Was ist der Unterschied zwischen Gewerbe und Freiberufler?

Karteikarten mit Aufschrift Gewerbe anmelden und freiberufliche Tätigkeit

Zur exakten Unterscheidung der beiden Begriffe Gewerbe und Freiberufler ist eine genaue Abgrenzung notwendig. Das ist nicht immer ganz einfach, die letzte Entscheidung, ob ein Unternehmer sich als Gewerbebetrieb oder Freiberufler ansehen darf, trifft das Finanzamt, das aufgrund bestimmter Kriterien die Einteilung der Selbstständigen vornimmt. Die Zuordnung entscheidet beispielsweise auch darüber, ob ein Unternehmer Gewerbesteuer zahlen muss oder nicht.
 

Merkmale eines Gewerbetreibenden

Laut Gewerbeordnung ist der Begriff des Gewerbetreibenden oder des Gewerbebetriebs nicht definiert. Im Einkommensteuergesetz findet sich in § 15 Absatz 2 eine genauere Beschreibung.

„Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“

Gewerbe sind beispielsweise Handwerks- und Industriebetriebe, Handelsbetriebe, die Tätigkeit als Vermittler oder Gaststättenbetriebe.

Darüber hinaus gibt es noch Gewerbebetriebe kraft Rechtsform. Die AG oder die GmbH zählen aufgrund ihrer Rechtsform als Kapitalgesellschaft als Gewerbebetrieb. Die ausgeübte Tätigkeit ist dabei zweitrangig.
 

Der freie Beruf und seine besonderen Merkmale

Freiberufler arbeiten selbstständig und eigenverantwortlich. Ihre Tätigkeit kann erzieherischer, schriftstellerischer, unterrichtender oder wissenschaftlicher Natur sein. Der einheitliche Oberbegriff freier Beruf ist nicht definiert. § 18 Einkommensteuergesetz listet einige Tätigkeiten auf, die als freiberuflich einzuordnen sind. Dazu zählen beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, beratende Volks- und Betriebswirte, Steuerberater, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Journalisten, Dolmetscher und ähnliche Berufe. Der Katalog ist nicht vollständig. Bei vergleichbaren Berufen entscheidet das Finanzamt im Einzelfall.

Die freiberufliche Tätigkeit basiert auf einer wissenschaftlichen Ausbildung. Das muss nicht zwingend ein Hochschulstudium sein. Die Kenntnisse kann sich der Freiberufler auch im Selbststudium erworben haben oder durch seine berufliche Tätigkeit. Allerdings müssen die Kenntnisse auf dem Niveau eines Hochschulstudiums sein. Dazu hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) die freiberufliche Tätigkeit beschrieben als Tätigkeit mit ausgesprochen intellektuellem Charakter, für die eine hohe Qualifikation erforderlich ist und die normalerweise einer berufsständischen Regelung unterliegt, die sehr streng und exakt ist. Das persönliche Element hat dabei eine besondere Bedeutung. Die Ausübung der Tätigkeit setzt ein hohes Maß an selbstständigem Arbeiten bei den beruflichen Handlungen voraus.
 

Abgrenzung Gewerbetreibender und Freiberufler

Die Abgrenzung ist nicht immer einfach, denn die freiberufliche Tätigkeit verfolgt ebenfalls eine Erwerbsabsicht. Viele selbstständige Tätigkeiten sind sowohl Gewerbe als auch freier Beruf. Das ausschlaggebende Kriterium für die Zuordnung ist das, was das Hauptmerkmal der freiberuflichen Tätigkeit: die geistig-schöpferische Arbeit. Tätigkeiten, die in den Katalogberufen nicht aufgeführt sind, nicht als den Katalogberufen ähnlich eingestuft sind und auch nicht zur Land- und Forstwirtschaft zählen, sind in der Regel gewerblich.
 

