Selbstständig machen als Haushaltshilfe

Haushaltshilfe

Die selbstständige Tätigkeit als Haushaltshilfe bietet aus vielen Lebenssituationen heraus eine Chance, sich im näheren Umkreis einen flexiblen Hinzuverdienst aufzubauen. Ob aus der Arbeitslosigkeit heraus oder während der Elternzeit, als Haushaltshilfe lässt sich ein flexibles selbstständiges Standbein aufbauen. Mit der richtigen Planung und einer umsichtigen Vorgehensweise kann auch der Lebensunterhaltung als selbstständige Haushalthilfe bestritten werden, zumal die Nachfrage sehr groß ist.

In diesem Beitrag sollen alle praxisrelevanten Faktoren vorgestellt werden, die für den Weg in die Selbstständigkeit als Haushaltshilfe eine mitunter strategische bzw. erfolgskritische Rolle spielen können.
 

Markt und Ausgangslage sondieren: Perspektiven als selbstständige Haushaltshilfe

In Deutschland wird in fast jedem 10. Privathaushalt eine Haushaltshilfe engagiert. Insofern ist die potenzielle Nachfrage mit etwa 8 Millionen Haushalten sehr groß. Im Einzelfall sollten angehende selbstständige Haushaltshilfen natürlich prüfen, wie groß die Nachfrage respektive Konkurrenzsituation vor Ort konkret ist. In diesem beruflichen Kontext wird auch oft von so genannten haushaltsnahen Dienstleistungen gesprochen. Neben klassischen Reinigungstätigkeiten können dabei viele weitere Arbeiten professionell erledigt werden, die in einem Haushalt anfallen. Als Zielgruppe kommen in einer alternden Gesellschaft wie es hierzulande der Fall ist aber nicht nur Senioren in Betracht: Auch in Familien mit Kindern oder Pflegebedürftigen wird nicht selten eine Haushaltshilfe gebraucht, vor allem dann, wenn ein Familienmitglied krank ist.
 

Der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen und die Schwarzarbeit sowie Scheinselbstständigkeit

Eine weitere Zahl ist auch kennzeichnend für die Beschäftigungssituation mit Blick auf haushaltsnahe Dienstleistungen: Das Deutsche Institut für Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass im Jahr 2015 etwa 80 % aller Haushaltshilfen Schwarzarbeit leisteten. Wer eine selbstständige Tätigkeit als Haushaltshilfe anstrebt und diese offiziell bei den Ämtern anmeldet und auf eigene Rechnung arbeitet, entscheidet sich klar gegen die Schwarzarbeit. Eine Scheinselbstständigkeit (ggf. in Kombination mit Schwarzarbeit) liegt dann vor, wenn eine scheinbar selbstständige Haushaltshilfe in Wirklichkeit in Prozesse und Strukturen von Auftraggebern fest eingebunden ist. Diese Gefahr besteht immer, wenn Haushaltshilfen bei speziellen Unternehmen auf vermeintlich selbstständiger Basis anheuern.
 

Kundengewinnung und Marketing als selbstständige Haushaltshilfe

Ein Wesensmerkmal der Selbstständigkeit ist es, in Eigenregie für die Auftragsakquise verantwortlich zu sein. Dies beinhaltet die von vielen sehr geschätzte Freiheit, selber entscheiden zu können, mit welchen Kunden zusammengearbeitet werden soll. Da die Konkurrenz von großen Unternehmen je nach Standort und gewähltem Aktionsradius groß sein kann, gilt es, sein eigenes Angebot strategisch klug zu platzieren. Dazu aber muss überhaupt erstmal Aufmerksamkeit geschaffen werden. Dies kann durch eine optimierte Homepage, Flyer und Annoncen in Printmedien oder auf speziellen Internetportalen geschehen. Letztere haben den Vorteil, dass sie zumeist kostenfrei sind und darüber hinaus eine große Reichweite aufweisen. In Bezug auf haushaltsnahe Dienstleistungen können auch Flyer in Pinnwänden, die in vielen Supermärkten zu finden sind, eine sehr funktionale Methode der Kundengewinnung sein. Auf Visitenkarten sollten selbstständige Haushaltshilfen ebenfalls nicht verzichten, um die so wichtige Mund-zu-Mund-Propaganda mit konkreten Kontaktinformationen in die richtigen Bahnen zu lenken.
 

