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Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

Mann im Rollstuhl sitzend am PC

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Selbstständige mindestens genauso wichtig wie für Arbeitnehmer (Angestellte), wenn nicht sogar noch wichtiger, denn es geht um die Absicherung der Arbeitskraft, die die Grundlage für den Lebensunterhalt ist. Hinzu kommt, dass Unternehmer nur in begrenztem Maße staatliche Modelle zur Unterstützung in Anspruch nehmen können wie etwa die Erwerbsminderungsrente, falls es zu einer Berufsunfähigkeit kommt. Zwar besteht die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung, aber in der Praxis sorgen die meisten Selbstständigen privat vor. Worauf es dabei insbesondere ankommt und was es zu bedenken gibt, soll im Folgenden kompakt beleuchtet werden.
 

Ein Blick in die Zukunft ist nie verkehrt…

Auch wenn es naturgemäß niemand möchte, so sollte sich jeder Existenzgründer direkt zu Beginn seiner Selbstständigkeit mit möglichen Risikoszenarien beschäftigen, die in einer Berufsunfähigkeit münden könnten. Zu den möglichen Ursachen für eine Berufsunfähigkeit gehören neben körperlichen Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule oder in Bezug auf das Herz-Kreislaufsystem immer öfter auch psychische Gründe. Auch an schwerwiegende Verletzungen ist zu denken. Im Bereich der zu kalkulierenden Ausgaben auf der Soll-Seite der Unternehmensplanung sollten Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung also konsequenterweise von Anfang an Berücksichtigung finden.
 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Anspruch, Inhalte und Umfang

Grundsätzlich stellt die Berufsunfähigkeitsversicherung im Invaliditätsfall neben der gesetzlichen und privaten Unfallversicherung eine zusätzliche finanzielle Absicherung dar, falls die selbstständige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeführt werden kann und somit die Einnahmen für den Lebensunterhalt wegbrechen. Um dies zu garantieren, sollte vor dem Abschluss einer solchen Versicherung die Höhe des etwaigen finanziellen Ausgleiches bestimmt werden, sodass individuelle und bedarfsgerechte Lösungen entstehen. Es versteht sich von selbst, dass die monatlichen Beiträge höher sind, falls die zu erwartenden Leistungen im Versicherungsfall recht hoch ausfallen sollen. Grundsätzlich haben Selbstständige die Möglichkeit, neben einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung sich als freiwillig Versicherter bei der gesetzlichen Unfallversicherung mit Blick auf Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle abzusichern.

Wichtig: Im Gegensatz zu einer privaten Unfallversicherung leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Krankheiten!
 

Unterschiede und Besonderheiten: Sonderklausel für Selbstständige

Vom Grundsatz her unterscheidet sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige nicht wesentlich von jener für Arbeitnehmer. Was die Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen angeht, so müssen sich Selbstständige jedoch mit so genannten Sonderklauseln auseinandersetzen. Hier gilt es, beim Vertragsabschluss ganz genau hinzuschauen und den Text sorgfältig zu prüfen, ggf. auch mit fachkundiger Unterstützung. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass eine Umgestaltung der Tätigkeit vorgeschrieben wird und es somit nicht sofort ‚automatisch‘ zur Auszahlung kommt. Entsprechend konkrete Maßnahmen können sogar im Vertragstext schon enthalten sein. Hier zeigt sich deutlich, dass es niemals eine hundertprozentige Garantie geben kann, dass es sofort zur Zahlung kommt, schließlich eröffnen medizinische Diagnosen immer auch Gestaltungs- und Interpretationsspielräume. Allerdings sieht die Rechtsprechung vor, dass solche Umgestaltungsmaßnahmen an Grenzen der Zumutbarkeit gebunden sind. Von essentieller Bedeutung ist ferner, dass der betriebliche Charakter nicht grundlegend geändert werden muss. Generell kann es mit Blick auf jeden Einzelfall zu besonderen Regelungen kommen, sodass keine Allgemeingültigkeit vorhanden ist. Neben der eigentlichen Leistung im Falle der Berufsunfähigkeit sollten also die vertraglichen Voraussetzungen, unter welchen Bedingungen tatsächlich gezahlt wird, genau geprüft werden, um zu einem späteren Zeitpunkt kein böses finanzielles Erwachen zu erleben.
 



Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Im Bereich der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung orientieren sich die Beitragszahlungen an dem Berufsfeld, dem Alter und dem Gesundheitszustand. Natürlich spielt es auch eine große Rolle, welche Höhe die späteren Zahlungen haben sollen, insofern sind pauschale Aussagen nicht möglich bzw. wenig sinnvoll. Eines allerdings ist in finanzieller Hinsicht eindeutig: Wer langfristig Kosten sparen möchte, sollte eine solche Police frühzeitig abschließen: In der Praxis schließen viele Selbstständige neben einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch eine (Risiko)lebensversicherung ab, um für den Ernstfall eine beruhigende Komplettabsicherung für die Familie erreichen zu können. Online besteht auf diversen Portalen die Möglichkeit, die Tarife von privaten Anbietern für die Berufsunfähigkeitsversicherung schnell und direkt zu vergleichen. Neben den monatlichen Kosten für eine gewünschte Leibrente ist von Beginn an das Augenmerk auf die bereits angesprochenen Sonderklauseln zu legen.
 

Wichtige formale Aspekte sowie Alternativen kompakt beleuchtet

Im Falle der medizinisch festgestellten Berufsunfähigkeit (nicht zu verwechseln mit der generellen Erwerbsunfähigkeit!) zahlt die Versicherung im Idealfall die vorher individuell vereinbarte Rente. Diese Art der finanziellen Kompensation wird im Fachjargon auch als Berufsunfähigkeitsrente oder als Leibrente bezeichnet. Formal gilt man als berufsunfähig, wenn die Tätigkeit länger als 6 Monate nicht ausgeübt werden konnte oder aber wenn ein Arzt die Diagnose ‚berufsunfähig‘ stellt. Dies ist in der Regel der Fall, wenn zu über 50 % nicht mehr die Möglichkeit besteht, seine berufliche Tätigkeit auszufüllen. Es handelt sich um eine reine Risikoversicherung und somit um keine kapitalbildende Versicherung. Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt erst im Falle der Erwerbsunfähigkeit, und nicht schon im Falle der Berufsunfähigkeit. Genau um diese mögliche Lücke zu schließen, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige zu empfehlen, zumal der finanzielle Bedarf was die Beiträge und Leistungen angeht individuell an die eigene Lebenssituation angepasst werden kann.
 

Fazit zur Sinnhaftigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung
für Selbstständige

Wie bereits angesprochen handelt es sich um eine Risikoversicherung, die grundsätzlich sehr sinnvoll ist und vor allem das gute Gefühl verleiht, für einen nie abschätzbaren ‚Ernstfall‘ finanziell gut aufgestellt zu sein. Hier allerdings liegt auch die Crux einer solchen Versicherungspolice, denn bestimmte vertragliche Klauseln können es im Rahmen der Zumutbarkeit erforderlich machen, die selbstständige Tätigkeit mit bestimmten Maßnahmen umzugestalten. Insofern sollte der Vertragstext genau gelesen und hinterfragt werden, denn solche Klauseln sorgen im Ernstfall für unnötigen Ärger und letztlich stellen sie die Sinnhaftigkeit der Versicherung auch ein wenig in Frage. Neben der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht auch die Option der freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Unfallversicherung, die für viele Selbstständige eine recht günstige Alternative darstellt. Durch die zunehmende Öffnung der gesetzlichen Rentenversicherung für Selbstständige kann eine so bezogene Rente wegen Erwerbsminderung eine zusätzliche Option sein. Allerdings liegt die durchschnittliche Höhe einer solchen Rente bei etwas über 600 Euro, sodass nur die Grundkosten (wenn überhaupt) abgedeckt werden. Zudem wird diese staatliche Rente erst nach mindestens 5 Versicherungsjahren gezahlt.
 

Tipps und Handlungsempfehlungen zum Thema
Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

  •  je früher, desto billiger: wer in jungen Jahren eine Police abschließt, profitiert von günstigeren Beiträgen
  • der (online) Vergleich lohnt sich: private Policen können mit wenigen Klicks verglichen werden
  • der vertragliche Teufel steckt im Detail: Vorsicht vor Sonderklauseln, die eine Auszahlung der vereinbarten Rente im Falle der Berufsunfähigkeit erschweren können
  • den finanziellen Bedarf individualisieren, um Beiträge zu optimieren: Welche Höhe sollte die Leibrente haben, die ich im Bedarfsfall erhalte? Welche anderen finanziellen Quellen bzw. Versicherungen stehen dann noch für Verfügung?
  • langfristig und ganzheitlich denken: in Kombination mit einer Rürup-Rente können Selbstständige gleichzeitig auch das Thema Altersvorsorge angehen und die Beiträge zu einem großen Maße steuerlich absetzen
  • Option der freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rente prüfen (hier liegt das zu erwartende Rentenniveau bei mindestens 5 Beitragsjahren allerdings deutlich niedriger)

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