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Selbstständig machen mit einem Second-Hand Shop

Frau hält Schild mit Second Hand Aufschrift

Wer sich mit einem Second-Hand Laden selbstständig machen möchte, setzt wahrlich nicht auf eine ‚gebrauchte‘ Geschäftsidee! Im Gegenteil: Second-Hand liegt im Trend, dementsprechend hoch ist die potenzielle Nachfrage für bestimmte Produkte. Klassischerweise stehen Kinderbekleidung bzw. Textilien in diesem Bereich ganz oben auf der Angebotsliste. Immer mehr Menschen wollen aus Kostengründungen und mit Blick auf die Schonung von Ressourcen Alltagsdinge aus zweiter Hand kaufen. Das gesparte Geld kann für andere Dinge investiert werden und Qualitätseinbußen sind nicht hinzunehmen, sofern die Ware noch keinerlei Beschädigungen aufweist. Mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben, stellt sich für Käufer eine gewisse Zufriedenheit ein. Doch welche Waren können im Second-Hand Laden verkauft werden? Welche Aspekte formaler und strategischer Natur sind im Rahmen der Existenzgründung zu beachten? Der folgende Beitrag versteht sich als kompakter Praxisratgeber für das Projekt ‚selbstständig machen mit Second-Hand Laden‘.

Existenzgründung mit einem Second-Hand Shop: Themen für die Planung der Selbstständigkeit

  • Analyse der Ausgangslage und Chancenbewertung
  • Standort, Zielgruppe und Angebot zusammen betrachten
  • individueller Geschäftsauftritt mit hohem Kundennutzen
  • Kosten und mögliche Finanzierungsoptionen
  • Second-Hand Laden eröffnen: formale Voraussetzungen
  • Werbung und Versicherungsaspekte
     

Second Hand als erste Wahl? Analyse der Ausgangslage

Der Markt für Gebrauchtwaren stellt ein perspektivenreiches Umfeld dar. Durch eine geschickte strategische Platzierung am richtigen Standort lässt sich ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen. Generell ist die Bereitschaft der Deutschen, Waren aus zweiter Hand zu kaufen, in den letzten Jahren gestiegen. Die große Anzahl und recht häufige Frequenz von Flohmärkten ist ein weiteres Indiz für diese Entwicklung. Für das Jahr 2010 hat das Statistische Bundesamt im Bereich von Second Hand Waren einen Gesamtumsatz von 839 Millionen ausgewiesen. Dieser dürfte nun deutlich über 1 Milliarde Euro liegen. Im selben Jahr 2010 arbeiteten in dieser Branche schon über 14.000 Mitarbeiter.
 

Die Geschäftsidee muss zu Beginn konkrete Züge annehmen

Es handelt sich also um einen bedeutsamen Wirtschaftsfaktor bzw. ein nicht zu unterschätzendes Potenzial im Bereich des Handels. Allerdings ist die Konkurrenz im Bekleidungsbereich recht groß. Wer sich mit einem Second-Hand Laden selbstständig machen möchte, sollte insofern Klarheit darüber erlangen, welche Waren verkauft werden sollen. Erst mit dieser notwendigen Konkretisierung kann die Geschäftsidee klare Züge annehmen. Es gilt, diese im Businessplan zu ordnen, zielfokussiert zu planen und mit realistischen Zahlen zu Umsätzen und zum Finanzbedarf zu untermauern. Im zu erarbeitenden Businessplan muss deutlich werden, worin die besonderen Chancen des Second-Hand Ladens liegen. Nur so wird es Existenzgründern möglich sein, externe Kapitalgeber für die eigene Geschäftsidee zu begeistern bzw. letztlich zu gewinnen.
 

Standort, Zielgruppe und Angebot ganzheitlich betrachten

Wie bereits angedeutet, muss zunächst beschlossen werden, was eigentlich im Second-Hand Laden verkauft werden soll. Bei dieser Frage sollte die persönliche Leidenschaft für bestimmte Dinge allerdings klar in den Hintergrund rücken. Vielmehr gilt es, sofort als Unternehmer zu denken und den Standort und die anvisierte Zielgruppe hinzuzuziehen. Wie sieht die Konkurrenzsituation am Standort aus? Welche Geschäftsbereiche lassen es zu, den Second-Hand Sektor erfolgreich zu besetzen? Wie sieht es mit der Kaufkraft und Altersstruktur aus? Gibt es viele Familien, sodass das Angebot in diese Richtung gehen kann?

Mit Blick auf die Räumlichkeiten für den Second-Hand Laden ist eine gute Erreichbarkeit äußerst wichtig. Nicht zu vergessen ist, dass besonders umweltbewusste Kunden Wert auf eine gute Erreichbarkeit zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln legen werden. Ideal ist ein Standort in einer belebten Einkaufsstraße, sodass jeden Tag mit einem gewissen Kundenstrom zu rechnen ist. Natürlich verursacht ein solcher Standort höhere Kosten (ggf. auch durch den Hebesatz bei der Gewerbesteuer), aber diese sind in betriebswirtschaftlicher Hinsicht durch eine nachhaltige Einnahmebasis gerechtfertigt.
 

