Wie finanziere ich eine Firmenübernahme?

Die Entscheidung ist gefallen. Sie wollen einen Betrieb kaufen und Sie wissen bereits, wie hoch die geplante Investitionen ausfallen wird. Ob Sie aber tatsächlich den Betrieb übernehmen können und welche Finanzierungskonditionen Sie erhalten, hängt von Ihrem finanziellen Profil ab. Wissen Sie bereits, wie Sie die Unternehmensübernahme finanzieren und wie viel Eigenkapital Sie beisteuern?
 

Beratung beanspruchen

Unser Rat: Beanspruchen Sie die Unterstützung erfahrener Finanzierungsberater. Kontaktieren Sie die Hotline der KfW-Bankengruppe oder rufen Sie bei Ihrer Landesbank an. Öffentliche Förderprogramme können eine Finanzierung erleichtern. Sie sollten sich unbedingt über die Einzelheiten informieren und herausfinden, welche Programme für Sie infrage kommen. Egal, ob Sie neu gründen oder ein bestehendes Unternehmen kaufen wollen, es stehen passende Förderdarlehen und andere Förderprogramme zur Verfügung.
 

Zu geringe Kapitaldecke lässt viele Übernahmen scheitern

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass die Gründung eines neuen Unternehmens mehr Geld kostet als die Übernahme eines bestehenden Unternehmens zeigt sich das Gegenteil in der Praxis. Der Kapitalbedarf wird häufig unterschätzt und ist in vielen Fällen höher als bei Neugründungen. Das Institut für Mittelstandsforschung für Berlin stellt diesen Fakt zweifellos fest. Die Gründe dafür liegen häufig in den folgenden Aspekten:

  • In den letzten Jahren vor dem Verkauf wurde in der Firma nicht oder zu wenig in die Aufrüstung der Technik investiert. Kommt der neue Unternehmer nun in die Firma, wird durch den Investitionsstau eine erheblich größere Summe als geplant fällig.

  • Die Betriebseinrichtung ist veraltet und entspricht nicht mehr den aktuellen Standards. Die Anschaffung von neuen Büromöbeln und Maschinen sowie anderen Betriebseinrichtungsgegenständen und dem Equipment verschlingen mehr Geld als ursprünglich gedacht.

  • Zahlreiche Produkte sind nicht mehr konkurrenzfähig und haben den die aktuellen Anforderungen verpasst. Es muss viel Geld in die Entwicklung neuer Produkte investiert werden.

  • Die Preisvorstellung des scheidenden Unternehmers sind exorbitant hoch. Ohne professionelle Beratung und Unterstützung bei dem Preisverhandlungen werden häufig zu hohe Übernahmepreise vereinbart.

  • Bei der Ausarbeitung der Übernahmeverträge wird ignoriert, dass Erbansprüche anderer Familienmitglieder bestehen können. Machen diese Ihren Erbteil geltend, werden Kosten fällig, die nicht eingeplant waren.

Schon ein einziger dieser Punkte kann eine Unternehmensübernahme platzen lassen oder nach einer erfolgreichen Übernahme dazu führen, dass der Traum von der Selbstähnlichkeit in den ersten Jahren nach der Übernahme unerwartet platzt. Umso wichtiger ist es, die Finanzierung sorgfältig anzugehen und alle möglichen Aspekte zu bedenken und zu berücksichtigen.
 

Finanzplan erstellen

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist, die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse auf den Prüfstand zu stellen. Deshalb sollten Sie zuallererst einen Finanzplan erstellen. Erfassen Sie in diesem Finanzplan sämtliche Eigenkapitalmittel und Fremdkapitalmittel, die zur Verfügung stehen. Infrage kommt Bargeld, Bankdarlehen, öffentliche Zuschüsse und Förderprogramme, Crowdinvesting und anderes mehr. Auf der Kostenseite dürfen auch die Kosten der privaten Lebensführung nicht fehlen. Auf Basis eines umfassenden und vollständigen Finanzplans können Sie absehen, ob Sie sich den Betrieb überhaupt leisten können und welche der geforderten Vertragsbestandteile für Sie gar nicht infrage kommen. Gleichzeitig wird es möglich, die eigenen Übernahmemodalitäten so zu formulieren, dass diese zu Ihren Voraussetzungen und Leistungsmöglichkeiten passen.

Was zu einem Finanzplan gehört, haben wir bereits in dem Beitrag „Businessplan: Was ist zu beachten?“ detailliert beschrieben. An dieser Stelle soll hier nur ein komprimierter Überblick über die wichtigsten Aspekte gegeben werden.
 

Der Finanzplan

Der Finanzplan stellt dar, welchen Kapitalbedarf Sie haben. Dabei werden unterschiedliche Zeithorizonte berücksichtigt. Diese unterteilen sich in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Investitionen. Steht der Kapitalbedarf fest, wird diesem das vorhandene Eigenkapital gegenübergestellt. Die Differenz aus dem Kapitalbedarf und dem Eigenkapital ergibt den Betrag, den Sie mit fremden Mitteln finanzieren müssen.

