Selbstständig machen als Büchsenmacher

Holzschild mit Aufschrift "zum Büchsenmacher"

Wer sich als Büchsenmacher selbstständig machen möchte, muss eine Leidenschaft für Waffen und damit zusammenhängende Präzisionstechnik mitbringen. Auch wenn der Begriff Büchsenmacher eher an Konservendosen erinnern mag, so handelt es sich bei diesem traditionellen Handwerksberuf um einen professionellen Ansprechpartner rund um Waffen(technik). Der Begriff Büchse stammt übrigens aus der Jägersprache und bedeutet nichts anderes als Gewehr. Somit ist auch eine der wichtigsten Zielgruppen für diesen Beruf genannt.

Da es sich eher um einen Nischenberuf und somit eine kleine, aber durchaus zahlungskräftige Zielgruppe handelt, erscheint eine kluge und nachhaltige strategische Positionierung umso wichtiger. Diese soll im folgenden Beitrag in wesentlichen Punkten praxisorientiert skizziert werden. Insbesondere soll dabei auch auf selbstständige Büchsenmacher Meister geschaut werden: Wie sehen sie ihren Beruf und die Chancen? Was macht ihr Geschäft erfolgreich?
 

Existenzgründung als Büchsenmacher: Themen für die berufliche Selbstständigkeit

  • Analyse der Ausgangslage
  • Standort, Zielgruppe und Leistungsspektrum
  • wirtschaftliche Betrachtungen zur Ertragslage
  • ‚zielsicheres‘ Marketing für selbstständige Büchsenmacher
  • formale Voraussetzungen für die Selbstständigkeit in diesem Handwerksbereich
     

Was macht eigentlich ein Büchsenmacher?

Diese Frage scheint berechtigt, da nur Insider wissen, was sie von einem erfahrenen Büchsenmacher erwarten können. Insofern wird gleich zu Beginn deutlich, dass es sich um einen Nischenberuf handelt. Schaut man in entsprechende Verzeichnisse, so finden sich je nach Bundesland nur noch wenige Meister dieser Zunft. Ob dies als Vorteil (wenig Konkurrenz) oder als Nachteil (keine Nachfrage) zu werten ist, kann letztlich nur eine ganzheitliche Standortanalyse zeigen, die ohnehin direkt zu Beginn im Businessplan vorzunehmen ist. Generell lernen Büchsenmacher in der Ausbildung, wie diverse Waffen (Flinten, Büchsen, Pistolen, Luft- und Kleinkalibergewehre) hergestellt und auch repariert bzw. justiert werden. Büchsenmacher wissen, wie die einzelnen Teile einer Waffe zusammengebaut werden müssen, damit sie präzise funktionieren. Denn nur so kann ein präzises Schießen ermöglicht werden. Insofern stellt die Ausbildung zum Büchsenmacher schon hohe Anforderungen. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Hydraulik, Pneumatik, Werkstofftechnik sowie die Jagd- oder Spotwaffenkunde.
 

Rahmenbedingungen für die Selbstständigkeit als Büchsenmacher

Es muss zu Beginn Klarheit darüber herrschen, dass sich dieser Traditionsberuf auch im Spannungsfeld zu moderner Massenproduktion steht. Diese ist als Konkurrenz eine nachhaltige Gefahr für die Geschäftsentwicklung. Zudem ist zu beachten, dass in Deutschland ein sehr strenges Waffenrecht herrscht. Insofern sind die Handlungsspielräume begrenzt und mögliche Gesetzesverschärfungen in der Zukunft können die geschäftlichen Handlungsspielräume von selbstständigen Büchsenmachern weiter einschränken. Zudem werden auch die häufigen Vorkommnisse in den USA aufgrund des dortigen liberalen Waffenrechts hierzulande kritisch gesehen, sodass in der Bevölkerung eher eine breite Skepsis anzutreffen ist. Demgegenüber steht aber der Trend in den letzten zwei bis drei Jahren, dass sich viele Deutsche zur Selbstverteidigung auf legalem Wege Waffen anschaffen (Stichwort kleiner Waffenschein). Insofern ist die Nachfrage recht schwierig einzuschätzen, sie muss am Standort möglichst zahlenbasiert konkretisiert werden. Auf jeden Fall sind Wachsamkeit und unternehmerische Flexibilität gefragt, um zeitnah auf sich ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren.
 

