Selbstständig machen mit einer Manufaktur

Handmade in Germany, so könnte das Qualitätslabel für die hier vorgestellte Geschäftsideeselbstständig machen mit Manufaktur‘ lauten. Qualität, Regionalität, Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit sind in den letzten Jahren für Verbraucher zu immer wichtigeren Kriterien geworden, um sich bewusst für bestimmte Produkte zu entscheiden. In dieser Hinsicht kann eine Manufaktur Maßstäbe setzen, denn sie steht eben nicht für beliebige Massenware.
 

Handgemachte Produkte können zum Verkaufsschlager werden

Alles, was per Hand gefertigt ist, erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Das zeigt sich auch an aufstrebenden DIY-Portalen, auf denen handwerkliche Begabte ihre Kreationen verkaufen können. Wer etwas größer und selbstständiger denkt, kann sich hier praxisorientiert mit der Möglichkeit befassen, eine eigene Manufaktur zu gründen. Ob Schmuck, Seife, Schokolade, Einladungskarten, Kleidung oder vieles mehr: Der handgemachten Kreativität sind geschäftlich kaum Grenzen gesetzt.
 

Was ist eine Manufaktur?

Was unter der eigenen Geschäftsidee zu verstehen ist, muss im Businessplan deutlich werden (dazu mehr im entsprechenden Unterkapitel). Von der Wortherkunft ist es für eine Manufaktur unverzichtbar, dass Erzeugnisse zu großen Teilen per Hand gefertigt werden. Zudem handelt es sich in der Regel um einen kleinen Betrieb, keinesfalls um eine größere Fabrik. Das Wort Manufaktur löst automatisch Assoziationen in Bezug auf eine traditionelle Produktionsweise aus, worin gerade mit Blick auf die Vermarktung enorme Chancen zu sehen sind, und das weltweit. Mit dem Label ‚handmade in Germany‘ lassen sich internationale Märkte anvisieren, was ganz klar als Chance für diese Geschäftsidee zwischen Tradition und Moderne zu sehen ist.
 

Das Wichtigste in aller Kürze zur Existenzgründung mit einer Manufaktur:

  • Wer eine Manufaktur gründen möchte, muss das notwendige handwerkliche Können mitbringen, schließlich wird die Produktqualität entscheidend sein.

  • Bevor die Manufaktur ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen kann, ist ein Gewerbe anzumelden. Bei der Verarbeitung frischer Lebensmittel sind Genehmigungen bzw. Nachweise der Hygienevorordnung zu beachten.

  • Im Idealfall besetzen Manufakturgründer eine stark gefragte Nische, mit der sich hohe Gewinnmargen erzielen lassen. Massenproduktion kann nicht das erklärte Ziel sein.

  • Durch die reichweitenstarke Vermarktung via Internet/Webshop spielt der Standort nicht die alles entscheidende bzw. keine limitierende Rolle.


Voraussetzungen, um eine Manufaktur eröffnen zu können?

Wer eine Manufaktur eröffnen will, sollte zunächst mit dem Businessplan ein tragfähiges Konzept ausarbeiten. Es muss klar sein, welche Produkte in welchen Mengen und zu welchen Margen verkauft werden sollen. Für die Produktion und ggf. auch den Verkauf sind geeignete Räumlichkeiten zu finden, die den Anforderungen der Hygieneverordnung im Falle der Verarbeitung von Lebensmitteln entsprechen. Mit Blick auf das Infektionsschutzgesetz wird ein aktuelles Gesundheitszeugnis bei der Gewerbeanmeldung vorzuweisen sein.


(Um)baumaßnahmen und Möglichkeit des freien Berufes

Für Umbaumaßnahmen sind rechtzeitig Anträge bei der Bauaufsichtsbehörde zu stellen, eine Nutzungsänderung muss ebenfalls beantragt werden. Vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit mit einer Manufaktur ist eine Gewerbe anzumelden. Die Anerkennung als Freiberufler kann nur bei einer künstlerischen Tätigkeit in Frage kommen, wenn der Gründer alle Leistungen selbst erbringt. Oft wird es sich bei einer Manufaktur um ein Handwerk handeln. Daher sind bei der Existenzgründung die Bestimmungen der Handwerksordnung zu prüfen. Kommt die Tätigkeit einem Beruf aus Anlage A der Handwerksordnung nahe, ist die Meisterpflicht zu prüfen. Ohne Meistertitel könnte eine Manufaktur in diesem Fall aber auch gegründet werden, falls ein Meister in leitender Position eingestellt wird.
 

