Selbstständig machen als Mediengestalter

Kreativer Mediengestalter im Portrait

Gerade in der aufstrebenden ‚Kreativwirtschaft‘ gibt es viele und vor allem vielversprechende Optionen, um sich erfolgreich selbstständig zu machen. Eine davon soll in diesem Beitrag in ihren wesentlichen Grundzügen skizziert werden: Sich selbstständig machen als Mediengestalter eröffnet je nach Ausbildungshintergrund und Nachfrage viele Wege, um sich kreativ (selbst) zu verwirklichen. Genau dieser zentrale Wert ist es, der für viele Angestellte eine selbstständige Tätigkeit so attraktiv erscheinen lässt. Doch wer sein eigener Chef sein will, muss die gesamte Planung selbst übernehmen – und das von Anfang an. Insofern möchte dieser Beitrag praxisorientierte Hilfestellungen in den folgenden Themenbereichen leisten.
 

Existenzgründung als Mediengestalter: Themen für den auszuarbeitenden Businessplan

  • Grundlagen der strategischen Geschäftsausrichtung
  • Die Bedeutung von Standort und Zielgruppe
  • Die Wichtigkeit von Alleinstellungsmerkmalen
  • Marketing: Das Können muss sichtbar werden!
  • Voraussetzungen, um sich selbstständig als Mediengestalter zu machen
     

Strategischen Fokus ausrichten

Zu Beginn ist es von fundamentaler Wichtigkeit, die Geschäftsidee zu konkretisieren bzw. die richtigen strategischen Weichenstellungen vorzunehmen. Eine Internetrecherche zeigt schnell, dass die Konkurrenz ebenso groß wie die Nachfrage ist. Insofern gilt es, sein Können wirkungsvoll zu positionieren und sich so von der Konkurrenz abzuheben (mehr dazu später). In erster Linie ist eine Spezialisierung vorzunehmen, da der Beruf des Mediengestalters angesichts zahlreicher Medien und immer neuer Technologien viele Züge annehmen kann. Wer sich als Mediengestalter selbstständig machen möchte, hat in der Regel eine entsprechende Berufsausbildung absolviert. Generell ist es mit ausreichenden Erfahrungswerten in dieser Branche auch möglich, als Quereinsteiger den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu wagen. Insofern stehen auch angesichts der geringen formalen Einstiegshürden vielen interessierten Existenzgründern die Türen in diesem Bereich offen. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass bei selbstständigen Mediengestaltern vor allem diese Schwerpunkte häufig anzutreffen sind:

  • Visualisierung und Konzeptionierung
  • Technik und Gestaltung
  • Bild und Ton
  • Planung und Beratung

Dementsprechend kann das Leistungsspektrum eines selbstständigen Mediengestalters auch breit gefächert sein. Neben dem Können sollte es in erster Linie auf die anvisierte Zielgruppe abgestimmt werden. Dies erfordert es natürlich, direkt zu Beginn Klarheit über die Zielgruppe zu erlangen.
 

Mögliche Inhalte des Leistungsspektrums als selbstständiger Mediengestalter:

  • Webdesign (Homepageerstellung etc.)
  • Videoerstellung (für Werbezwecke)
  • Gestaltung von Printmedien (Flyer etc.)
  • Gestaltung von Werbung im TV oder Radio
     

Stillstand bedeutet Rückschritt

Schnelllebige Trends und immer neue technische Möglichkeiten führen dazu, dass Mediengestalter mit der Zeit gehen müssen und sich so ständig weiterbilden sollten. Kunden erwarten schlichtweg die modernsten Lösungen. Insofern ist als selbstständiger Mediengestalter auch strategische Flexibilität gefragt, um Trends zu erkennen und konsequent mit den Möglichkeiten und Chancen in dieser Branche zu gehen.
 

Strategischer Vorteil: Standortflexibilität

Viele Existenzgründer stehen am Anfang vor der schwierigen, aber überaus wichtigen Aufgabe, einen geeigneten Standort für die Realisierung der Geschäftsidee zu finden. Da Mediengestalter sich überwiegend digital präsentieren und auf selbigem Weg auch arbeiten und kommunizieren, spielt der Standort eine untergeordnete Rolle. Dieser müsste allenfalls mit Bedacht gewählt werden, falls eine größere Agentur mit repräsentativen Geschäftsräumen gegründet werden soll. An sich aber können die meisten selbstständigen Mediengestalter von zu Hause aus arbeiten, sofern ein ausreichendes Arbeitszimmer vorhanden ist. Die Investitionskosten halten sich in Grenzen, da neben einem PC und Internetanschluss in der Regel nur wenig Equipment angeschafft werden muss (man denke an spezielle Bild- oder Tonbearbeitungsprogramme oder leistungsstarke Drucker). Der wichtigste digitale Standort für selbstständige Mediengestalter wird eine Homepage sein, auf der sie ihr Können und das Leistungsspektrum reichweitenstark vermarkten. Wer über Google und Co. gut erreichbar ist, kann Kunden aus ganz Deutschland gewinnen, zumal die Kommunikation neben dem Telefon auch auf anderen Wegen funktionieren kann (Videokonferenzen etc.). Diese Standortflexibilität können selbstständige Mediengestalter bei ihrer Existenzgründung vor allem nutzen, um schnell zu starten. Mit einer langen Vorlaufzeit ist nicht zu rechnen, sofern Klarheit über die strategische Ausrichtung herrscht.
 

