Selbstständig machen als Übersetzer

Übersetzer

Wer eine Fremdsprache perfekt beherrscht, erlernt oder studiert hat, möchte sich eventuell als Übersetzer selbstständig machen, um in Eigenregie bzw. auf eigene Rechnung und ohne Vorgaben arbeiten zu können. Doch welche Voraussetzungen sind dazu zu erfüllen? An welche Aspekte der strategischen Ausrichtung ist zu denken? Wie stehen die (finanziellen) Erfolgsaussichten? Diese und weitere Fragen sollten im folgenden Beitrag praxisorientiert geklärt werden.
 

Die Aufgabenbereiche von Übersetzern sind breit gefächert

Die Themen und Auftraggeber können sehr vielfältig sein, sodass es angesichts der recht großen Konkurrenz Sinn machen kann, sich (je nach Qualifikationshintergrund) auf eine Nische zu spezialisieren. Aufträge können selbstständige Übersetzer typischerweise von Behörden oder Unternehmen erhalten, aber auch bei Privatpersonen ist durchaus Bedarf für Übersetzungsdienstleistungen vorhanden. Das mögliche Arbeitsspektrum kann also sehr breit gefächert sein, sodass der sorgfältigen Planung eine Schlüsselrolle zukommt. Wer sich als Einzelkämpfer selbstständig machen möchte, sollte die große Konkurrenz von Übersetzungsbüros im Hinterkopf haben. Diese können Kunden geringere Preise anbieten, da sie größere Auftragsvolumina erledigen. Was die Preisgestaltung angeht, so kommt es letztlich auf die Qualität bzw. den eigenen Qualifikationshintergrund an. In der Regel gilt, dass sich für spezifische Themenbereiche höhere Honorare durchsetzen lassen. Man denke hier etwa an technisches Vokabular im Zuge der Übersetzung von Anleitungen etc. Zumeist wird aus einer Fremdsprache in die Muttersprache übersetzt, um die sprachlichen Nuancen so gut wie möglich zu transportieren. In der Branche werden in den meisten Fällen explizit Muttersprachler verlangt, da ihre Sprachkompetenz als höher erachtet wird.
 

Existenzgründung: Formale Aspekte zur Selbstständigkeit als Übersetzer

Zu bedenken ist, dass in Deutschland das Berufsbild des Übersetzers nicht geschützt ist, sodass theoretisch jeder diese Bezeichnung tragen darf. Dies weist schon darauf hin, wie groß die Konkurrenz ist, wobei natürlich vorhandene Qualitätsunterschiede hier nicht weiter vertieft werden sollen. In aller Regel sind Übersetzer freiberuflich tätig, da es sich um einen so genannten Katalogberuf handelt. Die Freiberuflichkeit muss vom Finanzamt anerkannt werden. Ein entsprechendes Hochschulstudium ist der einfachste Weg, um diesen Status zu nutzen. Er bewirkt, dass kein Gewerbe anzumelden ist und dass ferner keine Zwangsmitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer in Kauf genommen werden muss. Vorsicht ist bei einer reinen Lektoratstätigkeit im Bereich von Übersetzungen geboten, da diese laut aktuellen Gerichtsurteilen auch gewerblicher Natur sein könnte. Die Buchhaltung vereinfacht sich spürbar, da am Ende eines Geschäftsjahres bei der Steuererklärung eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung ausreicht.
 

Gute Sprach- und Theoriekenntnisse in unabdingbar für nachhaltigen Erfolg

Ein Hochschulstudium ist keine Pflicht, um eine freiberufliche Tätigkeit als Übersetzer ausüben zu können. Schließlich wachsen viele Menschen auch zweisprachig auf. Wie bei allen freien Berufen müssen die angebotenen Leistungen aber eine gewisse schöpferische Höhe erreichen und aufgrund einer besonderen Qualifikation erbracht werden. Finanzämter entscheiden hier sehr mit Blick auf den Einzelfall. Zu verwechseln oder gar gleichzusetzen sind Übersetzer keinesfalls mit Dolmetschern: Hierbei handelt es sich quasi um die ‚mündliche live-Form‘ der Übersetzung. Welcher Qualifikationshintergrund auch besteht: ein hohes Qualitätsniveau sollte von Anfang an gegeben sein, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Letztlich wird schlechte Qualität sich immer bemerkbar machen und ein schlechtes Bild auf den Übersetzer werfen. Was nützen Übersetzungen, die keiner versteht oder Kunden womöglich nur verwirren oder verärgern? Es ist also illusorisch, sich ohne Sprach- und Fachkenntnisse erfolgreich in diesem Bereich selbstständig machen zu wollen.
 

Honorare und Preiskalkulation als Übersetzer

Hier lassen sich nur pauschale Aussagen treffen, da der Verdienst sich sehr stark nach den Texten bzw. dem damit verbundenen Arbeitsaufwand richtet. Komplexe technische Texte z.B. sind weitaus teurer als recht einfache Produktbeschreibungen, die im globalisierten Onlinehandel sicher eine gute Einnahmequelle für Übersetzer darstellen. In der Praxis wird oftmals eine Normseite mit 17,50 Euro zu Grunde gelegt. Der Fachverband für Übersetzer gibt eine gewisse Orientierung vor, letztlich ist die freie Preisgestaltung aber ein großer Vorteil der Selbstständigkeit.