Wer darf sich Manufaktur nennen?

Hier sind die Kriterien des Verbandes deutscher Manufakturen wegweisend. Sie zeigen, wie sich die Manufaktur aufstellen bzw. vermarkten sollte, um als solche auch wirklich wahrgenommen zu werden. Wichtig ist es demnach, dass der Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat und nur hierzulande produziert. Der Anteil der Handarbeit muss bei mindestens 60 % liegen. Das erstellte Produkt selber muss wesentlich sein, es sollte sich um kein Teilprodukt aus Zulieferung haben. Im Regelfall hat eine Manufaktur nur sehr wenige Mitarbeiter. Mehr als 200 dürfen es laut Verband nicht sein.


Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen mit eigener Manufaktur?

Manufakturen positionieren sich geschäftlich irgendwo zwischen Tradition und Moderne: Sie legen Wert auf eine traditionelle, qualitätsorientierte Fertigung, wollen auf der anderen Seite Kunden aber moderne und nützliche Innovationen bieten. Insofern stehen Manufakturen in einem eigenen Wettbewerb, der vom klassischen Verbrauchermarkt mit Massenproduktion abzugrenzen ist. Manufakturen erhalten Kultur, wodurch sich bei der Vermarktung und auch bei den Einnahmemöglichkeiten facettenreiche Optionen ergeben. Neben dem Verkauf von Produkten kann die Manufaktur selbst als Erlebnis inszeniert werden. Wichtig zu wissen mit Blick auf die Chancen dieser Geschäftsidee ist, dass deutsche Handwerkskunst weltweit einen exzellenten Ruf genießt. Insofern kann diese traditionell wirkende Geschäftsidee von Beginn an selbstbewusst mit einer internationalen Verkaufsstrategie angelegt werden.
 

Was bei der Wettbewerbsanalyse zu beachten ist

Zahlen des Verbandes deutscher Manufakturen zufolge gibt es hierzulande etwa 2.500 Betriebe, die in unterschiedlichsten Bereichen anzusiedeln sind. Von Vasen, Weihnachtsdeko, Seife, erlesenen Ölen, Naturkosmetik, Schokolade bis hin zu Textilien ist so gut wie alles denkbar. Gründer müssen ihre eigene Nische finden, in der sie sich selbstverständlich sehr gut auskennen müssen. Ansonsten wird es schwer, die notwendige Produktqualität sicherzustellen.
 

Inspiration auf der deutschen Manufakturen-Straße gefällig?

Die unten angegebene Quelle kann für Interessenten ein wunderbarer erster Schritt sein, um sich mit Blick auf den Wettbewerb zu orientieren oder die eine oder andere Idee zu generieren. Mit der Wahl eines Bundeslandes lassen sich alle Bereiche ergründen, in denen es erfolgreiche Manufakturen ergibt. Ein kurzer Blick zeigt schon, dass die geschäftlichen Möglichkeiten von Accessoires, Delikatessen, Instrumenten, Honig bis hin zu Werkstoffen und Technologien sehr breit gefächert sein kann. Bei dieser Geschäftsidee kann für jeden etwas dabei sein, was für Gründer und potenzielle Kunden gleichermaßen gilt. Diese Geschäftsidee bietet die Chance, aus einem Hobby/einer handwerklichen Leidenschaft einen Beruf zu machen und sich selbst zu verwirklichen. Von Vorteil ist zudem, dass der Standort nicht die alles entscheidende Rolle spielt. Es sei denn, dieser ist touristisch sehr erschlossen und es soll um den Verkauf regionstypischer Mitbringsel gehen.
 

Anlässe für Handarbeit in Deutschland?

Werfen wir als Abschluss der Ausgangsanalyse noch einen Blick auf die Anlässe, die für eine Beschäftigung mit Handarbeit sprechen. Die Mehrheit sieht darin Spaß bzw. eine gute Möglichkeit, um die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Fast 50 % sehen darin eine gute Möglichkeit für originelle Geschenke. Das wäre schon eine vielversprechende Geschäftsausrichtung, die unterschiedlichste Formen annehmen kann. Insgesamt ist Individualität ein sehr zentraler Wert, wenn es um Manufakturen geht. Nachhaltigkeit spielt für fast jeden Fünften ebenfalls eine wichtige Rolle. Laut Statista geben nur 5 % an, mit Handarbeit Geld verdienen zu wollen. Das spricht tendenziell für eine nicht allzu große Konkurrenz, zumal durch eine Nischenstrategie gezielt eine möglichst solvente Zielgruppe angesprochen werden kann.
 