Eine Spezialisierung (Nischenstrategie) sollte geprüft werden

Prinzipiell könnte so gut wie alles im Second Hand Laden verkauft werden, sofern die Qualität der Waren dies sinnvoll erscheinen lässt. Ein breites Sortiment in diesem Bereich erweckt aber sofort den Anschein, es handele sich um eine ‚Resterampe‘. Daher ist es vielversprechender und auch planbarer, eine bestimmte Produktnische erfolgreich zu besetzen. Abgesehen von der bereits angeführten Bekleidung könnten auch Schmuck, Möbel, Kinderspielzeug oder Elektrogeräte in den geschäftlichen Fokus rücken. Wichtig bei der Zusammenstellung des Angebotsspektrums ist, dass es am Standort eine Nachfrage bzw. Zielgruppe dafür gibt. Hier zeigt sich erneut, dass vorausschauende Existenzgründer den Standort, die Zielgruppe und das Leistungsspektrum eines Second-Hand Ladens immer ganzheitlich betrachten sollten.
 

Wirkungsvolle Werbung: Dem Second-Hand Laden ein individuelles Gesicht geben

Das Second-Hand Image hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Von billig alleine muss in diesem Kontext daher nicht mehr nur die Rede sein. So können durchaus auch hochwertige und ehemals hochpreisige Produkte im Second-Hand Laden verkauft werden. Hierfür findet sich in der Regel eine breite Käuferschicht. Viele Kunden sind bereit, sich einen gewissen Luxus zu gönnen, da das gebrauchte Produkt ja deutlich günstiger zu haben ist. Wer sich mit einem Second-Hand Laden selbstständig macht, sollte insofern in jeder Hinsicht für einen individuellen und wirkungsvollen Auftritt sorgen. Dies gelingt einerseits durch das Produktspektrum, andererseits durch die äußere und innere Gestaltung des Second-Hand Ladens. Diese hat einen enormen Einfluss auf die wahrgenommene Qualität und das Einkaufserlebnis für Kunden.

Es muss im Interesse eines jeden Existenzgründers liegen, möglichst hohe Gewinnmargen beim Verkauf von Gebrauchtwaren zu erzielen. Insofern kann ein Second-Hand Laden für Bekleidung ähnlich ansprechend wie eine Boutique aussehen. Der große Vorteil ist, dass die Ware im Second-Hand Handel immer direkt begutachtet werden kann, um etwaige Mängel festzustellen. Dies wäre beim Onlinehandel nicht der Fall, weshalb sich der grundsätzlich ebenfalls offenstehende Vertrieb via Internet eher weniger anbietet. Die Präsentation der Waren sollte also gut überlegt und professionell inszeniert werden. So kann der eröffnete Second-Hand Laden im Idealfall auch solche Kunden überzeugen, die dieser Einkaufsalternative eher skeptisch gegenüberstehen. Die Präsentation ist eine zentrale Form der Werbung und Kundengewinnung in diesem Bereich. Über eine ansprechende Internetseite, Wurfzettel, Anzeigen in lokalen Printmedien und Aktivitäten auf Social Media Plattformen können die Bekanntheit des Second Hand Ladens erhöht und die Umsatzbasis gestärkt werden.
 

Verkauf und Ankauf: Woher sollen die Waren stammen?



Schon im Businessplan muss unternehmerisches Denken in Form von Gewinnorientierung erkennbar sein. Bei der Kalkulation von Umsätzen sollten Gewinnmargen angesetzt werden, die realistisch und möglichst groß sind. Dazu muss aber bekannt sein, woher die gebrauchten Waren stammen sollen. Falls es Handelspartner gibt, so sind die Preiskonditionen mehr oder weniger bekannt. In vielen Second-Hand Läden gehört der Ankauf aber explizit zum Geschäftsmodell. Selbstständig machen mit einem Second-Hand Laden bedeutet insofern, zunächst selber die Waren möglichst günstig einzukaufen, um sie dann mit einem Preisaufschlag gewinnbringend weiterverkaufen zu können.
 

Preis und Qualität bei Second-Hand Waren

Beim Ankauf von Second-Hand Waren ist neben dem Preis auch die Qualität entscheidend. Je nach Zielgruppe, Standort und Preisstrategie kann es durchaus sein, dass beschädigte Waren gar nicht erst angekauft werden. Andernfalls wäre der Einkaufspreis wohl schon so gering, dass sich über den Verkauf kaum ein Zugewinn realisieren lässt. Der Prozess des Ankaufs, der in den meisten Geschäftsmodellen einen festen Platz haben wird, sollte mit klar definierten Kriterien und Prozessen durchgeführt werden, sodass eine gewisse Planbarkeit mit Blick auf die Preise entsteht. Auf keinen Fall sollte hier große Willkür herrschen, was auch den eigenen Qualitätsansprüchen nur schaden kann.
 

