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Selbstständig machen als Feinwerkmechaniker

Feinwerkmechaniker an Arbeitsgerät

Wer in einem technischen Beruf mit hoher Präzision (wie jener des Feinwerkmechanikers) für sich Möglichkeiten der Selbstverwirklichung sieht, sollte diese Option für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit prüfen. Im Gegensatz zum vermeintlich sicheren Angestelltenverhältnis sind die Verdienstchancen besser und das hohe Maß an Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit bewerten die meisten Existenzgründer als überaus wichtig und erstrebenswert. Und gerade die Option ‚selbstständig machen als Feinwerkmechaniker‘ kann sich buchstäblich auszahlen, da diese Branche boomt und der nahe stehende Maschinenbau made in Germany weltweit ein hohes Ansehen genießt.

Insofern soll dieser Beitrag ein praxisorientierter Leitfaden mit folgenden Themen sein, um den Weg in die berufliche Selbstständigkeit möglichst ganzheitlich zu planen.
 

Existenzgründung als Feinwerkmechaniker: Themen für die berufliche Selbstständigkeit

  • Ausgangslage einschätzen
  • Berufsbild und Anforderungen
  • strategische Ausrichtung: Leistungsspektrum und Zielgruppe
  • die Bedeutung des Businessplans
  • Finanzierung und Marktanalyse
  • formale Voraussetzungen für selbstständige Feinwerkmechaniker
     

Porträt zum Berufsbild und Skizzierung der Ausgangslage

Wer sich als Feinwerkmechaniker selbstständig machen möchte, wird ein Handwerksgewerbe betreiben. Abgesehen von den formalen Voraussetzungen, auf die noch detaillierter eingegangen werden soll, bewegen sich Existenzgründer in einem Bereich, der in Deutschland traditionell zu den größten und erfolgreichsten gehört. Viele Betriebe im Handwerk sind mittelständisch geprägt und zu Recht wird oft davon gesprochen, dass der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist. Insofern sind die Rahmenbedingungen als sehr gut anzusehen, zumal die Wirtschaft momentan in einer Hochphase ist, was potenziell eine gute Auftragslage ermöglichen sollte. Nichtsdestotrotz wird es nötig sein, die unmittelbare Geschäfts- und Konkurrenzsituation direkt vor Ort zu analysieren, um den eigenen Betrieb möglichst geschickt und strategisch nachhaltig zu platzieren.
 

Berufsinhalte und Ausrichtungen

Feinwerkmechaniker arbeiten überwiegend im Bereich des Maschinenbaus, wobei sie diverse Umform-, Schnitt- und Stanztechniken anwenden. Sie sind zuständig für den Bau von Maschinen, Geräten oder auch komplexeren Systemen. Auch Reparatur- und Wartungsarbeiten fallen in den Arbeitsbereich selbstständiger Feinwerkmechaniker. Hinzu kommen Prüfungen, Messungen sowie die Bearbeitung von Oberflächen.

Wie der Name es schon vermuten lässt, kommt es bei der täglichen Arbeit vor allem auf Präzision an, denn bereits Abweichungen im Millimeterbereich können erhebliche Konsequenzen haben. Wer sich also für eine 3,5 Jahre dauernde Ausbildung als notwendige Grundlage entscheidet, sollte neben einem ausgeprägten technischen Verständnis eine starke Affinität für Präzision sein Eigen nennen können. Im Bereich des Maschinenbaus wird in diesem Zusammenhang meistens vom Feinmechanikhandwerk gesprochen, während im Bereich der verarbeitenden Metallindustrie oftmals vom Industriemeister die Rede ist. Insofern kann schon mit der Ausbildung bzw. späteren Berufserfahrungen die Richtung für die Geschäftsausrichtung vorgegeben werden. Abgesehen von der vorhandenen Nachfrage am Markt muss ein selbstständiger Feinwerkmechaniker natürlich das nötige technische Knowhow mitbringen. Ansonsten wird es schwer, die hohen Qualitätsstandards Tag für Tag einhalten zu können.
 

In welchen Branchen können selbstständige Feinwerkmechaniker arbeiten?

Diese Frage ist auch für die strategische Ausrichtung der Existenzgründung als Feinwerkmechaniker von großer Relevanz. Sie zeigt, mit welchen Partnern bzw. Betrieben selbstständige Feinwerkmechaniker kooperieren können bzw. wo potenzielle Auftraggeber am gewählten Standort zu finden sind. Generell spielt der Maschinen- und Werkzeugbau sicher eine strategische Schlüsselrolle. Möglich ist auch eine Schwerpunktsetzung auf den Bereich elektronischer Kontroll- bzw. Messinstrumente bzw. die Herstellung von optischen und feinmechanischen Erzeugnissen. Letztlich muss eine Standortanalyse zeigen, welche Geschäftsbereiche für den Standort am sinnvollsten bzw. tragfähigsten erscheinen.
 

