Selbstständig machen als Müller

Prüfung Korn

Wer Bilder von Mühlen am Ufer eines Flusses sieht, wird eher an ein Museum als eine attraktive Geschäftsidee denken. Dieser Beitrag wird ein anderes, wirtschaftliches Licht auf Mühlen bzw. den traditionellen Handwerksberuf Müller werfen. Unter Berücksichtigung der Entwicklungen und der Ausgangslage soll anhand strategisch relevanter Themen gezeigt werden, ob die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Müller‘ angesichts der vorangeschrittenen Technisierung in diesem Handwerk immer noch eine Option für die Existenzgründung ist.

Grundsätzlich handelt es sich beim Müller um einen Handwerksberuf, der sich mittlerweile oft mit der industriellen Herstellung von Mehl, Ölen, Gewürzen oder auch Futtermitteln befasst. Viele Mühlen sind in Familienbesitz, sodass dieses Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben wird. Je nach Standort kann aber auch geprüft werden, ob eine geeignete Mühle bzw. moderne Produktionsstätte übernommen werden kann. Es dürfte klar sein, dass die vergleichsweise primitive Mahltechnik vergangener Jahrzehnte heute durch deutlich effizientere Verfahren ersetzt wurde. Wer sich selbstständig als Müller machen will, muss von Beginn an auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz großen Wert legen. Entsprechende Investitionen in funktionale Technik erweisen sich somit als erfolgskritisch.
 

Aktueller Status quo und Perspektiven

Auch wenn der Beruf Müller immer noch sehr bekannt ist und es sich um den häufigsten Nachnamen in Deutschland handelt, so wurde dieses traditionelle Handwerk mittlerweile an die Moderne angepasst: Seit 2017 gibt es nun für den Beruf Müller folgende Bezeichnung: Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft. Hierbei handelt es sich genauso wie beim Müller um einen dreijährigen Ausbildungsberuf, der die Grundlage für eine Existenzgründung in diesem Bereich ist. Wer im Familienbetrieb Einblicke gewinnen konnte, hat das Handwerk dort von Grund auf gelernt. Wer sich näher mit dieser Geschäftsidee für eine Existenzgründung befassen möchte, kann das Projekt auch ‚selbstständig machen als Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Getreidewirtschaft‘ nennen. Hintergrund für diese Namensmodernisierung ist, dass die alte Berufsbezeichnung Müller laut Fachverbänden den aktuellen technologischen Anforderungen nicht mehr gerecht werden kann. Alle, die bereits eine Gesellen- oder sogar Meisterprüfung als Müller absolviert haben, dürfen die Bezeichnung Müller weiterhin tragen.
 

Existenzgründung als Müller: selbstständig machen in der Getreidewirtschaft

  • Orientierung schaffen durch Ausgangsanalyse

  • Leistungsspektrum und Spezialisierung

  • Vertrieb: Kooperationen in der Wertschöpfungskette

  • Voraussetzungen, um sich selbstständig als Müller zu machen

  • Verdienst als selbstständiger Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Getreidewirtschaft

     

Analyse der Ausgangslage: Existenzgründung als Müller

Insgesamt hat sich die Mühlenwirtschaft in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark verwandelt. Gab

es 1950 noch annähernd 19.000 Mühlenbetriebe, so waren es 1980 schon nur noch 2.500. Bis in die Gegenwart hinein ist die Anzahl der produzierenden Mühlen in Deutschland auf etwas mehr als 500 gesunken. Aus dieser Entwicklung geht nicht hervor, dass Mühlen keine Berechtigung mehr am Markt haben bzw. dass die hier vorgestellte Geschäftsidee ohne Perspektiven wäre. Vielmehr zeigt diese Entwicklung, dass die Kapazitäten bei der Produktion deutlich gestiegen sind. Die größten deutschen Mühlenbetriebe sind heute in der Lage, jeden Tag mehr als 3 Millionen Haushalte mit Mehlerzeugnissen zu beliefern. Kleinere, nicht rentable Betriebe sind vom Markt verschwunden und die verbliebenen haben ihre Ressourcen deutlich erhöht.

