Selbstständig machen als Spediteur

Spediteur

Angestellte im Transportwesen beklagen sich oft über niedrige Löhne. Was liegt da näher, sich mit der beruflichen Selbstständigkeit als Spediteur als chancenreiche Alternative auseinanderzusetzen. Wer das unternehmerische Vorhaben von Beginn an zielfokussiert plant, kann ein weitaus besseres Einkommen als in einem Angestelltenverhältnis genießen. Hinzu kommt eine neue Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, die für viele angehende Gründer ein starkes Motiv ist. In diesem Beitrag sollen wesentliche Faktoren praxisorientiert beleuchtet werden, die für den Weg in die Selbstständigkeit als Transportunternehmer erfolgskritisch erscheinen.

Existenzgründung als Spediteur: Was angehende Gründer hier erfahren

  • Wie gestalten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?
  • Welche strategischen Entscheidungen sind zu treffen?
  • Wie kann das Unternehmen buchstäblich ‚Fahrt‘ aufnehmen?
  • Welche Anforderungen/Formalitäten sind zu erfüllen?
     

Chancen einordnen: Grundlegende wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Wer sich mit einer Spedition (Transportunternehmen) selbstständig machen möchte, kann auf eine gute Auftragslage hoffen. Speditionsdienstleistungen erfreuen sich in Deutschland einer hohen Nachfrage, weil der boomende Onlinehandel zu immer größeren Warenströmen beiträgt. Für die Auslieferung von Waren bedarf es professioneller Transportdienstleistungen, wobei die Nachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen dürfte. Hinzu kommt, dass Deutschland als Exportweltmeister viele Waren in die ganze Welt verschickt. Doch zunächst müssen diese Waren innerhalb Deutschlands zum nächsten Hafen oder Flughafen gebracht werden.
 

Volle Fahrt voraus! Wie sollte die eigene Geschäftsidee vorangetrieben werden?

Insofern gilt es, sein eigenes unternehmerisches Angebot strategisch geschickt zu platzieren. Hierbei ist eine ganzheitliche und konkrete Vorgehensweise gefragt. Ganzheitlich bedeutet, alle Geschäftsfelder von Beginn an mit Blick auf die Zusammenhänge auszurichten. Der Businessplan ist der richtige formale Rahmen hierfür. Konkret meint in diesem Zusammenhang, dass die Entscheidungen mit Blick auf den Standort bzw. den definierten Aktionsradius getroffen werden sollten. Insofern ist eine Standortanalyse notwendig, falls ein Transportunternehmen hochgezogen werden soll. Wie gestaltet sich die unmittelbare Konkurrenzsituation? Um diese konkret einschätzen zu können, muss auch der unternehmerische Aktionsradius von Beginn an klar definiert sein: Sollen Waren innerhalb Deutschlands oder auch der EU transportiert werden? Soll der Fokus nur auf Geschäftskunden gelegt werden oder sind auch professionelle Transportdienstleistungen für Privatkunden am gewählten Standort sinnvoll?
 

Herzstück der unternehmerischen Leistungsfähigkeit als selbstständiger Spediteur: die Fahrzeugflotte

Aus den aufgezählten Fragen geht hervor, dass die Zielgruppe samt Leistungsspektrum zu Beginn feststehen muss. Denn nur so kann die Planung konkret und wirtschaftlich sein und das Geschäft kann buchstäblich Fahrt aufnehmen. Erst wenn bekannt ist, welche Waren für welche Kunden transportiert werden sollen, kann auch die dafür erforderliche Fahrzeugflotte zusammengestellt werden. Die Anzahl und Größe der Transporter ergibt sich unmittelbar aus der Zielgruppe. Die Kapazitäten der Fahrzeugflotte entstehen dann über das mögliche Leistungsspektrum, das natürlich die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe befriedigen muss.

Wer also eine Spedition hochziehen möchte, wird einiges an Kapital aufbringen müssen, da die Fahrzeugflotte sehr kostenintensiv sein kann. Insofern ist die Ausarbeitung eines überzeugenden Businessplans unerlässlich, um externe Geldgeber mit ins Boot zu holen. Zu bedenken ist, dass die Fahrzeugflotte immer fixe Kosten für Versicherungen und Wartungsarbeiten verursachen wird. Nur eine hohe Auslastung kann auf Dauer für eine hohe Rentabilität sorgen. Natürlich braucht es auch Geschäfts- bzw. Lagerräume sowie Stellplätze für die Fahrzeuge. Im besten Fall kann auf ein vorhandenes Gebäude zurückgegriffen werden. Ein Neubau wäre nicht nur sehr kostenintensiv, er würde das Vorhaben zeitlich auch in die Länge ziehen. Sobald die Geschäftsidee ausgereift ist, sollten sich Gründer auf die Suche nach einem geeigneten Betriebsareal machen. Erst wenn dieses vorhanden ist, sollte die Fahrzeugflotte in Angriff genommen werden.
 