Leistungsspektrum und strategische Geschäftsausrichtung vornehmen

Um diese Kernelemente der Existenzgründung zielorientiert bestimmen zu können, muss der Markt sorgfältig analysiert werden. Nur so kann die professionelle Leistungserbringung auf die vorhandene Nachfrage abgestimmt werden. Dafür ist auch zu klären, wer zur Zielgruppe gehört und wie groß diese ist. Für Betriebe im Bereich des Maschinenbaus ist es nicht unüblich, international zu agieren, zumal das Label made in Germany immer noch eine starke Anziehungskraft ausübt. Insofern ist zu prüfen, auf welchen internationalen Märkten bzw. mit welchen Partnern auch über die Landesgrenze hinaus gute Geschäfte gemacht werden können.

Hier zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass Berufserfahrungen und fundierte Branchenkenntnisse unabdingbar erscheinen, um den eigenen Betrieb im dynamischen Umfeld der globalisierten Märkte geschickt zu platzieren. Wer als selbstständiger Feinwerkmechaniker den anzustrebenden Wachstumskurs auf eine breite Basis stellen möchte, sollte sich auf keinen Fall nur auf regionale Märkte konzentrieren. Es sei denn, die Kapazitäten im Betrieb sind so gering, dass sie nur für einen kleinen Kundenkreis ausreichen. Von fundamentaler Bedeutung wird es ebenso sein, die Konkurrenzsituation einzuschätzen und das eigene Leistungsspektrum dementsprechend bewusst mit Blick auf Alleinstellungsmerkmale und Mehrwerte aus Kundensicht zu gestalten.
 

Im Businessplan wird der Geschäftserfolg bis ins Detail geplant

Und diese Planung kann sich auszahlen, denn nur mit einem professionellen Businessplan werden Existenzgründer in der Lage sein, externe Geldgeber von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen. Bedenkt man, dass für die Einrichtung von Geschäftsräumen und technisches Equipment mitunter viel Kapital aufzubringen sein wird, so ist die Erstellung eines Businessplans aus finanzieller Sicht unerlässlich. Und sie ist es auch aus geschäftlicher Sicht, denn ohne Businessplan wird die Existenzgründung nicht von einem zielfokussierten Kompass gesteuert. Insofern muss die Leistungsstärke und Rentabilität des Geschäftsmodells im Businessplan deutlich werden.

Neben Produkten, Dienstleistungen, der Zielgruppe, Vertriebswegen und der Preispolitik kommt beim Blick auf die Praxis vor allem der Planung der Finanzen eine erfolgskritische Rolle zu. Der Kapitalbedarf und Einnahmen sind für die ersten Jahre realistisch zu schätzen, sodass unternehmerische Potenziale und finanzielle Handlungsspielräume deutlich werden. Externe Geldgeber prüfen gerade diesen Aspekt bei einem Businessplan sehr genau, da sich hier die Spreu vom Weizen trennt. Insofern sind angehende selbstständige Feinwerkmechaniker gut beraten, bei der Ausarbeitung des Businessplans nichts dem Zufall zu überlassen und ggf. professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Letztlich ist der Businessplan nicht weniger als die Basis und lesbare Visitenkarte für die eigene Geschäftsidee!
 

Formales: Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Feinwerkmechaniker

Wie bereits angesprochen, bewegen sich Existenzgründer im Handwerksbereich. Für die berufliche Selbstständigkeit als Handwerker kommt immer sofort die Frage auf, ob ein Meistertitel eine formale Grundvoraussetzung ist? Ein Blick in die Handwerksordnung als gesetzliche Grundlage kann schnell Klarheit bringen. Wer sich als Feinwerkmechaniker selbstständig machen möchte, braucht dementsprechend einen Meistertitel. Insofern sollte die Existenzgründung schon von langer Hand geplant werden. Ohnehin kann es für diesen Schritt nur hilfreich sein, bereits einige Jahre Berufserfahrungen in der Branche gesammelt zu haben. Ein so idealerweise gewachsenes Netzwerk kann es erheblich einfacher machen, das Geschäft zum Laufen zu bekommen.
 

