Selbstständig machen als Reitlehrer

Für viele Menschen ist es ein großer Traum, ihre Liebe zu Pferden zum Beruf zu machen. Wer ein Pferd oder mehrere besitzt sowie eine Stallung und ein funktionales Trainingsgelände nutzen kann, sollte die berufliche Option der Selbstständigkeit als Reitlehrer prüfen. Es versteht sich von selbst, dass entsprechende Fachkenntnisse vorhanden sein sollten, um einen professionellen Reitunterricht geben zu können. Ganz in diesem Sinne sollen im folgenden Beitrag praxisorientiert zentrale Faktoren und Entscheidungen fokussiert werden, die einen aussagekräftigen Überblick ermöglichen. Bei aller Euphorie und Vorfreude, aus seiner Leidenschaft einen Beruf machen zu können, gilt es von Beginn an, ganzheitlich zu denken, denn natürlich soll am Ende des Monats auch ein Betrag auf dem Konto vorhanden sein, der als Lebensgrundlage taugt.
 

Generelle berufliche Optionen für den Einstieg in die Selbstständigkeit prüfen

Grundsätzlich sollten die Startvoraussetzungen geklärt werden: Idealerweise besitzen Interessenten ein oder mehrere Pferde. In den wenigsten Fällen wird eine ganze Stallung samt Trainingsareal im eigenen Besitz sein, sodass monatlich hohe Fixkosten entstehen. Insider wissen aber ohnehin, dass der Reitsport kostenintensiv ist: Man denke an die Miete für die Stallung, das Pferdefutter, Kosten für die tierärztliche Versorgung etc. Wer sich also selbstständig machen will, darf diese vorhandenen Kosten niemals außer Acht lassen, wobei eine reine Kostendeckung natürlich nicht ausreicht, um attraktive Gewinne zu erzielen. Sodann ist zu prüfen, ob am Standort eine Reitlehrertätigkeit überhaupt möglich ist: Wird eine Erlaubnis erteilt? Sind gute Trainingsmöglichkeiten gegeben? Wann bzw. wie oft sind diese nutzbar? In jedem Falle sollte das persönliche Gespräch mit dem Eigentümer gesucht werden. Wer einen Pferdehof sein Eigen nennt, kann sich diese Vorüberlegungen freilich sparen, wobei das Trainingsareal für potenzielle Reitschüler schon ansprechend sein sollte. Wer die Möglichkeit hat, neben dem Hauptberuf in die Selbstständigkeit als Reitlehrer einzusteigen, sollte dies tun. Erfahrungsgemäß sind die ersten 2 Jahre eigentlich bei jeder Existenzgründung schwierig. Wer nach der Arbeit Reitunterricht gibt, kann Erfahrungen sammeln und sich einen Kundenstamm aufbauen, wobei die Einnahmen jeden Monat gesichert sind (je nach Umfang der Tätigkeit sollte der Arbeitgeber informiert werden). Die nebenberuflichen Einkünfte sind bei der Steuererklärung anzugeben, wobei eine Pauschale von ca. 2000 Euro aktuell steuerfrei ist. Während des nebenberuflichen Einstiegs kann die Zukunft jeden Tag Schritt für Schritt geplant werden. Zeichnet sich irgendwann ab, dass man von seiner Arbeit leben kann, so kann der Hauptjob gekündigt werden. Vielen reicht es aber auch, mit ihrem Hobby nebenberuflich etwas Geld hinzuzuverdienen. Hier kommt es auf die persönliche Prioritätensetzung an.
 

Eine Haftpflichtversicherung für selbstständige Reitlehrer ist ein absolutes Muss

Auch wenn man es nicht möchte, so sollte Klarheit darüber herrschen, dass Unfälle nicht ausschließen sind, auch wenn noch so gewissenhaft agiert wird. Vor dem Start in die Selbstständigkeit und auch im Rahmen einer nebenberuflichen Tätigkeit ist eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung dringend zu empfehlen. Sie kommt für etwaige Schäden auf, falls sich ein Unfall ereignet. Hieraus können schnell sehr hohe Forderungen entstehen, die nicht selten existenzbedrohenden sind. An einer entsprechend hohen Deckungssumme sollte daher nie gespart werden! Zwar entstehen so jeden Monat zusätzliche Kosten, sie halten sich aber in Grenzen und liefern ein im Grunde unbezahlbares Gefühl von wünschenswerter Sicherheit.
 

