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Selbstständig machen als Notar

Notar mit Team von Anwälten

Wer Notar werden will, entscheidet sich für eine juristische Tätigkeit mit sicheren sowie hohen Einnahmen. Das ist natürlich ein überzeugendes Motiv für eine Existenzgründung als Notar! Der Beruf des Notars setzt jedoch ein rechtswissenschaftliches Studium sowie fundierte Berufserfahrungen voraus. An einem Notar kommen die meisten Menschen im Laufe des Lebens nicht vorbei, wenn sie etwa ein Haus kaufen wollen. Insofern ist von einem hohen Bekanntheitsgrad auszugehen, auch wenn die meisten nicht wissen, was es genau mit diesem Beruf auf sich hat. Wer eine selbstständige bzw. freiberufliche Tätigkeit als Notar plant, sollte dies von langer Hand schon im Studium tun. Letztlich ist es so, dass ein sehr guter Studienabschluss die Voraussetzung ist, um überhaupt Notar werden zu können. Dementsprechend sind gute Studienleistungen die Voraussetzung, um sich für diesen beruflichen Bereich zu qualifizieren. Nicht jeder Juraabsolvent kann Notar werden, zumal die Stellen von staatlicher Seite her begrenzt sind.
 

Themen für die Existenzgründung als Notar

Welche Voraussetzungen sind demnach zu erfüllen, um sich als Notar selbstständig machen zu können? Welche Formen der beruflichen Tätigkeit gibt es für eine angestrebte Tätigkeit als Notar? Welche formalen Rahmenbedingungen sind bei der Berufsausübung zu beachten? Diese und weitere Fragen sollen im folgenden Beitrag praxisorientiert beantwortet werden. Für eine angestrebte Existenzgründung in diesem Bereich kann das Ziel lauten, hauptberuflicher Notar zu werden.
 

Existenzgründung als Notar: selbstständig machen in einem sicheren Umfeld

  • Notar werden: Ausgangslage & Perspektiven

  • Formen der Berufsausübung als Notar

  • Voraussetzungen, um Notar werden zu können

  • Welchen Status hat ein selbstständiger Notar?

  • Wieviel verdient man als Notar?

  • zentrale Rahmenbedingungen für die Berufsausübung
     

Ausgangslage: Notare genießen einen umfassenden Schutz

Notare üben in Deutschland ein öffentliches Amt aus. Gleichzeitig handelt es sich um einen Kammerberuf bzw. freien Beruf. Die Tätigkeit erstreckt sich im Wesentlichen auf die Beurkundung von Willenserklärungen. Die Zahl der Notare ist in den letzten Jahren rückläufig. Sie wird deutschlandweit auf knapp 6.000 beziffert. Zu beachten ist mit Blick auf die Planung und Umsetzung der Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Notar‘, dass es regionale Unterschiede mit Blick auf den Status bzw. die Art der Berufsausübung gibt. Insofern sollten von Beginn an die spezifischen Möglichkeiten und Voraussetzungen im jeweiligen Bundesland eingehend geprüft werden.

Das Tätigkeitsgebiet eines Notars ist von Natur aus begrenzt. Im Fokus stehen Beurkundungen im Immobilienbereich sowie mit Blick auf das Gesellschafts-, Familien- und Erbrecht. Abgesehen von der Beratung steht die Gestaltung der Urkunde im Mittelpunkt der Tätigkeit. Letztlich handelt es sich um ein sehr sicheres Betätigungsumfeld, das im Gegensatz zu vielen anderen hier präsentierten Geschäftsideen keinerlei unternehmerisches Risiko aufweist. Da der Staat die Notarstellen begrenzt, erhält jeder einen Zuständigkeitsbereich und im Grunde genommen garantierte Einkünfte. Zudem wurden die Gebühren (mehr dazu später) für Notardienstleistungen in den letzten Jahren erhöht, was die Attraktivität der Einnahmebasis nochmals verbessert hat. Durch festgelegte Honorare und die Regulierung der Anzahl an Notaren ist in keinem Fall mit einem Preiskampf und Wettbewerb zu rechnen. Hier wird deutlich, dass sich dieser gesetzlich geschützte Beruf deutlich von vielen anderen unterscheidet.
 

Bringt die Zukunft mehr Liberalisierung?

