Selbstständig machen mit einem Museum

Weltberühmte Ölgemälde wie Leonardo da Vincis Mona Lisa könnten die Inspiration für die hier vorgestellte Geschäftsidee selbstständig machen mit einem Museum‘ sein. Allerdings werden Existenzgründer kaum an das meistbesuchte Museum der Welt heranreichen können: Die Rede ist vom Louvre, der das genannte Gemälde als Publikumsmagnet beherbergt und mit fast 10 Millionen Besuchern im Jahr rechnen kann.

Als Klassiker in der Kulturlandschaft spricht viel für die Geschäftsidee, sich mit einem Museum selbstständig zu machen. Langweilig muss ein Museumsbesuch nicht sein, denn auch Kunst lässt sich interaktiv mit modernster Technik aufwerten bzw. lebendig in Szene setzen. Hier sind wir beim Konzept des Museums bereits an einem wichtigen Kernstück der Existenzgründung angelangt, das in diesem Ratgeber weiter ausgefeilt werden soll.
 

Für wen kommt diese Geschäftsidee in Frage?

Die Eröffnung eines Museums bzw. Privatmuseums ist eine ansprechende Geschäftsidee für alle so genannten freischaffenden Künstler oder auch Handwerker, die ihre Schaffenskunst einem Publikum zugänglich machen wollen. Auch Sammler können ihre Leidenschaft nutzen und mit Exponaten aus vergangenen Zeit die Geschichte wieder lebendig erscheinen lassen. Insgesamt erscheint die Selbstständigkeit in der Museumsarbeit als eine Geschäftsidee für alle, die im Bereich Kunst oder Kultur studiert haben und sich auf dem Arbeitsmarkt schwer tun. Dieser Beitrag kann mit hoher Praxisorientierung der Startpunkt für eine berufliche Neuausrichtung sein.
 

Das Wichtigste in Kürze zur Existenzgründung mit einem Museum:

  • Der Begriff Museum ist rechtlich nicht geschützt, sodass viele Gründer Zugang zu dieser Geschäftsidee haben.

  • Ohne ein ausgereiftes Konzept und Fachwissen im Bereich der Museumsarbeit dürfte die Existenzgründung schwierig werden.

  • Viele Museen in Deutschland werden staatlich durch die Kulturförderung finanziell gestützt. Die jeweiligen Regelungen und Zuständigkeiten sind in den Landesverfassungen festgeschrieben.

  • Ein Museum muss nicht nur auf (historische) Kunst ausgelegt sein: Es kann sich auch um ein zusätzliches Angebot für einen traditionellen Handwerksberuf handeln. Auf diesem Portal finden sich zahlreiche Geschäftsporträts für traditionelle handwerkliche Tätigkeiten.


Voraussetzungen, um ein Museum eröffnen zu können

Nicht zuletzt durch die in Deutschland geltende Gewerbefreiheit steht es jedem frei, ein Museum zu eröffnen. Eine spezielle fachliche Qualifikation wird nicht vorausgesetzt, sie ist aber dringend zu empfehlen. Schließlich sollte sich der Museumsbetreiber mit der Materie auskennen und die Inhalte mit einem professionellen Konzept der Zielgruppe in attraktiver Form zugänglich machen. Wer mit einem Museum Geld verdienen möchte (wovon bei einer Existenzgründung auszugehen ist!), wird abgesehen vom künstlerisch-kulturellen Faktor auch von Beginn an die betriebswirtschaftliche Perspektive einnehmen müssen.

Sobald Eintrittsgelder verlangt werden und in einem Museumsshop Souvenirs oder ähnliches verkauft werden, ist eine Gewerbeanmeldung spätestens mit der Eröffnung des Museums zu erwirken. Sofern es sich um ein reines Privatmuseum handelt und Gründer eine besondere Qualifikation und künstlerische Schöpfungshohe aufweisen, kann in Einzelfällen die Anerkennung als Freiberufler geprüft werden. Das wird bei der Eröffnung eines Museums aber eher die Ausnahme sein. Selbstständige müssen nicht nur angesichts dessen ganz grundsätzlich im Businessplan klären, wie sie den Museumsbegriff inhaltlich und konzeptionell der anvisierten Zielgruppe verkaufen wollen. Denn darum muss es in wirtschaftlicher Hinsicht gehen!
 

Formale Rahmenbedingungen: Rechtsform für Museumsgründung?

