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Freiberufler und Steuern. Diese 3 Punkte sind zu beachten

Freiberufler sichtet Unterlagen

Bevor dieser Beitrag die wichtigsten steuerlichen Punkte für Freiberufler erläutern wird, soll gleich zu Beginn einer Verwechslung vorgebeugt werden: Der Freiberufler ist kein Gewerbetreibender. Er bezieht „Einkünfte aus selbstständiger Arbeit“. Gewerbesteuer muss er nicht bezahlen. Die Darlegung des Gewinns erfolgt über eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz: EÜR. Für den hier skizzierten Freiberufler, der künstlerisch, wissenschaftlich, erzieherisch oder in anderen Berufen tätig sein kann, gilt es diese Punkte bei der Steuer zu beachten.
 

Das Steuer-Trio: Einkommenssteuer, Vorsteuer, Umsatzsteuer

Diese drei Arten von Steuern sind von entscheidender Bedeutung für jeden Freiberufler. Umso wichtiger ist es, genau Bescheid zu wissen, was sich jeweils dahinter verbirgt.
 

1.) Einkommenssteuer

Der Freiberufler ist einkommenssteuerpflichtig. Die Höhe der Einkommenssteuer richtet sich nach der Höhe des Einkommens. Maßgeblich entscheidend ist der Gewinn. Dieser ist mit einer einfachen Formel zu berechnen: Umsatz minus Kosten. Die Einkommenssteuer steigt mit steigendem Einkommen. Wer viel verdient, muss eine entsprechend hohe Einkommenssteuer bezahlen. Mit der Anmeldung der Selbstständigkeit flattert dem Freiberufler schnell ein Schreiben des Finanzamtes auf den Tisch. Darin steht die Aufforderung, die erwarteten Einkünfte zu prognostizieren.

Achtung: Wer seine Einkünfte zu hoch einschätzt, muss das ganze Jahr über vergleichsweise hohe Einkommenssteuer-Vorauszahlungen leisten. Mit der Steuererklärung werden diese zwar gegengerechnet, aber die Rückerstattung erfolgt dann erst mit dem Bescheid.
 

2.) Umsatzsteuer

Die Mehrwertsteuer wird in Deutschland auf nahezu alle Güter erhoben. Der Steuersatz beträgt sieben bzw. 19 Prozent – je nach Produkt. Der Freiberufler verkauft seine Leistung mit aufaddierter Mehrwertsteuer. Auf jeder Rechnung ist der Rechnungsbetrag mit und ohne Steuer ausgewiesen. Diese Differenz zwischen Brutto- und Nettobetrag, die so erhobene Mehrwertsteuer, ist für den Freiberufler allerdings nur ein Durchgangsposten: Diesen muss er direkt als Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Verringert wird die Umsatzsteuer durch den Abzug der Vorsteuer (vgl. Punkt 2).

Achtung: Agiert der Freiberufler im Rahmen der Kleinunternehmerregelung, schlägt er keine Mehrwertsteuer auf und muss in der Folge auch keine Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Übersteigt der Freiberufler die Grenze der Kleinunternehmerregelung, muss er Steuern erheben und abführen.
 

3.) Vorsteuer

Wie bereits erwähnt dient der Vorsteuerabzug dazu, die Zahlung ans Finanzamt zu verringern. In der Praxis funktioniert das so: Der Freiberufler verursacht Kosten, beispielsweise durch die Anschaffung von Büromaterial. Dafür bezahlt er selbst – in diesem Fall als Kunde – Steuern an den Büromaterial-Lieferanten. Zum Monatsabschluss werden die selbst bezahlte Vorsteuer und die eingenommene Umsatzsteuer miteinander verrechnet. So verringert sich die Höhe der Umsatzsteuerzahlung, die der Freiberufler ans Finanzamt zahlt.

Achtung: Einige Händler ermöglichen Firmenkunden und Freiberuflern den Einkauf ohne Steueraufschlag. Diese Option zu nutzen, verringert zwar den Rechnungsbeitrag, die Umsatzsteuer, die der Freiberufler ans Finanzamt bezahlt, bleibt.
 

Einkommenssteuer-Vorauszahlung. Das nützt die quartalsmäßige Abrechnung

Für die Vorauszahlung der Einkommenssteuer gelten die Stichtage 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember. Bei Festsetzung der Vorauszahlung, die Bestandteil des Steuerbescheids ist und damit aus der Feder des Finanzamtes stammt, geht es darum, durch die Abbuchung kleinerer Beiträge die große Steuernachzahlung am Ende des Jahres zu verhindern.

Achtung: Die ersten Jahre des Freiberuflers sind gerade deswegen so kritisch, weil direkt in der Startphase das Finanzamt noch keine Einkommenssteuervorauszahlung erhebt. Die Höhe der Vorauszahlung richtet sich nach dem vorangegangenen Steuerbescheid. Der größte Fehler wäre nun, nichts beiseite zu legen oder das erwartete Einkommen zu niedrig anzusetzen, denn: die Steuernachzahlung ist jedem Freiberufler gewiss. Wer sein Einkommen zu positiv einschätzt, bekommt womöglich am Ende des Jahres eine Gutschrift.
 

Umsatzsteuer-Voranmeldung. Steuern müssen monatlich oder quartalsmäßig beglichen werden

Die Einkommenssteuer-Vorauszahlung verhängt das Finanzamt. Für die Umsatzsteuer-Voranmeldung ist der Freiberufler selbst verantwortlich. Je nach Höhe der Steuerschuld muss der Freiberufler die Umsatzsteuer-Voranmeldung jeweils zum 10. ans Finanzamt zahlen. Die Zahlung erfolgt jährlich, monatlich oder einmal im Quartal. Frei wählen darf der Freiberufler dabei nicht.

  • Bei einer jährlichen Steuerschuld über 7500 Euro ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich zu leisten.
  • Bei einer jährlichen Steuerschuld von unter 1000 Euro ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung hinfällig. Der Freiberufler bezahlt einmal jährlich.
  • Bei einer jährlichen Steuerschuld zwischen 1000 und 7500 Euro ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung quartalsmäßig zu leisten.

Entscheidend für die Umsatzsteuer-Voranmeldung ist nicht nur die Gegenrechnung mittels Vorsteuerabzug (vgl. Punkt 3). Es wird auch in Soll- und Ist-Versteuerung unterschieden. Bei der Ist-Versteuerung erfolgt die Verrechnung der Steuer zum Zeitpunkt der Zahlung. Bei der Soll-Versteuerung gilt das Rechnungsdatum.

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