Welche Leistungen sollte eine selbstständige Haushaltshilfe anbieten?

Hierbei spielen die eigenen Stärken und Vorlieben sicherlich eine Rolle. Diese sollten aber nicht alles entscheidend sein, denn letztlich bestimmt die Nachfrage das (erfolgreiche!) Angebot. Insofern sollte all das in professioneller Qualität angeboten werden, für das in vielen Haushalten eine tatsächliche Nachfrage besteht. Je größer das Leistungsspektrum einer Haushaltshilfe ist, desto größer ist die potenzielle Zielgruppe bzw. die Chance, an Aufträge zu kommen. Die Qualität spielt vor allem für Folgeaufträge eine wichtige Rolle, denn wer will schon eine Haushaltshilfe mehrfach engagieren, wenn sie beim ersten Mal im wahrsten Wortsinne keine gründliche Arbeit hinterlassen hat? Insofern ist professionelle Gründlichkeit ein Muss, um bei der Selbstständigkeit als Haushaltshilfe eine nachhaltige Geschäftsbasis aufzubauen. Im Grunde genommen erledigt eine Haushaltshilfe alle Dienstleistungen, die Auftraggeber nicht erledigen können oder wollen. Natürlich sollten alle angebotenen Dienstleistungen einen haushaltsnahen Charakter aufweisen, zumal das Leistungsspektrum im Zuge der notwendigen Gewerbeanmeldung dargelegt werden muss.
 

Übersicht: mögliche Leistungen einer selbstständigen Haushaltshilfe

  • Reinigungsarbeiten (Fenster putzen, wischen, saugen etc.)
  • Hilfe in der Küche
  • Bügelservice
  • Gartenarbeiten
  • Erledigung des Winterdienstes
  • Übernahme von Behördengängen
  • Einkaufsservice
  • Betreuung/Pflege von Haustieren
  • Kinderbetreuung
  • ggf. Pflege/Betreuung von kranken oder älteren Menschen (mit entsprechender Zusatzqualifikation)

Je nach Standort und Nachfragesituation kann es auch Sinn machen, sich in einigen Bereichen zu spezialisieren und sich einen Namen zu erarbeiten. Im Bereich der Reinigungsdienstleistungen könnte ein konkreter Mehrwert aus Kundensicht z.B. darin bestehen, dass Teppich- oder komplette Bad- bzw. Küchengrundreinigungen angeboten werden.

Preisgestaltung: Finanzielle Absicherungen von Anfang an mit einkalkulieren

Natürlich muss das Ziel der Selbstständigkeit neben der gewonnenen Freiheit sein, zufriedenstellende Einnahmen zu erzielen. Insofern sind neben den marktüblichen Preisen alle Kosten für den Stundenlohn mit einzubeziehen. Ein Blick auf den Markt zeigt, dass professionelle Haushaltshilfen einen Stundenlohn zwischen 12 und 14 Euro durchsetzen können, wobei Kunden sicher eine gewisse Qualität voraussetzen werden. Selbstständige sollten alle direkt kontrollierbaren Kosten so gering wie nur möglich halten. Hierunter fallen z.B. Fahrtkosten (=> der Aktionsradius sollte nicht zu groß sein) und die Kosten für die eingesetzten Reinigungsmittel (=> ressourcenschonender Umgang). Nicht zu vernachlässigen ist die große Konkurrenz, die durch preisgünstige Schwarzarbeit in diesem Bereich entsteht. Dumpingpreise sind aber kein Mittel, um auf lange Sicht zufriedenstellende Einnahmen zu erzielen. Vom Stundenlohn müssen neben Reinigungsmitteln und etwaigen Fahrtkosten auch alle Kosten der persönlichen Absicherung gedeckt werden.
 

Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Krankenkassen prüfen

Viele Krankenversicherte wissen gar nicht, dass auch Krankenkassen eine Haushaltshilfe zu großen Teilen bezahlen, wenn die familiäre Situation keine andere Lösung zulässt. Sind viele Kinder im Haushalt oder erkrankt ein Familienmitglied schwer, so kann eine Haushaltshilfe wertvolle Unterstützung einbringen. Insofern kann es Sinn machen, als selbstständige Haushaltshilfe auch mit Krankenkassen in Bezug auf die Auftragsakquise zusammenzuarbeiten. Eine selbstständige Tätigkeit ist immer dann gegeben, wenn die Krankenkasse den Kontakt vermittelt und die Haushaltshilfe ihre Leistungen auf eigene Rechnung erbringt. Um eine hohe Auslastung zu gewährleisten, sollte der direkte Kontakt zu Krankenkassen gesucht werden.
 

Spezielle Plattformen für die Auftragsakquise nutzen

Abgesehen von den hier bereits beschriebenen Möglichkeiten der Kundengewinnung bzw. der Vermarktung der eigenen Dienstleistungen, können auch spezielle Plattformen wie helping.de genutzt werden. Auf solchen beliebter werdenden Vermittlungsplattformen werden Auftraggeber und Haushaltshilfe schnell zusammengebracht. Wer eine Haushaltshilfe sucht, muss in der Regel lediglich die betreffende Postleitzahl und die gewünschten Leistungen angeben. Auf der anderen Seite können selbstständige Haushaltshilfen hier Präsenz zeigen und so ohne großen Aufwand an Aufträge in unmittelbarer Nähe gelangen. Es lohnt sich also, die Möglichkeiten des Engagements auf solchen Plattformen im Einzelfall zu prüfen. Hierzu reichen schon wenige Klicks aus.
 

Formales: Anstehende Behördengänge für die Anmeldung der Selbstständigkeit als Haushaltshilfe

Bevor die Arbeit als selbstständige Haushaltshilfe aufgenommen wird, muss ein Gewerbe angemeldet werden. Hierzu ist ein entsprechender Antrag beim zuständigen Gewerbeamt einzureichen. Neben dem Gewerbeamt ist die Tätigkeit auch beim Finanzamt zwecks steuerlicher Erfassung anzumelden. Wenn die Umsätze im ersten Jahr nicht über 17.500 Euro liegen, dann kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden. Auf diese Weise muss auf Rechnungen die Umsatzsteuer nicht ausgewiesen werden, was die Buchhaltung in der Anfangsphase vereinfachen kann.
 

Praxisorientierte Zusammenfassung: selbstständig machen als Haushaltshilfe

  • Der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen bietet attraktive Chancen für die berufliche Selbstständigkeit, denn in fast jedem 10. Privathaushalt wird eine Haushaltshilfe engagiert
  • Mit geschätzten 80 % ist der Anteil der Schwarzarbeit in diesem Bereich extrem hoch. Konkrete Folgen zeigen sich durch Preisdumping, dass die Einnahmebasis von selbstständigen Haushaltshilfen mindern kann
  • Je größer das angebotene Leistungsspektrum, desto größer sind die potenzielle Zielgruppe bzw. die wahrgenommenen Mehrwerte aus Kundensicht
  • Professionelle Haushaltshilfen (mit entsprechender Gründlichkeit) können Stundenlöhne von 12 bis 14 Euro durchsetzen. Generell sollten die eigenen Kosten für die Anfahrt (=> kein zu großer Aktionsradius) und Putzmittel möglichst gering gehalten werden
  • Eine Scheinselbstständigkeit kann vorliegen, wenn eine Haushaltshilfe in Strukturen des Auftraggebers integriert ist (= Weisungsgebundenheit) und letztlich so nicht mehr auf eigene Rechnung arbeitet
  • notwendige Absicherung vor finanziellen Risiken durch eine Betriebshaftpflichtversicherung vornehmen (für Schäden, die bei der Arbeit entstehen können)
  • weitere Möglichkeiten für die Auftragsakquise prüfen: Kooperation mit Krankenkassen, Registrierung auf speziellen Vermittlungsportalen
  • formalen Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Haushaltshilfe: Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung beim Finanzamt (ggf. Befreiung von der Umsatzsteuer durch Nutzung der Kleinunternehmerregelung)

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