Selbstständig machen als Privatkoch (Mietkoch)

Ein großer Traum vieler Existenzgründer ist es, sich mit dem Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu verwirklichen und mit einer Leidenschaft Geld verdienen zu können. Wer es liebt, in der Küche zu stehen und immer wieder neue Köstlichkeiten zu zaubern, kann sich hier der Geschäftsidee selbstständig machen als Privatkoch‘ befassen. Im Gegensatz zur Selbstständigkeit als klassischer Koch geht es nicht darum, ein Restaurant oder einen wie auch immer gearteten gastronomischen Betrieb zu gründen. Das Kochen findet bei Kunden in der heimischen Küche oder auf Events statt. Hier deutet sich eine große unternehmerische Flexibilität an, die dem Berufsbild ‚Privatkoch‘ in den letzten Jahren stark steigende Beliebtheitswerte beschert. Und es ist zu erwarten, dass durch die Corona-Lockdowns der Beruf Koch neu interpretiert wird, auch aus Sicht vieler potenzieller Kunden. Die Krise kann daher durchaus Ausgangspunkt für einen beruflichen Neustart sein!
 

Was ist ein Privatkoch?

Bei einem Privatkoch handelt es sich um einen selbstständigen Unternehmer, der für unterschiedliche Kunden oder Anlässe den Kochlöffel zeitlich begrenzt schwingt. Wohl gemerkt: In diesem Beitrag soll es um einen Privatkoch im Sinne eines Mietkochs geben: In dieser Funktion besteht weder eine Abhängigkeit noch ein Angestelltenverhältnis. Demzufolge arbeitet ein selbstständiger Privatkoch nicht in einem Restaurant, sondern zeitlich klar begrenzt bei Kunden in der privaten Küche. Bei Events können Privatköche/Mietköche auch an der frischen Luft kochen, ggf. mit eigenem Equipment. Zu den Aufgaben von Privatköchen gehört nicht nur das Kochen selbst, sondern auch die geschmacksorientierte Kundenberatung sowie der Einkauf frischer Lebensmittel.


Selbstständig machen als Privatkoch: Darauf kommt es bei der Existenzgründung an

  • Wechselnde Auftraggeber und unternehmerische Selbstbestimmtheit sind wesentlich Voraussetzungen, um tatsächlich als selbstständiger Privatkoch zu agieren.

  • Privatköche sollten ihr Handwerk verstehen und Kunden mit guter Qualität überzeugen: Das ist die Voraussetzung für Mund-zu-Mund-Propaganda und Folgeaufträge.

  • Im Gegensatz zu einer klassischen Tätigkeit als Koch im Gastronomiebetrieb bietet diese Geschäftsidee wesentlich mehr Flexibilität bei weitaus geringeren Investitionen.

  • Aktuelle Studien zu den Kochgewohnheiten der Deutschen zeigen, dass das Essen seine traditionellen Orte verliert: Privatköche können in dieser Hinsicht neue geschmackliche Reize am Markt setzen!


Voraussetzungen, um sich als Privatkoch selbstständig zu machen

Wer sich als Privatkoch/Mietkoch selbstständig machen möchte, muss ein Gewerbe vor Aufnahme der Tätigkeit anmelden. Ohne Gewerbeschein darf die selbstständige Tätigkeit nicht ausgeführt werden, ein Bußgeld droht auch bei verspäteter Gewerbeanmeldung. Die Gewerbeanmeldung ist auch erforderlich, wenn die Umsätze sich zunächst nur in einem niedrigen Bereich bewegen. Je nach Umfang der selbstständigen Tätigkeit als Koch kommt auch die Anmeldung eines Kleingewerbes in Betracht. Diese Option bietet sich für den nebenberuflichen Einstieg in die Existenzgründung an. Privatköche sollten über eine Ausbildung und Erfahrungen in der Küche verfügen, anders werden Kunden nicht zu überzeugen sein. Qualität ist eine wichtige Voraussetzung für Folgeaufträge und Weiterempfehlungen.
 

Formale Nachweise, um als Mietkoch arbeiten zu können

Für eine gewerbliche Tätigkeit als Privatkoch sind ferner Nachweise der Hygieneverordnung bei der Gewerbeanmeldung ebenso nachzuweisen wie ein aktuelles Gesundheitszeugnis. Für den notwendigen Nachweis bietet die Industrie- und Handelskammer spezielle Kurse an (IHK Gaststättenunterrichtung). Eine Gaststättenerlaubnis ist in aller Regel nicht zu erwirken, da es sich um eine mobile Tätigkeit handelt. In Rücksprache mit dem zuständigen Gewerbeamt ist die Möglichkeit einer Reisegewerbekarte zu besprechen.


Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen als Privatkoch?

Die unten als Quelle angegebene Studie zeigt, dass Essen seine traditionellen Orte zunehmend verliert. Das klassische Mittagessen kommt bei der jüngeren Generation in deutlich weniger als 20 % der Fälle auf den Tisch. Mittlerweile sind mehr als 50 % aller Mahlzeiten kalt. 44 % der Mahlzeiten werden alleine eingenommen und fast 90 % aller Mahlzeiten dauern weniger als 30 Minuten. Das zeigt, dass Essen in vielen Alltagssituationen etwas Beiläufiges geworden ist. Hierzu kann das in den letzten Jahren immer beliebter gewordene Berufsbild Mietkoch einen geschmackvollen Gegenentwurf positionieren: In der heimischen Küche wird immer seltener frisch gekocht. In nur etwas über 20 % der Haushalte wird täglich frisch gekocht. Ein Mietkoch kann kulinarische Hochgenüsse erlauben, ohne nur einen Schritt aus dem Haus gehen zu müssen. Falls die Preise mit einem Restaurantbesuch vergleichbar sind, spricht viel für diese moderne Alternative, wenn es um einen geselligen Abend geht.
 

Alternative zu Restaurants: Nachhaltiger Wandel durch Corona?

Durch die wochenlangen Lockdowns von Restaurants während der Corona-Pandemie sind viele Kunden offen für neue Konzepte bzw. Alternativen. Das bewährte Bestellen von Essen ist stark gewachsen, aber sicher nicht für jeden eine Option: Oft ist das gelieferte Essen kalt und nicht wirklich ansehnlich eingepackt. Warum also nicht direkt den Privatkoch zu sich nach Hause holen und für kurze Zeit sein ‚eigenes‘ Restaurant eröffnen? Mit einem kontaktarmen Hygienekonzept ließe sich diese selbstständige Tätigkeit sogar in Krisenzeiten sicher umsetzen. Hinzu kommt, dass ein hohes Maß an Hygiene naturgemäß zentral für diese Tätigkeit ist. Es bleibt in den kommenden Jahren abzuwarten, wie groß das Wachstum im Gastronomiebereich für Alternativen zu Restaurants ausfällt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass für Privat-/Mietköche ohnehin eine steigende Nachfrage vorhanden ist. Diese muss mit einer aussagekräftigen Standort- und Konkurrenzanalyse direkt zu Beginn nachvollzogen werden. Auch, um sich ggf. gegenüber der Konkurrenz gezielt abzugrenzen.
 

Und was kommt auf den Tisch?

Der Ernährungsreport 2020 zeigt, dass in deutschen Küchen immer öfter regionale Produkte auf dem Herd landen. Diesen Trend sollten selbstständige Privatköche aufnehmen, wenn sie sich mit Blick auf Trend strategisch geschickt positionieren wollen. Der Konsum von Fleisch ist rückläufig. So bezeichnen sich mittlerweile mehr als 50 % der Deutschen als ‚Flexitarier‘. Wenn Fleisch auf den Teller kommt, muss die Qualität stimmen. Generell sehen sich viele Deutsche als kreative Pragmatiker in der Küche. Bei den Jüngeren kochen nur noch die wenigsten streng nach Rezept. Insofern könnte auch ein Privatkoch etwas Überraschendes zaubern, wenn Auftraggeber für ihr Wunschmenu ihre Lieblingszutaten zur Verfügung stellen und sich bekochen lassen. Hierhin könnte ein besonderer Reiz liegen.
 

Ist das noch ‚selbst gekocht‘?

Das, was Oma und Opa noch als gute Hausmannskost bezeichnet haben, wird heute durch die Möglichkeiten der digitalen Welt immer freier interpretiert. Selbst gekocht sind Speisen für die nach 1980 geborene Generation auch dann, wenn vermeintlich frische Convenience Produkte verarbeitet werden. Hiervon sollten Privatköche allerdings Abstand nehmen: Sie werden ja gerade gebucht, um etwas Besonderes auf den Tisch zu bringen, das man selbst nicht so hinbekommen würde.


Bereit für die Selbstständigkeit als Privatkoch?