Was die langfristigen Perspektiven angeht, so bleibt abzuwarten, ob es in diesem Berufstand vom Gesetzgeber her zu einer Liberalisierung kommen wird. Diese hätte unter Umständen zur Folge, dass sich die hier skizzierten Rahmenbedingungen ändern. Auf Länderebene hat sich bereits einiges bewegt. So waren Notare bis 2017 in Baden-Württemberg noch Beamte mit festem Einkommen. Die Einnahmen für notarielle Beurkunden sind dem Landeshaushalt zugekommen. An dem 1.1.2018 sind Notare freie Unternehmer wie in allen anderen Bundesländern. Die festgelegte Gebührenordnung sorgt aber in jedem Fall dafür, dass das Einkommen staatlich garantiert ist. Welche andere Geschäftsidee bietet derartig sichere Voraussetzungen?
 

Notar werden: Voraussetzungen

Generell werden verschiedene Ausübungsformen für das Berufsbild des Notars unterschieden: Bei der in diesem Beitrag fokussierten Form handelt es sich um den hauptberuflichen Notar. Bei diesem so genannten Nur-Notariat, das es in vielen Bundesländern gibt, erstreckt sich die Tätigkeit nur auf den oben skizzierten Bereich. Wer im Rahmen der Existenzgründung hauptberuflicher Notar werden will, darf keine weitere Amtstätigkeit gegen Entgelt ausüben.
 

Notarassessor als vorbereitende Tätigkeit

Um überhaupt Notar werden zu können, ist im Vorlauf eine Tätigkeit als Notarassessor vorgesehen. Perspektivisch gilt es für die Umsetzung dieser Existenzgründung, sich bei der Justizverwaltung des Bundeslandes als Notarassessor zu bewerben. Für den Zugang zu einer solchen Stelle müssen die fachliche und persönliche Eignung vorliegen. Der Dienst als Notarassessor dauert üblicherweise drei Jahre. Die Notarkammer verweist den Assessor an einen Notar, wo er seine ‚Ausbildung‘ absolvieren kann und Einblicke in die praktische Tätigkeit erlangt. Darüber hinaus ist es die Aufgabe als Notarassessor, im Kammerbezirk andere Notare zu vertreten. Ist die Ausbildung als Notarassessor erfolgreich vorüber, so kann sich der Kandidat auf freie oder frei werdende Notarstellen im jeweiligen Kammerbezirk bewerben. Hierbei handelt es ich gewissermaßen um die größte Einstiegshürde, da die Anzahl von Notaren von staatlicher Seite begrenzt ist. Der Bewerbung folgt im Idealfall eine Anhörung durch die zuständige Notarkammer, die dem Bewerber sodann einen Amtssitz zuweisen wird. In diesem Bereich hat der Notar nicht mit nennenswerter Konkurrenz zu rechnen, sodass Marketingaktivitäten im Grunde entbehrlich sehen.
 

Exkurs: Marketing als Notar?

Im Wesentlichen wird es darum gehen, Räumlichkeiten in zentraler Lage zu finden und durch ein großes Schild und die Eintragung in relevante Verzeichnisse auf sich aufmerksam zu machen. Eine Homepage kann sehr sinnvoll sein, um Klienten eine immer erreichbare Anlaufstelle zu bieten und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Richtlinien sehen vor, dass Notare öffentlichkeitswirksam über Tätigkeiten und Befugnisse unterrichten dürfen. Jegliche Form von Werbung ist aber verboten, wenn dadurch Zweifel an der unabdingbaren Unabhängigkeit aufkommen.
 

Weitere Voraussetzungen, um Notar werden zu können

Abgesehen von abgeschlossenen Staatsexamina (Mindestnote ‚vollbefriedigend‘) und der hier skizzierten, vorbereitenden Tätigkeit als Notarassessor ist eine Gerichtspraxis mit einem Umfang von mindestens 9 Monaten zu erfüllen. Neben praktischen Berufserfahrungen, die nachgewiesen werden müssen, ist ferner eine Notariatsprüfung mit zwei Teilbereichen vorgesehen. Hier muss umfassendes Wissen in Bezug auf die notariellen Tätigkeitsbereiche nachgewiesen werden. Für die Notariatsprüfung ist eine Prüfungskommission zuständig, die durch den (Vize)präsidenten und Richter vom zuständigen Oberlandesgericht zusammengesetzt wird. Die abschließende Ernennung zum Notar erfolgt durch das Bundesministerium für Justiz. Wer sich auf eine freie Stelle als Notar bewerben will, muss insgesamt 7 Jahre Berufserfahrung im notariellen Bereich nachweisen können. Hierzu zählt auch die berufliche Phase als Notarassessor. Während der Berufsausbildung ist jeder Notar dazu verpflichtet, sich weiterzubilden, um den Kenntnisstand immer aktuell zu halten.
 

