Selbstständig machen mit der Vermietung von Wohnwagen / Wohnmobilen

Camping bzw. ausgedehnte Touren mit Wohnwagen oder Wohnmobilen erfreuen sich in Deutschland seit Generationen einer ungebrochenen Beliebtheit. Es ist ein Gefühl von Freiheit und größtmöglicher Naturverbundenheit, das gerade in Zeiten der rasanten digitalen Welt wieder zur erholsamen Entschleunigung beitragen kann. Wo einst noch auf den räumlich sehr begrenzten Kult-Bulli von VW gesetzt wurde, können Wohnmobile heute eine beachtliche Größe und eine teils luxuriöse Ausstattung aufweisen. Der Markt für ein solches rollendes Zuhause auf Zeit boomt seit Jahren. Insofern lohnt es sich, sich in diesem Beitrag mit der Geschäftsidee selbstständig machen mit der Vermietung von Wohnwagen oder Wohnmobilen‘ planungsorientiert zu befassen.
 

Differenzierter Blick auf diese Geschäftsidee zu Beginn

Da die Anschaffung eines Wohnmobils oder auch Wohnwagens mit hohen Kosten verbunden ist, liegt die Option nahe, ein solches Gefährt typischerweise für den Urlaub zu mieten. Aus dieser Überlegung lässt sich ein potenziell hohe Nachfrage für die Vermietung von Wohnmobilen und Caravans annehmen, wobei die Ausgangssituation für den anvisierten Standort natürlich potenzialorientiert zu konkretisieren ist. Wer selber ein Wohnmobil besitzt und es viele Woche im Jahr nicht nutzt, kann daraus eine Geschäftsidee entwickeln und die Vermietung gewerblich angehen. Das wäre ein mögliche Geschäftsausrichtung, die aber aufgrund des begrenzten Umfangs eher in die Richtung eines Nebengewerbes geht. Wer sich hauptberuflich selbstständig machen möchte, wird das Geschäftsmodell größer anlegen bzw. eine Flotte mit mehreren Fahrzeugen bereitstellen müssen. Mit dem Businessplan müssen dann in jeder Hinsicht die kaufmännischen Grundlagen für einen solchen Geschäftsbetrieb gelegt werden. Es zeigt sich, dass diese Geschäftsidee eine sehr flexible Herangehensweise erlaubt, um mit der Vermietung eines (eigenen) Wohnmobils Geld verdienen zu können.
 

Existenzgründung mit Wohnwagenvermietung: selbstständig machen mit mobiler Erholung

  • Analyse der Ausgangslage

  • Themen & Herausforderungen für den Businessplan

  • Wohnmobilverleih gründen: Voraussetzungen

  • Verdienst mit der Vermietung von Wohnmobilen?

  • Notwendige Versicherungen für diese Geschäftsidee

     

Analyse der Ausgangslage

Der Standort Deutschland bietet generell sehr attraktive Bedingungen, um einen Wohnmobilverleih zu gründen: Mehr als 11.000 km gut ausgebaute Autobahn, ein dichtes Netz an Tankstellen und mehr als 3.500 Campingplätze sprechen für eine attraktive und sehr facettenreiche Infrastruktur. Es gibt also genügend Ziele, auch innerhalb ganz Europas, die sich mit einem geliehenen Wohnwagen oder -mobil ansteuern lassen. Da die Deutschen ihren Campingurlaub am liebsten im eigenen Land verbringen, werden viele potenzielle Kunden die hervorragende Infrastruktur zu schätzen wissen.
 

Fakten für den Businessplan

Das große Interesse an Wohnmobilen lässt sich an der wachsenden Anzahl ablesen, die zuletzt sehr stark auf über 486.000 zugelegt hat. Das Kraftfahrbundesamt geht davon aus, dass es in Deutschland mehr als 600.000 Wohnwagen gibt. Seit einem starken Einbruch rund um die globale Wirtschaftskrise 2008/09 lässt sich ein sehr stabiler Wachstumskurs beobachten, der für berechenbare Rahmenbedingungen für diese Geschäftsidee spricht. Branchenkenner sprechen von einem wahren Boom in diesem Sektor, der ambitionierte Existenzgründer aufhorchen lassen sollte. Die seit Jahren teils stark steigenden Zulassungen sprechen nicht gegen die Vermietung von Wohnmobilen oder -wagen, denn nicht jeder Haushalt wird die mitunter hohen fünfstelligen Kosten aufbringen können (oder auch wollen). Für solche Interessenten kann es daher eine sehr attraktive und flexible Option sein, ein Wohnmobil zu günstigen Konditionen zu mieten.
 

