Selbstständig machen mit einer Fahrschule

Auto Heckansicht mit Schriftzug Fahrschule

Endlich ‚freie Fahrt‘ für die berufliche Selbstständigkeit! Wer eine Fahrschule eröffnen möchte, kann dieses Motto wörtlich nehmen und mit der Selbstständigkeit eine völlig neue ErFAHRung sammeln, die im Gegensatz zu einem Angestelltenverhältnis durch ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit geprägt ist. Doch welche Rahmenbedingungen und strategischen Faktoren sind zu beachten, damit der Geschäftsbetrieb Fahrt aufnehmen kann?

Dieser Beitrag möchte in kompakter Form nützliche Hilfestellungen leisten, damit das geschäftliche Navigationsgerät von Beginn an mit dem Ziel ‚erfolgreich selbstständig machen mit einer Fahrschule‘ programmiert werden kann. In jedem Falle erfordert der Beruf des Fahrlehrers eine gewisse Geduld und die Fähigkeit, sich mehrmals am Tag auf unterschiedliche Charaktere einzulassen, was freilich für den Theorie- und den Praxisunterricht gilt.

Fahrschule eröffnen: kompakter Ratgeber für Existenzgründer mit diesen Themen

  • eine nachhaltige Option? Rahmenbedingungen und Prognosen für die Zukunft
  • der Standort einer Fahrschule als zentraler Erfolgsfaktor
  • ganzheitliche Geschäftsausrichtung mit einem Businessplan
  • Wahl einer Rechtsform als Rahmenbedingung
  • Formalitäten und Voraussetzungen für die Eröffnung einer Fahrschule
  • eine besondere ErFAHRung: Hinweise zur Vermarktung
     

Rahmenbedingungen prüfen und unternehmerische Konsequenzen ableiten

Vor kurzem berichtete die renommierte Zeitschrift "Welt", dass Deutschland einem großen Fahrschul-Sterben bevorstehen würde. Der Grund hierfür wird im demografischen Wandel gesehen, denn es wird in naher Zukunft immer weniger 17-Jährige geben, die ihren Führerschein machen werden (und damit ist die wohl wichtigste Zielgruppe direkt benannt). Waren es 2005 noch über 1 Million 17-Jährige, so werden es 2025 nur noch etwa 700.000 sein. Auf lange Sicht gesehen wird der derzeitige Geburtenboom aber diese Entwicklung wieder korrigieren können. Ein Blick auf den Markt bzw. die wirtschaftliche Realität zeigt, dass die Zahl der Fahrschulen in den letzten Jahren gesunken ist. Aktuell gibt es in Deutschland rund 11.500 Fahrschulen. Experten gehen davon aus, dass es 2030 nur noch um die 10.000 sein werden. Abgesehen von dieser Entwicklung sollte noch berücksichtigt werden, dass das Auto heute nicht mehr DAS Statussymbol ist. Insofern geben viele Jugendliche Geld für andere Dinge aus, der Führerschein hat nicht mehr unbedingt Priorität, sofern er nicht für die berufliche Planung notwendig ist. Insofern ist fraglich, ob das volle Potenzial aus der möglichen Zielgruppe ausgeschöpft werden kann. Mit Sicherheit ist diese Frage auch konkret für den gewählten Standort zu beantworten.

Zwischenfazit:

Natürlich können Gründungswillige sich erfolgreich mit einer Fahrschule selbstständig machen, aber angesichts der skizzierten Rahmenbedingungen und der mitunter großen Konkurrenz ist eine sorgfältige Planung alternativlos. In Städten und Ballungsgebieten ist die Dichte an Fahrschulen sehr groß, sodass das eigene Angebot ggf. strategisch sehr geschickt platziert werden muss.


Praxistipp zur Zielgruppe: Wer hat eigentlich die Hände am finanziellen Steuer?

Die klassische Zielgruppe sind Jugendliche, die mobil werden wollen und/oder ihren Führerschein für die beruflichen Pläne brauchen. Aber nur in den wenigsten Fällen bezahlen Jugendliche den Führschein aus eigener Tasche. Insofern sind die Eltern bei allen Marketingmaßnahmen und dem gesamten Auftritt der Fahrschule als letztlich entscheidende finanzielle Kraft nie außer Acht zu lassen.
 

Erfolgsfaktor Standort: Gründer sollten sich hiermit keinesfalls ausbremsen

Wer eine Fahrschule eröffnen will, sollte im definierten Aktionsradius die örtliche Konkurrenz genau analysieren, um eine Marktlücke zu finden. Im ländlichen Raum ist die Konkurrenzsituation entspannter, allerdings kann hier die fehlende Nachfrage für eine zu geringe Auslastung sorgen. Insofern sollten Gründer bei der Wahl von Standorten und Geschäftsräumen sehr bedacht und möglichst zahlenbasiert vorgehen: Wie viele potenzielle Kunden gibt es im Einzugsgebiete (=> Altersstruktur)? Wie viel direkte Konkurrenz gibt es im Umkreis von x Kilometern? Gibt es Leistungen, die in anderen Fahrschulen nicht angeboten werden (=> Angebotslücke wie Führerschein für Motorräder oder LKWs)? Da der Standort von großer Bedeutung ist, kann eine externe Beratung gerade für unerfahrene Gründer sinnvoll sein. Der Standort ist auch aus einem ganz praktischen Grund relevant, denn für Überlandfahrten etc. sollten Autobahnen und Landstraßen in der näheren Umgebung sein, da eine Fahrstunde in der Regel auf 45 Minuten begrenzt ist.
 

