Neugründung und Nachfolge - das sind die Unterschiede

Wenn Sie ein bestehendes Unternehmen übernehmen oder als Teilhaber in eine Firma einsteigen, sollten Sie sich ganz genauso wie ein Existenzgründer, der sein eigenes Business auf den Weg bringt, Klarheit über ihre eigenen Lebensziele haben. Welche Wünsche haben Sie? Welche Prioritäten setzen sie? Wie viel Zeit wollen Sie investieren? Diese und andere Fragen sollten Sie ganz klar beantworten, um die Anforderungen eines Unternehmeralltags mit ihrem persönlichen Leben in Einklang zu bringen. Wir haben Ihnen dafür eine Checkliste beigefügt, die Sie am Ende des Beitrags finden. Die Liste soll helfen, Ihre persönlichen und fachlichen Qualifikationen zu durchleuchten. Wenn Sie die Checkliste durchgehen, erfahren Sie in groben Zügen, worauf es bei der Übernahme eines Unternehmens ankommt und welche Anforderungen Sie bedenken sollten. Natürlich ist es wichtig, die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten und ehrlich mit sich selbst zu sein. Eine gute Möglichkeit, sich über die eigenen Prioritäten, Ziele und Wünsche klar zu werden ist, eine zweite Person zu bitten, die Fragen in Ihrem Sinne zu beantworten. Bitten Sie dazu einen Freund oder Partner/ihre Partnerin um Unterstützung. Gleichen Sie die Antworten miteinander ab und diskutieren Sie diese im Einzelnen. So kommen Sie den grundlegenden Motivationen und Einstellungen auf die Spur.
 

Die Besonderheiten für Nachfolger

Auf den ersten Blick scheint es einfach zu sein, in die Schuhe eines anderen Unternehmers zu schlüpfen und einen Betrieb zu übernehmen. Dem ist aber nicht so. In vielerlei Hinsicht ist es sogar umgekehrt.

Im Vergleich zu einer Neugründung, bei der Sie vom ersten Tag an alles genau nach Ihren Vorstellungen gestalten können, müssen Sie bei der Übernahme viele Gegebenheiten hinnehmen. Allerdings besteht die Schwierigkeit bei einer Neugründung darin, neue Produkte und Dienstleistungen aufzubauen und neue Kunden zu finden. Außerdem müssen neue Lieferantenbeziehungen geknüpft werden. Es sind Mitarbeiter zu finden, Marketingmaßnahmen zu ergreifen und vieles mehr.

Bei einem etablierten Unternehmen fällt dies alles weg bzw. viele Strukturen sind bereits vorgegeben und funktionieren seit vielen Jahren zuverlässig. Stattdessen müssen Sie auf den bestehenden Vorgaben aufbauen. Sie müssen auf mehreren Schauplätzen gleichzeitig Ihr Können unter Beweis stellen. Dabei sind Sie ständig unter Beobachtung: Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter haben Sie im Visier. Eine Übernahme ist nicht leicht, denn bis zur Größe eines mittelständischen Unternehmens prägt die Führungspersönlichkeit eine Firma. Mitarbeiter, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten im Betrieb sind, Kunden und Lieferanten haben sich auf die Persönlichkeit des scheidenden Unternehmers eingestellt. Sie als Nachfolger müssen sich das Vertrauen neu erarbeiten.
 

Die Vorteile der Unternehmensübernahme

Wie erwähnt genießen sie einige Vorteile, wenn Sie ein bestehendes Unternehmen übernehmen. Die Firma ist am Markt platziert und etabliert. Es existieren Kundenbeziehungen und Lieferanten gibt es ebenfalls. Die Produkte und Dienstleistungen der Firma sind nicht nur marktreif, sondern erprobt und die Belegschaft ist aufeinander eingespielt. Der Nachfolger kann auf den Erfahrungen des scheidenden Unternehmers aufbauen. Damit sich die Vorteile auch tatsächlich auszahlen, müssen Sie eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen sind persönlicher, unternehmerischer und fachlicher Natur. Nur, wenn Sie davon überzeugt sind, mit der Unternehmensübernahmen die richtige Entscheidung getroffen haben, haben Sie die notwendige Energie, um die anstehenden Aufgaben zu meistern.
 

