Selbstständig machen mit einem Computerhandel

EDV

Computer sind, in welcher konkreten Konfiguration auch immer, nicht mehr aus dem Lebensalltag und Geschäftsbereich wegzudenken. Sie helfen uns am Arbeitsplatz oder auch mobil dabei, Daten zu verarbeiten, zu speichern oder in Sekundenschnelle auf relevante Informationen zuzugreifen. Eine Existenzgründung mit dem eigenen Computerhandel sollte sorgfältig geplant werden.

Grundsätzliche Rahmenbedingungen für die Eröffnung eines Computerhandels

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland mit so genannten Desktop-PCs über 600 Millionen Euro umgesetzt, mit Notebooks waren es sogar knapp 3 Milliarden Euro. Insofern erscheint dieser Zielmarkt sehr lukrativ für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit. Wer sich in diesem Bereich mit einem Computerhandel selbstständig machen möchte, sollte aber die starke Konkurrenz von Beginn an auf dem Schirm haben, denn gerade im Internet sind viele Technikschnäppchen zu haben (ganz zu schweigen von den Sonderangeboten großer Handelsketten). Natürlich sind technische Fachkenntnisse ebenso unabdingbar wie gewisse Marktkenntnisse in Bezug auf die Preise und die möglichen Einkaufsoptionen für die zu verkaufenden Waren. In diesem Beitrag sollen alle relevanten Themenbereiche angesprochen werden, die für den Weg in die Selbstständigkeit mit einem Computerhandel erfolgskritisch erscheinen.
 

Computershop eröffnen? Nicht ohne einen professionellen Businessplan!

Am Anfang haben Gründer viele Ideen im Kopf, die aber mit Blick auf den geschäftlichen Erfolg geordnet und zielfokussiert ausgerichtet werden sollten. Der Businessplan ist der perfekte formale Rahmen hierfür. Alle Geschäftsbereiche werden ausgerichtet und die Finanzen für die ersten Geschäftsjahre buchstäblich durchgerechnet. Gerade bei der Eröffnung eines Computerhandels kann eine große Summe an Startkapital notwendig werden: Ein Ladenlokal muss ggf. umgebaut und gemietet werden und für den Einkauf der Waren geht der Gründer zunächst in Vorkasse, bevor der erste PC über den Tresen gegangen ist. Da Waren üblicherweise in großen Mengen verkauft werden (auch um bessere Preiskonditionen für sich zu nutzen), ist mit beträchtlichen Summen an anfänglich notwendigem Kapital zu rechnen. Hier kommen externe Geldgeber ins Spiel, für die der Businessplan sehr interessant und maximal aussagekräftig sein sollte.
 

Erfolg planen und darstellen: Was macht einen überzeugenden Businessplan aus?

Auf den ersten Blick muss dieser einen guten und überzeugenden Eindruck hinterlassen. Alle Angaben sollten in sich stimmig sein. In erster Linie bedeutet dies, dass die Geschäftsbereiche aufeinander abgestimmt sind. Von großer Bedeutung ist es, auf die Konsistenz der Planungen zu achten. Unklarheiten können auf strategische Fehlplanungen hinweisen und so dringend benötigte Geldgeber abschrecken, obwohl die Geschäftsidee an sich sehr gut sein kann. Es empfiehlt sich bei der Planung der Finanzen auch einen möglichen worst case zu behandeln, anstatt nur mit optimalen Wunschszenarien zu kalkulieren. Gründer können so demonstrieren, dass sie sich strategisch schon mit diversen Szenarien befasst haben. Überhaupt wird unternehmerische Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit ein entscheidender Faktor sein, um auf kurze Produktlebenszyklen und die immense Konkurrenz in dieser Branche stets die richtigen Antworten parat zu haben.
 

Praxistipp: Wer stehen bleibt, hat schon verloren…

Beim Businessplan handelt es sich um weitaus mehr, als nur eine einmalige, formale Pflichterfüllung. Wer ihn gewissenhaft ausarbeitet, kann ihn als Grundlage für das Controlling nutzen. Sind die gesetzten Ziele erreicht worden? Weichen die finanziellen Mittel von den Planungen ab? An welcher Stelle zeigen sich Schwachstellen, wo muss wie gegensteuert werden? Mit Blick auf die Praxis und nicht wenige gescheiterte Existenzgründungen empfiehlt es sich, den Businessplan anzupassen und ggf. die Ziele neu auszurichten, sodass stets die betriebliche Wirklichkeit wiedergespiegelt wird. Mögliche Geldgeber werden diese Anstrengungen sicher zu würdigen wissen.


