschussrechnung genügt oder Bilanzierungspflicht entsteht, hängt an Umsatz und Gewinn:
Damit die Umsatzsteuer nicht zur Liquiditätsfalle wird, gehört sie konsequent zurückgelegt:
Buchhaltungssoftware vergleichen
Verdienst mit einem eigenen Unverpackt-Laden?
Da es sich um ein vergleichsweise junges Geschäftsfeld handelt, lassen sich kaum offizielle Daten heranziehen. Und je nach Geschäftsform müssen oder wollen sich Betreiber eines Unverpackt-Ladens auch nicht in die Geschäftsbücher schauen lassen. Wer als eingetragener Kaufmann firmiert, muss in dieser Hinsicht sehr wenig an die Öffentlichkeit preisgeben. Bei Kapitalgesellschaften sieht das schon anders aus, da Informationspflichten im Sinne der Transparenz bestehen.
Um einen auskömmlichen Verdienst mit einem Unverpackt-Laden zu erzielen, müssen die Verkaufszahlen stimmen. Je nach Größe und Kostenstruktur wird es pro Tag eine gewisse Anzahl an Kunden geben müssen, die durchschnittlich einen bestimmten Betrag im Laden lassen. Auf der anderen Seite der Rechnung muss die Kostenstruktur des Geschäfts möglichst schlank sein, um die Erträge nicht zu schmälern. Ein gutes Verhandlungsgeschick mit Blick auf Einkaufspreise und eine durchdachte Preiskalkulation sind wichtige Voraussetzungen, um gut mit einem Unverpackt-Laden verdienen zu können. In den ersten Monaten wird der Verdienst erfahrungsgemäß gering ausfallen.
Weil das eine reine Rechenfrage ist, sollte sie auch gerechnet und nicht geschätzt werden. Aus Fixkosten, angestrebtem Unternehmerlohn und der realistischen Handelsspanne ergibt sich der nötige Jahresumsatz – und daraus, heruntergebrochen auf Öffnungstage und Durchschnittsbon, die Zahl der Kunden, die täglich durch die Tür kommen müssen. Diese Zahl ist der ehrlichste Realitätstest für den Standort.
Wer Personal einstellt, sollte die Arbeitgeberkosten kennen, bevor die Stelle ausgeschrieben wird:
Versicherungen und soziale Absicherung
Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist im Lebensmittelhandel praktisch unverzichtbar, denn bei offener Ware sind Produkt- und Personenschäden ein reales Risiko. Eine Inhaltsversicherung schützt Warenbestand und Einrichtung, eine Betriebsunterbrechungsversicherung fängt den Fall ab, dass der Laden nach einem Schaden vorübergehend schließen muss. Die Mitgliedschaft in der zuständigen Berufsgenossenschaft ist Pflicht und binnen einer Woche nach Betriebseröffnung anzuzeigen.
Passende Versicherungen im Überblick
Als hauptberuflich Selbstständiger entfällt die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse; die Beitragshöhe richtet sich dann nach dem Einkommen und einer Mindestbemessungsgrundlage:
Wer den Laden zunächst neben einer Anstellung aufbaut, sollte die Grenzen der Nebentätigkeit kennen – gerade im Einzelhandel mit festen Öffnungszeiten ist das organisatorisch anspruchsvoll.
Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Unverpackt-Laden‘
- In den letzten Jahren wurden im Handel einige Maßnahmen unternommen, um den Verpackungsmüll zu reduzieren – der konventionelle Handel ist damit zum direkten Wettbewerber um das Umweltargument geworden.
- Mit mehr als 200 Kilogramm pro Jahr und Kopf fällt in Deutschland weiterhin sehr viel Verpackungsabfall an.
- Die Branche hat sich konsolidiert: von über 330 Läden Ende 2020 auf 169 im April 2025 (Unverpackt e. V.). Wer gründet, muss die Gründe für dieses Ladensterben in der eigenen Kalkulation beantworten.
- Es hat sich keine feste Form am Markt etabliert, sodass das Sortiment je nach Standort und Zielgruppe sehr individuelle Züge annehmen kann. Reine Schüttgut-Konzepte tragen sich am schwersten.
- Laut Befragungen besitzen Unverpackt-Läden ein gutes Image, das sich aber nur zu einem kleinen Teil in tatsächliche Einkäufe übersetzt.
- Untersuchungen zeigen auch, dass potenzielle Kunden vor allem mit Blick auf frische Waren hygienische Vorbehalte äußern.
- Hygiene-Eigenkontrolle, Eichrecht bei der Tara und die LUCID-Registrierung sind die drei Pflichten, an denen es im Alltag am häufigsten hakt.
- Das Verkaufskonzept muss also mit Einzigartigkeit, Nachhaltigkeit, Profitabilität, Kundenorientierung und zugkräftigen Alleinstellungsmerkmalen punkten.
Was passiert mit meiner Krankenversicherung wenn ich mich selbstständig mache?
Als Selbstständige/r oder Freiberufler/in sind Sie nicht mehr automatisch in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) pflichtversichert. Sie müssen sich nun aktiv für eine Form der Krankenversicherung entscheiden. Die Beitragshöhe in der GKV orientiert sich am Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in diesem Jahr zwischen ...







