Selbstständig machen mit einem Wachdienst / Objektschutz

Mann Sicherheitsdienst vor Gebäude

Das Geschäft mit der Sicherheit boomt in Deutschland seit einigen Jahren, sodass eine Existenzgründung mit einem Wachdienst (Objektschutz) äußerst vielversprechend erscheint. Professionelle Wachdienste sichern Objekte und Veranstaltungen ab, auch der Personenschutz kann im Fokus dieser Tätigkeit stehen. Doch wer sich selbstständig mit einem Wachdienst/Objektschutz machen möchte, sollte neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor allem die persönlichen Voraussetzungen und die formalen Rahmenbedingungen beachten. Gerade die notwendige Gewerbeanmeldung für einen Wachdienst ist mit nicht unerheblichen Hürden verbunden. All diese Aspekte sollen im folgenden Beitrag praxisorientiert erörtert werden, damit aus der Vision ‚selbstständig machen mit Wachdienst/Objektschutz‘ in jeder Hinsicht eine sichere Sache wird.
 

Existenzgründung mit einem Wachdienst: Diese Themen stehen im Fokus

  • Rahmenbedingungen: mit ‚Sicherheit‘ Geld verdienen?
  • persönliche und fachliche Voraussetzungen
  • strategische Ausrichtung auch mit Blick auf die Billigkonkurrenz
  • Kundengewinnung und Marketing
  • Nachweise und Erlaubnisse für die Gewerbeanmeldung
     

Chancenbewertung: Rahmenbedingungen und aktuelle Entwicklungen

Nicht nur die Polizei sorgt in Deutschland von staatlicher Seite für Sicherheit: In der hiesigen Sicherheitsbranche werden über 250.000 Mitarbeiter beschäftigt, wobei jüngst Umsätze in Höhe von über 7,3 Milliarden Euro erreicht wurden. Experten gehen davon aus, dass die Umsätze sich Anfang des nächsten Jahrzehnts der Marke von 10 Milliarden Euro annähern. Es handelt sich beim Thema "innere Sicherheit" also um einen enormen Wirtschaftsfaktor.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht, dass Wachdienste einen konstanten Wachstumskurs aufweisen. Und dieser Trend dürfte angesichts der jüngsten Terrorereignisse und somit latenten Bedrohungslage weiter anhalten, sodass auch in Zukunft mit einer hohen Nachfrage zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass statistisch gesehen alle 4 Minuten ein Einbruch geschieht, wobei die Aufklärungsrate verschwindend gering ist. Dies erklärt, warum auch immer mehr private Auftraggeber einen Wachdienst nutzen oder dies zumindest in Erwägung ziehen. Zu bedenken ist aber auch, dass die großen Wachdienste den Markt zu großen Teilen beherrschen und somit auch die preislichen Möglichkeiten diktieren.
 

Unternehmensgründung für einen Wachdienst/Objektschutz

Insofern sollte eine Existenzgründung mit einem Wachdienst strategisch ganzheitlich geplant werden. Einzelkämpfer werden es sehr schwer haben, da tragfähige Sicherheitskonzepte immer gewisse personelle Ressourcen erfordern. In dieser Hinsicht führt die Selbstständigkeit mit einem Wachdienst/Objektschutz in den meisten Fällen zwangsläufig zu einer Unternehmensgründung. Die Wahl einer Rechtsform spielt eine bedeutende Rolle für die Finanzierungsmöglichkeiten und die Haftungsverhältnisse. Was die Unternehmensfinanzierung angeht, so ist die Ausarbeitung eines Businessplan unerlässlich. Nur so werden Banken und Investoren von der nachhaltigen Tragfähigkeit der Geschäftsidee überzeugt werden können. Deshalb muss gerade mit Blick auf die Konkurrenzsituation im Businessplan deutlich werden, wo die konkreten Chancen bzw. Alleinstellungsmerkmale des Wachdienstes liegen: Warum sollten Kunden sich gerade für diesen entscheiden? Um Handlungsspielräume und somit letztlich unternehmerische Flexibilität zu jedem Zeitpunkt zu wahren, sollten die Finanzen für die ersten Geschäftsjahre sehr exakt und möglichst realistisch geplant werden. Gerade in diesem Bereich zeigt sich, ob ein Businessplan gut und überzeugend ist oder eher der Fabelwelt angehört.
 

Selbstständig machen mit Wachdienst: Wirklich bereit?