Einordnung neuer Berufsfelder

Neue Berufsfelder, die nicht im Katalog der freien Berufe in § 18 EstG enthalten sind, sorgen häufig für Schwierigkeiten mit dem zuständigen Finanzamt. Neuere Urteile zu diesem Thema zielen auf die Tätigkeitsausübung sowie die Vorgehensweise dabei ab. Eine altbewährte, ingenieurmäßige Herangehensweise gilt demnach als Kennzeichen für eine Freiberuflichkeit. Ein IT-Spezialist, der damit beauftragt ist, eine Software zu planen, zu konstruieren und zu überwachen, ist als Freiberufler einzustufen. Dabei sollte die Software nicht der Trivialsoftware zugeordnet sein.
 

Probleme mit der Abgrenzung bei „gemischten Tätigkeiten“

Ist ein Selbstständiger gleichzeitig freiberuflich und gewerblich tätig, kann dies zu Abgrenzungsschwierigkeiten führen. Eine natürliche Person, die gleichzeitig eine gewerbliche und eine freiberufliche Tätigkeit ausübt, kann sich steuerlich getrennt beurteilen lassen, wenn zwischen den Tätigkeiten kein Zusammenhang besteht. Besteht ein wirtschaftlicher oder sachlicher Zusammenhang, handelt es sich also um eine gemischte Tätigkeit, ist dies nicht möglich. Dann kann es durch die Vermischung dazu kommen, dass das Finanzamt den Freiberufler einheitlich beurteilt und als Gewerbetreibenden einstuft.
 

Entlastung bei Bürokratie und Steuern für den Freiberufler

Freiberufler melden kein Gewerbe beim Gewerbeamt an. Sie beantragen ihre Steuernummer direkt beim Finanzamt. Sie zahlen auch keine Gewerbesteuer. Außerdem unterliegen sie nicht der Gewerbeaufsicht. Freiberufler müssen sich nicht im Handels- oder Unternehmensregister eintragen und auch nicht zwingend Mitglied bei der Handels- oder Handwerkskammer sein.

Der Freiberufler unterliegt nicht dem Handelsgesetzbuch, das heißt, das Schuldrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs kommt hier zum Tragen.

Freiberufler sind frei in ihrer Zeiteinteilung, können zu jeder Tages- und Nachtzeit arbeiten, auch am Wochenende oder an Feiertagen. Sie sind auch frei bei der Auswahl der Aufträge, die sie übernehmen möchten.

Die Buchhaltung ist vereinfacht. Es genügen einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnungen, doppelte Buchführung ist nicht notwendig.

Ist die Tätigkeit entsprechend eingestuft, kann sich der Freiberufler über die Künstlersozialkasse versichern. Hier hat er ein enormes Einsparpotenzial gegenüber einer privaten Versicherung.

Alle Ausgaben sind buchhalterisch zu erfassen und die Belege dazu sind aufzubewahren. Freiberufler, wie Texter oder Journalisten, die nur wenig Zubehör oder teure Betriebsmittel brauchen, können steuerliche Pauschalen nutzen, um ihre Betriebsausgaben geltend zu machen.
 

Begriffsverwirrung "freier Beruf" und "Freelancer"

Für viele ist der Begriff Freelancer gleichbedeutend mit Freiberufler. Das liegt wahrscheinlich an der Ähnlichkeit der Wörter, und rührt von mangelndem Wissen über die freiberufliche Tätigkeit. Freelancer bedeutet lediglich, dass jemand als freier Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig ist und nicht festangestellt. Dabei kann er Gewerbetreibender oder Freiberufler sein.

Tipp: Wenn Sie als freier Mitarbeiter arbeiten, sollten Sie mit Ihrem Auftraggeber immer eine schriftliche Vereinbarung treffen. Die Vereinbarung enthält neben der genauen Beschreibung der zu erbringenden Leistung auch Ihre Klassifizierung als freier Mitarbeiter. Darüber hinaus vereinbaren Sie darin die Bezahlung, die Entschädigung für Reise-, Material- oder sonstige Kosten und eine Klausel zum Rücktritt aus dem Vertrag.