Marktanteile und strategische Ausrichtung

Was die strategische Ausrichtung für einen Wohnmobilverleih angeht, so sind die Marktanteile der Hersteller in Deutschland zu beachten. Denn anhand dieser Werte lässt sich die potenzielle Nachfrage besser einordnen. Auf welche Hersteller und Modelle fahren potenzielle Kunden besonders ab? Was die Wohnmobil-Basisfahrzeuge angeht, ist Fiat in Deutschland mit etwa 45 % Marktführer, auf Platz 2 folgt Volkswagen mit 22 %. Ein Blick auf die deutschen Hersteller für Wohnmobile zeigt, dass Knaus Tabbert mit knapp 26 % Marktführer ist. Andere Hersteller wie Fendt, Bürstner, Hymer oder Dethleffs weisen relativ gleiche Marktanteile zwischen 7 und 9 % an.

Mit der Wahl eines bestimmten Herstellers setzen Existenzgründer die Basis für eine bestimmte Zielgruppe. In diesem Kontext wird deutlich, dass ein fundiertes Marktwissen für diese Geschäftsidee erforderlich ist. Welcher Hersteller bietet welche Modelle? Welche Funktionen und welcher Komfort kann genossen werden? Mit welchen Mehrwerten soll der eigene Wohnmobilverleih durch den Fokus auf einen Hersteller punkten? Welcher Hersteller bietet unterschiedliche Modelle, sodass für jedes Budget und unterschiedlichste Vorstellungen eine attraktive Lösung herbeigeführt werden kann? Diese und weitere Fragen sollten im Businessplan mit erkennbarer Zielorientierung und Profitabilität beantwortet werden.
 

Themen für den Businessplan

Wie einleitend angedeutet, müssen sich Existenzgründer bei dieser Geschäftsidee für eine strategische Grundausrichtung entscheiden: Soll Sharing betrieben werden und das eigene Wohnmobil vermietet werden? Oder soll das Geschäftsmodell größer hochgezogen werden, und zwar mit einer eigenen Flotte, die zur Miete angeboten wird? Die zweite Option ist wesentlich planungs- und kostenintensiver, sodass mit einem fundierten Businessplan die Grundlagen für nachhaltigen Geschäftserfolg gelegt werden müssen. Wer seinen eigenen Wohnwagen vermieten will, muss nur ein Gewerbe anmelden und für die Vermarktung sorgen. Hierfür stehen aber zahlreiche bekannte Portale zur Verfügung, wodurch aufzubringende Zeitressourcen und Kosten sich in überschaubaren Grenzen halten.

Wer eine Wohnmobilvermietung gründen will, muss zunächst einen geeigneten Standort finden: Wo können die Wohnmobile und -wagen sicher geparkt, gereinigt und gewartet werden? Wo kann die Übergabe geregelt werden? Idealerweise ist der Standort für ein großes Einzugsgebiet geeignet. Herzstück des Businessplans für eine Wohnmobilvermietung wird der Finanzteil sein: Für Anschaffung und Unterhaltung der Fahrzeuge können hohe Kosten entstehen, die mit einer zuverlässigen Finanzierungsstrategie zu bewältigen sind. Natürlich müssen nicht alle Fahrzeuge komplett neu gekauft werden, was das unternehmerische Risiko stark erhöhen würde. Im Zuge der Planung sind Gespräche mit Herstellern zu prüfen mit Blick auf vorteilhafte Leasingoptionen. Diese sollten für die ersten Geschäftsjahre sehr sorgfältig durchgerechnet werden. Alternativ ist es auch eine Option, sehr gut erhaltene gebrauchte Wohnmobile oder -wagen zu kaufen. Im Businessplan ist darzulegen, wie Kunden gewonnen werden sollen (siehe nächster Punkt) und zu welchen Konditionen der Verleih ein wirtschaftlicher Erfolg werden soll. Potenzielle Geldgeber werden vor allem auf die Margen einen kritischen Blick werfen. Überlebenswichtig für eine Wohnmobilvermietung wird eine hohe Auslastung sein. Denn stehen die Fahrzeuge nur herum, können sie kein Geld einfahren. Fixe Kosten werden sie aber allein für die notwendige Versicherung immer verursachen.
 

Marketing & Kundengewinnung für Wohnmobilvermittlung

Aus den gerade genannten Kostengründen ist es wichtig, dass das Geschäft mit der Vermietung von Wohnwagen und -mobilen direkt zu Beginn Fahrt aufnimmt. Zu prüfen ist also, welche vorhandenen Portale für die Vermietung mit größtmöglicher Reichweite genutzt werden sollen. Dabei ist in wirtschaftlicher Hinsicht ebenfalls ein Blick auf die Konditionen zu werfen, denn für eine erfolgreiche Vermittlung werden Betreiber einer Wohnmobilvermittlung mitunter hohe Provisionen an das Portal zu zahlen haben. Auf der Gegenseite lässt sich mit wenig Arbeitseinsatz eine reichweitenstarke und weitestgehend automatisierte Kundenakquise nutzen. Mögliche Portale wären Paul Camper und Campana. Diese bieten sich auch an, wenn Gründer sich für die Sharing-Ausrichtung mit nur einem eigenen Wohnmobil entscheiden.
 