Die Finanzierung ist der Dreh- und Angelpunkt für Ihren Plan, ein anderes Unternehmen zu übernehmen. Sprechen Sie mit einem Finanzberater, mit Ihrer Bank oder mit Beratern der KfW-Bank oder der Landesbank in Ihrem Bundesland. Ihre Gesprächspartner wissen auch über öffentliche Förderprogramme Bescheid, die unter Umständen für Sie in Betracht kommen. Wir raten Ihnen dazu, sich zuerst über die Fördermöglichkeiten zu informieren. Erst, wenn Sie sich einen Überblick verschafft haben und wissen, ob Sie generell Zugriff haben oder nicht, sollten Sie bei der Bank einen Kreditvertrag unterschreiben.
 

Attraktive Konditionen öffentlicher Förderdarlehen

Oft ist es so, dass die KfW-Bankengruppe bundesweit gültige Förderprogramme anbietet, die attraktivere Konditionen aufweisen als klassische Bankkredite. Die „attraktiveren Konditionen“ müssen nicht immer besonders zinsgünstige Kredite sein. Manchmal schlagen sich die günstigeren Konditionen auch in flexiblen Rückzahlungsmodalitäten, Möglichkeiten zur Tilgungsaussetzung oder zur Anpassung der Laufzeiten nieder. Gleiches gilt für Programme von Landesbanken. Eine Landesbank wie zum Beispiel die NRW.Bank oder die Baden-Württembergische Landesbank LBBW können Existenzgründern und langjährig Selbstständigen mit dem Wunsch zur Übernahme einer weiteren Firma entsprechende Förderkredite anbieten. Falls Sie in den neuen Bundesländern investieren wollen lohnt sich die Prüfung zusätzlicher finanzieller Unterstützung wie zum Beispiel der Investitionszulage.

Bitte beachten Sie, dass die Förderprogramme von Bund und Ländern jeweils über Ihre begleitende Hausbank beantragt werden müssen. Die öffentlichen Förderprogramme sind stets vor Vorhabensbeginn zu beantragen, d. h. also, bevor die Übernahme rechtskräftig vertraglich vereinbart wird. Rückwirkend ist es nicht möglich, diese Fördermittel zu bekommen.
 

Förderprogramme nutzen: Tipps zur aktuellen Recherche

Es ist müßig an dieser Stelle konkrete Förderprogramme aufzuzählen, denn diese sollten Sie stets aktuell recherchieren. Dazu ist die Förderdatenbank des Bundes am besten geeignet, erreichbar unter www.foerderdatenbank.de. Diese liefert zu den einzelnen Programmen vollständige Informationen und ist stets aktuell. Die im folgenden aufgezählten Kredite dienen zur Orientierung. Sie sind schon seit vielen Jahren im Portfolio der KfW-Bank und werden voraussichtlich noch eine ganze Weile verfügbar sein. Dennoch bitten wir Sie zu beachten, dass Sie die jetzt folgenden Angaben stets auf Aktualität prüfen müssen.


ERP-Kapital für Gründung

Dieses Förderprogramm kann bis drei Jahre nach der Geschäftsübernahme beantragt werden. Es hat eigenkapitalersetzenden Charakter und ist langfristig als Nachrangdarlehen konzipiert. Diese beiden Aspekte, nämlich Eigenkapitalersatz und Nachrangdarlehen, bieten konkrete Vorteile:

  1. Aus Bankensicht wird das Darlehen dem Eigenkapital zugerechnet. Das bedeutet also, dass Ihre Eigenkapitalquote dadurch anwächst. Wenn Sie mehr Eigenkapital aufweisen, wird die Aufnahme von Fremdkapital deutlich einfacher.

  2. Nachrangdarlehen bedeutet, dass die KfW-Bank für den Fall, dass Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können, anderen Gläubigern den Vortritt lässt. Die KfW tritt im Rang zurück, deshalb heißt es Nachrangdarlehen. Ein Nachrangdarlehen erleichtert ebenfalls die Aufnahme von Fremdkapital, weil der andere Darlehensgeber ein vermindertes Risiko sieht, sein Geld zurück zu bekommen, weil er gegenüber dem Nachrangdarlehen vorrangig bedient wird.

  3. Die KfW geht gegenüber Ihrer Hausbank eine Haftung ein. Sie haftet in voller Höhe für die Darlehenssumme. Das bedeutet für die Bank, dass ihr ein entscheidendes Risiko abgenommen wird. Es wird ihr leicht gemacht, der Finanzierung zuzustimmen, weil für den Fall, dass Sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten, die Bank Ihr Geld von der KfW erhält. Sie werden freilich von der KfW in die Haftung genommen.

  4. Dieses Förderprogramm wird Ihnen persönlich gewährt und Sie müssen dafür keine Sicherheiten bereitstellen. Stattdessen wird Ihre fachliche und kaufmännische Qualifikation beurteilt.


ERP Gründerkredit

mit diesem Förderprogramm können Existenzgründer arbeiten, die nicht länger als fünf Jahre am Markt stehen. Das Programm steht in zwei Varianten zur Verfügung. Es hat im Gegensatz zum ERP-Kapital für Gründung keinen eigenkapitalersetzenden Charakter. Es ist ein reines Fremdkapital.
 