Gas geben mit dem Businessplan: die Finanzen müssen stimmen

Der Businessplan ist der richtige Ort, um neben dem Standort alle weiteren Faktoren des Geschäftsmodells ganzheitlich zu planen. Vor allem der Finanzplanung kommt eine erfolgskritische Rolle zu, denn die meisten Gründer scheitern erfahrungsgemäß an diesem Aspekt. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Fahrschulen als teuer, da pro Fahrstunde hohe Gebühren fällig werden, ganz zu schweigen von den vorgesehenen Prüfungsgebühren. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich das Konto eines selbstständigen Fahrschullehrers ganz automatisch füllt, denn die Kosten für Versicherungen, Fahrzeuge und Personal sind nicht zu unterschätzen. Zu bedenken ist, dass alleine der Bürobetrieb rund um die Anmeldung und den Theorieunterricht einen großen Aufwand darstellt. Hinzu kommen die Kosten für die Fahrzeuge selbst und Ausgaben für die Instandhaltung. Insofern muss der finanzielle Bedarf exakt benannt werden. Wer externe Geldgeber wie Banken überzeugen will, muss im Businessplan die Chancen der Fahrschule auf den Punkt bringen. Warum sollten Kunden gerade diese Fahrschule wählen, wenn im Umkreis x andere vorhanden sind? Generell haben es Gründer einfacher, die sie eine gewisse Decke an Eigenkapital mitbringen, da diese als Sicherheit gewertet werden kann.
 

Rahmenbedingung für die Fahrschule: Wahl einer Rechtsform

Hierbei handelt es sich um eine Grundsatzentscheidung, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Haftungsverhältnisse und die Finanzierungsmöglichkeiten hat. Insofern sollte ggf. eine Expertenberatung hinzugezogen werden. Hier auf selbststaendig.de finden Gründer kompakte Informationen zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen aller gängigen Rechtsformen. Letztlich entscheidet auch das vorhandene Kapital über die Auswahlmöglichkeiten: Wer mit einer GmbH die Haftung auf das eingebrachte Stammkapital begrenzen möchte, muss eine Mindestsumme von 25.000 Euro einbringen. Wer als Einzelunternehmer firmiert, muss kein Kapital vorweisen können. Allerdings steigt so auch das finanzielle Risiko, denn im Falle des Scheiterns haften Gründer auch mit ihrem gesamten Privatvermögen.
 

Formales und Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Fahrlehrer

Grundsätzlich braucht jeder, der sich mit einer Fahrschule selbstständig machen möchte, eine so genannte Fahrschulerlaubnis (auch Fahrlehrerschein genannt). Generell ist eine Berufserfahrung von mindestens 2 Jahren vorzuweisen. Hierfür ist eine Weiterbildung im Bereich der Fahrschulbetriebswirtschaft nötig. Seminare hierzu werden in ganz Deutschland angeboten, eine kurze Internetrecherche erlaubt einen aussagekräftigen Überblick. Vorgesehen sind mindestens 70 Unterrichtsstunden. Die relevante rechtliche Grundlage für angehende selbstständige Fahrlehrer ist Paragraf 11 des Gesetzes über das Fahrlehrerwesen. Darin steht, dass Fahrlehrer u.a. folgende Voraussetzungen zu erfüllen haben:

  • Mindestalter 25 Jahre
  • es dürfen keine Tatsachen vorliegen, die Zweifel an der Erfüllung der Pflichten aufkommen lassen
  • natürlich muss eine Fahrerlaubnis für die Klasse vorliegen, die unterrichtet werden soll
  • 2-jährige Berufserfahrung im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses
  • Lehrmittel und Unterrichträume müssen vorhanden sein

Ein wichtiger formaler Schritt für die Eröffnung einer Fahrschule ist die Gewerbeanmeldung. Zudem ist es notwendig, eine Erlaubnis zu erwirken. Diese wird in der Regel von der obersten Landesbehörde erteilt. Gründer sollten sich frühzeitig informieren, wer für sie in der Region der richtige Ansprechpartner ist. Auch hier kann eine Internetrecherche schnell ans Ziel führen.
 