Als attraktive Option für den Wohnmobilverleih präsent sein

Abgesehen davon gilt es, als eigenständiges Unternehmen mit einem klaren Profil die Bekanntheit zu erhöhen und für interessierte Kunden auffindbar zu sein. Daher ist eine suchmaschinenoptimierte Homepage ein zentrales Element in einem zeitgemäßen Marketing Mix mit großer Reichweite. Auf der Homepage sollten sich Interessenten einen Überblick über die Fahrzeuge und die Mietkonditionen verschaffen können. Idealerweise gibt es bereits die Möglichkeit der Buchung, um interessierte Kunden sofort zu ködern. Rein rechtlich bzw. vertraglich sollte darauf geachtet werden, dass dieser Vorgang einen verbindlichen Charakter hat. Buchungen im Vorhinein verleihen ein höheres Maß an Planungssicherheit und durch nicht unübliche Teilzahlungen im Voraus kann die Liquidität positiv beeinflusst werden.
 

Wohnwagenvermietung gründen: Voraussetzungen

Wer Sharing betreiben und einen Wohnwagen privat vermieten möchte, wird ein Gewerbe anmelden müssen. Das gilt für den Fall, dass mit der Vermietung von Wohnmobilen regelmäßig Einnahmen erzielt werden sollen, die dann auch zu versteuern sind. Versicherungsfragen sollten in jeder Hinsicht geklärt und auch bei jeder Vermietung schriftlich fixiert werden. Zum Beispiel können sich Mieter damit einverstanden erklären, im Schadensfall die zu hinterlegende Kaution nicht mehr erstattet zu bekommen. Das ist auch beim Mietwagenverleih nicht unüblich und dürfte daher keine allzu abschreckende Wirkung haben, wenn sich die Kaution in überschaubaren Grenzen bewegt.
 

Formale Voraussetzungen frühzeitig klären

Wer einen Betrieb mit einer ganzen Flotte ins Leben rufen will, muss sich mit höheren Hürden auseinandersetzen. In jedem Fall muss ein Gewerbe angemeldet werden. In Anhängigkeit von der Größe der Flotte kann es sein, dass Gründer ihre finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen müssen und für jedes Fahrzeug eine bestimmte Summe an Kapital aufzuweisen ist. Im Zuge der Gewerbeanmeldung werden Versicherungen für die angemeldeten Fahrzeuge vorzuweisen sein, damit sich aus der Geschäftsidee keine immensen finanziellen Risiken ergeben. Der Gründer selbst wird in aller Regel auch seine eigene Eignung nachweisen müssen, da dieses Gewerbe sicherheitsrelevanter Natur ist. Im laufenden Geschäftsbetrieb müssen Gründer Sorge dafür tragen, dass die Wohnmobile oder -wagen regelmäßig entsprechend der gesetzlichen Vorschriften gewartet werden. Auch Kunden werden im Sinne der Qualität voraussetzen, dass sich ein gemietetes Wohnmobil in einem einwandfreien Zustand befindet.
 

Jeder Geschäftsvorgang ist vertraglich abzusichern

Für jede Vermietung sollte ein wasserdichter Mietvertrag aufgesetzt werden, in dem alle zentralen Faktoren enthalten sind. Bei der Übergabe ist der Zustand des Fahrzeugs zu dokumentieren und von beiden Seiten zur Kenntnis zu nehmen. Bei der Rückgabe findet dann eine Überprüfung ab. Vertraglich geregelt sein sollte, was im Schadensfalle passiert und wie Mieter das Wohnmobil generell zu behandeln haben. Auch an Tankregelungen (Übergabe wieder mit vollem Tank?) und Kosten für die Überschreitung der Mietfrist ist zu denken. Da Gründer immer wieder auf dieselbe Vorlage zurückgreifen können, sollte diese professionell und rechtssicher sein. Es kann daher sinnvoll sein, auf die Expertise eine erfahrenen Anwalts zurückgreifen. Dieser wird mit Blick auf etwaige Besonderheiten des Geschäftsmodells gezielt den einen oder anderen relevanten Paragrafen hinzufügen.
 

Verdienst mit Vermietung von Wohnwagen/Wohnmobilen?