Erben handeln oft unter Druck, aber nicht aus persönlicher Motivation

Falls Sie den Platz in der Nachfolge der Firma erben und vorwiegend aus Traditionsbewusstsein die Nachfolge übernehmen, könnte es schwierig werden. Wenn Sie persönlich nicht davon überzeugt sind, den richtigen Schritt zu gehen, können Sie sich auf lange Sicht nicht motivieren.

Hinzu kommt ein anderer Aspekt: Nur, weil Ihr Vater oder Ihre Mutter Sie als Nachfolger Kraft Geburt eingesetzt haben, sind Sie nicht automatisch dazu qualifiziert, ein Unternehmen zu führen. Ohne belastbares Know-how können Sie ein Unternehmen nicht leiten. Kümmern Sie sich um Ihre Ausbildung genauso, als wenn Sie eine fremde Firma übernehmen müssen. Sie brauchen fachliches Know-how, grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse und vieles mehr. Setzen Sie alles daran, einen belastbaren Unterbau herzustellen und sich mit allen Zeugnissen, Abschlüssen, Genehmigungen oder Konzession zu versorgen, die notwendig sind, um die Firma zu führen.
 

Checkliste für die Eignung als Unternehmer

Die folgende Checkliste ist so aufgebaut, dass jeweils Aussagen formuliert werden. Bestätigen Sie diese mit „stimmt“ oder lehnen Sie diese mit „stimmt nicht“ ab. Je häufiger Sie „stimmt“ antworten, desto besser sind Sie für die Übernahme vorbereitet. Bitte bedenken Sie, dass die Checkliste nur einen groben Rahmen vorgibt und dazu dient, eine erste Orientierung über Ihre Eignung als Nachfolger zu gewinnen.

  1. Sie haben sich bereits intensiv mit dem zukünftigen Alltag eines Unternehmers auseinandergesetzt. Sie haben zum Beispiel mit Bekannten und Freunden gesprochen, die als Unternehmer arbeiten, oder sich innerhalb der Familie informiert.

  2. Sie haben Ihre Partnerin/Ihren Partner und die enge Familie zu einem Gespräch zusammengerufen, um zu besprechen, was sich durch Ihre Selbstständigkeit im Familienleben ändern wird.

  3. Sie sind bereit, sich überdurchschnittlich zu engagieren und mitunter auch zu unpopulären Zeiten und an unpopulären Tagen zu arbeiten.

  4. Sie bleiben ruhig, auch wenn es hektisch wird.

  5. Sie befassen sich auch mit unangenehmen, langweiligen oder fremden Themen und sind bereit, Lösungen zu finden.

  6. Sie kennen Ihre persönliche Leistungsfähigkeit und Ihre persönliche Belastungsgrenze.

  7. Es stresst Sie nicht, wenn Ihre Einkommenssituation schwankt.

  8. Sie sind zu Not in der Lage, auch finanzielle Durststrecken zu überstehen.

  9. Sie sind geübt im disziplinierten Umgang mit Geld, können sparen und Neuanschaffungen so lange vermeiden, bis die finanzielle Situation dafür optimal ist.

  10. Sie haben ausreichendes fachliches Know-how für die geplante Selbstständigkeit/Firmenübernahme.

  11. Sie verfügen über alle notwendigen Qualifikationen und sind zudem in der Lage, andere von Ihrer Expertise zu überzeugen.

  12. Sie haben einen Überblick über die Dinge, die sie können und wissen auch, was Sie nicht können.

  13. Sie sind in der Lage, Ihre fachlichen Defizite auszugleichen. Dies können sie durch Schulungen, mit Hilfe von Mitarbeitern und Partnern oder durch die Beauftragung von Experten lösen.

  14. Sie haben grundlegendes betriebswirtschaftliches Know-how und sind in der Lage, sich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten.

  15. Sie haben Erfahrung in der Mitarbeiterführung.

  16. Sie sind fit darin, Verkaufs- und Preisverhandlungen zu führen.

  17. Sie haben keine Angst vor der Verantwortung.

Autor: 
Mark Leissen

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