Strategische Alternative prüfen: Anwaltsnotar

Wer Jura studiert hat und nicht als hauptberuflicher Notar arbeiten will, kann die Option des Anwaltsnotars prüfen. In diesem Fall führt ein Rechtsanwalt auch notarielle Beurkundungen aus, sodass der Tätigkeitsbereich insgesamt größer wird. Anwälte müssen seit Mai 2011 eine notarielle Fachprüfung bestanden haben und darüber hinaus eine relevante Berufserfahrung von mindestens 5 Jahren nachweisen können. Wer diese Option anstrebt, kann sich mit der Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Rechtsanwalt‘ befassen. Die Tätigkeiten rund um notarielle Beurkundungen hätten den Vorteil, Klienten einen ganzheitlichen Service anbieten zu können. In wirtschaftlicher Hinsicht würde die Honorarbasis so breiter aufgestellt werden. In Analogie zum hauptberuflichen Notar gelten die gleichen Zulassungsbeschränkungen, sodass nicht jeder Rechtsanwalt notarielle Beurkundungen anbieten kann. Mit dieser Option, die z.B. in Teilen von NRW, Berlin, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein möglich ist, lassen sich im Rahmen der Existenzgründung zwei Berufe ausüben: Anwalt und Notar. Deutlich wird die Bedeutung des ‚Standorts‘ an dieser Stelle, aber in einer anderen Weise als bei vielen anderen Geschäftsideen: Die gesetzlichen Regelungen vor Ort geben den nutzbaren Rahmen für die Existenzgründung als Notar vor.
 

Status als Notar?

Die Tatsache, dass Notare sich um eine freie Stelle bewerben müssen, scheint gegen die angestrebte Selbstständigkeit zu sprechen. Letztlich aber sind hauptberufliche Notare dem Staat verpflichtet, aber nicht bei ihm angestellt. Sie arbeiten auf selbstständiger Basis und können sich auf Rahmenbedingungen verlassen, die der Gesetzgeber definiert hat. Es handelt sich um einen Kammerberuf bzw. freien Beruf. Eine Gewerbeanmeldung ist somit als Notar nicht erforderlich. Notare sind im weiteren Sinne selbstständig, aber durch die engen gesetzlichen Rahmenbedingungen sind die Handlungsspielräume eingeschränkt. Sie können keinesfalls als freie Unternehmer agieren. Preise sind festgelegt und dürfen in keinem Fall verhandelt werden. Und auch die notariellen Leistungen, die zu erbringen sind, sind festgeschrieben. Sowohl unternehmerische Risiken als auch Handlungsfreiheiten sind bei dieser Form der Existenzgründung sehr eingeschränkt. Wer sich dagegen als Anwalt selbstständig machen will, genießt größere Handlungsspielräume, wenngleich natürlich die Konkurrenzsituation für mehr Wettbewerb und letztlich auch finanzielle Risiken sorgt.
 

Verdienst als Notar?

Die Ausführungen bis dato haben verdeutlich, dass der Verdienst als hauptberuflicher Notar gesichert ist durch das zugewiesene Tätigkeitsfeld und die festgelegte Gebührenordnung. Die bundesweit einheitliche Bundesnotarordnung (BnotO) schreibt vor, wie hoch die Gebühren für welche notariellen Dienstleistungen sein müssen. Grundsätzlich können die Preise aber variieren, da im Falle des Grundstückkaufes der Preis maßgeblich für die Höhe der Gebühren ist. Notare erhalten in der Regel 1 % des Preises für ihre Dienstleistung. Man kann sich sehr leicht ausrechnen, wie viel Umsatz pro Monat im Falle von 10 Beurkundungen alleine für Grundstücke mit einem Durchschnittspreis von 50.000 Euro erzielt werden. Einnahmesicherheit besteht, da die Preise nicht verhandelt werden dürfen. Hauptberufliche Notare verdienen pro Monat nach Abzug aller Kosten nicht selten einen fünfstelligen Betrag.
 