Selbstständig machen als Büchsenmacher: Standortanalyse & Nachfrage

Wer sich erfolgreich als Büchsenmacher selbstständig machen möchte, muss einen tragfähigen Standort finden. Idealerweise sind viele Schützenvereine und Jäger im Umkreis zu finden, sodass mit einer guten Nachfrage zu rechnen ist. Da Internet kann diesbezüglich schnell einen belastbaren Überblick ermöglichen. Wer ganzheitlich plant, muss natürlich auch die Konkurrenzsituation analysieren. Gibt es selbstständige Büchsenmacher in der Nähe? Wenn ja: Ist es möglich, sich über das Leistungsspektrum abzugrenzen und eine Angebotslücke zu bedienen? Hier können sich angehende Existenzgründer über die Konkurrenzsituation in ihrem Bundesland informieren. Letztlich muss für den Standort auch ein sinnvoller Aktionsradius definiert werden. Welche Anfahrt nehmen Kunden noch in Kauf, um die Dienste eines professionellen Büchsenmachers in Anspruch zu nehmen? Die Standortanalyse gibt auch deutliche Hinweise darauf, wie das Leistungsspektrum für die Zielgruppe aussehen sollte. Sind sehr viele Schützenvereine vorhanden, so erscheint ein Fokus auf Sportwaffen und entsprechende Serviceleistungen (Reparaturen etc.) sinnvoll. Handelt es sich um ein beliebtes Revier für Jäger, so sollte das Angebot eher auf diesen Bereich hin ausgerichtet werden.
 

Geschäft eröffnen als selbstständiger Büchsenmacher

Natürlich bedarf es geeigneter Werkstatträume, um Reparaturen vornehmen zu können. Auch müssen Lagermöglichkeiten für Materialien bzw. Bauteile vorhanden sein. Zu überlegen ist bereits im Businessplan, inwiefern auch Verkaufs- bzw. Präsentationsräume mit eingeplant werden sollen. Wer sich auf den individuellen Bau oder die Reparatur von Waffen fokussiert, wird mit einem kleinen Ladenlokal auskommen. Die exakte Planung im Businessplan erscheint mit Blick auf die Finanzen erfolgskritisch, denn für Miete, Umbaumaßnahmen und die Einrichtung werden mitunter hohe Summen fällig. Da diese meistens nicht mit Eigenkapital gedeckt werden können, muss der Businessplan externe Kapitalgeber überzeugen, und zwar mit wenigen Blicken!
 

Wirtschaftliche Betrachtung: Lohnt sich die Selbstständigkeit als Büchsenmacher?

Hierzu empfiehlt es sich, auf die beruflichen Erfahrungen von selbstständigen Büchsenmachern zurückzugreifen. Nach entsprechender Recherche finden sich im Internet einige Interviews, die für angehende Existenzgründer sehr aufschlussreich sind. Büchsenmacher Meister äußern, dass die Herstellung einer Waffe heutzutage sehr aufwändig ist. Die industrielle Produktion ist in dieser Hinsicht eine sehr große Konkurrenz. Insofern kommt es nicht selten vor, dass selbstständige Büchsenmacher nur eine Waffe (ihr Meisterstück) oder sehr wenige pro Jahr herstellen. Daher liegt der strategische Fokus heutzutage eher darauf, Waffen zu reparieren. Arbeiten an Schaft, Lauf und Bolzen machen somit einen Großteil des Leistungsspektrums aus. Wer sich als selbstständiger Büchsenmacher auf den Bau von Waffen fokussieren will, muss zugkräftige Mehrwerte gegenüber der industriellen Konkurrenz aufweisen können. Insofern ist der Individualwaffenbau eine möglich, exakte Maßanfertigungen zu produzieren. Selbstständige Büchsenmacher Meister äußern, dass ihre Kunden hierfür durchaus mehrmonatige Wartezeiten in Kauf nehmen. Entsprechend sorgfältig müssen auch Preise und Gewinnmargen kalkuliert werden, die letztlich für beide Seiten akzeptabel sein müssen. Hier zeigt sich, dass ein selbstständiger Büchsenmacher alle Entscheidungen auch als langfristig denkender Geschäftsmann zu treffen hat. Die Begeisterung und das Wissen in puncto Waffen(technik) müssen in jedem Falle von fundierten kaufmännischen Fähigkeiten begleitet werden.
 

Trends und Kooperationsmöglichkeiten

Da es sich um eine Nische mit begrenzter Nachfrage handelt, sind auch weitere Einnahmefelder zu erschließen. Zudem ist die Frage zu klären: Mit welchen Leistungen kann ich meinen Kunden noch zugkräftige Mehrwerte anbieten? Der Trend der Individualisierung macht auch vor diesem Traditionshandwerk nicht Halt. Insofern sind neben dem Individualwaffenbau auch Gravuren im Trend. Gerade an Jagdgewehren sind aufwändig gestaltete Zierflächen keine Seltenheit. Hier besteht die Möglichkeit, mit entsprechenden Experten zusammenzuarbeiten oder diese gleich im Geschäftsbetrieb zu integrieren. Es spricht auch nichts dagegen, dass sich zwei selbstständige Handwerker auch zur Risikoteilung geschäftlich zusammenschließen. Hierfür ist eine passende Rechtsform als funktionaler Rahmen zu wählen und die Befugnisse sind vertraglich zu regeln, damit jeder die Aufgaben und Rechte des Geschäftspartners kennt.
 