Am Anfang einer jeden Existenzgründung sollte eine ehrliche Hinterfragung stehen. Eine gewisse Euphorie und Aufbruchsstimmung ist sicher hilfreich und auch notwendig, aber der Arbeitsalltag wird schon bald Einzug halten und die Realität schonungslos präsentieren. Sich selbstständig machen mit einem Wachdienst bedeutet, die Verantwortung für die Sicherheit anderer Menschen (auch der eigenen Mitarbeiter) zu tragen. Diese tägliche Verantwortung und Belastung sollte nicht unterschätzt werden. Insofern ist die Arbeit in einem Wachdienst immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Auch die Arbeitszeiten werden naturgemäß unkonventionell sein, da Sicherheitsfragen nie an eine feste Uhrzeit gebunden werden können. Hinzu kommt die notwendige Bereitschaft, sich jeden Tag auf neue Charaktere und Situationen einlassen zu müssen. Wer sich mit einem Wachdienst selbstständig macht, kann als sein eigener Chef aber auf der Gegenseite eine maximale Entscheidungsfreiheit genießen. Das ist für die meisten Menschen der wichtigste Grund für den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit.
 

Wachdienst (Objektschutz) gründen: Leistungen und Zielgruppe

Grundsätzlich ist schon im Businessplan auszuarbeiten, welche Zielgruppe anvisiert werden soll, wobei die Analyse des Standortes und der Konkurrenzsituation sicher mit einfließen sollte. Insofern sollte Klarheit darüber herrschen, ob eher private oder gewerbliche Kunden angesprochen werden sollen. Nur wer weiß, wen er als Kunde gewinnen will, kann dementsprechend auch das Leistungsspektrum ausrichten. Und der Umfang des Leistungsspektrums gibt dann vor, welche personellen Ressourcen nötig sein werden. In dieser Hinsicht wird die Beschaffung von Personal eine der ersten Aufgaben sein, die Existenzgründer angehen sollten.

Das Leistungsspektrum kann folgende Inhalte aufweisen:

  • professioneller Objektschutz
  • ganzheitlicher Personenschutz (in verschiedenen Gefahrenszenarien)
  • Schutz von (Groß)veranstaltungen inkl. Konzepterstellung
  • sicherheitsrelevante Dienstleistungen an Flughäfen
  • individuelle Sicherheitsberatung und Konzepterstellung
     

Praxistipp: Ohne Vertrauen wird Sicherheit schwierig

In Anlehnung an den letzten Punkt sollten Existenzgründer von Anfang an auf eine hohe Kunden- und Serviceorientierung setzen. Eine individuelle Fachberatung sorgt für das notwendige Vertrauen, ohne das Sicherheit für Kunden eher schwierig zu erzielen sein wird. Das Leistungsspektrum kann auch gezielt genutzt werden, um Alleinstellungsmerkmale kundenwirksam zu präsentieren. Was kann der Wachdienst besser leisten als die Konkurrenz? Idealerweise können schon einige erfolgreiche Projekte oder auch Prominente Beispiele als Referenz herangezogen werden. Auch dies wirkt sich förderlich auf das notwendige Vertrauensverhältnis aus.

 

Wie ist mit der "Billigkonkurrenz" umzugehen?

Die Kundengewinnung sollte im wahrsten Wortsinne nicht um jeden Preis erfolgen, denn letztlich darf die Geschäftstätigkeit nicht nur rein kostendeckend sein. Mitarbeiter werden nach dem gesetzlichen Mindestlohn bzw. dem branchenspezifischen Tariflohn bezahlt. Kampfpreise sind der falsche Weg, um das Unternehmen dauerhaft auf dem Markt platzieren zu wollen, da die Basis für eine belastbare Ertragskraft so von Anfang an entzogen wird. Zudem wissen Kunden, dass Sicherheit ihren buchstäblichen Preis hat. Und viele werden nicht sparen wollen, wenn es um ihre eigene Sicherheit oder die von Gästen geht. Insofern sollte die Preisgestaltung sich am Branchen- und Ortsüblichen orientieren, wobei natürlich die individuelle Kostenstruktur immer mit in die konkrete Kalkulation fließen sollte.
 

Formalitäten für die Selbstständigkeit mit einem Wachdienst (Objektschutz)

Die notwendige Gewerbeanmeldung vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit ist recht umfangreich, sodass sich Gründer frühzeitig mit allen notwendigen Erfordernissen vertraut machen sollten. Nur so können lästige und teils auch kostenintensive Verzögerungen vermieden werden. Die rechtliche Grundlage für die Gewerbeanmeldung für einen Wachdienst bildet Paragraf 34 a der Gewerbeordnung. Die Bewachungsverordnung (BewachV) ist die zweite zu beachtende Rechtsgrundlage. Im Vorfeld der Existenzgründung mit einem Wachdienst sollte ein Blick in beide Gesetzestexte geworfen werden.
 

