Übernahme gemeinsam realisieren: Tipps für gutes Gelingen

Ein Unternehmen zu verkaufen ist für den Altinhaber mit vielen Emotionen verbunden. Das gilt im Besonderen dann, wenn es um einen Familienbetrieb geht. Mit Blick auf unsere Leserschaft ist es in den allermeisten Fällen auch einfach eine Herzensangelegenheit, wenn das Lebenswerk in fremde Hände übergeben wird. Und auch, wenn die Firma zukünftig vom eigenen Sohn oder an von einem anderen Familienmitglied geführt wird, spielt das Thema Emotionalität eine Rolle. Wie lässt sich die Übernahme gemeinsam realisieren? Der Beitrag gibt Tipps, wie Sie zum Gelingen beitragen können.
 

Das Gespräch suchen

Wenn Sie ein Unternehmen übernehmen, arbeiten Sie mit Personen zusammen, die zum Teil ganz andere Absichten haben. Insbesondere wenn es um den Preis geht, driften die Vorstellungen von Nachfolger und scheidendem Unternehmer aufeinander. Die Finanzen sind ein heikles Thema und je enger die Beziehung zwischen dem Nachfolger und dem Vorgänger ist, desto wichtiger wird eine neutrale Bewertung des Unternehmens. Doch auch, wenn sich Vorgänger und Nachfolger nicht kennen, ist eine neutrale Stelle zur Ermittlung eines verhandelbaren Kaufpreises die Alternative, die am wenigsten Konfliktpotenzial in sich trägt.

Es ist nicht leicht, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Sie haben eine Familie, die mit Ihrer Entscheidung einverstanden sein muss, es gibt Mitarbeiter, die über Ihre weitere Zukunft mehr erfahren wollen und da sind natürlich noch Kunden, Lieferanten und Vertriebspartner sowie Ihre begleitende Ank. In allen Beziehungen steckt Konfliktpotenzial und es ist ganz normal, wenn Sie Konflikte gerne vermeiden wollen.

Konfliktfreiheit ist im Prinzip eine gute Strategie, an der Sie sich orientieren können, solange Sie adäquate Mittel zur Zielerreichung einsetzen. Die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen dürfen nicht auf der Strecke zu bleiben. Es ist Ihre Aufgabe, Ihre eigenen Ziele zu kommunizieren und bei den jeweiligen Gesprächspartner für klare Verhältnisse zu sorgen. Je diffuser die Kommunikation ist, desto größer ist das Konfliktpotenzial. Grund ist, dass eine unrealistische Erwartungshaltung heraufbeschworen wird, die logischerweise zum Scheitern verurteilt ist.

Wir raten ganz klar dazu, sich einen Berater an die Seite zu holen, der bei Bedarfs im Verborgenen berät und Sie coacht, wenn Sie schwierige Situationen und Gespräche bewältigen müssen. Der wichtigste Leitsatz, der Ihnen im Hinterkopf bleiben sollte, lautet: „Machen Sie sich Ihre Interessen klar und kommunizieren Sie diese präzise und sachlich.“
 

Die eigene Position finden

Abhängig von der Ausgangssituation ist es mehr oder weniger schwierig, die eigene Position als neuer Firmeninhaber einzunehmen. Kommen Sie von extern, kennen also weder Mitarbeiter noch den Firmenchef gut, wird die Basis zunächst sehr sachlich sein. Sie können alle notwendigen Einzelheiten besprechen, sind sich aber nicht sicher, ob Ihnen nicht doch eine Information entgangen ist, wenn Sie nicht ständig Rückfragen stellen. Sie haben keine Kontrolle darüber, ob getroffene Vereinbarungen wirklich eingehalten werden. Es ist schwer einzuschätzen, ob der aktuelle Unternehmer aus dem richtigen Weg ist, um sein Unternehmen tatsächlich in Ihre Hände zu übergeben. Um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Übergangsphase zu konzipieren hat es sich bewährt, eine fremden Dritten als Moderator hinzuzuziehen. Dieser kann als Vermittler die Positionen klären und dabei helfen, die erforderlichen Fragen zu stellen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die notwendigen Informationen geliefert werden.
 