Was die Rechtsform angeht, so sind Selbstständige bzw. Gewerbetreibende bei der Gründung eines Museums relativ frei. Zu bedenken ist aber in finanzieller Hinsicht sehr frühzeitig, dass viele Museen durch staatliche Fördermittel oder Spenden gestützt werden. In dieser Hinsicht kann es rechtlich sinnvoll sein, eine Stiftung für ein Museum zu gründen. Da dies rechtlich komplex ist, sollten Gründer sich fachmännisch beraten lassen, um alle Einnahmen und auch Spenden oder sonstige Zuwendungen steuerlich korrekt zu erfassen.
 

Voraussetzungen für den Museumsbetrieb

Gesetzliche Öffnungszeiten im jeweiligen Bundesland sind einzuhalten. Wichtig ist, dass die Exponate der Ausstellung in ausreichender Höhe versichert sind. Das ist vor allem notwendig, wenn es sich nicht um eine eigene Kunstsammlung handelt, sondern diese nur ausgestellt wird. Exponate wie Kunstwerke oder alte Sammlerstücke könnten beschädigt oder entwendet werden. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind bei der Konzepterstellung gezielt zu berücksichtigen. Vertraglich ist die zeitliche Überlassung inklusive Versicherungsschutz aller Exponate zu klären, sodass für alle Seiten wünschenswerte Planungssicherheit nutzbar ist.
 

Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen mit einem Museum?

Zu Beginn erscheint es sinnvoll, den Begriff Museum differenziert zu betrachten: Viele Museen in Deutschland werden staatlich gefördert, wobei sie nicht selten dahinter stehenden Forschungseinrichtungen angeschlossen sind. Von solchen öffentlich finanzierten Museen, die durchaus in privater Hand sein können, sind reine Privatmuseen abzugrenzen. Hierbei handelt es sich meistens um eher kleine Museumsbetriebe, die sich auf regionale Besonderheiten bzw. die Geschichte des Ortes spezialisiert haben.
 

Wie selbstständig machen mit einem Museum?

Gründer sollten Klarheit erlangen, welchen Weg sie gehen wollen, da hiermit auch direkte Konsequenzen für die Finanzierung des Museumsbetriebs verbunden sind. Wer staatliche Fördermittel nutzen möchte, muss bestimmte Kriterien einhalten, die bereits in einer sehr frühen Phase zu konkretisieren sind. Wer ein kleines Privatmuseum eröffnen möchte, kann das in der Regel sehr frei tun.
 

Wie oft gehen die Deutschen in ein Museum?

Zahlen aus dem Jahr 2014 zeigen deutlich mehr als 100 Millionen Museumsbesuche, was statistisch betrachtet etwa 1,4 Besuchen im Museum pro Einwohner bedeutet. Ist der Museumsstandort bekannt, lassen sich anhand der Einwohnerzahl Rückschlüsse auf mögliche Museumsbesuche pro Jahr schließen. Dabei müssen im Sinne einer Konkurrenzanalyse andere Museen berücksichtigt werden, die natürlich ebenfalls Besucher anziehen. Jedenfalls gibt es ein großes Publikum für Museen: Die Art des Konzepts entscheidet darüber, wie groß die potenzielle Zielgruppe sein wird.
 

Wie viele Museen gibt es in Deutschland?

Die Entwicklung der Museumslandschaft in Deutschland ist in den letzten Jahren ziemlich konstant. So ist die Zahl der Museen in Deutschland zuletzt kontinuierlich auf 6.800 angestiegen. Statistische Auswertungen zeigen, dass ca. 2,5 Millionen Deutsche sehr regelmäßig Museen oder Ausstellungen besuchen. Gut 30 Millionen tun dies gelegentlich. Die Mehrheit mit etwa 37 Millionen gibt im Zeitraum 2016 bis 2020 an, nie ein Museum zu besuchen. Insgesamt sind diese Zahlen ermutigend. Mit dem richtigen Angebot und einem modernen Marketing lassen sich viele der Nicht-Museumsgänger ggf. doch überzeugen. Entscheidend wird sein, dass der Museumsbegriff modern interpretiert wird und nicht langweilig oder angestaubt wirkt. Der Namensgebung für das Museum wird in dieser Hinsicht eine große Bedeutung zukommen.
 

Welche Museen werden in Deutschland am meisten besucht?

