Warum der Businessplan auch ohne Bank wichtig ist

Nicht wenige Menschen träumen davon, ihren Job an den Nagel zu hängen, um sich beruflich selbstständig zu machen oder Selbstverwirklichung zu leben: Endlich sein eigener Chef sein, endlich seine eigenen Entscheidungen treffen. Für viele Menschen ist die Selbstständigkeit auch eine attraktive Option, um eine nebenberufliche Tätigkeit auszubauen oder aber aktiv eine Phase der Arbeitslosigkeit hinter sich zu lassen. Eine große Begeisterung für die eigenen Ideen ist in diesem Kontext sehr erwünscht, schließlich brauchen gerade Selbstständige ein hohes Maß an Eigenmotivation. Ganz anders sieht es aber meistens mit der Begeisterung aus, sich mit erfolgskritischen Fragen der Geschäftsidee auseinanderzusetzen, die einen strategischen Stellenwert besitzen: Bringe ich die unternehmerischen Fähigkeiten bzw. spezifische Qualifikationen mit? Welche Chancen und Risiken bestehen für mein Vorhaben? Und die wohl wichtigste Frage: Ist die Geschäftsidee in finanzieller Hinsicht tragfähig? Genau auf solche Fragen kann ein Businessplan gezielte Antworten geben, wenn er ernsthaft und tiefgründig erarbeitet wird. Die vorhandene Euphorie wird darin zahlen- und möglichst faktenbasiert abgebildet, sodass auch Objektivität bei der Bewertung der Chancen genutzt wird.

Was Existenzgründer in diesem Beitrag über den Businessplan jenseits der Finanzierungsaspekte erfahren

Der fertige Businessplan hat in der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich nur den Ruf, für externe Geldgeber einen Sinn zu haben: Banken sollen durch Zahlen und Fakten vom Geschäftsmodell überzeugt werden, damit sie finanzielle Mittel freigeben. In diesem Beitrag soll es aber schwerpunktmäßig um eine andere Perspektive gehen. Es soll aufgezeigt werden, worin die Essenz des Businessplans liegt und welche Chancen darin verborgen liegen. In dieser Hinsicht führt dieser Beitrag in die interne Betrachtungsweise eines Businessplanes ein. Der externe Wirkungsaspekt der Gewinnung von Geldgebern wird nur am Rande gestreift. Im Sinne der Praxisorientierung werden zentrale Inhalte des Businessplanes mit Blick auf ihre Funktion kompakt dargestellt.
 

Der Businessplan ist vor allem eine Art persönlicher Wegweiser

Der Entschluss für den Weg in die Selbstständigkeit steht fest, die Geschäftsidee ist gefunden und soweit entwickelt. Nun gilt es, mit einem Businessplan für den richtigen Rahmen zu sorgen, indem alle erfolgskritischen Inhalte der Geschäftsentwicklung ausgearbeitet werden. Gerade in dieser Anfangsphase sollte sich jeder Existenzgründer klarmachen, dass er den Businessplan zunächst für sich selber schreibt. Erst die später ausgereifte Fassung ist überhaupt in der Lage, externe Geldgeber zu überzeugen. Zunächst aber zwingt das formale Korsett des Businessplanes den Existenzgründer dazu, sich mit zentralen Fragestellungen, Chancen und Risiken der Geschäftsgründung auseinanderzusetzen. Dabei ist der Prozess des Erstellens zunächst wichtiger als das Ergebnis. Existenzgründer sind gezwungen, ihre Gedanken und Ziele zu ordnen und sie vor dem Hintergrund von Zahlen und Fakten zu bewerten. Er wird so quasi automatisch gezwungen, wichtige Entscheidungen zu treffen, die für die spätere Geschäftsentwicklung eine große Bedeutung haben. Wo liegen die Mehrwerte des Geschäftsmodells/Produktes? Welcher Preis ist am Markt vertretbar und zugleich profitabel? Welche Chancen lässt der Standort zu? Wie sieht es mit dem finanziellen Bedarf in den ersten Jahren aus? Nach der Beschäftigung mit allen Inhalten sollte ein tragfähiges Gerüst entstanden sein, das auch Außenstehenden einen kompakten Blick auf das Geschäft ermöglicht. Die interne Betrachtungsweise aber ist zunächst allesentscheidend. Insofern kann der Businessplan bzw. vielmehr der Erstellungsprozess durchaus als Kompass für geschäftliche Grundsatzentscheidungen gesehen werden. Und dass sich die Arbeit lohnt zeigt sich spätestens dann, wenn externe Geldgeber so von der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells überzeugt sind, dass finanzielle Mittel nutzbar werden.
 