Wer sich für die Option Sharing entscheidet und das Wohnmobil vermietet, wenn es selber nicht gebraucht wird, muss sich eher auf einen Nebenverdienst einstellen. Glaubt man den oben genannten Portalen, so liegen die Umsätze zwischen lediglich 4.000 Euro pro Jahr und bis zu 36.000 Euro. Maßgeblich sind natürlich die Auslastungsquote und die Kostenstruktur. Um vom Wohnmobilverleih leben zu können, werden mehrere Fahrzeuge und eine durchdachte Preisstrategie notwendig sein. Die durchschnittliche Vermietdauer wird mit etwa 40 Tagen angegeben. Für Kunden sind längere Zeiten attraktiv, da es in aller Regel Rabatte gibt. Für den Vermieter ist eine lange Mietdauer ebenfalls von Vorteil, da ein Fahrzeug so für mehrere Wochen ausgelastet ist. Prinzipiell kann es sich also durchaus um eine Win-Win-Situation handeln.
 

Der Gewinn hängt stark von der Auslastung ab

Wird eine hohe Auslastung erreicht, so sind Gewinne auch oberhalb der genannten 36.000 Euro im Jahr sicher möglich. Das setzt aber eine reichweitenstarke Vermarktung, ein exklusives Angebot und einen exzellenten Kundenservice voraus. Und letztlich kann der Verdienst mit einem Wohnmobilverleih nur hoch ausfallen, wenn die Kosten sich in Grenzen halten. Daher sollte der Geschäftsbetrieb von dieser Seite aus schlank aufgestellt werden, wobei an notwendigen Versicherungen für den Gewerbebetrieb aber nicht gespart werden sollte. Nicht zu unterschätzen ist, dass die Einnahmen durchaus saisonalen Schwankungen unterliegen können. Insofern wird es gerade in Herbst und Winter zu einer Herausforderung, um eine hohe Auslastung für die Wohnmobilflotte sicherstellen zu können.
 

Sinnvolle Versicherungen, um finanzielle Risiken zu minimieren

Das Risiko fährt im wahrsten Wortsinn mit, wenn Wohnmobile oder -wagen vermietet werden. Daher ist eine leistungsstarke Haftpflichtversicherung nötig, die explizit auch im Falle der gewerblichen Vermietung greift. Zu denken ist auch an einen umfassenden Schutz vor Diebstahl. Die Summen für einen leistungsstarken Versicherungsschutz können schnell eine nennenswerte Höhe erreichen. Kostet eine solche Versicherung beispielsweise weit über 1.000 Euro im Jahr, so bleibt von Sharing-Einnahmen wenig übrig. Insofern sind taggenaue Zusatzversicherungen eine flexible Option. Diese können über Vermittlungsportale abgeschlossen werden.
 

Mögliche Problemfelder beachten

Problematisch hierbei ist, dass der Versicherungsschutz erlöschen kann, wenn der vorgesehene Mietzeitraum überschritten wird. Den notwendigen Versicherungsschutz sollten Gründer ganz genau prüfen, auch um potenziellen Kunden sicherheitsorientierte Mehrwerte zu bieten: Wer will schon ein Wohnmobil mieten, wenn er im Schadensfall eine hohe Summe aufzubringen hat? Auch potenzielle Mieter wollen verbindlich wissen, welche maximalen Kosten im Ernstfall auf sie zukommen.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee

  1. Der Markt für Wohnmobile und -wohnwagen boomt seit Jahren. Wer sich kein Wohnmobil kaufen kann oder will, wird die Option der Miete für die individuelle Urlaubsplanung flexibel in Erwägung ziehen wollen

  2. Generell bietet Deutschland als Standort sehr attraktive Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser Geschäftsidee: Abgesehen von der exzellenten Infrastruktur spielt die kulturell verankerte Begeisterung für Camping und Touren eine wichtige Rolle

  3. Wer sich selbstständig mit der Vermietung von Wohnmobilen/-wohnwagen machen will, steht vor zwei grundsätzlichen Optionen: 1. Sharing (d.h. ein eigenes Wohnmobil bei Nichtgebrauch vermieten) und 2. ein Unternehmen mit einer größeren Flotte an Wohnwagen und/oder Wohnmobilen hochziehen

  4. Damit das Geschäft von Beginn an Fahrt aufnehmen kann, ist auf Reichweite zu setzen. Neben einer eigenen, suchmaschinenoptimierten Homepage sind die Möglichkeiten auf zahlreichen Vermittlungsportalen zu prüfen

  5. Für den Verdienst mit einer Wohnmobilvermietung spielen die Mietkonditionen abgesehen von der Auslastung eine Schlüsselrolle.

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