Selbstständig machen mit einer Privatschule

Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland, das auf kluge Köpfe und Innovationen angewiesen ist. Insofern liegt die hier vorgestellte Geschäftsideeselbstständig machen mit Privatschule‘ nahe, zumal Deutschland im internationalen Vergleich bei der PISA-Studie nur im Mittelfeld landet.
 

Privatschule gründen: Wer kommt denn auf diese Geschäftsidee?

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass es im staatlichen Bildungssektor besonders bei digitalen Lernformen hakt. Nur die wenigsten wissen, dass das Grundsetz in Artikel 7 das Recht garantiert, eine (Privat)schule gründen zu können. Wenn das kein Anlass ist, um diese Geschäftsidee näher praxisorientiert zu betrachten. Viele Gründer haben selbst keine guten Erinnerungen an die eigene Schulzeit. Der Wunsch, es besser bzw. das Lernen moderner zu machen, kann eine starke Motivation für die Gründung einer Privatschule sein. Insofern sollte ein Konzept ausgearbeitet werden, dass Schülern mit Effizienz und Alltagsorientierung den Spaß am Lernen zurückbringt. Angesichts dessen spricht diese Geschäftsidee vor allem Lehrer bzw. Pädagogen an, die nach dem Studium ihr berufliches Glück nicht in einer Angestelltenposition oder auch möglichen Verbeamtung sehen.
 

Was ist eine Privatschule?

Bei einer Privatschule bzw. Ersatzschule oder Ergänzungsschule handelt es sich im Gegensatz zu staatlichen Institutionen um einen freien Schulträger, der Konzepte und Lehrpläne selbst gestaltet. Die Bedingungen für Privatschulen sind vor allem mit Blick auf die Finanzierung in den Bundesländern sehr unterschiedlich: Existenzgründer sind daher gut beraten, frühzeitig die für sie relevanten Ausgangsbedingungen aussagekräftig zu prüfen.
 

Das Wichtigste in aller Kürze zur Existenzgründung mit einer Privatschule

  • Bereits vor der Ausarbeitung des Businessplans sollte klar sein, um welche Art von Privatschule es sich handelt und welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt.

  • Grundsätzlich ist zwischen Ersatzschulen und Ergänzungsschulen zu unterscheiden. Wer die staatliche Anerkennung für eine Privatschule erwirken will, wird sich an Lehrplänen des jeweiligen Bundeslandes orientieren müssen.

  • Die Finanzierung einer Privatschule gelingt mit Schulgeld und staatlichen Zuschüssen, wobei diese in den ersten Jahren sehr gering ausfallen.

  • In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl an Privatschulen in Deutschland deutlich gewachsen.

  • Pädagogische Erfahrungen und konzeptionelle Fähigkeiten sind notwendig, um eine Privatschule wirkungsvoll am Bildungsmarkt platzieren zu können.


Voraussetzungen, um eine Privatschule gründen & eröffnen zu können?

Wer eine Privatschule eröffnen möchte, wird sich je nach Art und Ausrichtung mit zahlreichen erforderlichen Genehmigungen konfrontiert sehen. Von zentraler Bedeutung ist, ob Schüler an dieser Privatschule einen staatlich anerkannten Abschluss erwerben können sollen. Dann handelt es sich um eine Ersatzschule: Eine Orientierung an den Standards des staatlichen Systems hat zu erfolgen. Lehrpläne und Lernziele sind bei der Konzeptausarbeitung im Detail zu erklären. Die Räumlichkeiten müssen ebenso so detailliert dargelegt werden wie der Qualifikationshintergrund der Schulleitung und aller Lehrer.

Wichtig mit Blick auf das Grundgesetz und die Bildungsgleichheit ist, dass Schüler nicht nur nach den Besitzverhältnissen der Eltern ausgewählt werden dürfen. Wer eine private Grundschule eröffnen will, wird sich mit gesonderten Genehmigungen befassen müssen. In diesem sensiblen Bildungsbereich müssen Gründer ein spezielles pädagogisches Konzept vorweisen können. In Abhängigkeit vom Bundesland und der Rechtsform einer Privatschule ist die Notwendigkeit der Gewerbeanmeldung zu prüfen. In einigen Bundesländern sind Privatschulen gemeinnützig, sodass die Gewinnerzielung nicht das primäre Ziel sein kann. Das heißt natürlich nicht, dass Leiter einer Privatschule kein ansprechendes Gehalt erzielen können.
 

Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung einer Privatschule?

Um mit anerkannten Bildungsabschlüssen werben zu können, muss die Schulaufsichtsbehörde das Konzept bzw. den Lehrplan genehmigt haben. Die Privatschule muss für diesen wichtigen Schritt seit mindestens 3 Jahren im Betrieb sein. Definierte Lernziele werden erreicht, sodass die Privatschule staatlichen Schulen in nichts nachsteht. Privatschülern muss es möglich sein, zu einer staatlichen Schule zu wechseln. Die Leitung einer Privatschule muss eine angemessene wissenschaftliche und pädagogische Ausbildung vorweisen können. Ohne ein Studium im Bereich Lehramt/Erziehungswissenschaften ist es nicht möglich, eine staatlich anerkannte Privatschule zu gründen. Alle Lehrkräfte einer Privatschule müssen mindestens die gleichen Voraussetzungen erfüllen wie Kollegen an staatlichen Schulen.
 

Startanalyse: Warum eine Privatschule gründen?

Wer diese Frage beantworten möchte, muss zunächst Klarheit über die Arten an Privatschulen erlangen. Es kann sich um Pendants zu Grundschulen, Gymnasien und anderen Schulformen handeln. Denkbar sind aber auch bestimmte Berufsfachschulen oder Kunstschulen, Sprachschulen oder Weiterbildungseinrichtungen in verschiedenen Branchen. Hier wird deutlich, dass der eigene Qualifikationshintergrund des Gründers entscheidend für das Konzept und somit die Ausrichtung einer Privatschule ist. Um welche Art von Privatschule es gehen soll, muss spätestens im Business deutlich werden. Natürlich muss die Nachfrageorientierung eine zentrale Rolle spielen, weshalb auch die Konkurrenzsituation am Standort genau zu analysieren ist.
 

Welches Ziel verfolgt die Privatschule?

Soll es sich um eine so genannte Ersatzschule handeln, muss diese Abschlüsse ermöglichen, die mit staatlichen Schulen vergleichbar sind. Mit einer solchen Schule erfüllen Schüler die Schulpflicht. Um die Gleichwertigkeit zu wahren, ist eine staatliche Kontrolle bis hin zur bereits angesprochenen Anerkennung notwendig. Eine solche Schule ist immer genehmigungspflichtig. Schüler haben die Gewissheit, einen offiziell anerkannten Abschluss zu erwerben, was für die späteren Ausbildungs- und Karriereziele nicht zu unterschätzen ist.

Bei einer Ersatzschule werden für gewöhnlich Fortbildungen oder Abschlüsse angeboten, die das staatliche System nicht vorsieht. Die Voraussetzungen für die Gründung einer Ergänzungsschule hängen stark von den Inhalten und der Frage ab, ob anerkannte Zeugnisse ausgestellt werden sollen. Generell können Schulleiter hier freier entscheiden und individuellere Konzepte ausarbeiten. Interessierte Gründer sollten schon in einer frühen Phase das Gespräch mit der zuständigen Schulbehörde suchen, um die konkreten Voraussetzungen prüfen und frühzeitig erfüllen zu können. Die Art der Privatschule bestimmt maßgeblich darüber, wie frei sich Gründer entfalten bzw. wie stark sie sich am staatlichen System orientieren müssen. Ein großer finanzieller Nachteil von Ergänzungsschulen ist darin zu sehen, dass die staatlichen Zuschüsse oft überschaubar sind. Die nutzbare pädagogische Freiheit hat also ihren Preis.
 

Wie viele Privatschulen gibt es in Deutschland?

In den letzten Jahren wurden in Deutschland etwa 6.000 Privatschulen gezählt, wobei die Zahlen seit einigen Jahren steigen. Mit über 3.500 nehmen die allgemeinbildenden Privatschulen den größten Block ein. Hierbei wiederum machen die Grundschulen mit fast 25 % den größten Block aus. In den letzten 25 Jahren ist der Anteil an Privatschulen in Deutschland von knapp 5 auf mehr als 10 % angewachsen.
 

Wie viele Schüler gehen in Privatschulen?