Kosten & Finanzierung

Für die Miete, die Ausstattung des Ladens und mögliche Umbaumaßnahmen werden mitunter hohe Summen an Kapital aufzubringen sein. Sofern die Waren über den Handel eingekauft werden, muss der Existenzgründer in Vorkasse gehen. Darüber hinaus entstehen fixe Kosten für die Miete, Energie, etwaige Mitarbeiter sowie für Werbemaßnahmen. Hinzu kommen Kosten für eine etwaige Beratung und bürokratische Formalitäten: Hier sind in erster Linie die möglichen Kosten für das einzubringende Stammkapital je nach gewählter Rechtsform oder auch Notarkosten zu nennen. Es zeigt sich schnell, warum eine genaue Planung der Kosten im Businessplan unerlässlich ist, da ansonsten schnell der Überblick und vor allem auch die notwendige Kontrolle über die erfolgskritischen Finanzen verloren gehen.

Die meisten Gründer werden nicht alles mit Eigenkapital decken können, sodass Fremdkapital für die Umsetzung der Geschäftsidee vonnöten sein wird. Mögliche Förder- bzw. Finanzierungsquellen für die Selbstständigkeit mit einem Second-Hand Laden sind z.B.:

  • Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit
  • Kredite der KfW für Gründer (ERP-Gründerkredit ‚Startgeld‘)
  • spezielle Förderprogramme der Bundesregierung oder Fördergelder der EU
     

Second-Hand Laden eröffnen: formale Voraussetzungen

Wer einen Second-Hand Laden eröffnen möchte, muss nur mit recht geringen Hürden rechnen. Eine besondere Qualifikation ist nicht nötig, aber dringend zu empfehlen. Sich selbstständig machen mit einem Second-Hand Laden erfordert kaufmännische Kenntnisse mit Blick auf den Handel, die Buchführung und vor allem die Preisgestaltung. Ideal ist eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann samt entsprechenden Berufserfahrungen.

Bevor der Second-Hand Laden öffnen kann, muss ein Gewerbe angemeldet werden. In aller Regel ist nicht mit einer Erlaubnispflicht zu rechnen. Diese ergäbe sich aus dem Leistungsspektrum, das ohnehin auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung geschildert werden muss. Der Gesetzgeber stellt grundsätzlich höhere persönliche und fachliche Anforderungen an den Gründer, wenn es sich um einen sicherheitsrelevanten oder sehr sensiblen Bereich handelt. Davon ist bei einem Second-Hand Laden in der Regel nicht auszugehen.

Was die Räumlichkeiten angeht, so ist ggf. eine Nutzungsänderung zu beantragen: Bauliche Maßnahmen müssen frühzeitig mit der zuständigen Baubehörde abgesprochen werden, damit es nicht zu Verzögerungen kommt und der Zeitplan aus dem Businessplan eingehalten werden kann. Existenzgründer betreiben ein Handelsgewerbe. Dementsprechend sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Einzelhandels mit Blick auf Öffnungszeiten und die Pflicht zur Preisauszeichnung zu beachten.
 

Sinnvoller Versicherungsschutz für die Existenzgründung

Je nach Produktspektrum und Größe des Geschäfts sollte der Versicherungsbedarf individuell abgestimmt werden, idealerweise mit einer unabhängigen und professionellen Fachberatung. Eine Betriebshaftpflichtversicherung schützt vor finanziellen Forderungen, falls Kunden im Laden durch Produkte oder die Einrichtung zu Schaden kommen. In dieser Hinsicht kann auch eine Rechtschutzversicherung eine prüfenswerte Option sein. Des Weiteren kann eine Inventarversicherung sinnvoll sein, wenn sich im Lager Waren mit einem beträchtlichen Gesamtwert befinden.
 

Selbstständig machen mit Second-Hand Laden: Zusammenfassung für die Existenzgründung

  1. Die wirtschaftlichen Chancen & Perspektiven für den Handel mit gebrauchten Waren sind gut, denn viele Menschen prüfen diese kosten- und ressourcenschonende Option
  2. Das Angebotsspektrum sollte mit Blick auf den Standort und die Zielgruppe abgestimmt werden. Eine Nischenstrategie bietet sich an, auch um eine qualitätsorientierte Geschäftsführung zu verwirklichen
  3. Neben dem Verkauf wird auch der Ankauf von Waren aus zweiter Hand zum Alltag gehören. Hier sind Verhandlungsgeschick und vorausschauendes Denken gefragt, um möglichst hohe Gewinnmargen zu erzielen
  4. Neben allen strategisch bedeutsamen Geschäftsfeldern sollten vor allem die Finanzen im Businessplan sorgfältig geplant und alle möglichen Förderoptionen geprüft werden
  5. Second-Hand Laden eröffnen: vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit muss ein Gewerbe angemeldet werden, für das in aller Regel keine gesonderte Erlaubnis zu erwirken ist.

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