Selbstständig machen als Schlagzeugmacher

Die hier ‚angestimmte‘ Geschäftsidee selbstständig machen als Schlagzeugmacher (Metallschlaginstrumentenbauer)‘ ist wie gemacht für Gründer, für die Musik eine zentrale Rolle im Leben spielt. Die Existenzgründung als Schlagzeugbauer erlaubt es mit Rhythmus im Blut, den eigenen geschäftlichen Takt vorzugeben und aus einer Leidenschaft einen vielversprechenden Beruf zu machen. Natürlich sind einige Vorüberlegungen notwendig, um als selbstständiger Schlagzeugmacher Geld verdienen zu können. Genau das soll in diesem Beitrag praxisorientiert geschehen, wobei folgende Themen ‚Schlag auf Schlag‘ im Fokus der Vorbereitung auf die Existenzgründung stehen:

  • Ausgangsanalyse: Welche Chancen bietet der Zielmarkt?

  • Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Schlagzeugmacher

  • Businessplan: Themen für die Ausrichtung der Geschäftstätigkeit

  • Verdienst als selbstständiger Schlagzeugmacher?


Was macht ein Schlagzeugmacher? Ein Berufsbild im Kurzporträt

Einleitend soll kurz auf die Berufsbezeichnungen und Änderungen in den letzten Jahren eingegangen werden. Der seit 1963 existierende Beruf Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugmacher ist 1997 aufgehoben worden. An seine Stelle ist das neue Berufsbild ‚Metallblasinstrumentenmacher‘ gerückt. Das sei erwähnt, um für begriffliche Klarheit zu sorgen. Diese Tätigkeiten zielen im Grunde auf dasselbe ab und in Anlage B2 der Handwerksordnung ist immer noch vom Schlagzeugmacher die Rede.

Je nach Ausbildungs- bzw. Berufshintergrund müssen sich Selbstständige nicht nur auf Schlagzeuge (drums) ausrichten. Auch Pauken aller Art, Becken, Triangeln, Xylophone, Klangplatten, Glockenspiele, Schellenbäume, Tamburine oder andere exotische Schlaginstrumente können zum handwerklichen Leistungsspektrum zählen (z. B. die sehr angesagten Cajones, die klangvolle Holzkisten darstellen). Abgesehen von der Herstellung all dieser Instrumente in Handarbeit gehören die Wartung und Instandsetzung zum möglichen Angebot eines Schlagzeugmachers. Weitere mögliche Geschäftsfelder für eine breite Einnahmebasis werden wir weiter unten noch erörtern.
 

Voraussetzungen, um sich als Schlagzeugmacher selbstständig zu machen

Wer sich als Schlagzeugmacher bzw. Metallschlaginstrumentenbauer selbstständig machen möchte, sollte eine fundierte Ausbildung, handwerkliches Geschick, eine gutes Gehör samt (feiner Sinn für Akustik) sowie eine ausgeprägte Materialkunde mitbringen. Ohne Kenntnisse der Konstruktion, zu verwendender Materialien und ihrer Klangeigenschaften wird es nicht möglich sein, qualitativ hochwertige Schlagzeuge oder andere Instrumente zu fertigen. Die Leidenschaft für Schlagzeuge ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung für diese Geschäftsidee. Sie muss aber mit Fachwissen und praktischen Kenntnissen fundiert werden. Zu den handwerklichen Kernkompetenzen von Schlagzeugbauern zählen das Intonieren/Stimmen, die Bearbeitung von Metall und Holz sowie die Veredelung von Oberflächen.
 

Gewerbeanmeldung vor Existenzgründung: Besteht eine Meisterpflicht?

Handelt es sich um einen Handwerksberuf? Ein Blick in die Anlagen der Handwerksordnung bringt schnell Klarheit über die formalen Gründungsvoraussetzungen. Das Berufsbild ‚Schlagzeugmacher‘ ist in Anlage B2 der Handwerksordnung zu finden. Es handelt sich um einen handwerksähnlichen Beruf, für dessen selbstständige Ausübung kein Meistertitel vorzuweisen ist. Im Grunde ist keine besondere Qualifikation nachzuweisen, wenn ein Schlagzeugmachergewerbe angemeldet wird. Hierbei handelt es sich um einen weiteren wichtigen Schritt, bevor die selbstständige Tätigkeit aufgenommen werden kann. Abgesehen von der Notwendigkeit, ein Gewerbe als Schlagzeugbauer anzumelden, ist an die Eintragung in die Handwerksrolle zu denken. Für Berufe aus Anlage A der Handwerksordnung mit Meisterpflicht ist die Eintragung in die Handwerksrolle verpflichtend.
 

Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen als Schlagzeugmacher?

Zunächst sind die Potenziale am Zielmarkt zu analysieren. Wie steht es um die potenzielle Nachfrage? Wer soll hergestellte Schlagzeuge oder andere Instrumente kaufen? Auf diese Aspekte wird weiter unten im Rahmen der Konkretisierung des Businessplans eingegangen. Darüber hinaus spielt die Konkurrenzanalyse eine wichtige Rolle: Wie viele Schlagzeugbauer gibt es (in der näheren Umgebung)? Welche Leistungen und Alleinstellungsmerkmale bieten diese Schlagzeugmacherbetriebe? Eine Konkurrenzanalyse (https://4allmusic.com/selection-luthiers-pays/luthiers-deutschland/388-schlagzeugbauer-deutschland/455-liste-der-schlagzeugbauer-deutschland) zeigt, dass die Anzahl der Schlagzeugmacher in Deutschland mit etwa 30 überschaubar ist. Der hinterlegte Link lässt sich nutzen, um die Konkurrenz für die eigene Ausrichtung bzw. Profilschärfung näher unter die Lupe zu nehmen. Interessant sind dabei vor allem die Bezeichnungen: Der Geschäftsname sollte wie gute Musik in den Ohren potenzieller Kunden sowie sehr einprägsam sein. Je mehr das der Fall ist, desto wahrscheinlicher wird eine Kontaktaufnahme.
 

Die Deutschen und Instrumente: Musik als Hobby

Untersuchungen zeigen, dass etwa 14 Millionen Deutsche regelmäßig ein Instrument spielen. In den letzten Jahren ist der Trend zu erkennen, das besonders Jugendliche wieder musikalisch aktiver werden. Insgesamt betrachtet sind die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig. Instrumente befinden sich in etwa jedem 6. Haushalt. Je mehr Kinder sich im Haushalt befinden, desto musikalischer sind Familien. Wichtig mit Blick auf die Potenziale bzw. den Absatz für die Erzeugnisse dieser Geschäftsidee ist das reichhaltige Angebot von mehr als 1.000 Musikschulen bundesweit. Dort greifen mehr als 1,5 Millionen Jugendliche regelmäßig zu einem Instrument. In den letzten Jahren kristallisiert sich dabei der Trend heraus, dass Musikschulen immer öfter Chor- und Bandprojekte ins Leben rufen. Gerade bei Letzteren dürfte ein Schlagzeug oder andere Schlaginstrumente eine zentrale Rolle spielen.
 

Strategische Ableitungen für den auszuarbeitenden Businessplan

Diese Zahlen und Entwicklungen zeigen, dass nicht nur Privathaushalte bzw. Musikbegeisterte in den Fokus genommen werden müssen. Auch (Musik)schulen bzw. öffentliche Bildungseinrichtungen oder Kulturbetriebe können Geschäftspartner sein, wenn es um den Verkauf oder die Instandsetzung von Schlagzeugen geht. Rein wirtschaftlich betrachtet handelt es sich bei Instrumenten um einen sehr umsatzstarken Markt: 2016 nähert sich die Umsätze der Schallmauer von 1 Milliarde Euro.
 

Welche Instrumente spielen die Deutschen?

Das Lieblingsinstrument der Deutschen ist ganz klar die Gitarre. Blockflöte und Klavier folgen auf den Plätzen 2 und 3. Auch das Schlagzeug befindet sich in den Top 10 der Musikinstrumente, wobei ein genauerer Blick auf die potenzielle Zielgruppe angebracht ist. Insgesamt betrachtet spielen Frauen häufiger ein Instrument als Männer. Bei Männern als Zielgruppe aber stehen E-Gitarren, Bässe und Drums diverser Art ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Insofern sollte die Nachfrage vor Ort genau analysiert werden.
 