Von den genannten Mühlen vermahlen mehr als 200 Betriebe über 1.000 Tonnen Getreide im Jahr. Mut machen dürfte Existenzgründern die Tatsache, dass sich viele verschiedene Unternehmenskonzepte auf dem Markt erfolgreich durchgesetzt haben. So gibt es z.B. Mühlenbetriebe, die einen angeschlossenen Bäckereibetrieb haben. Ein weiteres bedeutsames Handlungsfeld zeigt sich als Zulieferer in der Lebensmittelindustrie. Der geschichtsträchtige Ort einer Mühle kann natürlich auch genutzt werden, um einen eigenen Laden darin zu integrieren. Es spricht vieles dafür, in touristisch erschlossenen Regionen einen kleinen Teil des Mühlenbetriebs als Museum zu inszenieren. Diese Anregungen mögen nur als Inspiration für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Müller‘ dienen. Letztlich sollten Existenzgründer schon in einer frühen Phase die Geschäftsidee konkretisieren. Der Businessplan ist dann der richtige Rahmen, um alle Geschäftsfelder konsequent auf Erfolg bzw. Wirtschaftlichkeit auszurichten.
 

Standort, Nachfrage und Energieaspekte

Wer sich in Bezug auf funktionale Standorte bzw. vorhandene Mühlenbetriebe als Investitionsobjekt ein Bild verschaffen möchte, wird im Süden Deutschlands die größte Dichte vorfinden. Im Süden versorgt eine Mühle statistisch gesehen über 170.000 Einwohner, im Norden sind es aufgrund der geringeren Dichte deutlich über 500.000 Einwohner. Sofern es sich nicht um einen Familienbetrieb handelt, sollten diese geografischen Unterschiede bei der Standortsuche Berücksichtigung finden. Wer sich selbstständig als Müller (Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Getreidewirtschaft) machen will, wird ggf. den eigenen Lebensmittelpunkt verlegen müssen. Natürlich ist es heute nicht mehr absolut nötig, den Betrieb in einer klassischen Mühle aufzuziehen. Je nach Geschäftsausprägung kann dies für das Marketing aber Gold wert sein. Zudem ist mit Blick auf immer weitere steigende Energiepreise auf die Option der Autarkie als wirtschaftlicher Vorteil hinzuweisen. So nutzen auch hochmoderne Mühlenbetriebe immer noch Wasserkraft, um einen Teil des Energiebedarfs zu decken. Durch effiziente Blockheizkraftwerke und moderne Photovoltaikanlagen können erneuerbare Energien die eigene Wettbewerbsposition deutlich und vor allem nachhaltig verbessern, da die Energiekosten sinken. Natürlich kann auch ein kleinerer Mühlenbetrieb wirtschaftlich sein. Die Ressourcen werden aber nicht reichen, um im Bereich der Lebensmittelindustrie tätig zu werden. Vielmehr wird es sich um ein sehr regionales Geschäftsmodell mit einem angeschlossenen Geschäft oder einer Bäckerei handeln müssen.

Praxistipp: Informationen für die Existenzgründung

Wer sich mit aktuellen Zahlen und Entwicklungen für den Businessplan auseinandersetzen will, kann das Angebot des Verbands Deutscher Mühlen unter www.muehlen.org nutzen.


Businessplan für Müller: Ressourcen festlegen

Angesichts der Zahlen und Entwicklungen in der Mühlen- bzw. Getreidewirtschaft wird im Zuge der Planung dieser Geschäftsidee ein großes Augenmerk auf die Ressourcen zu legen sein. Je nach Standort muss die Frage geklärt werden, wie viele Tonnen Getreide der Betrieb pro Jahr vermahlen können muss. Hieraus ergibt sich in finanzieller Hinsicht der Bedarf für Investitionen in moderne und effiziente Technik. Generell sind die Arbeitsprozesse in modernen Müllereibetrieben sehr stark technisiert worden, sodass vieles automatisch abläuft. Der Müller ist in erster Linie dafür verantwortlich, die Qualität der Erzeugnisse zu prüfen und alle technischen Abläufe zu überwachen. Sehr personalintensiv wird ein eigener Mühlenbetrieb also von der Kerntätigkeit her nicht. Angesichts des Fachkräftemangels kann es je nach Standort aber schwierig werden, geeignetes Personal zu finden.
 

Erfolgskritischer Schwerpunkt…

Im Businessplan sind die Finanzen und die Finanzierungsstrategie durchdacht und überzeugend zu planen. Letztlich muss anhand der Nachfrage und der Leistungsstärke deutlich werden, ab welcher Auslastung die Mühle wirtschaftlich ist bzw. Gewinne abwirft. Nur wenn der Businessplan in dieser Hinsicht Rentabilität erkennen lässt, werden sich externe Geldgeber gewinnen lassen.
 