Gewerbeanmeldung für selbstständige Feinwerkmechaniker

Ebenfalls notwendig ist eine Gewerbeanmeldung, bevor der Geschäftsbetrieb offiziell aufgenommen werden darf. Im Rahmen der Gewerbeanmeldung muss die entsprechende Qualifikation nachgewiesen werden. Wer selber gründen möchte aber keinen Meistertitel innehat, kann alternativ auch einen Meister in leitender Position einstellen. Je nach konkretem Leistungsspektrum, das ohnehin bei der Gewerbeanmeldung zu schildern ist, können weitere Nachweise bzw. Erlaubnispflichten erforderlich werden, vor allem wenn es um sicherheitsrelevante Arbeiten oder auch Erzeugnisse geht. Angehende selbstständige Feinwerkmechaniker sollten daher die persönlichen Voraussetzungen so früh wie nur möglich klären, um zeitliche Verzögerungen zu vermeiden.
 

Was heißt es, einen Betrieb in dieser Branche zu führen?

Wer einen größeren Geschäftsbetrieb gründet, wird auch jeden Tag Verantwortung für die Mitarbeiter übernehmen müssen. Insofern sind beim Schweißen, Bohren etc. die Vorschriften des Arbeitsschutzes strikt zu beachten und entsprechendes Schutzequipment ist zur Verfügung zu stellen. Neben der Personalführung, die für die angestrebte Produktivität nicht zu vernachlässigen ist, spielt auch die korrekte Erledigung aller buchhalterischen Pflichten eine wichtige Rolle. Was das Personal angeht, so sind alle Fristen mit Blick auf die Überweisung von Sozialversicherungsbeiträgen zu beachten.

Die Buchführung darf nie vernachlässigt werden, denn sie ist ein Abbild aller Zahlungsströme. Nur wenn hier Klarheit herrscht, können alle Kosten im Griff gehalten und somit die wichtige Liquidität jederzeit gewahrt werden. Mögliche Risiken, die große finanzielle Belastungen darstellen könnten, sind durch entsprechende Versicherungen zu minimieren. Zu denken ist an gewerbliche Risiken wie etwa die Beschädigung von Eigentum. Eine Betriebshaftpflichtversicherung kann also ebenso geprüft werden wie eine Versicherung für das Inventar. In jedem Falle sollten mögliche finanzielle Risiken für den eigenen Betrieb im Vorfeld sorgfältig analysiert werden. Nur so können alle Abläufe und Maßnahmen zielfokussiert gestaltet werden. Wer mit der Buchhaltung noch nicht wirklich vertraut ist, sollte diesen wichtigen
 

Fachkräftemangel: zukünftige Problemfelder frühzeitig im Blick haben

Erfolgreiche Existenzgründer denken auch an morgen, und dies schon in der Gründungsphase! Obwohl der Maschinenbau boomt, ist eine berufliche Selbstständigkeit in diesem Bereich keineswegs ein Selbstläufer. Insofern kann besonders die Einstellung von qualifizierten Mitarbeitern schnell Probleme bereiten, zumal der Fachkräftemangel jetzt schon in vielen Betrieben Realität ist. Als Meisterbetrieb besteht zudem die Möglichkeit, junge Nachwuchskräfte auszubilden. Doch es wird immer schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden. Daher sollte idealerweise schon im Businessplan darauf eingegangen werden, wie mit diesem immer akuter werdenden Problemfeld proaktiv umgegangen wird. Selbstständige Feinwerkmechaniker sollten sich überlegen, wie sie sich als attraktiver Arbeitgeber platzieren und so von der Konkurrenz abheben können.
 

Zusammenfassung für die Existenzgründung als Feinwerkmechaniker

  1. Generell sind die Rahmenbedingungen und Perspektiven in dieser Branche gut, auch weil der Maschinenbau made in Germany auf weltweiten Märkten erfolgreich ist
  2. Im Businessplan ist die strategische Geschäftsausrichtung potenzialorientiert vorzunehmen. Diese lesbare und externe Geldgeber überzeugende Visitenkarte ist nicht weniger als der geschäftliche Kompass
  3. Für eine selbständige Tätigkeit als Feinwerkmechaniker ist ein Meistertitel laut Handwerksordnung vorgesehen. Alternativ kann ein Meister in leitender Position eingestellt werden
  4. Vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebes ist ein Gewerbe anzumelden
  5. Ganzheitliche Betriebsführung für nachhaltigen Erfolg: besonders der Buchhaltung und der Einhaltung aller Bestimmungen zur Arbeitssicherheit kommen in dieser Branche eine wichtige Funktion zu
  6. Problemfeld Fachkräftemangel frühzeitig im Blick haben: Wie können qualifizierte Mitarbeiter und Azubis gewonnen werden (vor allem mit Blick auf größere Konkurrenzbetriebe)?

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