Businessplan als Schlagzeugmacher ausarbeiten: Das muss hinein!

Nach dieser ersten Ausgangsanalyse und weiteren fakten- sowie zahlenbasierten Überlegungen kann es an das strategische Feintuning im Businessplan gehen. Es muss darum gehen, die Basis für ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren. Um eine breite Einnahmebasis für dieses Ziel sicherzustellen, kann es sinnvoll sein, sich nicht nur auf Herstellung und Verkauf von Schlagzeugen zu fokussieren. Der Bau von einzigartigen Schlagzeugen nach exakten Kundenvorstellungen könnte allerdings ein zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Massenware darstellen.
 

Zielgruppe: Wer kauft ein handgefertigtes Schlagzeug…?

…oder andere Instrumente? Die Beantwortung dieser Frage ist essentiell für diese Geschäftsidee. Es muss klar sein, ob es einen (regionalen) Markt für die eigenen Erzeugnisse gibt. Weitere handwerkliche Leistungen wie Reparatur- oder Instandsetzungsarbeiten können die Einnahmen insgesamt breiter werden lassen. Zu analysieren ist, ob Kooperationen mit Musikschulen möglich sind. Eines ist klar: Wer ein teureres Schlagzeug von einem Fachmann kauft und sich bewusst gegen Massenware aus Fernost entscheidet, wird großen Wert auf Qualität legen.
 

Einnahmebasis erweitern: Ideen für den Geschäftsbetrieb

Wie selbstständig machen als Schlagzeugmacher? Neben dem Bau und Verkauf von Schlagzeugen könnte es auch Angebote für den Verleih geben, was Bands und Hobbymusikern neue Optionen eröffnen würde. Wer ein echter Profi ist, könnte auch Musikunterricht mit Schlagzeugen anbieten oder Bandprojekte umsetzen. Der künstlerischen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Denkbar wäre auch ein Crashkurs mit Eventcharakter zu besonderen Lebensereignissen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, gebrauchte Schlagzeuge anzukaufen und diese wieder aufzumöbeln. Sie könnten dann gewinnbringend weiterverkauft oder vermietet werden. Wer sich auch auf den Unterricht fokussieren möchte, wird neben einer Werkstatt einen passenden Unterrichtsraum brauchen. Dieser sollte optimalerweise eine ansprechende Akustik aufweisen.
 

Einkauf/Herstellungsprozesse: Zu welchen Kosten Schlagzeuge bauen?

Wer mit der Fertigung und dem Verkauf von Schlagzeugen Geld verdienen möchte, wird von Beginn an als vorausschauender Kaufmann agieren müssen. In dieser Hinsicht ist entscheidend, woher und zu welchen Konditionen die Materialien und Bauteile kommen. Angesichts des Zeitaufwands und dessen direkten Einfluss auf die Gewinnmargen wird es sich eventuell nicht verhindern lassen, teils auf vorgefertigte Bauteile zurückgreifen zu müssen. Wer alles selber herstellt, wird für Unikate einen hohen Preis verlangen müssen, um profitabel zu sein. Auch für einen solchen hochpreisigen Nischenmarkt ist mit einer belastbaren Nachfrage zu rechnen.
 

Preise/Gewinnmargen: Was kostet ein gutes Schlagzeug?

Ein wirklich gutes Schlagzeug kostet in der Regel mehr als 1.000 Euro, wobei es auf die Größe und einzelne Komponenten ankommt. Einsteiger werden in einem Bereich von etwa 500 bis 1.000 Euro fündig. Wer bei bekannten Versandriesen nach Schlagzeugen sucht, wird teils deutlich günstigere Modelle finden. Hier muss das eigene handwerkliche Angebot dann den qualitativen Unterschied ausmachen, um höhere Preise rechtfertigen zu können. Denn diese werden notwendig sein, um ausreichende Gewinnmargen beim Schlagzeugbau erzielen zu können. Es kann jedenfalls langfristig kein Ziel sein, mit günstigen Angeboten aus dem Internet konkurrieren zu können. Das wäre letztlich ein Verrat an den eigenen Idealen und der höheren Qualität selbst gebauter Schlagzeuge.
 