Strategische Alternativen ganzheitlich prüfen

Alternativ besteht die strategische Option, einen vorhandenen Mühlenbetrieb zu übernehmen. Neben einem Blick in die Bücher sollte vor allem die Technik geprüft werden. Wie hoch sind die Investitionen abgesehen vom Kaufpreis, um die anvisierte Produktionsmenge zu erreichen?
 

Leistungsspektrum und Spezialisierung

Wer sich als Müller bzw. Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Getreidewirtschaft selbstständig macht, kann sich nicht nur auf Getreide spezialisieren. Je nach Standort und Marktsituation kann es sinnvoll sein, sich auf die Verarbeitung von Futtermittel zu spezialisieren. Als Gewürzmühle bietet sich die Option, Pulver herzustellen oder aus geeigneten Saaten Öl zu produzieren. In Frage kommt auch die Spezialisierung auf eine Schälmühle, um Erzeugnisse wie Graupen oder Haferflocken auf den Markt zu bringen. Eine Ölmühle könnte sich auf die Herstellung von Biodiesel spezialisieren und damit einen völlig neuen, zukunftsorientierten Markt erschließen. Letztlich sollten die Qualifikation des Gründers und die Nachfragesituation den Ausschlag für eine tragfähige Ausrichtung bzw. Spezialisierung geben. Zum Leistungsspektrum muss die Qualitätskontrolle gehören, wozu in eigentlich allen Betrieben ein eigenes Labor für die ständige Überwachung zu finden ist.

Für eine eventuelle Spezialisierung ist die Option zu prüfen, nur Rohstoffe in BIO-Qualität einzukaufen und weiterzuverarbeiten, da es sich hierbei um einen wachsenden Markt handelt. Wer sich auf Futtermittel bzw. die Landwirtschaft fokussieren will, kann alternative und vor allem zukunftssichere Formen prüfen, die für potenzielle Kunden in der Umgebung in Frage kommen. Die Dürre im Sommer 2018 hat mehr als deutlich gezeigt, dass sich hiesige Landwirte in Zukunft nicht mehr nur auf traditionelle Futtermittel verlassen werden können. Gefragt sind Pflanzen, die auch längere Dürreperioden problemlos überstehen können.
 

Strategische Überlegungen für Wertschöpfungskette & Vertrieb

Im Businessplan muss deutlich werden, welchen Platz die Mühle bzw. der Müllereibetrieb in der Wertschöpfungskette einnimmt. Wer so denkt und an die Umsetzung herangeht, wird den Betrieb im B2B-Bereich etablieren wollen. Hieraus ergibt sich die Zielgruppe und die Notwendigkeit von Kooperationen, um den Vertrieb der eigenen Erzeugnisse sicherzustellen. Wer sich als Müller selbstständig machen möchte, braucht gute Kontakte zu Landwirten, um qualitativ hochwertige Roherzeugnisse zu möglichst vorheilhaften Konditionen einkaufen zu können. Ein gutes Netzwerk mit starkem regionalen Bezug ist in der Gründungsphase sicher ein Vorteil. Neben dem Einkauf, der durch Dürren in den kommenden Jahrzehnten wohl immer häufiger Risiken ausgesetzt sein wird, spielt der Verkauf für den Erfolg der Geschäftsidee natürlich die Hauptrolle. Es gilt, sich ein Netzwerk an Kunden aufzubauen und die Konditionen bzw. Preise möglichst gewinnorientiert zu verhandeln. Mit Blick auf die vorhandenen Ressourcen könnte die Mühle Betriebe in der Umgebung beliefern oder im Falle der Lebensmittelindustrie sogar deutschlandweit Abnehmer finden. Natürlich muss darauf geachtet werden, dass die Qualitätsvorgaben der Kunden eingehalten werden. Nur so sind letztlich langfristige Kundenbeziehungen möglich. Daher wird sich ein selbstständiger Müller immer in sehr enger Abstimmung mit den Kunden befinden müssen.
 

Ausrichtung auf Privatkunden

Wer eine kleine Mühle kauft und ein alternatives Geschäftsmodell z.B. mit angeschlossener Bäckerei wählt, wird sich mit Blick auf die Zielgruppe eher auf Privatkunden ausrichten. In diesem Bereich ist neben Beiträgen in Printmedien mit regionalem Bezug vor allem eine moderne, suchmaschinenoptimierte Homepage das beste Mittel, um die eigene Reichweite und Bekanntheit zu erhöhen. Der Begriff Müller taugt für das Suchmaschinenmarketing nur bedingt, da es sich wie gesagt um einen sehr häufigen Namen handelt. Insofern ist bei der Vermarktung bzw. bereits bei der Namensfindung Kreativität angesagt.
 

