Selbstständig machen als Pflegekraft

Häusliche Pflege

In Deutschland ist seit einigen Jahren der Trend zu erkennen, dass sich immer mehr Pflegekräfte selbstständig machen. Relativ niedrige Löhne, lange und zum Teil ungeregelte Arbeitszeiten und viele, oftmals unbezahlte Überstunden legen es nahe, über den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit als Pflegekraft nachzudenken. In diesem Beitrag sollen diesbezüglich alle relevanten Schlüsselfaktoren beleuchtet werden, um erfolgreich als selbstständige Pflegekraft durchstarten zu können. Genau genommen ist die Bezeichnung freiberufliche Pflegekraft richtig. Aus diesem Status folgt bereits, dass für diese Art der haupt- oder auch nebenberuflichen Tätigkeit keine Gewerbeanmeldung erforderlich ist.
 

Der Pflegebereich in Deutschland: Ein Blick auf zentrale Umfeldbedingungen

In den Medien ist oft davon zu lesen, dass Deutschland eine stark alternde Gesellschaft aufweist. Diese alternde Gesellschaft bietet hervorragende Zukunftsaussichten für freiberufliche Pflegekräfte, zumal der Bedarf an Fachleistungen schon jetzt vielerorts nicht mehr adäquat gedeckt werden kann. Aktuell sind in Deutschland etwa 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig, im Jahr 2030 werden es laut Schätzungen bereits 3,5 Millionen sein. Interessant ist auch die Feststellung, dass gut Zweidrittel aller Pflegebedürftigen zuhause und nicht in Heimen betreut werden. In diesem privaten Bereich haben freiberufliche Einzelpflegekräfte gute Chancen, beruflich Fuß zu fassen. Rein wirtschaftlich betrachtet handelt es sich um ein zukunftssicheres Umfeld, in dem freiberufliche Pflegekräfte sich selbstbestimmt verwirklichen können.
 

Existenzgründung: Grundlegende Voraussetzungen für selbstständige Pflegekräfte

Beim Alten- oder auch Krankenpfleger handelt es sich um eine anerkannte und bundesweit einheitlich geregelte Ausbildung. Eine erfolgreich absolvierte Fachausbildung ist die Grundvoraussetzung für eine freiberufliche Berufsausübung. Aus der Ausbildung und etwaigen Schwerpunkten ergibt sich das Leistungsspektrum. Jede Pflegekraft sollte genau wissen, was sie darf und was nicht! Einige Leistungen wie etwa das Setzen bestimmter Spritzen sind medizinischem Fachpersonal vorbehalten. Sofern sich eine Pflegekraft an die in der Ausbildung vermittelten Inhalte hält, wird es keine Probleme geben. Natürlich ist es immer auch eine Option, sich in bestimmten Bereichen bzw. mit Blick auf bestimmte Krankheitsbilder fortzubilden.
 

Wichtige Formalitäten für eine freiberufliche Tätigkeit als Pflegekraft (einzeln)

Die aufzunehmende freiberufliche Tätigkeit muss formlos beim Finanzamt angemeldet werden, das seinerseits eine neue Steuernummer vergeben wird. Dies ist auf Rechnungen anzugeben. Grundsätzlich ist es nötig, dem Landesrahmenvertrag beizutreten, einen so genannten Versorgungvertrag sowie eine Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen-Landesverbänden abzuschließen. Die Voraussetzungen für eine Kassenzulassung sind recht komplex und von Bundesland zu Bundesland verschieden. Bis vor wenigen Jahren waren viele Krankenkassen und Verbände noch strikt dagegen, mit Freiberuflern Verträge abzuschließen. Sofern es um Pflegeleistungen geht, ist die Pflegekasse ohnehin der richtige Ansprechpartner. Alternativ ist es möglich, direkt mit seinen Patienten abzurechnen und Rechnungen auszustellen. Die Preise sollten sich dann am Üblichen bzw. den Honoraren für Pflegekräfte richten. Individuelle Leistungen im Bereich der häuslichen Pflege können aber auch individuell verhandelt werden. Letztlich wird die Höhe des Honorars auch von der Qualifikation der Pflegekraft abhängen.
 