Auf den Punkt gebracht: Was ist der Businessplan und wozu dient er?

Ein gutes Produkt ist zwar der Kern für Geschäftserfolg, doch von alleine bzw. ohne die richtigen Rahmenbedingungen wird die innovativste Idee nicht funktionieren. Existenzgründer müssen sich in ihre Kunden und deren Bedürfnisse hineinversetzen können. Sie müssen ihre Zielgruppe und den Wettbewerb genau kennen, um ihr Angebot strategisch bestmöglich zu platzieren. Dies gilt neben dem Preis auch für die Absatzwege und das dazugehörige Marketing. Letztlich kann ein Businessplan als strategischer Kompass nur funktionieren, wenn man ehrlich und realistisch ist. Wer Zahlen und Fakten nur schönredet, ohne die Realität zu würdigen, wird mit seinem Ansatz scheitern. Die Frage nach der externen Funktion des Businessplanes (Gewinnung von Geldgebern) stellt sich dann eigentlich gar nicht mehr. Ein professioneller Businessplan muss ein seriöses, in sich schlüssiges und solides bzw. zahlenbasiert durchgerechnetes Dokument sein. Ein Businessplan sollte kein Werbeprospekt für überhebliche Selbstdarstellung sein, da dies niemandem hilft. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass der Businessplan quasi das ‚Gesellenstück‘ eines jeden Existenzgründers ist: Wer Erfolg haben will, muss auf wenigen Seiten beweisen, kaufmännisch denken und strategisch handeln zu können. Ein guter Businessplan zeigt die eigenen organisatorischen Fähigkeiten. Er zeigt in lesbarer Form, dass der Existenzgründer in der Lage ist, ein eigenes Unternehmen zu führen. Zu dieser Selbsterkenntnis kann er aber nur gelangen, wenn er sich intensiv und unvoreingenommen mit seiner Geschäftsidee auseinandersetzt: Genau diese Funktion erfüllt der Businessplan.
 

Kontrollfunktion des Businessplans: Kenntnisse und Voraussetzungen überprüfen

In erster Linie hat der Businessplan auch die Funktion der persönlichen Kontrolle: Sind überhaupt die notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen vorhanden, um die Idee voranzutreiben? Das Ergebnis kann in einer Frühphase der Erstellung auch sein, dass zunächst unerlässliche Fachkenntnisse nachgeholt werden müssen (man denke etwa an die Buchhaltung). Wer es nicht übertreibt und sich die Zeit nimmt, wird den Erstellungsprozess eines Businessplans als verlässliches Korrektiv nutzen können, das die Aufmerksamkeit auf erfolgskritische Aspekte der Unternehmensführung lenkt. Aus vorhandenen Kenntnissen und Qualifikationen kann natürlich auch Motivation gezogen werden, wobei die Gefahr der Selbstüberschätzung generell in der menschlichen Natur liegt. Kritischer Input von außen kann also zu jeder Zeit des Erstellungsprozesses nicht schaden!
 

Die Tragfähigkeit der Geschäftsidee möglichst objektiv bewerten

Genau das muss neben der Überprüfung der persönlichen Eignung das Hauptziel dieses Dokumentes sein. Absatz- bzw. Finanzszenarien sind wichtig und notwendig. Sie werden aber erst dann aussagekräftig, wenn belastbare Referenzwerte herangezogen werden können. Wie sehen die durchschnittlichen Umsätze/Gewinnmargen der Konkurrenz aus? Wie sieht es mit der Kaufkraft der anvisierten Zielgruppe aus? Wie entwickelt sich der Markt in den letzten Jahren? Befriedigt das Geschäftsmodell ein Grundbedürfnis, oder nur einen aktuellen Trend, der langfristige Marktchancen eher nicht zulässt? Welche Konditionen ließen sich mit Lieferanten nutzen? Ist das Geschäftsmodell so aufgebaut, um flexibel auf rasch eintretende Änderungen im Konsumverhalten reagieren zu können? Gerade in diesem Bereich gibt der Businessplan schlüssige Antworten auf zentrale Fragestellungen. Die Geschäftsidee muss ggf. nicht komplett verworfen werden, wenn die Tragfähigkeit als nicht gegeben erscheint. Seinen Sinn erfüllt der Businessplan aber dann, wenn so stark nachjustiert wird, dass das Geschäft am Markt realistische Chancen hat.
 