In Deutschland besuchen etwas mehr als 10 % aller Schüler eine Privatschule, was deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von gut 14 % liegt. Immer mehr Eltern entscheiden sich bewusst dafür, ihre Kinder in eine Privatschule zu schicken, da die Defizite des staatlichen Systems nicht erst durch PISA offenkundig sind. Eltern versprechen sich eine intensivere sowie vor allem individuellere Förderung in einem kleineren Klassenverbund. Durch geburtenstarke Jahrgänge ist in den kommenden Jahren in staatlichen Schulen mit gut besuchten Klassen zu rechnen. Digitale Angebote, zukunftsorientierte Konzepte und alltagsorientierte Lehrpläne veranlassen viele Eltern dazu, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken.
 

Standortfaktoren: Voraussetzungen in den Bundesländern prüfen

Die Ausgangs- und Konkurrenzsituation für die Gründung einer Privatschule kann von Bundesland zu Bundesland deutlich abweichen. In Nordrhein-Westfalen gibt es mit mehr als 2.000 die meisten Privatschulen, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Dass Nordrhein-Westfalen führend ist, liegt an der hohen staatlichen Förderung für Privatschulen. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass in Nordrhein-Westfalen eine sehr detaillierte Standortanalyse erforderlich sein wird.
 

Businessplan: Wie selbstständig machen mit einer Privatschule?

Der Standort wird also für die Privatschule ein entscheidender Faktor: Er muss für ein großes Einzugsgebiet gut erreichbar sein und ein attraktives Raumkonzept ermöglichen (inkl. Sport-, Spiel- bzw. Bewegungsangeboten). Auch sollte vor der Konzepterstellung Klarheit über die Zielgruppe herrschen: Welche Eltern sollen ihre Kinder auf diese Privatschule schicken? Wie bereits angesprochen, darf das Einkommen der Eltern nicht der entscheidende Faktor sein! Welche Vorteile sollten daher beim Marketing im Vergleich zu einer staatlichen Schule in den Fokus rücken?
 

Marketing: Wie viel kostet eine Privatschule im Monat?

Offensive Werbung, die bereits in Kindergärten beginnen kann, und eine suchmaschinenoptimierte Homepage sind die Hauptzutaten, um auf das Bildungsangebot aufmerksam zu machen. Zeitungsberichte und regelmäßige Tage der offenen Tür sowie Informationsveranstaltungen können sehr wirksame Wege darstellen, um Eltern und auch Schüler für eine Privatschule zu gewinnen. Digitale Probe- und Lernangebote können die Zukunftsfähigkeit der Privatschule unter Beweis stellen. Viele Eltern werden auch explizit nach dem Schulgeld fragen und wissen wollen, ob sie sich eine Privatschule leisten können. Generell liegt das Schulgeld meisten zwischen 100 und teils deutlich über 1.000 Euro im Monat. Die Art der Schule und der Standort sind hierfür entscheidend. Das zu zahlende Schulgeld richtet sich meistens nach dem Einkommen der Eltern, sodass gerechte Zahlungen für das Schuldgeld möglich sind. Staatlich anerkannte Privatschulen werden sich zu etwa 40 % aus dem Schulgeld und zu 60 % durch staatliche Zuschüsse finanzieren.
 

Konzepterstellung: der Bildungskern der Privatschule

Von zentraler Bedeutung wird für Eltern das pädagogische Konzept neben dem Lehrplan sein. Hier zeigt sich, wie und in welchem Rahmen Kinder gefördert werden. Die individuelle Wissensvermittlung sollte einen erkennbaren Unterschied zu staatlichen Schulen aufweisen. Letztlich muss das Konzept eine klare Antwort auf die Frage ermöglichen, warum Eltern ihr Kind gerade auf diese Schule schicken sollten. Gerade durch die prägenden Erfahrungen der Corona-Pandemie dürfte das digitale Lernen eine Schlüsselrolle bei der Auswahl einer Privatschule spielen.
 

