Selbstständig machen als Kraftfahrer

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2025

Die Selbstständigkeit ist in beruflicher Hinsicht für Kraftfahrer eine Option, um das Steuer buchstäblich „in die eigene Hand“ zu nehmen. Mit der Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit bzw. einer einengenden Anstellung heraus ergibt sich die Möglichkeit, neue Lebenswege zu erFAHRen . Allerdings sollte von Vorneherein Klarheit darüber herrschen, dass es letztlich am Ende des Tages darum gehen muss, Kunden zu gewinnen, um Geld zu verdienen. Der Markt im Transportbereich ist hart umkämpft und einem erheblichen Preisdruck ausgesetzt. Dennoch stehen die beruflichen Perspektiven langfristig sehr gut, denn wachsende Weltmärkte und ein zunehmend starker Onlinemarkt tragen auch in Zukunft dazu bei, dass täglich Millionen von Gütern bewegt werden müssen. Laut Statistik transportierte der Straßengüterverkehr in Deutschland zuletzt eine erhebliche Leistungsmenge.

Bevor es zu Details rund um Kosten und rechtliche Tipps geht, sollten Interessenten schon an dieser Stelle einen Blick in den „Rückspiegel“ werfen, um ihre Persönlichkeit und Disziplin zu hinterfragen. Sich als Kraftfahrer selbstständig zu machen bedeutet mitunter, 12 bis 16 Stunden täglich zu arbeiten, oftmals auch jenseits der deutschen Landesgrenze. Der Lebensunterhalt kann durch eine Selbstständigkeit in diesem Bereich allemal gesichert werden, aber auch sogenannte „soft facts“ wie die eigene Gesundheit (Belastbarkeit) und die Familiensituation sind gut und ehrlich zu beleuchten. Steht die Entscheidung mit Entschlossenheit fest, gilt es, den ersten Gang einzulegen.

 

Ein Gang folgt auf den anderen: Rechtliche und wirtschaftliche Voraussetzungen prüfen

Zu Beginn gilt es, die anfallenden Kosten für den Lebensunterhalt und die Selbstständigkeit zu betrachten, wobei Empfehlungen bestehen, eine Zeitspanne von etwa 6 Monaten vorzuhalten, um Ausgaben und mögliche Einnahmen gegenüberzustellen. (Eine konkrete Empfehlung zum Zeitraum nennt z. B. der Branchenverband als Orientierungswert.)
Nicht kalkulierbar ist natürlich das unternehmerische Risiko: Können keine Kunden bzw. Folgeaufträge gewonnen werden, so fallen auch Einnahmen weg. Insofern ist es ratsam, aus bestehenden Kundenkontakten heraus zu handeln, sofern dies möglich ist. Durch Kooperationen mit größeren Transport- bzw. Logistikunternehmen kann ein breiteres Kundennetz entstehen, sodass das Auftragsbuch besser gefüllt werden kann. Die generelle Selbstständigkeit muss dabei nicht verloren gehen, solange kein Weisungsverhältnis besteht (also selbstständige Entscheidungen getroffen werden). Kunden gewinnen kann man auch sehr effektiv über das Internet mit einer entsprechend optimierten Webseite. So kann man sich auch regional fokussieren. Anzeigen in Zeitungen sind eine weitere Möglichkeit, seine professionellen Transportdienste zugänglich zu machen oder Kooperationspartner zu finden. Plattformen wie Xing sind ebenfalls ein möglicher Weg, um sich ein Netzwerk und Auftragssicherheit aufzubauen.

 

Geld verdienen am Steuer: Tipps und Hinweise für die berufsspezifischen Qualifikationen

Auch die berufsspezifischen Qualifikationen und formalen Voraussetzungen müssen auf den Prüfstand, um die Existenzgründung auf belastbare Beine zu stellen. Weiterbildungsmaßnahmen im kaufmännischen Bereich sind im Vorfeld sinnvoll – ein sehr erfahrener Kraftfahrer hat nicht zwingend die Fachkenntnisse in Kostenkalkulation, Buchführung, Recht oder Marketing. Personen, die mit Fahrzeugen gewerblich Güter transportieren, unterliegen den Bestimmungen des Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG).

Bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen gelten Sonderregelungen: Kleintransportunternehmer fallen in der Regel nicht unter die Genehmigungspflicht des GüKG. Ab einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen wird eine entsprechende Erlaubnis erforderlich.
 

Wichtige Voraussetzungen bei größerem Fahrzeuggewicht (> 3,5 t) sind:

  • persönliche Zuverlässigkeit (z. B. Führungszeugnis, keine gravierenden Verkehrs- oder Straftaten)
  • finanzielle Leistungsfähigkeit (z. B. Nachweis eines ausreichenden Eigenkapitals). In der Praxis werden z. B. mindestens rund 9.000 € Eigenkapital für das erste Fahrzeug genannt.
  • fachliche Eignung (z. B. Fachkundeprüfung bei der IHK oder eine entsprechende leitende Tätigkeit)

Die Anmeldung eines Gewerbes und damit eine Mitgliedschaft bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) ist bei Gründung ohnehin erforderlich. Je nach Umsatz kann die Kleinunternehmerregelung gewählt werden, wodurch man von Umsatzsteuerbefreiung und vereinfachten Buchführungsanforderungen profitieren kann.

Ein formaler Hinweis: Die Kfz-Haftpflichtversicherung muss informiert werden, wenn ein Fahrzeug gewerblich genutzt wird. Und wie gesagt: Überschreitet das zulässige Gesamtgewicht die 3,5 t-Grenze, ist eine zusätzliche Erlaubnis bei der Verkehrsbehörde notwendig.

 

Praxistaugliche Tipps beachten: Grundlagen für einen guten Start

Die Finanzierung und Kostenkalkulation steht, die formalen Voraussetzungen sind gegeben – aber eine passende Rechtsform ist noch nicht gewählt. Hier kommt es auf den Umfang der angestrebten Tätigkeit und die Haftungsverhältnisse an. Wer als Ein-Mann-Unternehmen startet, kann als Einzelunternehmer bzw. eingetragener Kaufmann (e. K.) agieren – jedoch haftet in diesem Fall das gesamte Vermögen. Wer ein größeres Unternehmen aufbauen will, kann auch eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen; hier beträgt das Mindeststammkapital 25.000 €, und die Haftung ist auf das Stammkapital begrenzt. (Eine Gründung als GmbH oder UG kann also sinnvoll sein.) Ein Zusammenschluss mit Partnern wäre z. B. als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder Kommanditgesellschaft (KG) möglich. Die Wahl der Rechtsform sollte unter Berücksichtigung von Haftung und finanziellen Handlungsspielräumen getroffen werden.

 

Leasen oder kaufen: Flexibilität und Planungssicherheit sind gefragt

Wer als Kraftfahrer nachhaltig Geld verdienen möchte, muss die Fixkosten von Beginn an im Blick haben – besonders im Fahrzeugbereich, da dies die betriebliche Erwerbsgrundlage ist. Es empfiehlt sich, Fahrzeuge zu Beginn zu leasen, um die Kosten planbarer zu halten und das unternehmerische Risiko zu reduzieren – insbesondere, wenn das Auftrags­volumen noch nicht hoch ist. Ein Kauf bietet zwar Abschreibungsmöglichkeiten, jedoch ist in der Startphase oftmals die Gewinnsituation noch nicht stark genug. Eine verbrauchsarme Fahrzeugflotte hilft langfristig bei der Kostenoptimierung.

Neben der üblichen Kfz-Haftpflichtversicherung ist bei gewerblichem Gütertransport häufig eine Güterschadenhaftpflichtversicherung notwendig, wenn hochpreisige Waren befördert werden. Solch ein zusätzlicher Schutz schafft Vertrauen bei Kunden und kann als Wettbewerbsvorteil dienen.

Insgesamt eröffnet die Existenzgründung für Kraftfahrer viele erfolgreiche Wege, um selbstbestimmt Geld verdienen zu können. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass diese berufliche Entscheidung gerade in der Startphase mit hohen zeitlichen Ressourcen einhergeht. Wer dabei trotzdem nicht rot sieht, sondern mit klarem Blick ins Steuer greift, kann sich hinter das Steuer setzen und die Kupplung langsam kommen lassen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger oder Freiberufler sind Sie nicht mehr in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen im Jahr 2025...
 

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