Neuregelung der Honorare für Notare

Am 1. August 2013 ist übrigens eine Reform der Notarkosten in Kraft getreten (Stichwort Kostenrechtsmodernisierungsgesetz). Es beinhaltet strukturelle Änderungen für die Vergütung von Notaren. Verfolgt wurde dabei das Ziel, die Vergütung insgesamt leistungsorientierter sowie transparenter werden zu lassen. Durch die Anpassung an die Einkommensentwicklung ist es auch zu einer Erhöhung von Honoraren gekommen.
 

Berufsbegleitende Formalitäten als hauptberuflicher Notar

Abgesehen von den zu erfüllenden Voraussetzungen, um Notar werden zu können, sind mit Blick auf die Berufsausübung die Richtlinienempfehlungen der Bundesnotarkammer zu beachten. In erster Linie müssen selbstständige bzw. hauptberufliche Notare unabhängig und unparteiisch sein. Gebühren für die Tätigkeit dürfen nur auf der Basis der angesprochenen Ordnung erhoben werden. Zu beachten ist, dass Kostenrechnungen alle vier Jahre überprüft werden, und zwar je nach Bundesland durch den Landgerichtspräsidenten oder die Notarkasse. Auf diesem Weg soll rein formal die Unparteilichkeit von Notaren gewahrt bleiben. Kostenvoranschläge, die nicht selten von Klienten verlangt werden, sind für Notare nicht verbindlich. Eine exakte Bewertung ist meistens erst dann möglich, wenn alle Inhalte eines Vertrags bekannt sind.
 

Notarhaftung und Amtsenthebung

Auch wenn das wirtschaftliche Risiko sehr gering ist, so haften Notare dennoch für fahrlässige und insbesondere für vorsätzlich herbeigeführte Amtspflichtverletzungen. Die Haftung bezieht sich auf entstandene Schäden mit Blick auf Paragraf 19 der Bundesnotarordnung in Kombination mit Paragraf 839 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Notare sind unabhängige Träger eines öffentlichen Amtes. Die Ausübung dieses Berufes ist somit mit sehr strengen berufsständischen Anforderungen verbunden. Wer Notar werden bzw. dieses Amt hauptberuflich ausüben will, sollte sich im Vorfeld mit allen relevanten Regelungen auseinandersetzen. Durch die notwendige Berufserfahrung wird aber schon sichergestellt, dass sich angehende Notare gut mit den Praxisanforderungen auskennen. Um das Ansehen und die Zuverlässigkeit des gesamten Berufsstandes zu wahren, kann eine Amtsenthebung generell in Betracht kommen.
 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Notar‘

  1. Wer Notar werden will, muss abgesehen von einem erfolgreich abgeschlossenen Jurastudium zahlreiche Voraussetzungen erfüllen. Eine Notariatsprüfung ist abzulegen und eine mehrjährige Berufserfahrung muss nachgewiesen werden

  2. Die wirtschaftlichen/finanziellen Risiken halten sich in engen Grenzen, da der Staat dieses Berufsbild vor Konkurrenz und Preisdruck schützt. Jeder ernannte Notar erhält seinen Zuständigkeitsbereich

  3. Wer sich auf eine freie Stelle als Notar bewerben will (= Grundvoraussetzung), muss zuvor in der Regel für drei Jahre als Notarassessor tätig sein. Dabei handelt es sich um eine Art praktische Ausbildung nach dem Studium der Rechtswissenschaft

  4. Abgesehen von der Option, hauptberuflicher Notar zu werden, kann in einigen Bundesländern auch als Anwaltsnotar gearbeitet werden. In diesem Fall darf ein Anwalt mit entsprechenden Kenntnissen auch notarielle Beurkundungen erstellen

  5. Die Verdienstmöglichkeiten als Notar sind in einer verbindlichen Gebührenordnung festgeschrieben. Im Schnitt erzielen hauptberufliche Notare sehr attraktive Einkommen, die pro Monat durchaus fünfstellig sein können

  6. Bei der Ausübung der Tätigkeiten als hauptberuflicher Notar oder auch Anwaltsnotar sind die strengen Regelungen dieses Berufsstandes zu beachten.

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