Potenziale und Herausforderungen der Digitalisierung für Existenzgründer

Das Thema „Digitalisierung“ scheint ein alter Schuh zu sein – schließlich wird seit Jahren über kaum etwas Anderes berichtet, wenn es darum geht, wie man als Existenzgründer heutzutage von Anfang an effiziente und fortschrittliche Arbeitsweisen beherzigen kann. Dass analoge und manuelle Prozesse immer mehr in den Hintergrund rücken ist dabei ebenfalls den meisten Gründern klar. Dennoch lässt sich beobachten, dass es jungen Unternehmern immer noch häufig an Kompetenz in Sachen Digitalisierung mangelt. Das mag daran liegen, dass die Herausforderungen der Digitalisierung einen überwältigen können und man sich ihnen noch nicht gewachsen sieht. Es gilt aber, sich ihnen so früh wie möglich zu stellen, um vom enormen Potenzial der Digitalisierung profitieren zu können und sich als Gründer zukunftsorientiert zu positionieren.
 

Der digitale Wandel und die jungen Führungskräfte

Obwohl die digitale Transformation in jeglichen Unternehmen und besonders bei neuen Gründungen immer mehr an Bedeutung gewinnt, sind viele von ihnen digital noch immer mangelhaft aufgestellt. Gerade bestehende Unternehmen mit jungen Führungskräften tun sich oft schwer. Die genannten Gründe: Beispielsweise herrsche ein mangelndes Verständnis für die Digitalisierung. Außerdem seien fehlende finanzielle Anreize ein Hindernis für die Digitalisierung. Gerade letzter Punkt ist, wie sich am Ende dieses Beitrags zeigen wird, eine vollkommene Fehleinschätzung. Paradox ist, dass gleichzeitig in anderen Umfragen das Bild entsteht, dass doch der Großteil der Arbeitnehmer überzeugt ist, dass es mit den bestehenden Unternehmensstrukturen nicht gelingen kann, die Weichen für die neuen Anforderungen der digitalen Arbeitswelt zu stellen. Außerdem wünschen sich viele, dass sich eine Unternehmenskultur etabliert, in der die Innovation gezielt gefördert wird.

Diese Förderung nicht vorzunehmen, kommt verschenktem Potenzial gleich. Vor allem innerhalb der Firma suchen Führungskräfte viel zu selten nach Experten für die Digitalisierung, wohingegen kaum jemand auf die Akquise von Fachleuten von außerhalb verzichtet. Externe Digitalexperten werden von 86% der Unternehmen angeworben. Dass die Digitalisierung sich aber nur mit externen Experten meistern lässt, ist wohl ein Irrtum. Als Existenzgründer gilt es daher, von Anfang an Ausschau nach Mitarbeitern zu halten, die Erfahrungen im digitalen Bereich mit sich bringen, vielleicht sogar Programmierkenntnisse haben und die offen für Fortbildungen in diesen Bereichen sind.

Weiterhin dürfte auch eine Umstellung der Gründer selbst sich früh auszahlen – man denke nur an flexiblere Zeiten und Arbeitsorte, welche die Digitalisierung ermöglicht. Vor allem unter jüngeren Gründern lässt sich teilweise zumindest eine größere Offenheit beobachten. Zumindest betreiben die meisten von ihnen eine eigene Website und sind affin für diverse Maßnahmen der Digitalisierung, wie Social Media Präsenz, Suchmaschinenwerbung, Listings & Co. Um den Anschluss halten zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich mit den diversen Bereichen der Digitalisierung dennoch verstärkt auseinandergesetzt werden, damit diese bestenfalls von Anfang an umgesetzt werden können.

Einige dieser Bereiche stechen hervor, deren Potenziale und Herausforderungen für Existenzgründer im Folgenden ein wenig näher betrachtet werden sollen.
 

Die Selbststeuerung

Die Selbststeuerung ist wohl das Thema Nummer 1, wenn es um die Potenziale der Digitalisierung von Unternehmen in absehbarer Zukunft geht. Jeder Gründer sollte wissen, dass Produktionsprozesse sich immer häufiger effizient selbst steuern. So wissen intelligente Maschinen heute selbst, welche Technologien sie beherrschen und welche freien Kapazitäten ihnen zur Verfügung stehen. Auch die Materialien, mit denen in der Industrie 4.0 gearbeitet wird, sind inzwischen intelligent und wissen teilweise schon, welche Fertigungsoperationen sie benötigen. Systeme können sich somit einfach selbst sowie den Materialfluss steuern. Eine entsprechende Selbststeuerung findet sich auch in anderen Bereichen: Transportsysteme funktionieren fahrerlos, in der Landwirtschaft steuern sich Maschinen über eine Satellitenverbindung, Roboter nehmen in der Medizin präzise Eingriffe vor, zu denen Menschenhände nicht in der Lage sind. In einigen Unternehmen finden sich heute schon integrierte Automationslösungen, beispielsweise was Gebäude angeht, die etwa zu neuen Möglichkeiten in Bezug auf Energieeffizienz, Ergonomie und Komfort führen.