Die richtige Zielgruppe finden & Kooperationen ausloten

Der Erfolg steht und fällt wie bei jeder Selbstständigkeit mit der Auftragslage. Insofern gilt es, schon im Businessplan überzeugend darzulegen, wie welche Zielgruppe erreicht werden soll bzw. mit welchen Geschäftspartnern mehr oder weniger feste Kooperationen angestrebt werden sollen. In dieser Hinsicht ist auch eine grundlegende strategische Geschäftsentscheidung zu treffen: Soll sich das Angebot an private Endkunden oder an Geschäftskunden (B2B) richten? Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass sich mehr als 90 % aller selbstständigen Mediengestalter auf Geschäftskunden ausrichten, da in diesem Bereich eindeutig umfangreichere und profitablere Aufträge locken. Auch wenn es das Ziel der Selbstständigkeit als Mediengestalter ist, unabhängig zu sein, so können Kooperationen mit Marketingagenturen, Verlagen, Unternehmen und Werbeagenturen für eine konstant gute Auftragslage sorgen. Es wird seine Zeit brauchen, um sich einen Namen zu erarbeiten und so einen eigenen, tragfähigen Kundenstamm aufzubauen. Bei Kooperationen sollte allerdings Klarheit über die Gefahr der Scheinselbstständigkeit herrschen. Davon ist auszugehen, wenn selbstständige Mediengestalter weisungsgebunden arbeiten und somit fest in Strukturen von Auftraggebern eingebunden sind.
 

Alleinstellungsmerkmale sind wichtig für Geschäftserfolg

Wie eingangs erwähnt, ist der Bereich der Mediengestaltung sehr breit gefächert. Dementsprechend groß ist das Angebot für potenzielle Kunden. Insofern macht es Sinn, sich als Spezialist auf einen bestimmten Bereich bzw. eine bestimmte Zielgruppe zu fokussieren. In der Praxis ist es so, dass Spezialisten besser bei Kunden ankommen als solche Mediengestalter, die alles anbieten, aber nichts wirklich gut beherrschen. Insofern wird eine konstant gute Arbeitsqualität auch sehr wichtig für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung sein. Es gilt, schon im Businessplan zugkräftige Alleinstellungsmerkmale herauszustellen und diese Kunden schmackhaft zu machen. Warum dies so wichtig ist, können angehende Existenzgründer hier (https://www.selbststaendig.de/alleinstellungsmerkmal-darum-so-wichtig) nachlesen. Ein guter Service und exzellente Preise sind freilich nicht mehr als Alleinstellungsmerkmale zu sehen, denn dafür werden sie zu inflationär angeboten. Die Alleinstellungsmerkmale sollten sich vielmehr auf das Können als Mediengestalter beziehen und Kunden so neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Beispiel: Mit einer bestimmten Technik für das Webdesign lassen sich die Umsätze auf einer Homepage verbessern. Oder: Mit einer speziell gestalteten Art von Flyern lässt sich der Verkauf kostengünstig ankurbeln. Wer solche Mehrwerte für Kunden klar kommuniziert und in den Fokus stellt, sollte damit deutlich mehr Aufträge gewinnen können.
 

Marketing: Das Können muss sich sehen lassen!

Wer sich selbstständig als Mediengestalter machen möchte, wird sich überwiegend im Internet vermarkten. Dies sollte als Chance genutzt werden, um sein gestalterisches Können direkt unter Beweis zu stellen. Insofern sollte die Homepage genutzt werden, um erfolgreiche Projekte vorzustellen, sodass sich Kunden ein konkretes Bild machen können. Je konkreter und anschaulicher das Können dargestellt wird, desto wahrscheinlicher ist eine Kontaktaufnahme oder Angebotsanfrage. Zum Beispiel könnten gestaltete Flyer oder eigens produzierte Videos (Werbefilme) vorgestellt werden. Der Vorteil des Internets ist, dass alle Medien vorgestellt werden können, auch bewegte Bilder. Diese haben den Vorteil, dass sie die Aufmerksamkeit stärker auf sich ziehen und eine Aktivierung potenzieller Kunden wahrscheinlicher machen. Der Internetauftritt sollte insofern Lust auf das machen, was der Mediengestalter für ein Unternehmen/einen Kunden leisten kann.
 