Vom Mitarbeiter zum Firmenchef

Wer als langjähriger Mitarbeiter einer Firma nun zum Firmenchef aufsteigt, muss sein gesamtes Verhalten anpassen. Die neue Rolle als Chef verleiht Ihnen neue Kompetenzen und fordert gleichzeitig von Ihnen, sich klar zu positionieren. War es früher in Ordnung bei einem Konflikt zurück zu scheuen, mit der eigenen Meinung hinterm Berg zu halten und sich im Stillen zu ärgern, heißt es jetzt Farbe bekennen. Das führt zu Konflikten und Auseinandersetzungen, die unvermeidbar sind. Für Sie ist es keine leichte Situation und für Ihren Vorgänger auch nicht. Schließlich muss er lernen, den bislang weisungsgebundenen Mitarbeiter als entscheidungsbefugten Unternehmer zu akzeptieren. Was können Sie in einer solchen Konstellation tun? Bleiben Sie bei sich und Ihren Vorstellungen. Kommunizieren Sie respektvoll, aber bestimmt. Sie übernehmen bald das Zepter und haben jedes Recht, ihre Meinung durchzusetzen. Auch hier gilt: Der Ton macht die Musik.
 

Die Zeit ist auf Ihrer Seite

Im Rahmen einer Unternehmensübernahme eröffnet sich ein Zeitfenster, in dem Sie mit dem Vorgänger zusammenarbeiten. Dieser Zeitrahmen umfasst in vielen Fällen zwei oder drei Jahre. Sie können sich einarbeiten und von den Erfahrungen des scheidenden Unternehmers profitieren. Der Senior kennt die Firma mit all Ihren Stärken und Schwächen ganz genau. Ihm sind bestimmte Risikofaktoren präsent, die Sie noch gar nicht wahrgenommen haben. Er kennt die Eigenheiten schwieriger Kunden, kann Sie bei der Kommunikation unterstützen und Ihnen Tipps geben, wie Sie einen unverzichtbaren, aber unzuverlässigen Lieferanten wieder auf Spur setzen. Machen Sie sich diese gewachsene Erfahrung zu Nutze, doch vergessen Sie dabei nicht, dass Ihre eigenen unternehmerischen Erfahrungen unersetzlich sind.

Sie müssen selbstverständlich wirksame Entscheidungen treffen, denn Sie tragen in Zukunft die Verantwortung dafür alleine. In einer perfekten Welt lässt der scheidende Unternehmer auf Ihren Wunsch hin seine Erfahrung in Ihre zukunftsträchtigen Entscheidungen einfließen. Damit dies gelingt, ist eine funktionierende Kommunikation das A und O, die Chemie muss einfach stimmen. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir Ihnen, einen guten Teil der gemeinsamen Zeit dazu zu nutzen, das gemeinsame Verhältnis auf eine gesunde Basis zu setzen. Dann kann der scheidende Unternehmer für Sie sogar auch über seine aktive Zeit hinaus zu einem wertvollen Ratgeber bei schwierigen Entscheidungen werden – vorausgesetzt, er möchte sich tatsächlich nach Eintritt in seinen Ruhestand tatsächlich mit diesen Fragen auseinandersetzen.
 

Die Familie ins Boot holen

Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass Ihre Familie hinter Ihnen stehen muss, wenn die Geschäftsübernahme langfristig erfolgreich werden soll. Sie sollten von Anfang an offen mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner kommunizieren und strategische Entscheidungen, die Auswirkungen auf Ihr gemeinsames Privatleben haben, entsprechend gemeinsam treffen.

Ein weiterer familiärer Aspekt, der oft vernachlässigt wird ist folgender. Angenommen, der Vorgänger hat eigene Kinder, die die Nachfolge aber nicht übernehmen wollen. Auch dann kann das Auswirkungen auf Sie haben. Es kann geschehen, dass der aktuelle Inhaber seine eigenen Gefühle und Erwartungen auf Sie überträgt. Tatsächlich meint er aber die eigenen Kinder. Insbesondere in schwierigen Situationen kann das für Zündstoff sorgen. Sie sollten sich der psychologischen Komponente bewusst sein, die sich hinter scheinbar unerklärlichen Verhaltensweisen des Vorgängers verbergen kann. Hitzige Überreaktionen des Altinhabers haben oft gar nichts mit Ihnen zu tun, das sollte Ihnen bewusst sein. Hilfreich ist es, in solchen Fällen besonnen zu reagieren, um heftige (und vor allem überflüssige) Auseinandersetzungen zu vermeiden.

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