Wer genau braucht was? Zielgruppe bestimmen und Leistungsspektrum dementsprechend ausrichten

Das Produktspektrum im Bereich der Computertechnik ist riesig. Neben Hardware und Software kommen auch mögliche Serviceleistungen wie Reparaturen oder Programmierungen in Betracht. Die Geschäftsausrichtung sollte von Anfang an möglichst klar sein. Wer ist die anvisierte Zielgruppe? Sollen es private oder geschäftliche Kunden sein? Welche Art von Nachfrage soll bedient werden? Im Idealfall ist eine Marktlücke für den definierten Aktionsradius zu finden, in die der eröffnete Computerhandel stoßen kann. Wer seine Zielgruppe und deren Bedürfnisse kennt, kann dementsprechend das Leistungsspektrum zielfokussiert anpassen. Auch preisliche und qualitative Fragen werden mit Blick auf diesen grundsätzlichen Aspekt der Geschäftsausrichtung beantwortet.
 

Einkauf und Preise sowie Konkurrenzsituation in Bezug auf einen Computerhandel

Das Leistungsspektrum steht, die Zielgruppe ist gefunden. Nun geht es daran, Lieferanten für die gewünschten Produkte zu finden. Hier wartet einiges an Arbeit und Verhandlungsgeschick auf Gründer, denn durch ihre immense Marktmacht sitzen große Lieferanten oft am längeren Hebel. Je kleiner der Computerhandel ist, desto schwieriger dürften die Verhandlungen und Kooperationen werden, denn Großhändler möchten natürlich ihrerseits große Mengen verkaufen. Hier wird schon das finanzielle Risiko deutlich, denn es ist nicht klar, ob die zu Beginn eingekaufte Ware tatsächlich schnell Abnehmer findet. In jedem Falle sollten sich Gründer eines Computerhandels mit diesem wichtigen Aspekt frühzeitig auseinandersetzen, denn mit den Lieferkonditionen steht und fällt der nachhaltige Geschäftserfolg. Durch die enorme Konkurrenz herrscht ein immenser Preisdruck. Letztlich soll der eröffnete Computerhandel ja angemessene Gewinnmargen abwerfen. Dazu müssen die Preise für den Selbstständigen und seine Kunden akzeptabel sein. Dies können sie nur, wenn mit einer klugen Einkaufs- und Preispolitik die richtigen betriebswirtschaftlichen Grundlagen gelegt werden.
 

Computerhandel eröffnen, aber wo und wie? Standort und Vertriebswege

Zu klären ist zu Beginn auch die grundsätzliche Frage, ob ein Ladenlokal oder ein Onlineshop für Computertechnik eröffnet werden soll. Je nach vorhandenen Ressourcen kommen ggf. auch beide Vertriebswege in Betracht, um eine breitere Umsatzbasis bzw. eine größere Zielgruppe anzuvisieren. Bei einem Ladenlokal ist eine umfangreiche Standortanalyse erforderlich, um entscheiden zu können, ob die Lage überhaupt vielversprechend ist. Bei einem Onlineshop geht es neben einem professionellen und vertrauenserweckenden Auftritt eher darum, sein Angebot wirksam zu präsentieren. Neben den Waren und attraktiven Preisen wird es vor allem darum gehen, die Homepage des Webshops mit gezielten Maßnahmen der Suchmaschinenoptimierung so weit wie möglich oben zu platzieren.
 

Aus Kundensicht unwiderstehlich! Mögliche Alleinstellungsmerkmale ausarbeiten

Die Konkurrenzsituation macht es aus Kundensicht unabdingbar, in Mehrwerten zu denken. Anders ausgedrückt:

  • Was macht den geplanten Computerhandel einzigartig?
  • Warum sollen Kunden gerade dort und nicht woanders kaufen?
  • Was bietet gerade dieser Computerhandel, was andere nicht bieten oder können?

Insofern kann die Beantwortung dieser Fragen dazu führen, eine Nische zu besetzen oder sich auf einen bestimmten Bereich zu fokussieren. Letztlich hängt diese Entscheidung natürlich auch von den eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten im Computerbereich zusammen. Möglich wäre es etwa, sich auf Reparaturdienstleistungen zu spezialisieren (dies kann auf dem Onlinewege auch deutschlandweit geschehen), Technik einer bestimmten Marke anzubieten oder aber gebrauchte Technik in einwandfreiem Zustand zu aus Kundensicht attraktiven Preisen anzubieten. Auch maximal kundenorientierte Serviceleistungen der individuellen Wunschkonfiguration eines PCs, Notebooks oder Tablets sind sicher eine strategische Überlegung wert.
 