Formale Schritte in die Selbstständigkeit als Reitlehrer

Generell handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit, da ja im Sinne des Gesetzes eine schöpferische Lehrtätigkeit ausgeübt wird. Bei der Anmeldung beim Finanzamt sollte es hier keine Schwierigkeiten geben, sofern auf entsprechende Qualifikationen hingewiesen wird. Hierbei kann es sich um eine Ausbildung zum Reitlehrer handeln. Was die eigentliche Berufsausübung angeht, so ist eine solche Qualifikation nicht zwingend vorgeschrieben. Viele erfolgreiche Pferdesportler geben Unterricht, ohne eine Ausbildung absolviert zu haben. Nötig ist allerdings eine kostenpflichtige Trainerlizenz, wobei im Pferdesport zwischen A, B und C unterschieden wird. Eine C Lizenz befähigt dazu, Anfänger zu trainieren, eine B Lizenz zielt auf Fortgeschrittene ab usw. Die Kosten belaufen sich auf etwa 150 Euro im Jahr, nähere Informationen hierzu erteilt die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Letztlich sind es vor allem die Erfahrungswerte und das Fachwissen, die jemanden für diesen Beruf qualifizieren. Letztlich sollte man aber auch bedenken, dass viele Kunden einen Nachweis sehen wollen. Man denke hier insbesondere an besorgte Eltern, die ihren Nachwuchs vertrauensvoll in die Hände eines erfahrenen Profis geben.

Jedenfalls entfällt durch die freiberufliche Tätigkeit der Zwang zur Gewerbeanmeldung. Es entstehen somit keine weiteren Kosten, auch die Buchhaltung hält sich stark in Grenzen. Im Wesentlichen reicht es schon, am Ende des Geschäftsjahres in der Steuererklärung eine Einnahme-Überschussrechnung zu vollziehen. Egal, ob nebenberufliche oder hauptberuflich selbstständige Einnahmen erzielt werden, diese sind einkommenssteuerpflichtig. Wer zu Beginn nur mit geringen Einnahmen rechnet, kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, wodurch keine Umsatzsteuer auszuweisen bzw. an das Finanzamt abzuführen ist. Selbstständige Reitlehrer müssen ihre Krankenversicherung selber zahlen, wobei die private Krankenversicherung unabhängig von der Höhe der Einkünfte als Option offensteht. Die Kosten liegen meistens nicht über denen der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung, deren Höchstsatz bei guten Einnahmen aktuell bei ca. 650 Euro im Monat liegt. Zu prüfen ist diese Option allemal. Grundsätzlich gilt: Die Form der Krankenversicherung kann im Falle der Selbstständigkeit beibehalten werden, wobei in beiden Formen der Arbeitgeberzuschuss entfällt, sofern vorher ein Beschäftigungsverhältnis vorlag. Es liegt in der Natur der Sache, dass Selbstständige bzw. Freiberufler ihre Kosten selber in voller Höhe tragen müssen. Wer einen Reiterhof mit Pferden und Stallungen sein Eigen nennt, kann das Ganze natürlich größer aufziehen und eine Rechtsform für sein Geschäft gründen. Hier empfiehlt sich neben der Ausarbeitung eines detaillierten Businessplanes auch die Inanspruchnahme eines Steuerberaters, um von Beginn an alle Weichen auf nachhaltigen Erfolg zu stellen. Auch für diese berufliche Option gelten die hier gemachten Überlegungen, wobei aber natürlich die Fixkosten erheblich höher sind!
 