Notwendigkeit einer Bewachungserlaubnis

Wer sich mit einem Wachdienst/Objektschutz selbstständig machen möchte, muss eine so genannte Bewachungserlaubnis erwirken. Entsprechende Anträge sind in der Regel beim zuständigen Ordnungsamt zu stellen, wobei sich die Kosten nicht selten in einem mittleren dreistelligen Bereich bewegen. Erst mit der Bewachungserlaubnis wird es möglich sein, das Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt erfolgreich anmelden zu können. Zudem ist die Erteilung einer Gewerbeerlaubnis an bestimmte persönliche und fachliche Voraussetzungen geknüpft. Dies gilt im Übrigen in bestimmtem Maße auch für die Mitarbeiter, was die Suche und Einstellung in der Praxis nicht gerade einfacher macht.

Angehende Selbstständige müssen in dieser Hinsicht eine weiße Weste mit diesen offiziellen Dokumenten nachweisen können: polizeiliches Führungszeugnis, Gewerbezentralregisterauszug und Handelsregisterauszug. Zudem muss ein Sachkundenachweis bei der Gewerbeanmeldung vorgelegt werden, wobei die Industrie- und Handelskammer entsprechende Kurse anbietet. Fundierte Berufserfahrungen in diesem Bereich können unter Umständen anerkannt werden. Für die zu erwirkende Genehmigung muss auch eine Betriebshaftpflichtversicherung nachgewiesen werden, da aus möglichen Personen- oder Sachschäden sehr hohe Forderungen entstehen können.
 

Kundengewinnung und Marketing für einen Wachdienst/Objektschutz

Im Marketingmix darf das Internet als reichweitenstarke Vermarktungsmöglichkeit nicht fehlen, um die eigene Bekanntheit zu steigern. Es gilt, für suchende Kunden immer präsent zu sein. Dies kann mit einer modernen und optimierten Webseite erfolgen, auf der auch das Leistungsspektrum kompakt vorgestellt werden kann. Ansonsten gilt es, sich durch gute Arbeit einen Namen in der Branche zu erarbeiten. Und das kann leider etwas dauern. Ideal ist es, wenn Gründer schon gut verknüpft sind und über Kontakte verfügen. Ansonsten wird der Kundenstamm auch durch persönliche Empfehlungen wachsen, was natürlich eine höchst professionelle und somit überzeugende Arbeitsweise voraussetzt. Für eine wünschenswerte Planungssicherheit in Bezug auf die Auftragslage können auch dauerhafte Kooperationen sorgen. Gerade im Bereich des Objektschutzes werden die Einsätze nicht auf wenige Male beschränkt sein. Insofern gilt es schon, das Leistungsspektrum mit Blick auf die erfolgskritische Kundenbedingung geschickt aufzustellen.
 

Selbstständig machen mit einem Wachdienst/Objektschutz: Zusammenfassung für die Existenzgründung


Formalitäten für die Existenzgründung

  1. Rechtsgrundlage: § 34 a der Gewerbeordnung (GewO) und Bewachungsverordnung (BewachV)
  2. Vor der notwendigen Gewerbeanmeldung muss eine Bewachungserlaubnis erwirkt werden (Kosten hierfür ca. 500 Euro)
  3. Im Rahmen der Gewerbeanmeldung muss die persönliche und fachliche Eignung des Existenzgründers nachgewiesen werden durch…

    - ein polizeiliches Führungszeugnis
    - einen Sachkundenachweis
    - einen Gewerbezentralregisterauszug
    - einen Handelsregisterauszug
    - einen Sachkenntnisnachweis
     

Planung/Strategisches

  1. Der Markt mit privaten Sicherheitsdienstleistungen boomt seit Jahren. Nichtsdestotrotz muss das eigene Unternehmen strategisch klug am Markt platziert werden (Alleinstellungsmerkale?)
  2. Mit einem professionellen Businessplan wird die angebotene ‚Sicherheit‘ zahlenmäßig und erfolgsorientiert auf den Punkt gebracht, auch für mögliche Investoren
  3. Bevor es an die detaillierte Planung geht, sollten Existenzgründer sich hinterfragen und die auf sie zukommenden Herausforderungen ehrlich benennen.

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