Marketing und Werbung: Wie kann das Geschäft nachhaltig belebt werden?

Wer mit Computern Geld verdienen möchte, kommt alleine aufgrund der Affinität nicht an einem überzeugenden Webauftritt und zielführenden Maßnahmen des Onlinemarketings vorbei (Stichworte SEO und SEM: Search engine optimization und Search engine marketing). Ersteres bezeichnet Maßnahmen, die die Optimierung einer Webseite bzw. eines Webshops selbst betreffen. Anzustreben ist immer eine vordere Position bei Suchmaschinenanfragen, denn nur die ersten 5 Resultate finden in der Regel Beachtung. Einzigartige und keywordoptimierte Texte (Stichwort unique content) können hierzu einen effektiven Beitrag leisten.

Wer schnellere Resultate bzw. höhere Umsätze durch einen besseren Traffic erzielen will, sollte auf geschaltete Werbeanzeigen setzen (Stichwort Google Adwords). Diese können regional und mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe flexibel gestaltet werden, auch lässt sich der Erfolg von Werbekampagnen zahlenbasiert konkret nachvollziehen. Ein großer Vorteil dieser Art von Werbung ist, dass nur für einen tatsächlichen Klick bezahlt werden muss. Ferner handelt es sich um Werbung mit hoher thematischer Relevanz, denn der Suchende und möglicherweise kaufwillige Kunde bekommt genau das präsentiert, wonach er gerade sucht.
 

Formalitäten und was sonst noch zum geschäftlichen Alltag gehören wird

Vor der Eröffnung eines Geschäfts oder auch Onlineshops ist ein Gewerbe anzumelden. Im Zuge der Gewerbeanmeldung, für die keine besonderen Nachweise erforderlich sein sollten, muss das oben angesprochene Leistungsspektrum umfassend und exakt beschrieben werden (spätere Änderungen sind anzeigepflichtig!). Zu bedenken ist, dass im Alltag der Selbstständigkeit mit einem Computerhandel nicht nur das relevante Fachwissen, der Ein- und Verkauf sowie der Kundenkontakt im Vordergrund stehen werden. Wer sich mit einem Computerhandel selbstständig macht, muss auch täglich alle anstehenden Aufgaben eines kaufmännischen Geschäftsbetriebes erfüllen. Dazu gehören u.a.:

  • Buchhaltung und Rechnungswesen (inklusive Forderungsmanagement)
  • Mitarbeiterführung (sofern Mitarbeiter eingestellt werden)
  • Entwicklung und Durchführung von Werbeaktionen

Dringend zu beherzigender Praxistipp: Gerade die Buchhaltung sollte immer auf dem Laufenden gehalten werden, da sich sonst der Jahresabschluss unnötig verlängern kann oder im schlimmsten Falle sogar falsche Zahlen beim Finanzamt angegeben werden. Was die weiteren formalen Rahmenbedingungen angeht, so ist auch an eine Betriebshaftpflichtversicherung und die Rentenversicherung zu denken, da durch den Weg in die Selbstständigkeit die private Vorsorge unabdingbar erscheint. Mit der Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit öffnet sich auch der Weg in die private Krankenversicherung, dies unabhängig von der Höhe der erzielten Einkünfte.

Selbstständig machen mit einem Computerhandel: Kurzzusammenfassung für Gründungswillige

  1. Die Branche ist sehr umsatzstark, allerdings auch von viel Konkurrenz im stationären Handel und Onlinebereich geprägt => die strategisch kluge Geschäftsausrichtung mit einem Businessplan ist die Basis für nachhaltigen Erfolg
  2. Grundsatzentscheidungen der Geschäftsausrichtung treffen: Ladenlokal oder Onlinehandel? Wer ist die Zielgruppe? Welches Angebotsspektrum will diese nutzen? Privatkunden oder Geschäftskunden? Vertriebswege?
  3. Für einen möglichen Standort eines anvisierten Ladenlokals ist eine ganzheitliche Standortanalyse durchzuführen
  4. Preisstrategie und Gewinnmargen: frühzeitig Verhandlungen mit Großhändlern führen und möglichst diese vorteilhaft abschließen
  5. Rechtzeitig an alle notwendigen Formalitäten und (persönlichen) Ver-/Absicherungen denken: Gewerbeanmeldung, Betriebshaftpflichtversicherung, private Rentenvorsorge und Möglichkeit des Wechsels in die private Krankenversicherung prüfen
  6. Werbung/Marketing zur Umsatzerhöhung: durch die Affinität zum Internet in diesem Geschäftsbereich sollten im Marketingmix Instrumente aus den Bereichen SEO und SEM nicht fehlen.

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