Businessplan ausarbeiten: Wie selbstständig machen mit Manufaktur?

Was ist das BESONDERE an dieser Manufaktur? Der Businessplan muss die Frage aus zweifacher Perspektive überzeugend beantworten können:

  1. Was sind Mehrwerte und zugkräftige Alleinstellungmerkmale aus Kundensicht? Warum können sie zu den Erzeugnissen nicht nein sagen?

  2. Inwiefern ist die Profitabilität der Manufaktur besonders? Was von Hand gemacht wird, wird zwangsläufig hochpreisig(er) sein müssen.

Zu Beginn haben wir uns dem Konzept Manufaktur mit wesentlichen Kriterien genähert. Aus der Größe des Betriebs und dem hohen Anteil an Handarbeit lassen sich zentrale betriebswirtschaftliche Größen ableiten: Jedes Produkt wird eine hohe Gewinnmarge erzielen müssen und Massenproduktion kann nicht das erklärte Ziel sein. Hohe Gewinnmargen lassen sich mit einem vergleichsweise geringen Materialeinsatz erzielen: Der Wert entsteht für Kunden für allem in der Wahrnehmung, dass jedes Produkt sorgfältig per Hand gefertigt wird.
 

Spezialisierung: Was wird in der Manufaktur gefertigt?

Einige Anregungen wurden bereits gegeben. Diese Frage können Gründer am besten selbst beantworten, indem sie auf ihre Leidenschaft und ihre handwerklichen Fähigkeiten setzen. In jedem Fall sollten Berührungspunkte und Erfahrungen vorhanden sein. Wer keine Schokolade mag bzw. zu schätzen weiß, wird nur schwer eine Süßwarenmanufaktur eröffnen können. Der Gründer selbst sollte authentisch für das Konzept und letztlich auch Image stehen. Daher ist es wichtig, dass er die Produkte selber überzeugt lebt.
 

Herausforderungen: Bekanntheit & Marke aufbauen

Um sich mit einem Profil und starkem Wiedererkennungswert von der Konkurrenz abzugrenzen, wird es notwendig sein, eine gefragte Manufaktur-Marke zu kreieren. Die Produkte sollten zu dieser Marke und einem bestimmten Lebensstil passen. Daher sollten sich Gründer spätestens im Businessplan überlegen, wofür die Manufaktur steht. Das kann von modernem Handwerk, Einzigartigkeit, Regionalität, Genuss, Kreativität bis hin zu Lebensfreude alles sein.
 

Absatz: Vertriebswege für die eigene Manufaktur

Durch die Möglichkeit des Verkaufs via Internet (Webshop und/oder diverse Portale) können Betreiber einer Manufaktur weit über den eigentlichen Standort hinaus verkaufen, was also großer Vorteil mit Blick auf die geschäftliche Reichweite zu bewerten ist. Je nach Größe und Lage der Manufaktur können auch interne Verkaufsräume geschaffen werden. Bei einer Manufaktur bietet es sich an, den handwerklichen Erlebnischarakter in den Mittelpunkt zu stellen. Eine ‚gläserne Produktion‘ kann Einblicke hinter die Kulissen ermöglichen, was auch beim Marketing in sozialen Netzwerken genutzt werden kann.
 

Manufaktur gründen: Die Finanzen müssen stimmen

Für den wirtschaftlichen Erfolg werden die Finanzen erfahrungsgemäß eine Schlüsselrolle spielen. Für Umbaumaßnahmen und die Einrichtung der Manufaktur ist schnell mit Kosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe zu rechnen. Daher sollte der Finanzteil des Businessplans mit realistischen Annahmen überzeugen. Je nach Kapitalbedarf kann es notwendig werden, abgesehen von Bankkrediten weitere Gesellschafter ins Boot zu holen. Zu überlegen ist dann, welche Rechtsform für die Manufaktur am funktionalsten ist und wie der Gesellschaftsvertrag ausgearbeitet werden soll.
 