Variante 1: ERP-Gründerkredit StartGeld

Die erste Variante wird mit der Überschrift StartGeld bezeichnet. Er richtet sich an Unternehmensnachfolger der gewerblichen Wirtschaft und der freien Berufe. Dazu gehören auch Heilberufe. Neben Betriebsübernahmen können auch tätige Beteiligung und Festigungsmaßnahmen gefördert werden. Dieses Programm greift innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Zeitpunkt der Unternehmensübernahme. Auch, wenn Sie das Unternehmen im Nebenerwerb führen, können Sie von dem Förderprogramm profitieren. Dies geht allerdings nur, wenn Sie den Plan haben, die Nebenerwerb zu einem Vollerwerb auszubauen. Folgende Merkmale bestimmen das StartGeld:

  • bis zu 100.000 € Kredithöhe

  • bankübliche Sicherheiten sind erforderlich

  • 80-prozentige Haftungsfreistellung für die Bank

  • Laufzeiten 5-10 Jahre

  • ein bis zwei tilgungsfreie Anlaufjahre

  • der Kredit lässt sich für Investitionen und Betriebsmittel einsetzen sowie für die Finanzierung des Kaufpreises

  • Ausgleichszahlungen an Erben sind über das Programm finanzierbar

  • Anpassung, Umstellung und Erweiterung des Produktsortiments oder der Dienstleistungspalette sind finanzierbar


Variante 2: ERP-Gründerkredit Universell

Für Betriebe mit einem höheren Kapitalbedarf als 100.000 € steht dieser Kredit zur Verfügung. Bis zu 25 Millionen € kann ein Kredit aus diesem Förderprogramm betragen. Er ist ebenfalls innerhalb der ersten fünf Jahre nach Übernahme der Firma zu beantragen. Antragsteller müssen Sicherheiten vorlegen. Mit dem Gründerkredit Universell können Investitionskosten und der Betriebsmittelbedarf abgedeckt werden. Falls Sie nicht alle Sicherheiten selbst aufbringen können, haben Sie die Möglichkeit, eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank zu beschaffen.
 

KfW-Unternehmerkredit

Der KfW-Unternehmerkredit ist für mittelständische Unternehmen konzipiert. Auch freiberuflich tätige, die länger als fünf Jahre am Markt aktiv sind bzw. vor mindestens fünf Jahren Ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben, können einen Antrag stellen. Der Kredit beträgt maximal 25 Millionen Euro. Mit dem KfW-Unternehmerkredit lassen sich im Prinzip sämtliche Investitionskosten und Betriebsmittel finanzieren. Sie können damit zum Beispiel den Kauf von Grundstücken und Gebäuden oder die Errichtung von Immobilien finanzieren. Der Kredit ist auch dazu geeignet, die komplette Betriebs- und Geschäftsausstattung zu kaufen, Beratungsleistungen und Messeauftritte zu realisieren. Darüber hinaus lassen sich Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge, Patente, Lizenzen und Einrichtungsgegenstände aller Art anschaffen. Der Kredit steht zur Verfügung, um ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen oder eine tätige Beteiligung zu erwerben.

Im Rahmen des Kredits müssen Sie bankübliche Sicherheiten bringen. Das Risiko bleibt komplett bei der Hausbank und deshalb ist es auch häufig nicht einfach, diesen Kredit zu bekommen. Dennoch: Sollten Sie keinen Zugriff auf die beiden zuerst genannten Kredite erhalten, sollten Sie mit Ihrer Bank über den KfW-Unternehmerkredit sprechen. Falls Sie bereits zwei Jahre nach der Übernahme am Markt stehen, haben Sie die Möglichkeit einen Kredit mit einer 50-prozentigen Haftungsfreistellung zu beantragen. Das bedeutet, dass die KfW das Haftungsrisiko zu 50 % übernimmt und die Bank somit nur noch zu 50 % belastet wird. Das wiederum erleichtert er die Zusage.

Der Unternehmerkredit kommt mit einem risikogerechten Zinssystem. Das bedeutet, dass der Zinssatz entsprechend der individuellen finanziellen Rahmenbedingungen in bestimmte Preisklassen eingestuft wird. Diese Preisklassen sind von der KfW vorgegeben und tagesaktuell online abrufbar. Als kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bekommen Sie Sonderkonditionen und einen günstigeren Zinssatz als große Unternehmen.

Wenn Sie den Unternehmerkredit aufnehmen und davon ein Unternehmen kaufen wollen, müssen Sie wissen, dass nur der sogenannte „Asset-Deal“ finanziert wird. Das bedeutet, dass der Verkauf bzw. Kauf der Firma durch den Kauf der einzelnen Wirtschaftsgüter (=assets, engl.) durchgeführt wird. Auch die Vermögenswerte werden einzeln übertragen. Eine Anteilsübertragung als Finanzinvestitionen ist über dieses Programm nicht finanzierbar.

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