Marketing: Die WerbeTROMMEL als Schlagzeugbauer rühren!

Eine suchmaschinenoptimierte Internetseite ist mittlerweile Pflicht, um mit großer Reichweite auf sich aufmerksam zu machen. Um das Marketing strategisch ausrichten zu können, sollte Klarheit über die anvisierten Vertriebswege herrschen. Sollen Schlagzeuge auch mit dem imagefördernden Label ‚(hand)made in Germany‘ über das Internet verkauft werden? In diesem Fall sollte ein leistungsstarker Onlineshop sofort mit an den Start gehen. Dieser bringt zudem den Vorteil mit, den Geschäftsradius deutlich über den eigenen Standort ausweiten zu können.

Was den Verkauf vor Ort und die weiteren möglichen Geschäftsfelder angeht, ist nach geeigneten Räumlichkeiten zu suchen. Der Kauf von Musikinstrumenten sollte zu einem emotionalen Erlebnis werden, das alle Sinne anspricht. Insofern sollten Schlagzeuge werbewirksam im Verkaufsraum aufgebaut werden und Interessenten sollte die Freiheit bekommen, alles beherzt testen zu können. Das dürfte für viele potenzielle Kunden wie gute Musik in den Ohren klingen…

Um sich als gefragter Experte für Schlagzeuge oder weitere Instrumente zu profilieren, ist ein Blog oder ein Social-Media-Kanal eine reichweitenstarke Option, um von sich hören zu machen. Tipps und Anregungen können die Kundenbindung stärken bzw. immer wieder für neue Kaufanreize sorgen.
 

Verdienst als selbstständiger Schlagzeugmacher?

Für angestellte Schlagzeugmacher finden sich teils veraltete Angaben zu Verdienstmöglichkeiten, die nicht mehr aktuell und daher wenig aussagekräftig sind. Der Verdienst eines selbstständigen Schlagzeugbauers lässt sich auch nicht pauschalisieren, da der Geschäftsbetrieb –wie oben angedeutet– viele Facetten umfassen kann. An dieser Stelle wird die Notwendigkeit der Ausarbeitung eines Businessplans deutlich. Im Finanzteil sollte deutlich werden, inwiefern die Geschäftsidee profitabel ist bzw. welche Gewinne sie abwirft. Aufgrund von belastbaren Zahlen und realistischen Szenarien sollten Gründer selber herleiten können, wie viel sie verdienen können. Erfahrungsgemäß wird es einige Monate dauern, bis die Tätigkeit nennenswerte Gewinne abwirft. Finanzielle Puffer und eine engmaschige Planung sowie ggf. Kurskorrekturen sind wichtig, um das eigene Geschäftsmodell dauerhaft am Markt etablieren zu können.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Schlagzeugmacher‘:

  1. Warum selbstständig machen als Schlagzeugbauer?

Weil es eine belastbare Nachfrage für Musikinstrumente gibt. Je nach fachlichem Hintergrund besteht zudem die Chance, die Geschäftstätigkeit auf andere Instrumente oder oben skizzierte Bereiche auszuweiten. In Deutschland gibt es nicht sehr viele selbstständige Schlagzeugmacher, sodass die Konkurrenz überschaubar ist.
 

  1. Marketing: Wie erfolgreich verkaufen als Schlagzeugbauer?

Wer eine kleine Werkstatt mietet, sollte auf einen ansprechenden Verkaufsraum achten. Dieser kann für Kaufinteressenten idealerweise zum ‚Proberaum‘ werden. Via Internet bzw. Onlinehandel ließen sich eigene Erzeugnisse weit über den Standort hinaus verkaufen, ggf. sogar international.
 

  1. Was ändert sich mit dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit bei der Krankenversicherung?

Wer vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit gesetzlich krankenversichert war, kann als freiwillig Versicherter im gesetzlichen System bleiben. Durch den Status ‚Selbstständiger‘ bzw. als Gewerbetreibender eröffnet sich die Option, in die private Krankenversicherung wechseln zu können. Dort besteht die Möglichkeit, sich einen Tarif für einen sehr individuellen Gesundheitsschutz zusammenzustellen.

 

Quellenangabe: 

 

Was ändert sich bei meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?