Fahrzeuge für die Spedition kaufen oder leasen?

Natürlich müssen oder sollten die Fahrzeuge nicht alle gekauft werden. Leasing ist eine flexible Alternative, die die Liquidität gerade in der Startphase deutlich verbessert. Der Vorteil des Kaufs von Transportern hingegen ist, dass diese als Anlagevermögen über einen definierten Zeitraum linear abgeschrieben werden können (= buchhalterische Erfassung des Wertverlustes). Auf diese Weise wird die Steuerlast gemindert, sodass indirekt neue Investitionsspielräume entstehen. Geleaste Fahrzeuge sind kein Teil des Anlagevermögens. Natürlich kann auch die Option geprüft werden, ob zunächst gebrauchte Transporter gekauft werden, um die Kosten in der Startphase gering zu halten. Sofern das Geschäft erfolgreich anläuft, können Gewinne in die Rücklagen fließen. So entstehen schnell neue Investitionsspielräume, um die Fahrzeugflotte zu modernisieren. Solche Investitionen werden sich langfristig auszahlen, da neuere Fahrzeuge weniger verbrauchen und auch in der Versicherung in der Regel weniger Kosten verursachen. Mit Blick auf die konkrete Geschäftsplanung empfiehlt es sich, beide Szenarien durchzurechnen und die im eigenen Fall vorteilhaftere Lösung zu wählen. Es spricht auch nichts gegen eine gemischte Strategie: So könnten etwa in der Startphase Fahrzeuge gemietet und dann nach und nach gekauft werden, wenn das Geschäft richtig gut angelaufen ist.
 

Wie lassen sich unternehmerische Risiken eines Transportunternehmens minimieren?

Jede Existenzgründung bringt gewisse finanzielle Risiken mit sich! Hierbei handelt es sich quasi um den Preis, den Selbstständige für die gewonnene Entscheidungsfreiheit zahlen müssen. Eine gewissenhafte Planung des Unternehmens ist der beste Weg, um die Risiken so gut wie möglich zu minimieren. In diesem Zusammenhang spielen insbesondere die Finanzen eine Schlüsselrolle. Die Kosten sollten jederzeit fest im Blick gehalten werden, denn die Liquidität des Unternehmens entscheidet maßgeblich über nutzbare Handlungsspielräume. Einen direkten Einfluss auf die Haftung können Gründer auch mit der Wahl der Rechtsform nehmen. Einzelunternehmer haften mit ihrem gesamten Vermögen, wohingegen bei einer GmbH die Haftung auf das Grundkapital (mindestens 25.000 Euro) begrenzt ist. Insofern sollten sich angehende selbstständige Spediteure auch mit Rechtsformen im Vorfeld auseinandersetzen. Unter ‚Wissen‘ finden Gründungswillige hier nützliche Informationen in kompakter Form.
 

Wie kann das gegründete Unternehmen ‚Fahrt aufnehmen‘?

Die Kunden- bzw. Auftragsakquise entpuppt sich als erfolgskritischste Herausforderung in der Startphase jeder Unternehmensgründung. Idealerweise wird die Spedition strategisch so ausgerichtet, dass sie für die anvisierte Zielgruppe einen attraktiven Mehrwert bietet. Auf diese Weise sind Unternehmer quasi automatisch auf der Überholspur und den Konkurrenten immer einen ‚Gang‘ voraus. Am Anfang können Kooperationen durchaus der richtige Weg sein, um eine hohe Auslastung der Fahrzeugflotte sicherzustellen. Nur so lässt sich letztlich ein rentabler Geschäftsbetrieb erreichen. Insofern sollte der Kontakt mit anderen Transportunternehmen gesucht werden, sodass ggf. eine Tätigkeit als Subunternehmer in Betracht kommt. In diesem Zusammenhang sei aber vor einer möglichen Scheinselbstständigkeit explizit gewarnt. Scheinselbstständigkeit liegt immer dann vor, wenn vermeintlich Selbstständige weisungsgebunden sind und somit fest in Arbeitsprozesse des Auftraggebers eingebunden sind.
 