Praxistipp: Die persönlichen Voraussetzungen sollten im jeweiligen Bundesland bei den Kassenverbänden erfragt werden, sofern eine Abrechnung mit der Kranken- oder Pflegekasse geplant ist.

Zudem ist es in den meisten Bundesländern vorgesehen, sich beim Gesundheitsamt anzumelden und entsprechende Formulare einzureichen. Auch eine grundsätzliche gesundheitliche Überprüfung ist aus verständlichen Gründen im Pflegebereich vorgesehen. Des Weiteren ist die freiberufliche Tätigkeit als Pflegekraft bei der Berufsgenossenschaft anzumelden, und zwar konkret bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Benötigte Formulare finden Interessenten unter bgw-online.de. Die Einkünfte, die im Rahmen der Tätigkeit als freiberufliche Pflegekraft erzielt werden, sind einkommenssteuerpflichtig. Insofern müssen sie jedes Jahr bei der Steuererklärung mithilfe einer recht einfachen Einnahme-Überschussrechnung (EÜR) angegeben werden. Generell ist zu beachten, dass sämtliche Leistungen in den Heilberufen nicht von der Umsatzsteuer erfasst werden. Rechnungen, die für die erbrachten Pflegeleistungen erstellt werden, sollten dann einen dementsprechenden Hinweis auf Paragraf 4 Nr. 14 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) enthalten.
 

Möglicher Kundenkreis für eine freiberufliche Pflegekraft?

Eine Internetrecherche kann Interessenten nützliche Tipps für die eigene Planung der freiberuflichen Tätigkeit näherbringen. Zahlreiche freiberufliche Pflegekräfte zeigen mit ihren Internetseiten, wie sie sich und ihre Leistungen präsentieren. Generell ist das mögliche Handlungsfeld bzw. Kooperationsspektrum einer freiberuflichen Pflegekraft groß. So kann neben der Arbeit in Privathaushalten auch eine Zusammenarbeit mit Pflegediensten, Praxen, Kliniken oder auch betreuten Wohngemeinschaften in Betracht kommen.
 

Akquise, Werbung und Aktionsradius definieren

Vor dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit sollte Klarheit darüber herrschen, dass nicht nur die Fachkenntnisse aus dem Pflegebereich im täglichen Mittelpunkt stehen werden. Auch eine kaufmännische Sichtweise auf die Dinge ist von Beginn an einzunehmen. So müssen sich freiberufliche Pflegekräfte um die Abrechnung mit Krankenkassen oder das gesamte Rechnungswesen inklusive Kontrolle der Zahlungseingänge selber kümmern. Auch sind zu treffende Entscheidungen mit Blick auf ihre wirtschaftliche Sinnhaftigkeit zu überprüfen: Welcher Aktionsradius macht in diesem Kontext noch Sinn? Wie bzw. in welchem Maß können die Fahrkosten abgerechnet bzw. den Patienten zugemutet werden?

Die Patientenakquise erweist sich als eines der schwierigsten Felder in der Startphase. Idealerweise haben freiberufliche Pflegekräfte schon den einen oder anderen Kontakt, sodass sie ihr Netzwerk quasi unterstützt. Eine Webseite sollte nicht fehlen, um auf seine Dienste aufmerksam zu machen. Oft sind es die jüngeren und durchaus internetaffinen Angehörigen, die sich online nach flexiblen und professionellen Pflegedienstleistungen erkundigen. Auch Annoncen in regionalen Zeitungen können ein kosteneffizienter Weg sein, um mehr und mehr Patienten für sich zu gewinnen. Je nach vereinbartem Betreuungsumfang kann es schon reichen, 2 oder 3 Patienten für sich zu gewinnen. Eine weitere prüfenswerte Option ist es, sich mit so genannten Vermittlungsagenturen zu verbinden, sodass die Akquise quasi automatisiert wird. Die jeweiligen Vertragsbedingungen sollten genau mit Blick auf die persönliche Vorteilhaftigkeit überprüft werden. Auch hier reicht eine kurze Internetrecherche, um diese Option in groben Zügen zu prüfen.
 