Selbstständig machen als Mediengestalter: Formalitäten

Vor der offiziellen Aufnahme der Tätigkeit als selbstständiger Mediengestalter sind noch die formalen Rahmenbedingungen bzw. Voraussetzungen zu klären. Von zentraler Bedeutung in diesem Kontext ist die Frage, ob selbstständige Mediengestalter ein Gewerbe anmelden müssen oder aber als Freiberufler einzustufen sind? Letzteres hätte den Vorteil, dass kein Gewerbe angemeldet werden müsste und dementsprechend auch keine Gewerbesteuer abzuführen wäre. Auch die Buchhaltung würde sich deutlich vereinfachen, da im Rahmen der jährlich einzureichenden Steuererklärung im Wesentlichen schon eine einfache Einnahme-Überschussrechnung (EÜR) ausreichen würde. Generell lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten, da die Möglichkeiten mit Blick auf das Leistungsspektrum zu groß sind. Es gilt insofern, die persönlichen Voraussetzungen so früh wie möglich zu klären, um mehr Planungssicherheit zu erlangen.
 

Kriterien zur Abgrenzung: Gewerbe vs. Freier Beruf

Wer den Status der Freiberuflichkeit erlangen möchte, sollte in der Regel über einen relevanten Hochschulabschluss verfügen, der eine erforderliche ‚Schöpfungshöhe‘ formal legitimiert. Hinzu kommt, dass es sich bei den angebotenen Dienstleistungen nicht um Massenprodukte, sondern individuelle Schöpfungen handelt, die auf einem speziellen Fachwissen basieren und selbst erbracht werden. Wer diese zentralen Kriterien erfüllt, kann als selbstständiger Mediengestalter durchaus als Freiberufler anerkannt werden. In allen anderen Fällen, vor allem bei einer Unternehmensgründung mit Angestellten, wird eine Gewerbeanmeldung unumgänglich sein. Insgesamt aber zeigt ein Blick auf die aktuelle Rechtsprechung, dass die Grenzen zwischen Gewerbe und Freien Berufen zum Teil fließend sind und Behörden so gewisse Entscheidungsspielräume nutzen können. Insofern kann es keine Garantie geben, als selbständiger Mediengestalter mit Sicherheit den Status der Freiberuflichkeit zu erlangen. Im Zuge der Gewerbeanmeldung muss ohnehin das angebotene Leistungsspektrum genau dargeboten werden. Aus diesen Schilderungen geht meistens hervor, ob bzw. dass eine Gewerbeanmeldung nötig ist. Im Zweifelsfall kann ein persönliches Beratungsgespräch im Gewerbe- oder auch Finanzamt mehr Sicherheit schaffen.
 

Versicherungen als selbstständiger Mediengestalter?

Wie bei jedem Gang in die berufliche Selbstständigkeit sollten Mediengestalter direkt zu Beginn an die private Altersvorsorge denken. Dies ist vor allem dann geboten, wenn die Selbstständigkeit nicht nur zeitlich begrenzt, sondern für ‚immer‘ gedacht ist. Eine Betriebshaftpflichtversicherung, oder je nach Tätigkeitsart auch eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ist dringend zu empfehlen. Diese springt für finanzielle Forderungen ein, die durch Fehler bei der Arbeit als Mediengestalter entstehen können.
 

Auf einen Blick: Zusammenfassung für die Existenzgründung als Mediengestalter

  1.  Angesichts der großen Konkurrenz und der großen Nachfrage erscheint eine Spezialisierung mit zugkräftigen Alleinstellungsmerkmalen als notwendig
  2. Vorteil Standortflexibilität: Existenzgründer sind aufgrund des digitalen Charakters dieser Berufsbildes nicht auf einen bestimmten Standort festgelegt, sodass die Geschäftsidee zeitnah umgesetzt werden kann
  3. Entsprechend klug, funktional und reichweitenstark sollte das Internetmarketing mit einer Homepage sein: Hier müssen selbstständige Mediengestalter ihr Können sichtbar unter Beweis stellen
  4. Strategische Grundsatzentscheidung bezüglich der Zielgruppe: Fokus auf Privat- oder Geschäftskunden (B2B)?
  5. Um sich vor finanziellen Risiken (aufgrund von Fehlern bei der Arbeit) zu schützen, sollte eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen werden
  6. Ob eine Gewerbeanmeldung als selbstständiger Mediengestalter nötig ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Unter den skizzierten Bedingungen kommt auch eine Einstufung als Freiberufler in Betracht.

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