Formalitäten und notwendige Genehmigungen als selbstständiger Spediteur

Das "Güterkraftverkehrsgesetz" ist dann zu beachten, wenn sich in der Flotte der Spedition Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen befinden. Das besagte Gesetz sieht vor, dass die zu gründende Spedition in diesem Fall eine Güterkraftverkehrserlaubnis erfordert. Im Rahmen der erforderlichen Gewerbeanmeldung für eine Spedition müssen Gründer ihre finanzielle Leistungsfähigkeit, die persönliche Zuverlässigkeit sowie die fachliche Eignung nachweisen. Letztere kann mit einer Fachkundeprüfung bei der Industrie- und Handelskammer nachgewiesen werden, wobei die Gebühren in etwa 200 Euro betragen. Ohnehin ergibt sich nach der Gewerbeanmeldung eine Pflichtmitgliedschaft in der IHK. Auch werden weitere Behörden wie das Finanzamt automatisch informiert, ebenso die in diesem Fall relevante Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft.

Praxistipp: Zeit ist Geld – Gründer sollten die formalen Voraussetzungen genau prüfen Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass der Anmeldeprozess einige Wochen dauern kann, falls Nachweise fehlen. Insofern sollten sich Gründer frühzeitig mit den Formalitäten auseinandersetzen, sodass der Geschäftsbetrieb zeitnah Fahrt aufnehmen kann. Schlecht bzw. teuer wäre es, wenn die vorhandene Flotte aufgrund der fehlenden Gewerbeanmeldung nicht bewegt werden könnte.

 

Rundum gut versichert? Finanzielle Risiken sollten minimiert werden

Zu den weiteren zu erfüllenden Formalitäten gehört eine Gewerbehaftpflichtversicherung bzw. eine gesonderte Warentransportversicherung, die für Transportunternehmen vorgesehen ist. Eine solche Versicherung schützt vor hohen finanziellen Forderungen, die durch Beschädigungen an Waren oder auch durch Verspätungen entstehen können. Spediteure verpflichten sich oftmals vertraglich, dass die Waren bis zum Zeitpunkt X zugestellt werden. Um angesichts dessen ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Kundenzufriedenheit zu ermöglichen, müssen alle Geschäftsprozesse professionell gestaltet werden. Die gesamte Logistikkette muss perfekt aufeinander abgestimmt werden. Wer als Auftraggeber schlechte Erfahrungen mit einer Spedition gemacht hat, wird angesichts der verfügbaren Konkurrenz mit Sicherheit keinen neuen Auftrag vergeben. Unabhängig vom geschäftlichen Versicherungsschutz sollte natürlich auch der private Schutz von Beginn an konsequent im Auge behalten werden. Neben der Krankenversicherung (inklusive Krankentagegeld) ist auch an die Altersvorsorge zu denken. Was die Krankenversicherung als Selbstständiger angeht, so können Spediteure sich auch privat versichern lassen.
 

Zusammenfassung auf einen Blick: selbstständig machen als Spediteur

  1. Die Wachstumsaussichten sind in der Transportbranche sehr gut, da die Warenströme durch den boomenden Onlinehandel sowie die gesamte deutsche Exportwirtschaft immer größer werden. Insofern verspricht die Selbstständigkeit als Spediteur (Transportunternehmer) sehr gute Zukunftsaussichten
  2. Erfolg zielorientiert planen und unternehmerische Risiken minimieren: Im Businessplan sollte die strategische Ausrichtung möglichst ganzheitlich und konkret vorgenommen werden
  3. Die Fahrzeugflotte bildet den Mittelpunkt der unternehmerischen Leistungsfähigkeit: Sie sollte exakt auf die Zielgruppe und das konkrete Angebot ausgerichtet werden (Leasing bietet in der Startphase mehr unternehmerische Flexibilität)
  4. Im Rahmen der erforderlichen Gewerbeanmeldung muss die finanzielle, persönliche und fachliche Eignung des Gründers nachgewiesen werden
  5. Eine Güterkraftfahrerlaubnis ist nötig, wenn in der Flotte Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen vorhanden sind
  6. Eine weitere formale Pflichtvoraussetzung im Transportbereich ist der Abschluss einer Gewerbehaftpflichtversicherung.

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