Finanzielle Aspekte der Gründung einer Privatschule

Wie finanziert sich eine Privatschule? Wichtig zu wissen ist, dass nur Ersatzschulen in den Genuss einer hohen staatlichen Förderung kommen, wobei diese in den Bundesländern teils erheblich variiert. Das Schulgeld macht etwa 30 bis 40 % der Finanzierung aus, der Rest kommt vom Staat. Geld fließt aber erst, wenn die Privatschule sich in den ersten drei Jahren erfolgreich selbst finanziert hat. Das zeigt, wie wichtig durchkalkulierte Finanzen und finanzielle Rücklagen sind, zumal für die Ausstattung der Räumlichkeiten ebenfalls mit einer hohen Summe zu rechnen ist. Im Finanzteil des Businessplans sollte mit belastbaren Zahlen gerechnet werden. Hierzu ist es notwendig, die genaue Höhe des Finanzausgleichs in Erfahrung zu bringen.


Herausforderung des Lehrermangels nicht unterschätzen!

Bei allem sicherlich hilfreichen und auch notwendigen Enthusiasmus darf der mögliche Lehrermangel als große Herausforderung nicht vergessen werden. Durch die zusätzliche Konkurrenz zu staatlichen Schulen und einer möglichen Verbeamtung von Lehrern befinden sich Privatschulen mehr denn je im Kampf um die besten Köpfe mit der Konkurrenz. Um die Zukunftsfähigkeit des Schulkonzepts unter Beweis zu stellen, sollte dieser Aspekt mit vielversprechenden Ideen im Businessplan lösungsorientiert angesprochen werden.
 

Wie viel verdient man mit einer Privatschule?

Diese Frage sollten Leiter einer Privatschule spätestens nach der Ausarbeitung des Businessplans aussagekräftig für die ersten Jahre beantworten können. Die Art der Privatschule, der Standort, die staatlichen Zuschüsse und die Auslastung sind maßgeblich für die wirtschaftliche Situation einer Privatschule. Zu beachten ist in diesem Kontext, dass Ersatzschulen in den meisten Bundesländern gemeinnützig sein müssen. Bei Ergänzungsschulen sind die Handlungsspielräume in Bezug auf den Gewinn mit einer Privatschule sicherlich größer. Hintergrund der Gemeinnützigkeit ist, dass bei Ersatzschulen einer großer Teil der Einnahmen durch Steuergelder gedeckt wird. Die Gemeinnützigkeit bedeutet aber keineswegs, dass sich Gründer bzw. Leiter einer Privatschule kein attraktives Gehalt auszahlen können. Ohnehin wird vielen Gründer die (Entscheidungs)freiheit im Vergleich zum Angestelltendasein als Lehrer mehr wert sein.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Privatschule‘:

  1. Warum eine Privatschule gründen?

Weil immer mehr Eltern sich angesichts der Defizite im staatlichen Bildungssystem vorstellen können, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken. In den letzten Jahren ist die Zahl der Privatschüler in Deutschland stetig gewachsen.

  1. Wer kann eine Privatschule eröffnen?

Das Grundgesetz spricht jedem das Recht zu, eine Schule gründen zu dürfen! Um eine staatliche Anerkennung zu erwirken, wird eine wissenschaftliche bzw. pädagogische Ausbildung der Schulleiter und des Personals vorzuweisen sein. Insofern richtet sich diese Geschäftsidee in erster Linie an Lehrer, die im Bildungsbereich in Eigeninitiative neue Angebote mit Zukunftsorientierung schaffen wollen.

  1. Wie viel verdient man mit Privatschule?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, da die Art der Privatschule und die Auslastung entscheidend sind. Gründer sollten im Businessplan eine Antwort auf diese Frage geben können. Ersatzschulen gelten in vielen Bundesländern als gemeinnützig, was die Verdienstmöglichkeiten in gewissen Grenzen hält.

Quellenangabe: 
  • Verband deutscher Privatschulverbände, siehe https://www.privatschulen.de/presse-journalisten-pressemitteilung/wissenswertes-faq-mainmenu-53.html [zuletzt verwendet am 21.7.21].
  • Über die Finanzierung von Privatschulen (beispielhaft für das Bundesland Nordrhein-Westfalen), siehe https://www.schulministerium.nrw/finanzierung-von-ersatzschulen [zuletzt verwendet am 21.7.21].
  • Wer sind die Gründer hinter Privatschulen?, siehe https://www.stern.de/wirtschaft/news/privatschulen-lasst-uns-eine-schule-gruenden--3326642.html [zuletzt verwendet am 21.7.21].
  • Über die monatlichen Kosten für eine Privatschule, siehe https://www.privatschulenportal.de/glossar/privatschule-kosten [zuletzt verwendet am 21.7.21].

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