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Steuerberater zu teuer? 3 Tipps für die Preisverhandlung

Frau hält Sparschwein entgegen

Um mit dem Steuerberater in eine Preisverhandlung einzutreten, müssen Sie wissen, wie dieser die Rechnung stellt. Jeder Steuerberater muss sich an die Vergütungsverordnung für Steuerberater, kurz StBVV, halten. Sie steht im Internet und ist hier frei verfügbar. In der StBVV sind die Leistungen nach Paragrafen sortiert. Welche Leistungen abgerechnet werden, hängt davon ab, wie Ihr Auftrag an den Steuerberater lautet.

Eine Steuererklärung wird anders abgerechnet, als die laufende Buchhaltung. Zudem gibt es zahlreiche einzelne Paragrafen für diverse Beratungsleistungen oder für Jahresabschlussleistungen. Einsprüche oder Widersprüche, Klageschriften und vieles mehr sind vollständig in der Vergütungsverordnung aufgelistet. Die Preise, die der Steuerberater nehmen darf, sind in unterschiedlichen Tabellen aufgelistet und werden in Zehnteln angesetzt. Diese Zehntel beziehen sich auf die Bemessungsgrundlage, die durch die Tabellen fest definiert werden. Die Bemessungsgrundlage wird auch Gegenstandswert genannt.

Beispiel: Die Kosten für die Buchhaltung hängen von der Höhe der Betriebseinnahmen ab. Die Betriebseinnahmen stellen die Bemessungsgrundlage = Gegenstandswert dar. Mit dieser Zahl geht der Steuerberater in die StBVV und prüft in der Tabelle für zulässige Buchführungskosten, wie viel er für abrechnen darf.

 

In der Buchführungstabelle stehen zum Beispiele diese Werte:

Gegenstandswert in Euro Volle Gebühr (10/10) in Euro
15.000 61
50.000116
100.000158
200.000231

    

Das bedeutet: Liegt der Umsatz zum Beispiel bei 100.000 € pro Jahr, darf der Steuerberater maximal 158 € Steuerberatungskosten pro Monat abrechnen. Dieser Wert gilt für besonders schwierige und aufwändige Buchführungsleistungen.

  • Sind zum Beispiel viele wechselnde Lieferanten, aufwändige Abgrenzungsbuchungen, Zinsberechnungen und teilfertige Leistungen zu berücksichtigen und kommt zudem noch eine aufwändige Anlagenbuchhaltung dazu, dann ist es gerechtfertigt, einen hohen Zehntelwert anzugeben.
     
  • Handelt es sich jedoch um eine einfache Buchführung ohne große Extras, dann ist der Ansatz von 10/10 oder gar 12/10 nicht gerechtfertigt. Bei einfachen Buchführungsarbeiten sind 2/10 oder 3/10 angemessen. Eine durchschnittlich schwierige Buchhaltung sollte fairerweise auch mit einem durchschnittlichen Satz von 5/10 bis 6/10 abgerechnet werden.
     

Wie schwierig ist Ihre Buchhaltung?

Wenn Sie schon ein paar Jahre selbstständig sind, wissen Sie vielleicht, ob Ihre Buchhaltung schwer oder leicht ist. Wie aufwendig ist es, die Unterlagen Monat für Monat zusammenzustellen? Haben Sie ein Kassenbuch? Generieren Sie Bareinnahmen oder stellen Sie Rechnungen? All das spielt eine Rolle bei der Einschätzung der Schwierigkeit.



Beispiel 1: Ein Friseursalon generiert Einnahmen aus der Dienstleistung Haare schneiden sowie aus dem Produktverkauf. Zudem kauft das Geschäft immer dieselben Waren wie Shampoo und Haarfarben, Föns, Bürsten und Scheren ein. Eine solche Buchhaltung ist einfach und sollte deutlich unterhalb der 5/10 angesiedelt sein.

Beispiel 2: Ein international agierender Zirkus mit Einnahmen aus unterschiedlichen Ländern und Beschäftigten aus aller Welt sowie ganz unterschiedlichen Aufwendungen ist deutlich schwieriger buchhalterisch zu verarbeiten. Künstlerabzugssteuern und andere Besonderheiten sind zu beachten. In einem solchen Fall ist die Orientierung am Höchstsatz realistisch.


Die Strategie: Lassen Sie sich die Einzelpositionen auf einer typischen Rechnung erklären

Im Gespräch mit Ihrem Steuerberater sollten Sie sich in aller Ruhe erklären lassen, welche Einzelpositionen auf ihrer Buchhaltungsrechnung stehen. Fragen Sie nach, wie der Steuerberater dazu kommt, die Schwierigkeit ihrer Buchhaltung einzuschätzen. Hat er recht? Oder liegt die Zehntelgebühr zu hoch? Das ist die Stellschraube, an der Sie drehen müssen, um die monatliche Rechnung zu senken.

Beschäftigen Sie sich mit den Tabellen und Vorschriften in der StBBV und machen Sie sich schlau, welche Maximalgebühren zulässig sind. Schätzen Sie den Arbeitsaufwand realistisch ein. So vorbereitet gehen Sie in das Gespräch mit dem Berater und haben gute Argumente für eine Preisverhandlung, die zu Ihren Gunsten ausgeht.
 

Praxistipp: Lassen Sie sich ein Gegenangebot von einem anderen Berater machen. Dadurch erhalten Sie eine zweite Meinung zum Aufwand Ihrer Buchhaltung. Ob Sie tatsächlich wechseln, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ist das Angebot der Konkurrenz günstiger, dürfen Sie es ruhig als Druckmittel einsetzen. Ihr Steuerberater lebt von Ihnen und mit Blick auf die Online-Dienstleister, die die Buchführungserstellung enorm vereinfachen und die Kosten generell stark drücken, überlegt er sich vielleicht, die Preise nach unten zu korrigieren.
 

Steuerberaterwechsel gewünscht? Dann nichts überstürzen

Wenn Sie wechseln wollen, tun sie das zum Ende Ihres Wirtschaftsjahres. Das ist in der Regel der 31.12. In manchen Branchen, wie z. B. der Landwirtschaft, kann es auch abweichend der 30.06. sein. Das Ende des Wirtschaftsjahres ist der kostengünstigste Zeitpunkt, weil die Übernahme der buchhalterischen Daten wenig Aufwand bedeutet. Wechseln Sie hingegen unterjährig, ist die Übernahme der Buchführungsarbeiten durch den neuen Steuerberater arbeitsintensiver und der Wechsel verursacht höhere Kosten.

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