Die strategischen Vorteile der Existenzgründung als Privatkoch liegen auf der Hand: Der Start ist direkt nach der Gewerbeanmeldung möglich. Es muss kein Restaurant eröffnet werden und es sich keine hohen Investitionen und damit verbundene Risiken einzugehen. Wer beruflich vorher auch schon gekocht hat, wird mit einem entsprechenden Equipment ausgerüstet sein (z. B. eigene Messer oder Küchenmaschinen). Hinzu kommt, dass diese Geschäftsidee eine breite strategische Ausrichtung erlaubt: Vom Kochen bei Kunden in der privaten Küche bis hin zu Kochen mit Eventcharakter auf Feiern ist alles möglich, ggf. auch je nach Saison.
 

Arbeitszeiten als Privatkoch: Ein Ausschlusskriterium?

Viele Gründer machen sich selbstständig, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben zu ermöglichen. Das dürfte bei dieser Tätigkeit allerdings schwierig werden. Es ist zu erwarten, dass die meisten Aufträge abends und am Wochenende gebucht werden. Von den Arbeitszeiten her ist diese Geschäftsidee also sicher nicht eine der attraktivsten. Darüber sollte vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit Klarheit herrschen!
 

Businessplan als Privatkoch: Hier geht es an das ‚Eingekochte‘!

Auch wenn für Privatköche kein nennenswerter Geschäftsbetrieb aufzubauen ist, sollten sie dennoch einen Businessplan ausarbeiten. Dieser Schritt ist letztlich notwendig, um Klarheit über die Chancen am (regionalen) Markt und die konkrete Ausrichtung zu erlangen. An anderer Stelle können sich Gründer auf diesem Portal informieren, worauf es beim Businessplan in der Gastronomie (https://www.selbststaendig.de/businessplan-gastronomie) ankommt.
 

Was sind die Hauptzutaten für Gründer?

Es muss in erster Linie darum gehen, potenziellen Kunden diese professionelle Dienstleistung schmackhaft zu machen. Insofern sollte ein Beratungsservice zu den professionellen eigenen Ansprüchen gehören. Diese Beratung dient nicht nur der Absprache, sondern auch der Überprüfung der nutzbaren Gegebenheiten in der jeweiligen Küche. Mit einem Rundum-Sorglospaket könnte der Mietkoch seinen Kunden alle Arbeiten abnehmen und alles notwendige frisch einkaufen. Ein optional buchbarer Aufräum- und Abwaschservice könnte für viele Kunden zu einem entscheidenden Mehrwert werden. Das Servieren und das Einschenken passender Weine oder Cocktails könnte ein weiterer Baustein sein, um Kunden in geschmacklicher Hinsicht zu überzeugen. Insofern sollte im Businessplan klar werden, welche Mehrwerte Kunden zur Nutzung dieser modernen Dienstleistung in den eigenen vier Wänden (!) bewegen sollen. Das werden wir bei den Ausführungen zum Marketing noch weiter vertiefen.
 

Marketing: Wie Kunden gewinnen als selbstständiger Privatkoch?

Hierzu ziehen wir interessante Daten aus der bereits angesprochenen Studie heran. Demnach spielt das Internet mit Blick auf Kochideen mittlerweile bei der Generation der Millennials in 76 % der Fälle eine wichtige Rolle. Bei den zwischen 1943 und 1966 geborenen Babyboomern sind es immerhin noch 44 %. Das gute alte Kochbuch hat also immer mehr ausgedient, heute wird nach Rezeptideen gegoogelt. An dieser Stelle wird deutlich, wo Privatköche mit ihrem Service auffindbar sein müssen! Eine suchmaschineoptimierte Homepage ist unverzichtbar, um Aufträge zu gewinnen und so an möglichst vielen Wochentagen für eine hohe Auslastung zu sorgen.
 

Mit Rezeptideen & Küchentipps Kunden als Privatkoch gewinnen

Die Kundengewinnung kann sehr geschickt auf indirektem Wege erfolgen. Durch Rezeptideen oder ausgefallene Speisen können Kunden auf die Möglichkeiten eines Mietkochs hingewiesen werden: Warum das alles selber kaufen und kochen, wenn ein Profi zu bezahlbaren Preisen die heimische Küche in ein Restaurant verwandelt? Beim Marketing sollte der Wohlfühlfaktor als großer Vorteil in den Fokus rücken. Im Gegensatz zur Hektik und Lautstärke eines Restaurants können sich Gäste in den eigenen Räumen wirklich wie zu Hause fühlen. Und der Auftraggeber kann sich als perfekter Gastgeber in Szene setzen, ohne auch nur einmal den Kochlöffel in der Hand gehabt zu haben.
 

Wie viel verdient ein Privatkoch?