Die Betrachtung dieser Frage kann Ansatzpunkte für Ausrichtung des eigenen Museums offenbaren, wobei aber natürlich regionale Faktoren und Möglichkeiten zu würdigen sind. An Platz 1 liegt das Deutsche Museum in Berlin mit knapp 1,5 Millionen Besuchern. Auf Platz 2 liegt das Miniatur Wunderland in Hamburg mit gut 1,4 Millionen Besuchern. Hier zeigt sich, dass ein Museum nicht automatisch mit Kunst oder Geschichte gleichzusetzen ist! Das Miniatur Wunderland wird jedenfalls eine andere Zielgruppe ansprechen und vor allem für Familien und Kinder interessant sein.

Surftipp: Museum als Erweiterung für einige Geschäftsideen prüfen

Hier auf selbststaendig.de finden sich viele teils sehr traditionelle Geschäftsideen im Handwerksbereich, die mit einer Museumsgründung verbunden werden könnten. So ließen sich etwa alte Maschinen bzw. Produktionsmöglichkeiten darstellen. Auch ein alter Bauernhof kann zum Museum werden, indem alte Maschinen oder auch Häuser zugänglich gemacht werden. Sinn dieser Anregung ist, dass ein Museum nicht nur im Kunstbereich anzusiedeln ist. Im Grunde ließe sich alles ausstellen, für das es eine nachhaltige Nachfrage gibt…


Was ist ein gutes Museum?

Diese Frage ist aus Sicht des Marketings und der Kundengewinnung entscheidend. An dieser Frage wird auch deutlich, warum sich Existenzgründer mit dem Museumsbetrieb gut auskennen sollten. Entscheidend wird ein hoher Erlebnischarakter sein, der den Besuch zu einem Highlight werden lässt. Es muss darum gehen, die Exponate ansprechend zu präsentieren bzw. sie erlebbar zu machen. Das kann in Form von Filmen, Bildern oder auch mit modernsten Projektionsmethoden gelingen. Hier sind der Kreativität des Museumsbetreibers im Grunde keine Grenzen gesetzt. In formaler Hinsicht ist eine Orientierung an den Richtlinie des ICOM (International Council of Museums) sinnvoll. Darin werden folgende Gütekriterien für ein Museum erwähnt, die Gründer im auszuarbeitenden Businessplan konkretisieren können:

- Finanzielle und institutionelle Basis

- Museumskonzept inklusive Leitbild

- Qualifikation des Personals

- Museumsmanagement

- Mischung auf Dokumentation, Bewahrung, Forschen und Vermitteln


Businessplan für Museumseröffnung ausarbeiten: Das gehört hinein!

Die Frage der Ausrichtung (öffentliches vs. privates Museum) ist schon angesprochen worden. Sie muss im Businessplan mit all ihren Konsequenzen überzeugend beantwortet werden. Im Businessplan für ein Museum müssen Gründer mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Fachwissen glänzen, um Geldgeber oder Sponsoren zu gewinnen. Es sollte klar werden, mit welchen Erfahrungen der Gründer in der Lage ist, einen funktionierenden Museumsbetrieb in Leben zu rufen und zielfokussiert zu managen. Was kann er selber zu den Inhalten beitragen? Mit welchen Beziehungen kann er immer wieder wechselnde Exponate gewinnen? Ist er künstlerisch/handwerklich so versiert, eigene Exponate auszustellen? Hat er ggf. eine regionale Bekanntheit erlangt, die für einen gewissen Besucherstrom sorgen wird?
 

Das Ausstellungskonzept als Herzstück des Businessplans

All diese Fragen müssen mit einem individuellen Ausstellungskonzept auf den Punkt gebracht werden. Es muss ein für die Zielgruppe attraktives Konzept entstehen, das Mehrwerte bzw. anziehende Reize enthält. Zum Ausstellungskonzept zählen vor allem die Räumlichkeiten, die die Möglichkeiten für das Museum vorgeben. Die Art der Präsentation im Museum wird entscheidend für den Erkenntnisgewinn bzw. Erlebnischarakter sein. Das Personal wird das Museum zum Leben erwecken bzw. dessen persönliches Aushängeschild sein müssen.
 

Mit dem Businessplan die Finanzierung des Museums sicherstellen

Wie bei jeder Existenzgründung, so spielen gerade auch bei einem Museum die Finanzen eine Schlüsselrolle. Wer staatliche Fördermöglichkeiten nutzen möchte, sollte sich frühzeitig mit den Voraussetzungen bzw. der Kulturförderung in der jeweiligen Landesverfassung beschäftigen. Abgesehen davon sind weitere Möglichkeiten jenseits der Eintrittsgelder zu prüfen, um Einnahmen zu erzielen. Zu denken ist an Spenden (monetärer Art und Exponate), Sponsoren, Zuschüsse durch Gemeinden/Städte und weitere Formen der Kooperation.
 