‚Zielsicheres‘ Marketing für selbständige Büchsenmacher

Erfolgreiche Praxisbeispiele von selbstständigen Büchsenmachern zeigen, dass ein gut laufendes Geschäft vor allem nach wie vor von der Mundpropaganda und somit persönlichen Empfehlungen getragen wird. Wer als Kundenkreis Mitglieder aus diversen Schützenvereinen hat, kann durch den persönlichen Austausch Netzwerkeffekte und somit eine große Reichweite nutzen. Voraussetzung hierzu ist allerdings, dass der selbstständige Büchsenmacher eine hervorragende Arbeit leistet. Nur so wird er auch dauerhaft in der Lage sein, Kunden zu binden. Und natürlich darf im Falle der modernen Interpretation dieses Traditionsberufes auch das Internet im Marketingmix nicht fehlen. Wer nach einem erfahrenen Büchsenmacher ganz in der Nähe sucht, sollte mit nur einem Klick auf das Angebot bzw. eine ansprechend gestaltete Homepage stoßen. Hier hat der Büchsenmacher dann die Chance, sein Können in wirkungsvoller Weise unter Beweis zu stellen. Zudem sollte sich jeder selbstständige Büchsenmacher auf entsprechenden Portalen registrieren, um seine Präsenz und geschäftliche Reichweite insgesamt zu erhöhen.
 

Formales: Meisterpflicht für selbstständige Büchsenmacher?

Neben einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung als Büchsenmacher stellt sich mit Blick auf den Weg in die Selbstständigkeit als Handwerker immer die Frage nach der Meisterpflicht. Diese ist laut Anlage A der Handwerksordnung für Büchsenmacher vorgesehen, zumal die Waffentechnik einen hochsensiblen Sicherheitsbereich betrifft. Insofern ist im Rahmen der notwendigen Gewerbeanmeldung mit einer erweiterten Erlaubnispflicht zu rechnen, im Zuge derer angehende Existenzgründer ihre persönliche und fachliche Eignung unter Beweis stellen müssen. In diesem Sinne sind fundierte Kenntnisse des Waffenrechts nachzuweisen, da bestimmte Typen von Waffen nur unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen verkauft werden können. Und natürlich braucht es auch einen Gewerbeschein bzw. eine erteilte Erlaubnis, damit fachmännische Arbeiten an einer Waffe durchgeführt werden dürfen.
 

Rahmenbedingungen und Rechtsgrundlage

In diesem Bereich besteht keine allgemeine Gewerbefreiheit, sodass für die Ausübung der selbständigen Tätigkeit als Büchsenmacher eine verwaltungsrechtliche Erlaubnis erwirkt werden muss. Zudem ist eine themenspezifische Fachkundeprüfung erfolgreich abzulegen. Abgesehen von der Gewerbeordnung ist mit Blick auf die Herstellung oder auch den Verkauf von Waffen ein Blick in das Waffengesetz (WaffG) zu werfen. Dort ist insbesondere Paragraf 21 mit Blick auf die gewerbsmäßige Herstellung oder den Handel mit Waffen/Munition zu prüfen.
 

Selbstständig machen als Büchsenmacher: Zusammenfassung für die Planung der Existenzgründung

  1. Es handelt sich um einen traditionellen Handwerksberuf, der seine Zielgruppe vor allem mit Jägern und in Schützenvereinen findet. In dieser Hinsicht ist ein funktionaler Standort klug zu wählen
  2. Insgesamt gibt es nur noch wenige Handwerksmeister dieser Zunft, da die industrielle Massenproduktion auch in der Waffentechnik beherrschend ist. Entsprechend müssen überzeugende Mehrwerte geschaffen werden, die Kunden zu einem erfahrenen Büchsenmacher locken
  3. Dennoch lässt sich je nach Standort eine kleine, aber durchaus zahlungskräftige Zielgruppe bedienen
  4. Die meisten selbstständigen Büchsenmacher leben eher von der Reparatur und Justierung von diversen Waffen als von der aufwändigen Herstellung. In diesem Bereich lässt sich nur mit dem Individualwaffenbau gutes Geld verdienen
  5. Eine selbständige Berufsausübung als Büchsenmacher steht laut Handwerksordnung nur Meistern zu. Neben der Gewerbeanmeldung ist auch eine Erlaubnis zu erwirken. Details hierzu regelt u.a. Paragraf 21 des Waffengesetzes (WaffG).

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