Neben der Vergütung pro Text kommt auch ein Abrechnungsmodell pro Wort in Frage, sodass für Kunden eine wünschenswerte Kostentransparenz herrscht. So oder so hat der Übersetzer den Verdienst selbst in der Hand: Sein Können und seine Geschwindigkeit entscheiden letztlich darüber, wie viel er verdient. Insofern sollte von Beginn an auf ein Maximum an Effizienz geachtet werden. Die Zuhilfenahme moderner Übersetzungsprogramme erscheint in dieser Hinsicht alternativlos: Diese sorgen u.a. dafür, dass ein und derselbe Satz immer nur einmal übersetzt wird. Auch notwendige Wörterbücher sollten vorhanden sein, um eine belastbare Qualität sicherzustellen. Übersetzer von Büchern werden üblicherweise an den Verkaufserlösen beteiligt. Allerdings greift diese Vergütung zumeist erst ab einer bestimmten Verkaufsmenge. Wer sich auf Übersetzungen von Büchern spezialisieren möchte, sollte den Kontakt mit Verlagen suchen und dort sein sprachlich-kreatives Können unter Beweis stellen.
 

Sonderfall beglaubigte Übersetzungen

Viele Ämter verlangen beglaubigte Übersetzungen, wenn es um offizielle Angelegenheiten geht. Hierzu sind nur studierte Übersetzer befähigt, die dazu mit einer Vereidigung rechtlich ermächtigt wurden. Ohne diese offizielle Legitimation ist es nicht erlaubt, solche Übersetzungen anzufertigen (auch wenn die sprachlichen Kenntnisse durchaus vorhanden sein können). Ohnehin werden Auftraggeber in diesem Bereich einen entsprechenden Legitimationsnachweis sehen wollen. Hieran zeigt sich erneut, dass dieses Berufsfeld zahlreiche Spezialisierungen zulässt. Daher sollte vorher genau analysiert werden, wie groß die Nachfrage für welchen Bereich ist.
 

Auftragsgewinnung und Sicherstellen einer guten Auslastung

Der Standort spielt für freiberufliche Übersetzer im Grunde keine allzu große Rolle, da viele Aufträge über das Internet bzw. über Plattformen abgewickelt werden können. Generell kann eine suchmaschinenoptimierte Homepage der erste Weg sein, um Kunden auf das professionelle Leistungsspektrum aufmerksam zu machen. Auf diesem Weg kann auch eine erste Kontaktaufnahme schnell hergestellt werden. Alternativ können freiberufliche Übersetzer auch mit Büros oder Unternehmen zusammenarbeiten, um für eine konstant hohe Auslastung zu sorgen. Alternativ stehen noch Plattformen zur Verfügung, auf denen flexibel Übersetzungen zu unterschiedlichsten Konditionen erledigt werden können. Letztlich muss jeder selbstständige Übersetzer für sich entscheiden, wie flexibel oder frei er agieren will. Durch die Kooperation mit Agenturen wird die eigene Entscheidungsfreiheit unwillkürlich eingeschränkt. Die Gefahr einer möglichen Scheinselbstständigkeit ist immer dann gegeben, wenn Übersetzer in unternehmerische Strukturen fest eingebunden sind und somit im Grunde weisungsgebunden agieren.
 

Fazit: eine attraktive und zukunftssichere Berufsoption mit geringen unternehmerischen Risiken

In einer zusammenwachsenden Welt werden Sprachkenntnisse immer wichtiger, und zwar in allen Lebensbereichen. Und da viele Unternehmen weltweit ihre Produkte verkaufen, werden Übersetzer auch in Zukunft gut zu tun haben. Der Erfolg hängt vom eigenen Können und der damit verbundenen Qualität und einer etwaigen Spezialisierung ab, die stark nachgefragt sein sollte. Letztlich ist der Schritt in die Selbstständigkeit als Übersetzer recht risikoarm, denn außer einem PC, einem Internetanschluss, Wörterbüchern und professionellen Übersetzungsprogrammen sind keine großen Investitionen nötig. Die finanziellen Risiken zeigen sich eher mit Blick auf das Zahlungsmanagement, wenn offene Rechnungen durch Kunden nicht beglichen werden. Ganz in diesem Sinne sollten von Beginn an Maßnahmen ergriffen werden, die für beide Seiten mehr Sicherheit versprechen.
 

Selbstständig machen als Übersetzer: praxisorientierte Zusammenfassung der Schlüsselaspekte

  • In der Regel handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit, sodass kein Gewerbe angemeldet werden muss
  • Ein einschlägiges Hochschulstudium in diesem Bereich erleichtert den Zugang zum Status des Freiberuflers. Sprachkenntnisse können aber auch anderweitig erworben sein (Zweisprachigkeit etc.)
  • In Deutschland ist das Berufsbild ‚Übersetzer‘ nicht geschützt, sodass es keine großen Zugangshürden gibt. Einschlägige Sprach- und Theoriekenntnisse sind für eine überzeugende Qualität aber unabdingbar
  • Angesichts der großen Konkurrenz durch Agenturen kann eine Spezialisierung Sinn machen
  • Um auf die angebotenen professionellen Übersetzungsdienstleistungen aufmerksam zu machen, bietet sich eine suchmaschinenoptimierte Homepage an
  • Auslastung sicherstellen: Kooperationen mit Agenturen oder Übersetzungsbüros sind eine prüfenswerte Option
  • beglaubigte Kopien dürfen nur von vereidigten Übersetzern angefertigt werden
  • Der Verdienst hängt von der Textart/Komplexität und von der Arbeitseffizienz des Übersetzers ab. Leistungsstarke Übersetzungsprogramme können in dieser Hinsicht buchstäblich wertvolle Dienste leisten.

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