Strategische Alternative: selbstständig machen als Museumsführer

Wer sich mit Museumsarbeit selbstständig machen möchte, aber die Gründung eines eigenen Museums scheut, kann eine strategische Alternative für sich prüfen: selbstständig machen als Museumsführer. Je nach Standort und Dichte an in Frage kommender Museen ist es möglich, auf selbstständiger Basis regelmäßig Führungen in Museen anzubieten. Fraglich ist allerdings, ob diese Alternative für die Selbstständigkeit in der Museumsarbeit über einen Nebenverdienst hinausgehen kann.
 

Marketing: Wie soll das Museum bekannt werden?

Idealerweise ist der Standort so zentral, dass Besucher mehr oder weniger automatisch darauf aufmerksam werden. Um die Bekanntheit von Beginn an konsequent zu erhöhen, sollte die Werbe- bzw. PR-Trommel kräftig geschlagen werden. Pressemeldungen, Zeitungsberichte, Plakate und Flyer sowie Radiowerbung sind sehr gute Mittel, um sich im Bewusstsein vieler potenzieller Besucher zu verankern. Eine moderne und vor allem suchmaschinenoptimierte Homepage sollte das Museumskonzept lebendig erscheinen lassen und bereits einen spannenden Einblick vor und hinter die Kulissen des Museumsbetriebs ermöglichen. Die beste Werbung werden sicherlich zufriedene Besucher sein, die das Museum persönlich weiterempfehlen. Dies wird reichweitenstark immer öfter online passieren. Daher sollten auf der Homepage oder auf Social-Media-Profilen solche Möglichkeiten vorhanden sein.
 

Wie viel verdient man mit einem Museum?

Wie finanziert sich ein Museum? Wie viel Gewinn wirft ein Museum ab? Diese Fragen müssen im Finanzteil des Businessplans beantwortet werden, wenn alle Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt worden sind. Ganz klar sollte an dieser Stelle sein, dass die Eintrittsgelder alleine nicht reichen werden, um sich mit einem eigenen Museum über Wasser halten zu können. Die meisten Eintrittspreise für Museen liegen in einem einstelligen Bereich, wobei es in aller Regel zahlreiche Vergünstigungen für diverse Gruppen gibt. Der Eintrittspreis alleine wird nicht zu einem hohen Verdienst mit einem Museum führen. Schließlich ist es kein Zufall, dass viele Museen mit staatlichen Mitteln gefördert werden. In diesem Kontext ist auch die zentrale Frage ‚Wie viel darf Kultur kosten?‘ zu stellen. Will heißen: Die Preisschraube für Eintrittspreise darf nicht unendlich in die Höhe gedreht werden, da irgendwann für einen Großteil der Zielgruppe ein finanzielles Ausschlusskriterium erreicht ist.

Gründer stehen im Falle der Museumseröffnung selbst in der Verantwortung, die Einnahmebasis möglichst breit und in jeder Hinsicht berechenbar aufzustellen: Zu denken ist an Einnahmen aus dem Verkauf von Souvenirs, Büchern etc. Eventuell ist ein kleines Café vorgesehen. In finanzieller Hinsicht sollten Museumsbetreiber aktiv werden, um via Sponsoring, Spenden oder aus Rechten an Kunstgegenständen zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit eigenem Museum‘:

Warum selbstständig machen mit einem Museum?

Weil es sich um einen Klassiker in der Kulturlandschaft handelt, der je nach Standort und Gründerprofil sehr individuelle Formen annehmen kann. Statistisch gesehen besucht jeder Deutsche deutlich mehr als 1 Museum pro Jahr.
 

Wie viel verdient man mit einem Museum?

Diese Frage muss im Finanzteil des Businessplans aussagekräftig beantwortet werden. Abgesehen von den Einnahmen durch Eintrittsgelder sind staatliche Fördergelder, Spenden, Sponsoring und weitere denkbarbare Einnahmequellen frühzeitig zu prüfen.
 

Businessplan für Museum: Welche Themen gehören hinein?

Im Businessplan für ein Museum werden in erster Linie Gründer selbst als Person mit Fachwissen und Leidenschaft für das Thema punkten müssen. Darauf muss ein einzigartiges Konzept für das Museum entstehen, das als inhaltliches Kernstück für ein eigenes Museum zu sehen ist.

Quellenangabe: 
Autor: 
Mark Leissen

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