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Selbstständig machen mit einer Zeitarbeitsfirma

Im Zuge der Reform des Arbeitsmarktes (Stichwort Agenda 2010) wurde die Leiharbeit neu gestaltet, um Unternehmen mehr Flexibilität zu eröffnen und insgesamt mehr Menschen Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt zu verschaffen. Aus den gesetzlichen Rahmenbedingungen hat sich ein neues Geschäftsmodell entwickelt: die Zeitarbeitsfirma. In diesem Beitrag soll die Option ‚selbstständig machen mit einer Zeitarbeitsfirma‘ praxisorientiert erörtert neben. Im Vordergrund stehen die geschäftlichen Potenziale für die Betreiber einer Zeitarbeitsfirma / Arbeitnehmerüberlassung. Neben strategischen Aspekten für eine nachhaltige Geschäftsausrichtung werden insbesondere auch die formalen Gründungsvoraussetzungen beleuchtet.

Existenzgründung mit einer Zeitarbeitsfirma: Themen für die Selbstständigkeit

  • Chancenbewertung: Wie sehen die Rahmenbedingungen aus?
  • Welche Fragen muss der Businessplan beantworten können?
  • Wichtigkeit von Standort- und Wettbewerbsanalyse
  • Zielgruppen und zentrale unternehmerische Aufgaben
  • Zeitarbeitsfirma gründen: Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
     

Selbstständig machen mit Zeitarbeitsfirma: Ausgangslage sondieren

Die Erwerbsbiografien vieler Menschen haben sich grundlegend gewandelt: Heute ist es nicht mehr üblich, dass Arbeitnehmer von der Ausbildung bis zur Rente in einem und demselben Betrieb arbeiten. Befristungen und flexible Beschäftigungsformen wie die hier vorgestellte Zeitarbeit sorgen dafür, dass nicht wenige Arbeitnehmer oft den Arbeitgeber wechseln.

Unternehmen nutzen ihrerseits die Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung), um Kosten und Ressourcen flexibler bzw. bedarfsgerecht steuern zu können. Aktuell arbeiten über 900.000 Menschen in Zeitarbeitsverhältnissen, was knapp 3 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entspricht. Die Nachfrage von Unternehmensseite ist nach wie vor hoch, sodass sich grundsätzlich positive Entwicklungsperspektiven für die Gründung einer Zeitarbeitsfirma ergeben. Aber es ist auch Bewegung in der gesamten Branche festzustellen: Viele der getroffenen gesetzlichen Regelungen sind in der Zwischenzeit wieder in die Kritik geraten, da nicht selten Missbrauch betrieben wird bzw. eine unterschiedliche Bezahlung von festen Mitarbeitern und Zeitarbeitern als ungerecht empfunden wird.
 

Was folgt daraus für die strategische Geschäftsausrichtung?

Wer sich selbstständig mit einer Zeitarbeitsfirma machen möchte, sollte sich auf jeden Fall in der komplexen Rechtsmaterie sehr gut auskennen. Nur so können Auftragsverhältnisse und Kooperationen geschaffen werden, die ein hohes Maß an wünschenswerter Rechtssicherheit erlauben, und zwar für alle beteiligten Seiten! Da die gesetzlichen Rahmenbedingungen sich jederzeit ändern können (etwa was den Zeitrahmen oder die Bezahlung der Arbeitnehmerüberlassung angeht), sollte die Strategie immer wieder überprüft und ggf. angepasst werden. Angesichts der ausgeprägten Konkurrenzsituation in dieser Branche sollte zu Beginn ganzheitlich geklärt werden, wo und für wen welche Leistungen mit einer Zeitarbeitsfirma erbracht werden sollen.
 

Standortanalyse vornehmen & Wettbewerbssituation richtig einschätzen

Eine professionelle Standortanalyse ist einer der zentralsten Faktoren für nachhaltigen Geschäftserfolg: Dementsprechend muss in der Region ein ausreichend großes Arbeitspotenzial in Form von suchenden Unternehmen vorhanden sein. Ansonsten wird sich auf Dauer keine ausreichende Nachfrage für die temporär begrenzte Arbeitnehmerüberlassung ergeben. Natürlich ist auch zu analysieren, wie sich die Wettbewerbssituation gestaltet: Wie viele unmittelbare Wettbewerber gibt es? Welche Bereichen bzw. Unternehmen decken diese ab? Gibt es dementsprechend eine tragfähige Nachfrage für die Leistungen der zu gründenden Zeitarbeitsfirma? Diese Fragen zeigen schon, dass fundierte Branchenkenntnisse unabdingbar sind, um die Ausgangssituation realistisch einschätzen zu können.
 