Bei Recherchen im Internet stößt man sehr oft einen auf einen Kostenrahmen von 15 bis 35 Euro pro Stunde. Mit einem solchen Wert lassen sich bei einer angenommenen Stundenzahl pro Monat Schätzungen für die Umsätze machen. Klar ist, dass der Stundenpreis je nach Region, Zielgruppe und Exklusivität des Angebots fällt oder steigt. Wer sich auf die Sterneküche fixiert, wird von der zahlenden Kundschaft hohe Stundenpreise verlangen können. Wer sich auf eher auf den Otto-Normal-Haushalt ausrichten möchte, wird Preise im angegebenen Rahmen erheben können. Für den Einkauf von Waren und weitere Serviceleistungen wie Abwasch und Aufräumen könnte eine Pauschale hinzukommen.

In jedem Fall wird der Verdienst als Privatkoch mit der Auslastung stehen und fallen. Und natürlich müssen die Preise kaufmännisch sehr sorgfältig kalkuliert werden. Wer für 20 Euro pro Stunde als Privatkoch arbeitet, kann für diesen Stundenlohn nicht auch noch alle Lebensmittel frisch kaufen. Sofern es ein Komplettpreis inkl. aller Getränke und Zutaten sein soll, wird der Stundenlohn über dem angegebenen Rahmen liegen müssen. Für Kunden muss ein Privatkoch dennoch nicht teurer sein als ein Restaurant sein, da sich die Kosten ggf. aufteilen lassen.
 

Statusfeststellung: Vorsicht vor der Scheinselbstständigkeit als Privatkoch

Um auch formal als selbstständiger Privatkoch/Mietkoch gelten zu können, müssen alle Arbeiten auf eigene Rechnung selbstbestimmt erfolgen. Wer jeden Tag in nur einem Haushalt für Auftraggeber kocht und zudem Vorgaben nur strikt umsetzt, agiert definitiv weisungsgebunden. Bei einer solchen Tätigkeit ist von Scheinselbstständigkeit auszugehen, die zu hohen finanziellen Einbußen führt. Unbedingt zu vermeiden ist also die strukturelle Abhängigkeit von nur einem Auftraggeber. Mietköche müssen sich nicht nur auf Privathaushalte oder die Eventgastronomie beschränken. Sie können durchaus auch in Restaurants gebucht werden.


Arbeit auf Zeit ja, aber keine Zeitarbeit!

Damit es sich dabei aber nicht um eine Art Zeitarbeit handelt, sollten sie über ihre Tätigkeit frei bestimmen können. Ein Engagement als Privatkoch muss frei sein: Auftraggeber können ihre Wünsche äußern, für das Umsetzen und das Abschmecken des Rezepts muss aber der Privatkoch eigenverantwortlich sein. Sehr Vorsichtig sollten Mietköche bei Vermittlungsportalen sein. Diese können zwar die Auftragsakquise vereinfachen. Durch Provisionen kann der Verdienst aber deutlich geringer ausfallen. Daher sollten Vermittlungsdienstleistungen immer genau mit Blick auf ihre Wirtschaftlichkeit durchgerechnet werden.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Privatkoch‘:

Warum selbstständig machen als Privatkoch?

Weil sich dieses Berufsbild in den letzten Jahren einer wachsenden Beliebtheit erfreut und viele Deutsche immer seltener selber kochen. Das heißt nicht, dass sie auf sehr gutes Essen verzichten wollen! Durch spezielle Angebote oder eine internationale Küche können Privatköche mit Blick auf Folgeaufträge immer wieder neue geschmackliche Anreize setzen.
 

Welche Voraussetzungen sind als selbstständiger Privatkoch zu erfüllen?

Idealerweise bringen Privatköche eine fundierte Ausbildung und Berufserfahrungen mit. Wer sich in diesem Bereich selbstständig macht, muss ein Gewerbe anmelden und Kenntnisse der Hygieneverordnung nachweisen. Auch ein aktuelles Gesundheitszeugnis in ein elementarer Bestandteil eines lückenlosen Hygienekonzepts.
 

Wie viel verdient ein Privatkoch?

Recherchen im Internet zeigen einen groben Rahmen pro Stunde zwischen 15 und 35 Euro als Orientierung, wobei je nach Gehobenheit der Küche und Umfang des Services sicher auch Stundenpreise deutlich über diesen Rahmen hinausgehen können. Entscheidend wird auch sein, welche Ausbildung, Erfahrungen und Referenzen Privatköche vorweisen können.

Quellenangabe: 
Autor: 
Mark Leissen

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