Jede Hürde im Galopp nehmen: zu bedenkende Aspekte im Vorfeld der Existenzgründung als Reitlehrer

Prinzipiell ist diese Tätigkeit von gewissen saisonalen Schwankungen geprägt, sodass im Winter weniger trainiert wird als im Winter, da hier aufgrund von Schnee oftmals nur in der Halle geritten werden kann. Daher gilt, dass in den 9 Monaten mehr verdient werden sollte als in den Wintermonaten. Was die Preise für Reitstunden angeht, so sollte eine Orientierung am markt- und ortüblichen erfolgen. Je nach Bekanntheit und Qualifikation des Reitlehrers lassen sich ggf. auch höhere Honorare rechtfertigen. Eine weitere Rolle diesbezüglich spielt das Trainingsareal mit seinen Möglichkeiten. Zudem ist zu bedenken, welche Leistungen überhaupt angeboten werden und ob eine Fokussierung z.B. auf Dressur Sinn macht? Sollen nur Reitstunden gegeben werden oder auch Ausritte je nach Umgebung? Natürlich gilt es, Werbung in eigener Sache zu machen. Eine keywordoptimierte Homepage und Werbung in lokalen Zeitungen oder an Schulen sind eine gute Möglichkeit, um potenzielle Schüler zu finden. Nach einer gewissen Zeit wird der Kundenstamm erfahrungsgemäß durch Mund-zu-Mund Propaganda von alleine wachsen. Im Sinne der saisonalen Abhängigkeit können auch Aktion wie Ferienkurse o.ä. dazu genutzt werden, das Geschäft anzukurbeln. Hier sind der unternehmerischen Freiheit keine Grenzen gesetzt. Bei aller Tierliebe und Leidenschaft für die Arbeit sollten selbstständige Reitlehrer aber auch immer betriebswirtschaftlich denken und handeln: Bei der Kalkulation von Honoraren sind Fixkosten zu würdigen, die für die Tiere und deren Unterhalt anfallen. Kampfpreise sind der falsche Weg, um Schüler zu gewinnen. Letztlich wissen alle Beteiligten, dass es sich um ein teures Hobby handelt. Insofern sind Eltern oder Schüler meistens bereit, für ihre Leidenschaft auch tiefer in die Tasche zu greifen, sofern das Angebot stimmt!
 

Zusammenfassung zum Thema ‚selbstständig machen als Reitlehrer‘

Dieses Berufsbild bietet sehr gute Chancen, um aus seiner Leidenschaft eine tragfähige berufliche Lebensgrundlage zu machen. Vor allem der nebenberufliche Einstieg bietet die Chance, Risiken zu minimieren und sein Geschäft bei sicherem Einkommen behutsam aufzubauen. In jedem Falle sind eine Trainerlizenz und eine Haftpflichtversicherung essentielle Grundsteine für eine professionelle Berufsausübung. Eine Haftpflichtversicherung schützt vor unkalkulierbaren Risiken, die sich nie ausschließen lassen und im Extremfall zur Existenzbedrohung werden können. Insgesamt ist der Pferdesport recht kostenintensiv. Vor allem der feste Kostenblock für Futter, die Stallung, die tierärztliche Versorgung etc. sind immer im Auge zu behalten. Beruflicher Erfolg ist dann erst gegeben, wenn die Einnahmen die Kosten so weit übersteigen, dass ein attraktiver Gewinn bzw. Lohn übrig bleibt. Naturgemäß zählen auch die Krankenversicherung sowie die private Altersvorsorge zu den fixen Kostenfaktoren der Selbstständigkeit.


Ratgebender Überblick für die Selbstständigkeit als Reitlehrer

  • generell empfiehlt sich die Option des nebenberuflichen Einstiegs
  • in aller Regel wird eine freiberufliche Tätigkeit anerkannt, sodass kein Gewerbeschein erforderlich ist
  • für die Berufsausbildung sind eine Trainerlizenz (A, B oder C) sowie eine Haftpflichtversicherung mit hoher Deckungssumme erforderlich
  • saisonale Schwankungen in Bezug auf die Einnahmesituation sind zu kalkulieren (ggf. sollten in guten Monaten Rücklagen gebildet werden)
  • Marketing in eigener Sache mit einer optimierten Homepage oder in regionalen Medien, um den Kundenstamm konsequent zu erweitern
  • strategischer Fokus: Welche Art von Unterricht soll angeboten werden? Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Was lassen die vorhandenen Pferde und Trainingsmöglichkeiten konkret zu?

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