Nischenstrategie für eine Zeitarbeitsfirma prüfen

Unter Umständen kann es auch Sinn machen, eine Nische mit bestimmten beruflichen Qualifikationen zu besetzen. Dies kann sich in Zeiten des Fachkräftemangels als strategisch durchaus kluge Entscheidung erweisen. Je nach Standort und konkreter Wettbewerbssituation kann es also mit einiger Arbeit und einer gewissenhaften Vorbereitung verbunden sein, den Weg in die Selbstständigkeit mit einer Zeitarbeitsfirma ganzheitlich zu planen. Die Erfahrung zeigt, dass sich eine gewissenhafte und vorausschauende Vorbereitung eigentlich immer auszahlen wird.
 

Selbstständig machen mit Zeitarbeitsfirma: 2 Zielgruppen fest im Blick

Abgesehen vom Standort und der Wettbewerbssituation spielt die Zielgruppe eine strategische Schlüsselrolle. Vor allem auch deshalb, weil die Bedürfnisse der Zielgruppe maßgeblich für das Leistungsspektrum der Zeitarbeitsfirma sein werden. Zu überprüfen ist demnach, in welcher Branche in einem Umkreis X ein tragfähiges Potenzial für die Arbeitsnehmerüberlassung vorhanden ist. In welchen Industriebereichen sind viele offene Stellen zu finden? Die Antwort auf diese Frage muss sich immer an zwei Zielgruppen richten, die Existenzgründer einer Zeitarbeitsfirma fest im Blick haben sollten. Neben der Zielgruppe Unternehmen gibt es auch die Zielgruppe Bewerber (bzw. eigene Mitarbeiter), die an Unternehmen auf Zeit flexibel überlassen werden.
 

Professioneller Umgang mit zwei Zielgruppen für nachhaltigen Erfolg



Eine Zeitarbeitsfirma kann auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf einen großen Bewerberpool bzw. qualifizierte Arbeitskraft zurückgreifen kann. Insofern wird es eine der wichtigsten Aufgaben für Existenzgründer sein, einen Bewerberpool respektive eine leistungsstarke Datenbank aufzubauen. Insofern müssen in diesem Bereich zielfokussierte Marketinganstrengungen unternommen werden. Die Auswahl und Einstellung von Leiharbeitern erfordert neben zeitlichen Ressourcen auch ein gutes Händchen.

Auf der anderen Seite des Geschäftsmodells stehen die Unternehmen als Kunden. Insofern gilt es, schon im Vorfeld der Unternehmensgründung Kontakte oder noch besser Kooperationen zu knüpfen. Diese werden dafür sorgen, dass regelmäßig Mitarbeiter überlassen werden können. Je größer das Unternehmen, desto größer die potenzielle Nachfrage. Auch in diesem Bereich gilt es, professionelle Marketingmaßnahmen zu ergreifen, die zudem das Image und das notwendige Vertrauensverhältnis fördern.

Praxistipp: Hier erfahren Existenzgründer, was bei der Wettbewerbsanalyse zu berücksichtigen ist.


Auf diese Fragen sollte der Businessplan überzeugende Antworten geben

Der Businessplan ist der richtige Rahmen, um alle bereits aufgeworfenen Fragen zur strategischen Positionierung der Zeitarbeitsfirma zu beantworten. Es muss klar werden, was die eigene Zeitarbeitsfirma besser kann als die Konkurrenz (USP)? Zudem müssen Gründer dahingehend überzeugen können, dass sie Trends (er)kennen und sich bestens mit der aktuellen Gesetzeslage auskennen, die auch wesentlich über die unternehmerischen Handlungsspielräume entscheidet. Vor allem aber muss die Planung der Finanzen in überzeugender Weise dargestellt werden. Nur so kann der Businessplan seine wichtige Funktion als Visitenkarten für die Geschäftsidee erfüllen und externe Geldgeber mit ins Boot holen. Im Falle einer Zeitarbeitsfirma muss insbesondere deutlich werden, womit konkret Geld verdient werden soll: Hier spielen Provisionen für eine erfolgreiche Vermittlung mit Sicherheit eine wesentliche Rolle.
 