Die Zuordnung zu einer Einkunftsart ist nicht in Stein gemeißelt

Die Besteuerungsgrundlage wird vom Finanzamt ermittelt. Dabei bestimmt das Finanzamt auch, zu welcher Einkunftsart Ihre Tätigkeit gehört. Diese Zuordnung gilt stets nur für ein Jahr. Wenn Sie jahrelang als Freiberufler eingeordnet sind, entsteht dadurch kein Gewohnheitsrecht, aus dem Sie ableiten könnten, dass Sie für immer als Freiberufler eingestuft werden. Sobald das Finanzamt feststellt, dass sich Ihre freiberuflichen Einkünfte in gewerbliche Einkünfte verändern, kann die Behörde das ändern. Das Finanzamt muss sich dabei genau an die steuerlichen Vorschriften halten. Diese Umqualifizierung wirkt sich auf alle Einkünfte aus. Für Einkünfte, die über dem Gewerbesteuerfreibetrag liegen, ist dann Gewerbesteuer zu zahlen. Die Berechnung kann auch für zurückliegende Steuerjahre erfolgen, wenn dafür noch kein Steuerbescheid vorliegt.
 

Freiberufler werden ohne entsprechende Ausbildung

Auch als Autodidakt können Sie den Status als Freiberufler erwerben. Wenn Sie in einem der Katalogberufe arbeiten, ist es möglich, anhand von Berufserfahrung und Arbeitsproben zu beweisen, dass Sie als Freiberufler tätig sind. Wichtig ist dabei, dass Sie gegen Ihren aktuellen Gewerbesteuermessbescheid Einspruch einlegen und einen Änderungsantrag für die bereits rechtswirksamen Steuerbescheide stellen. Wenn Sie den Beweis erfolgreich führen können und Sie nachträglich den Status Freiberufler erhalten, erstattet Ihnen die Behörde die zu Unrecht gezahlte Gewerbesteuer. Und für die Zukunft sind Sie von der Gewerbesteuerzahlung befreit. Informatiker, Programmierer und Webdesigner haben hier gute Chancen. In der Vergangenheit gab es bereits einige Urteile, in denen der Freiberufler-Status nachträglich zugesprochen wurde.

Tipp: Wenn Sie nachträglich erkennen, dass Ihre Tätigkeit freiberuflich ist, ist es Zeit, zu handeln. Sie können damit einiges an Steuern sparen. Teilen Sie Ihrem Finanzamt schnellstmöglich mit, dass Sie denken, freiberuflich tätig zu sein. Legen Sie dazu die entsprechenden Nachweise vor, die diese Aussage untermauern, beispielsweise Rechnungen. Wenn Sie das Finanzamt überzeugen können, ändert die Behörde alle noch nicht rechtskräftigen Steuerbescheide bzw. hebt die Gewerbesteuerbescheide auf. Künftig sind Sie dann von der Gewerbesteuerzahlung befreit. Dabei sollten Sie allerdings bedenken, dass eine Aufhebung der Gewerbesteuer Einkommensteuernachzahlungen nach sich zieht. Denn die Gewerbesteuer wird auf die Einkommensteuer angerechnet. Insgesamt gesehen ist es jedoch in den meisten Fällen günstiger, gewerbesteuerbefreit zu sein.


Ist-Besteuerung auf Antrag

Wenn die Besteuerung nach vereinbarten Entgelten stattfindet, nennt sich das Soll-Besteuerung. Sie ist der Regelfall. Gelangt die Ist-Besteuerung zur Anwendung, ist die Umsatzsteuer erst zu zahlen, wenn der Kunde oder der Auftraggeber die Rechnung bezahlt hat. Sie müssen die Umsatzsteuer nicht vorfinanzieren. Wenn Kunden sich häufiger länger Zeit lassen, um Rechnungen zu begleichen, entsteht durch die Ist-Besteuerung ein Liquiditätsvorteil. Die Soll-Besteuerung ist laut Umsatzsteuergesetz der Regelfall. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie die Ist-Besteuerung beantragen.

  • Der Vorjahresumsatz beträgt nicht mehr als 500.000 Euro

oder

  • Sie sind von der Buchführungspflicht befreit

oder

  • Sie üben eine freiberufliche Tätigkeit aus und ermitteln Ihren Gewinn mittels Gewinn- und Verlustrechnung
     

Wichtig: Die Anwendung der Ist-Besteuerung ist lediglich auf Antrag möglich. Den Antrag müssen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt stellen.

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