Übersicht als Checkliste: einzureichende Unterlagen für die behördliche Erlaubnis

  • Nachweis für die Berufserfahrung als Fahrlehrer
  • beglaubigte Kopie des Fahrlehrerscheins
  • Erklärung zur Erteilung der Fahrschulerlaubnis
  • Nachweis über den absolvierten fahrschulbetriebswirtschaftlichen Lehrgang
  • Pläne für Unterrichtsräume (maßstabsgetreu) und Angaben zu Lehrmitteln
  • Aufstellung über die Fahrzeuge

Die Unterrichtsräume müssen vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit durch die zuständige Behörde (z.B. Gewerbeaufsicht) abgenommen werden.
 

Fahrzeugflotte, notwendige Versicherungen und Preisgestaltung als unternehmerische Freiheit

In der Regel werden Autos für Fahrschulen geleast, was die anfänglichen Investitionskosten minimiert und insgesamt mehr Flexibilität erlaubt. Einige Autohersteller oder große Autohäuser bieten ein spezielles Angebot für Fahrschulen an, das ggf. frühzeitig geprüft werden sollte. Auf diese Weise herrscht für den Businessplan Klarheit darüber, welche konkreten Kosten über welchen Zeitraum entstehen. Ein umfassender Versicherungsschutz ist nötig, um die finanziellen Risiken in Grenzen zu halten. So aufmerksam ein Fahrlehrer auch sein mag, Unfälle lassen sich nie ausschließen. Neben einer unerlässlichen Betriebshaftpflichtversicherung sind weitere Versicherungen zu prüfen. Zu denken ist etwa an eine Fahrschüler-Unfallversicherung, mit der auch geworben werden kann. Der Versicherungsschutz muss explizit auf die Eigenarten des Fahrschulbetriebs zugeschnitten werden, sodass eine professionelle und möglichst unabhängige Beratung sinnvoll erscheint.

Was die Preisgestaltung für die Fahrstunden angeht, so können Gründer eine gewisse unternehmerische Freiheit genießen. Untersuchungen zeigen, dass der Führerschein in derselben Stadt von Fahrschule zu Fahrschule mehrere hundert Euro teurer sein kann. Insofern sollte das Ortsübliche als Maßstab immer herangezogen werden, denn angesichts der Konkurrenz und großen Auswahl werden Kunden mit Sicherheit die Preise vergleichen. Höhere Preise müssen sich durch einen besonderen Service oder spezifische Alleinstellungsmerkmale begründen lassen.
 

Attraktivitätserhöhende Vermarktung: Warum sollen Kunden gerade auf diese Fahrschule ‚abfahren‘?

Theorieprüfung, Fahrstunden und praktische Prüfung: Ist nicht jede Fahrschule gleich? Das mag man denken und viele preisorientierte Kunden werden das genauso sehen. Insofern sollte ein gewisses strategisches Überraschungsmoment genutzt werden, um das eigene Angebot anzupreisen. Zu denken ist an kundenfreundliche Zeiten für den Theorieunterricht (mehrmals die Woche) und an interaktive Lehrmethoden, die die trockene Materie erträglicher machen. Darüber hinaus können einladende Unterrichtsräume den Unterschied ausmachen. Kaffee und kleine Snacks können das Lernen angenehmer werden lassen. Zudem können auch die Lehrfahrzeuge eine Rolle mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe spielen. Eventuell besteht auch die Möglichkeit, ein Fahrzeugmodell zu wählen (ggf. gegen Aufpreis). Kleine Geschenke für eine bestandene Prüfung hinterlassen nicht nur einen persönlichen Eindruck, sondern auch eine potenzielle Werbebotschaft in Form einer persönlichen Empfehlung. Neben einer übersichtlichen Webseite können Aktivitäten auf Facebook und Co. einen authentischen Einblick in die Fahrschule vermitteln und so Interessenten anlocken.
 

Selbstständig machen als Fahrlehrer: alles Wichtige in der kompakten Zusammenfassung

  1. Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Geschäftsausrichtung ganzheitlich prüfen
  2. Der Faktor ‚Standort‘ spielt für eine Fahrschule eine erfolgskritische Rolle
  3. Mit einem professionell ausgearbeiteten Businessplan kann die Fahrschule Fahrt aufnehmen und externe Geldgeber idealerweise mit ins Boot holen
  4. Vor der Eröffnung einer Fahrschule ist eine Erlaubnis erforderlich und eine Gewerbeanmeldung muss vorgenommen werden. Rechtliche Details regelt § 11 des Gesetzes über das Fahrlehrerwesen
  5. Die Preisgestaltung eröffnet Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber der Konkurrenz. Aber Vorsicht: der kostenbewusste Kunde von heute vergleicht Preise und Konditionen!
  6. Das Risiko fährt immer mit: Ein umfassender sowie in der Höhe ausreichender Versicherungsschutz ist alternativlos, um mögliche finanzielle Risiken zu minimieren
  7. Vermarktung mit Alleinstellungsmerkmalen: Welche besonderen (Service)leistungen macht die Fahrschule aus Kundensicht attraktiv?

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