Zeitarbeitsfirma gründen: Zentrale Kostenaspekte

Generell ist die Gründung einer Zeitarbeitsfirma nicht kostenlos. Neben Gebühren im Anmeldeprozess und etwaigen Gebühren für die Beratung müssen im Zuge der notwendigen Zulassung müssen auch liquide Mittel nachgewiesen werden. Bei bis zu 5 Leiharbeitern ist eine Mindestsumme von 10.000 Euro vorgesehen. Für jeden weiteren Mitarbeiter sind 2.000 nachzuweisen. Je nach Größe der Zeitarbeitsfirma kann sich also hier schon ein großer Kapitalbedarf als Gründungsvoraussetzung ergeben. Zudem kommen Kosten für die vorgesehene Erlaubnis für dieses Gewerbe hinzu. Sofern diese unbefristet sein soll, ist mit Kosten in Höhe von 2.500 Euro zu rechnen. Des Weiteren ist mit folgenden fixen Kosten zu rechnen, die üblicherweise in einer Zeitarbeitsfirma anfallen:

  • Personalkosten
  • Kosten für Miete und Energie
  • Marketingkosten
  • Beiträge für Versicherungen
  • Beiträge für die Industrie- und Handelskammer
     

Zeitarbeitsfirma eröffnen: Gewerbeanmeldung & weitere Voraussetzungen

Wer sich mit einer Zeitarbeitsfirma selbstständig machen möchte, muss vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit ein Gewerbe anmelden. Um den Gewerbeschein zu erhalten, ist allerdings eine gesonderte Erlaubnis nötig. Erforderlich ist eine Zulassung als Verleihfirma (Stichwort Verleih-Erlaubnis). Der erforderliche Antrag ist bei der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zu stellen. Die Formulare finden Existenzgründer online. Wer bei der Bundesagentur für Arbeit zum ersten Mal eine Verleih-Erlaubnis erwirken möchte, muss folgende Unterlagen vorlegen:

  • Gesellschaftsvertrag (die Eintragung ins Handelsregister wird oft vorausgesetzt)
  • polizeiliches Führungszeugnis
  • Gewerbezentralregisterauszug
  • Auszug aus dem Handelsregister
  • Nachweis der erforderlichen liquiden Mittel
  • Muster für Arbeitsverträge für die Arbeitnehmerüberlassung
  • Bescheinigung von der Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung)
     

Persönliche Eignung für die Gründung einer Zeitarbeitsfirma

Des Weiteren prüft die Bundesagentur für Agentur die persönliche Eignung des Gründers sehr genau. Sollten Bestimmungen des relevanten Sozialversicherungsrechts nicht eingehalten werden, so wird eine Erlaubnis nicht erteilt. Wer sich mit den Voraussetzungen der persönlichen Eignung näher befassen möchte, sollte einen Blick in Paragraf 3 Nr. des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes werfen (AÜG). Neben dem geltenden Sozialversicherungsrecht werden auch Vorschriften zum Arbeitsschutz im Geschäftsalltag neben der Pflicht zur korrekten Buchführung eine nicht unwichtige Rolle spielen.
 

Existenzgründung mit Zeitarbeitsfirma: Zusammenfassung zur Planung der Selbstständigkeit

  1. Die Zeitarbeit wurde zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes eingeführt. Unternehmen können ihren Bedarf kurzfristig decken und Arbeitnehmer erhalten Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt
  2. Mehr als 900.000 Arbeitnehmer sind auf Zeit angestellt, die Nachfrage ist von Seiten vieler Unternehmen hoch
  3. Eine genaue Standort- und Wettbewerbsanalyse ist die Basis für eine nachhaltige Platzierung der Zeitarbeitsfirma
  4. Bewerber/Zeitarbeiter und Unternehmen als Auftraggeber: Es gilt zu jeder Zeit, zwei Zielgruppen fest im Blick zu halten
  5. Mit dem Businessplan überzeugen: Was macht die Zeitarbeitsfirma einzigartig und profitabel?
  6. Vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit einer Zeitarbeitsfirma muss ein Gewerbe angemeldet werden. Dazu ist eine Verleih-Erlaubnis bei der Agentur für Arbeit zu erwirken. Ferner prüft die Bundesagentur für Arbeit die persönliche Eignung des Gründers
  7. Finanzielle Einstiegshürden: Wer eine Zeitarbeitsfirma gründen möchte, muss je nach Anzahl der Mitarbeiter ausreichende liquide Mittel nachweisen können. Eine unbefristete Erlaubnis kostet 2.500 Euro
  8. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen könnten in (naher) Zukunft verändert werden, sodass die Strategie ggf. flexibel anzupassen ist.

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