Planung ist überaus erfolgskritisch: Finanzielle Risiken durch strategische Überlegungen minimieren

Nicht vergessen werden sollte, dass der Weg in die Selbstständigkeit auch mit großen finanziellen Risiken verbunden sein kann. So werden sich Unternehmer in der Startphase kaum hohe Löhne auszahlen können, für die Investitionen werden nicht selten eigene Mittel eingebracht und auch Banken wollen Sicherheit sehen, die im Falle des Scheiterns angetastet werden. Insofern ist der etwas dröge Aspekt der Finanzplanung das Herzstück des Businessplanes, und zwar zunächst wieder in interner Hinsicht (Kompassfunktion): Berechnungen unter Annahme realistischer Szenarien können zeigen, dass der Finanzbedarf höher ausfällt als zunächst gedacht. Weiß der Existenzgründer dies, kann er in puncto Kosten und Preise ggf. gezielt nachjustieren. Und auch Banken werden nicht unbedingt abschrecken, wenn der Finanzbedarf etwas höher, aber stringent begründet ausfällt. Zudem hat der Existenzgründer genug Zeit, finanzielle Mittel aufzutreiben, wenn ihm ein Loch in der Kasse schon in der Startphase auffällt. Im Übrigen gibt es für Existenzgründer auch alternative Finanzierungsformen. Einige davon können auf dieser Plattform nachvollzogen werden.
 

Fazit: Der Businessplan muss bei weitem nicht nur Banken gefallen!

Erst wenn alle Überlegungen abgeschlossen und der Businessplan in sich stimmig und für Außenstehende verständlich ist, kann er seine externe Überzeugungsfunktion erfüllen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn sich der Existenzgründer in einem intensiven Prozess mit allen Belangen des Geschäftsmodells auseinandergesetzt hat. Wie soll ein Businessplan auch Außenstehende überzeugen, wenn der Gründer selbst nicht richtig hinter den Zahlen stehen kann? In psychologischer Hinsicht ist der intensive Erstellungsprozess der beste Weg, alle Entscheidungen auf den angestrebten Erfolg auszurichten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Da Objektivität ein absolutes Muss ist, das menschliche Wesen diese aber gerne subjektiv einfärbt, ist objektiver Input von außen als Korrektiv sicher empfehlenswert. Wenn man den Businessplan wie in diesem Beitrag dargestellt als inneren Kompass und intensive Vorbereitung auf die anstehende Selbstständig sieht, verliert das vermeintlich schnöde Dokument an Schrecken! Der persönliche Nutzen ist in allen Perspektiven greifbar und die Mühe lohnt sich, wenn das fertige Dokument am Ende auch Banken überzeugen kann. Bis dahin aber sollte jeder Existenzgründer selber erst den Weg der Selbstfindung, Orientierung und strategischen Ausrichtung gehen: Nichts wäre dafür besser geeignet als der Erstellungsprozess eines Businessplanes. Stillstand bedeutet Rückschritt: Nach der Gründung sollte der Businessplan auch weiterentwickelt werden bzw. als Controllinginstrument genutzt werden: Stimmen die getroffenen Annahmen? Wie entwickeln sich die Finanzen? Greifen die Marketingmaßnahmen? Der Nutzen eines Businessplans hört also nicht auf, nachdem die Tinte getrocknet ist.
 

Der Businessplan als interner Kompass für die strategische Ausrichtung: alle wichtigen Aspekte kompakt zusammengefasst

  • der Businessplan zwingt jeden Gründer dazu, sich und seine Fähigkeiten sowie die Tragfähigkeit der Geschäftsidee möglichst objektiv zu hinterfragen
  • er erfüllt in interner Hinsicht eine Kompassfunktion, indem der Blick auf alle erfolgskritischen Unternehmensbereiche/Entscheidungen gerichtet wird
  • er erfüllt die Funktion eines strategischen Korrektivs, wenn sich Schwächen oder Risiken offenbaren
  • er sollte ehrlich, seriös und mit realistischen Zahlen/Szenarien möglichst objektiv geschrieben werden (er bietet keinen Raum für geschönte Selbstdarstellung)
  • der eigentliche Erstellungsprozess ist wichtiger als das Ergebnis: er liefert dem Existenzgründer viele wegweisende Erkenntnisse, sofern er tief in die Materie eindringt und Zahlen objektiv betrachtet
  • erst der fertige und in sich stimmige Businessplan kann seine externe Überzeugungsfunktion zur Gewinnung von Geldgebern ausüben
  • nach dem Erstellen ist nicht Schluss: als Controllinginstrument zeigt der Businessplan, ob die Entwicklung wie angenommen ist oder ob nachjustiert werden muss

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