Voraussetzungen, um sich als Müller selbstständig zu machen

Auch wenn das Berufsbild Müller mittlerweile mit dem Verfahrenstechnologen für Mühlen- und Getreidewirtschaft eine neue Bezeichnung erhalten hat, so findet sich der Müller immer noch in Anlage B der Handwerkordnung. Es handelt sich somit um ein zulassungsfreies Handwerk, für dessen Ausübung kein Meistertitel vorgeschrieben ist. Dieser kann jedoch in der Praxis sehr wertvoll sein, um eigenen Nachwuchs auszubilden und sich mit Blick auf die wahrgenommene Qualität gezielt von der Konkurrenz abzuheben. Vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebes muss zudem ein Gewerbe angemeldet werden. Hieraus ergibt sich die Pflicht, Gewerbesteuer abzuführen und nach der steuerlichen Erfassung der Tätigkeit allen buchhalterischen Pflichten nachzukommen.
 

Hygienestandards für die Sicherheit von Lebensmitteln

Zweifelsohne haben Mühlenbetriebe eine wichtige Funktion für die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln. Gründer werden entsprechende Kenntnisse bei der Gewerbeanmeldung nachweisen müssen, insbesondere was hygienische Arbeitsbedingungen und die Lagerung von Rohstoffen angeht. Zudem müssen im laufenden Betrieb alle geltenden Vorschriften eingehalten werden, da unangemeldete Kontrollen möglich sind. Mit fundiertem Wissen und einem eigenen Labor im Betrieb stellen angehende selbstständige Verfahrenstechnologen für Mühlen- und Getreidewirtschaft sicher, dass sie die Qualität sehr ernst nehmen und ständig kontrollieren. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nur einwandfreie Rohstoffe verarbeitet und so später zu Lebensmitteln werden.
 

Verdienst als selbstständiger Müller (Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft)

Generell hängen die Verdienstmöglichkeiten von der Wirtschaftlichkeit und Gewinnorientierung der Betriebsführung sowie der Auslastung/Kostensituation ab. Zudem steigen die Verdienstmöglichkeiten mit zunehmender Spezialisierung, da das Angebot für solche Erzeugnisse am Markt gering ist.

Angestellte können in diesem Sektor mit einer fundierten Qualifikation und Erfahrung ein Einkommen von deutlich über 4.000 Euro erzielen. Wer Absolvent der Lebensmitteltechnologie ist, kann sogar pro Jahr mehr als 70.000 Euro verdienen. Ganz in dieser Hinsicht kann auch ein relevantes Studium eine Grundlage für die Existenzgründung sein, um ein möglichst hohes Einkommen zu erzielen. Sofern der Betrieb gut läuft und betriebswirtschaftlich optimal aufgestellt ist, sind deutlich höhere Verdienstchancen als die genannten möglich. Natürlich tragen Selbstständige deutlich größere Risiken. Zu bedenken ist, dass der Preis für Getreide auch Schwankungen auf dem Weltmarkt unterliegt. Dürreperioden können erhebliche Verwerfungen nach sich ziehen. Insofern muss individuell geprüft werden, wie sich ein selbstständiger Müller gegen solche Risiken finanziell absichern kann. In jedem Fall müssen in guten Zeiten Rücklagen gebildet werden, die dann als Puffer zur Überwindung von akuten Krisen genutzt werden können.
 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Müller‘

  1. Das traditionsreiche Müllerhandwerk hat sich stark gewandelt in den letzten Jahrzehnten. Müller kümmern sich im Wesentlichen noch um die Überwachung von allen relevanten Prozessen rund um das Vermahlen

  2. Die Anzahl an Mühlenbetrieben hat stark abgenommen, die Leistungsstärke und Effizienz der Betriebe ist durch moderne Technik auf der anderen Seite aber stark gestiegen

  3. Seit 2017 trägt das Berufsbild Müller die moderne Bezeichnung Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft

  4. Um den Betrieb strategisch klug am Markt zu etablieren, sollten Spezialisierungen geprüft werden

  5. Es handelt sich um ein zulassungsfreies Handwerk, sodass für die Existenzgründung als Müller nicht zwingend ein Meistertitel notwendig ist.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

 

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