Das Vertragliche sollte im Interesse beider Seiten schriftlich geregelt werden

Wer nicht mit der Kranken- oder Pflegekasse, sondern mit seinen Auftraggebern direkt abrechnet, sollte einen Vertrag abschließen. Darin sollte Näheres zu den erbrachten Leistungen, dem zeitlichen Umfang der Tätigkeit und der Vergütung geregelt sein. Wer mit der Kranken- oder Pflegekasse abrechnet, sollte sich mit den notwendigen Formalitäten vertraut machen.
 

Sinnvolle Versicherungen als selbstständige Pflegekraft

Wo Menschen arbeiten, können immer Fehler passieren. Diese können zum Teil gravierend sein, auch wenn sie völlig unbeabsichtigt sind. Insofern sollte eine freiberufliche Pflegekraft in jedem Falle eine leistungsstarke Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Auch eine Rechtschutzversicherung ist generell eine prüfenswerte Option, da sich kostenintensive Rechtstreitigkeiten nicht ausschließen lassen. Darüber hinaus öffnet sich durch die selbstständige Tätigkeit der Weg in die private Krankenversicherung, dies unabhängig von der Höhe der erzielten Einkünfte. Natürlich ist in jedem Falle auch frühzeitig an die private Altersvorsorge zu denken.
 

Gefahr der Scheinselbstständigkeit in diesem Bereich

Die so genannte Billigkonkurrenz aus Osteuropa stellt im Pflegebereich eine gewisse Konkurrenz bzw. Gefahr dar. In jedem Falle aber sind bei einer Kooperation die Bedingungen genau zu prüfen. Wer beispielsweise bei einem Patienten im Haushalt lebt und nur für diesen arbeitet, der ist de facto scheinselbstständig, da eindeutig eine Weisungsgebundenheit vorliegt. Gleiches gilt, wenn eine vermeintlich freiberufliche Pflegekraft in die Strukturen und Prozesse eines Pflegedienstes eingebunden ist.
 

Fazit und berufsspezifische Perspektiven für selbstständige Pflegekräfte

Angesichts der demografischen Entwicklung hierzulande wird sich der Bedarf an professionellen Fachleistungen im Pflegebereich in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Insofern lässt sich für freiberufliche Pflegekräfte eine sehr gute Prognose für die zukünftige Entwicklung geben. Dies setzt natürlich voraus, dass der Weg in die Selbstständigkeit gewissenhaft geplant und von Beginn an strategisch bedeutsame Entscheidungen auch aus einer kaufmännischen Perspektive getroffen werden. Mittel- oder langfristig gesehen kann es auch eine Überlegung wert sein, einen eigenen Pflegedienst zu gründen.
 

Selbstständig machen als Pflegekraft (einzeln): das Wichtigste in aller Kürze

  1. Es handelt sich um eine freiberufliche Tätigkeit, die von der Umsatzsteuer befreit ist
  2.  Eine Berufsausbildung ist eine zwingende Grundvoraussetzung
  3. Generell kommt eine Abrechnung mit der Kranken-/Pflegekasse oder mit den Auftraggebern direkt in Betracht (die Regelungen sind in den Bundesländern verschieden, sodass die individuellen Voraussetzungen rechtzeitig geprüft werden sollten)
  4. Wichtige Formalitäten: Anmeldung der Tätigkeit beim Finanzamt, Gesundheitsamt und bei der Berufsgenossenschaft
  5. Der individuelle Versicherungsschutz ist zu prüfen, ebenso die private Altersvorsorge
  6. Bei der Abhängigkeit von nur einem Auftraggeber oder aber der Einbindung in Arbeitsstrukturen besteht die Gefahr der Scheinselbstständigkeit in diesem Bereich
  7. Hervorragende Berufsperspektiven: In einer rasant alternden Gesellschaft wie der deutschen wird der Bedarf an (freiberuflichen) Pflegekräften in naher Zukunft stark steigen.

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