Prinzipien der Selbststeuerung als Effekt der Digitalisierung vor und während der eigenen Gründung auszumachen und zu fragen, welche Funktionen beispielsweise übernommen werden und welche etwa den Kunden überlassen werden können, dürfte eine der wichtigsten Aufgaben auf dem Weg in die zukünftige Selbstständigkeit sein. Denn die Entwicklung von Systemen, die sich selbst steuern und regulieren, führt zu neuen Prozessen und damit auch zu neuen, moderneren und effizienteren Geschäftsmodellen.
 

Die Digitalisierung der Verwaltung

Technologische Entwicklungen haben gerade in der Privatwirtschaft in den letzten Jahren zu enormen Innovationssprüngen geführt – man denke nur an die Blockchain-Technologie, Augmented- und Virtual Reality und einiges mehr. Nur eine Verwaltung 4.0, die sich diesen Entwicklungen und ihren Potenzialen stellt, kann auch die Rahmenbedingung für die Industrie 4.0 schaffen und Anschlussmöglichkeiten bilden.

Eine digitale Verwaltung ermöglicht:

  • neue und effizientere Formen des Führens von Registern

  • die genauere Bestimmung der Bedürfnisse der Kunden sowie der Mitarbeiter und dadurch den Aufbau zielgruppenspezifischer Angebote und letztlich die Möglichkeit, Ziele effektiver zu erreichen

  • eine präzisere Prognose der eigenen Auslastung und des Einsatzes von Kapital, Materialien und Ressourcen

  • die Vereinfachung diverser Prozesse und die Automatisierung von Schnittstellen

  • eine Entlastung des Personals von monotoner und repetitiver Arbeit.

Diverse Unternehmen haben sich inzwischen bereits genau auf den Bereich der Digitalisierung der Verwaltung spezialisiert und bieten etwa Software-Komponenten für die digitale Verwaltung, sprich E-Akten, an. Die elektronische Verwaltungsarbeit wird durch die von Experten angebotene Möglichkeit, Vorgangsbearbeitung, Fachverfahren und moderne Formen der elektronischen Zusammenarbeit einzubinden, zu einem entscheidenden Part der leistungsfähigen modernen Verwaltung.
 

Die Gründungsfinanzierung

Langwierige Finanzierungsrunden sind einer der Hauptgründe dafür, dass die meisten jungen Unternehmer und Existenzgründer heute scheitern, noch bevor sich die ersten kleinen Erfolge einstreichen lassen. Nicht selten liegt das an der Heterogenität der Qualität von Business- und Finanzplänen, die bei den diversen Kreditinstituten und Banken eingereicht werden. Ein Großteil der Kreditanträge – auch von ambitionierten Gründern – landet im Papierkorb, da durch einen Mangel an nachvollziehbaren und plausiblen Informationen kein entsprechendes Ranking des Start Up, bzw. Unternehmens erfolgen kann. Diese Tatsache führt dazu, dass der Kapitalbedarf für Gründer natürlich immer weiter wächst. Doch auch für Banken ergeben sich daraus diverse Probleme: Die Risikoeinschätzung ist (auch aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen) immer schwieriger zu treffen und der zeitliche Aufwand und die damit verbundenen Kosten sind vergleichsweise hoch, wenn es keinen Qualitätsstandard gibt. Die Schere zwischen Bedarf und Verfügbarkeit an Existenzgründungskrediten geht somit natürlich deutlich auseinander. Übliche Tipps, die Gründern bei der Ablehnung des Antrags gegeben werden, können helfen, tun sie aber häufig nicht. Die Digitalisierung allerdings bietet auch hier Potenziale zur deutlichen Verbesserung.

So mangelt es derzeit wie gesagt vor allem an einem standardisierten und einheitlichen Prozess. Ein solcher in digitaler Form und eine damit einhergehende Veränderung von Prozessen würde sowohl Gründern, als auch Banken und Beratern helfen. Mehr und bessere Plattformen müssen entstehen, die den Prozess der Gründung von der Entwicklung des Geschäftsmodells über den Businessplan bis hin zum Rating abbilden können. Arbeiten sich genügend Gründer und Banken sowie Berater und vielleicht auch Versicherungen in diese Plattform ein und nutzen sie diese, kann eine einheitliche und vollständige Kommunikations- und Informationsbasis für alle geschaffen werden. Denn das Rating erfasst nicht nur all die verfügbaren und für die Bewertung relevanten Informationen, es kann sie auch aufbereiten, bewerten und all den Partnern zugänglich machen. Für Existenzgründer dürfte das eine deutliche Erleichterung bedeuten.

Im Optimalfall steht am Ende eines erfolgreich durchlaufenen Prozesses ein bewerteter und verifizierter Businessplan und Gründer können sich den Stress rund um die Finanzierung sparen und haben Planungssicherheit, um sich stattdessen auf die Verbesserung ihrer Geschäftsidee konzentrieren zu können. Banken wiederum profitieren von der Prozessoptimierung und –automatisierung, die eine erhebliche Kostenreduktion und eine verbesserte Risikoeinschätzung bewirkt.

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