Marketing: Namensgebung & Rechtliches

Um Marketingmaßnahmen für die eigene Zielgruppe so fokussiert und treffsicher wie nur möglich auszurichten, sollte eine typische ‚buyer persona‘ (https://www.selbststaendig.de/zielgruppe-buyer-persona) bestimmt werden: Wer ist der typische Käufer der Manufakturerzeugnisse? Warum kauft er die Produkte, welche Motive treiben ihn an? Und vor allem: Wie ist es um seine Ausgabebereitschaft bestellt? Idealerweise lässt der Name der Manufaktur bereits erkennen, was Kunden dort erwartet. In rechtlicher Hinsicht ist es wichtig, dass die Bezeichnung nicht irreführend ist. Eine kleine Manufaktur darf sich z. B. explizit nicht Fabrik nennen! In diesem Rahmen sind Fantasienamen erlaubt, wobei bei einer Manufaktur sicher ein Verweis auf Tradition und regionale Werte für den Image- und Markenaufbau sinnvoll ist.
 

Wie viel verdient man mit einer Manufaktur?

Diese Frage müssen Gründer im Finanzteil des Businessplans selbst beantworten können, um diese Geschäftsidee finanziell aussagekräftig einzuschätzen. Pauschale An- bzw. Vorgaben für die Selbstständigkeit mit einer Manufaktur sind wenig sinnvoll, da sich Angebote und Gewinnmargen je nach Produktpalette deutlich unterscheiden. In den erzielbaren Gewinnmargen wird aber der Schlüssel für einen hohen Verdienst mit einer Manufaktur liegen, wobei die abgesetzten Mengen natürlich auch eine wichtige Rolle spielen. Der Verdienst mit einer eigenen Manufaktur wird auch davon abhängen, wie breit die Einnahmebasis aufgestellt ist. Mit Führungen oder Schulungen/Seminaren in Bezug auf die Fertigungstechnik lässt sich die Einnahmebasis breiter aufstellen. Auch aus der Vermarktung eines Blogs oder Social-Media-Kanals lassen sich Einnahmen generieren, sofern genügend Followern gewonnen werden können. Ist das der Fall, wird die Bekanntheit der Manufaktur durch Netzwerkeffekte auf der anderen Seite steigen.
 

Welche Versicherungen brauchen Existenzgründer für eine Manufaktur?

Eine Inventarversicherung kann sinnvoll sein, um den Gewerbebetrieb gegen mögliche Schäden abzusichern. Schließlich werden die Maschinen und die vorhandenen Produkte einen nicht unbeträchtlichen Wert binden. Was die persönliche Vorsorge angeht, so ist an die private Rentenabsicherung zu denken. Mit dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit eröffnet sich für Gründer die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung wechseln zu können.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Manufaktur‘:

  1. Warum eine eigene Manufaktur eröffnen?

Weil sich handwerkliche Erzeugnisse einer großen Beliebtheit erfreuen und sich die Marke ‚handmade in Germany‘ zudem international durch den exzellenten Ruf verkaufen ließen. Die geschäftlichen Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Insofern ist diese Geschäftsidee auch für Quereinsteiger ideal, die nach einer neuen, perspektivenreichen beruflichen Ausrichtung suchen.

  1. Wer kann eine Manufaktur eröffnen?

Im Grunde jeder, der das notwendige handwerkliche und auch kaufmännische Fachwissen mitbringt. Je nach Leistungsspektrum sind bei der Gewerbeanmeldung Nachweis- und Erlaubnispflichten zu beachten, die frühzeitig in Erfahrung zu bringen sind.

  1. Wie viel verdient man mit einer eigenen Manufaktur?

Diese Frage muss der Finanzteil des Businessplans mit belastbaren Zahlen beantworten können. Der Vergleich der ersten drei Geschäftsjahre zeigt potenziellen Investoren, mit welchem Wachstum zu rechnen ist bzw. wie profitabel dieses Geschäftsmodell ist.

Quellenangabe: 
  • Standort- und Konkurrenzanalyse mit der deutschen Manufakturenstraße, siehe online unter https://www.deutsche-manufakturenstrasse.de/manufakturen/ [zuletzt verwendet am 8.7.2021].
  • Erfahrungsaustausch rund um die Gründung einer Manufaktur, siehe https://www.lebensmittelwelt.de/lebensmittelforum/showthread.php/1608-Pralinenmanufaktur-er%C3%B6ffnen-wer-hat-Erfahrungen [zuletzt verwendet am 8.7.2021].
  • Verband deutscher Manufakturen, siehe https://www.deutsche-manufakturen.org/ [zuletzt verwendet am 8.7.2021]. Anlässe für Handarbeit, siehe https://de.statista.com/statistik/daten/studie/727302/umfrage/umfrage-zu-anlaessen-fuer-handarbeit/ [zuletzt verwendet am 8.7.2021].

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