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Selbstständig machen mit einem Tabakhandel

Bedienung im Tabakgeschäft

Auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee ist es sinnvoll, von der Nachfrage her zu denken: In welchen Bereichen bzw. mit welchen Produkten lassen sich dauerhaft gute Umsätze erzielen? Wem bei dieser Frage der Kopf raucht, hat bildlich gesprochen schon eine mögliche Geschäftsidee gefunden – selbstständig machen mit einem Tabakhandel. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Tabakkonsum hierzulande weit verbreitet ist. Dementsprechend groß erscheint die mögliche Zielgruppe, sofern ein optimaler Standort als wirtschaftliche Basis gefunden wird.

Damit die Pläne zur Existenzgründung nicht in Rauch aufgehen, soll die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Tabakhandel‘ in diesem Beitrag praxisorientiert skizziert werden. Im Vordergrund stehen dabei zentrale strategische Entscheidungen, die mit Blick auf diese konkrete Geschäftsidee für die Existenzgründung zu treffen sind.

Existenzgründung mit Tabakhandel: Themen für die Planung der Selbstständigkeit

  • Bewertung der Ausgangslage zur Chanceneinschätzung
  • strategische Entscheidungen zur Geschäftsausrichtung
  • Tabakhandel eröffnen: Welche Trends/Chancen gibt es?
  • Formalitäten und rechtliche Rahmenbedingungen
     

Ausgangslage prüfen: Der Tabakkonsum in Deutschland

Statistische Auswertungen zeigen, dass hierzulande etwa jeder vierte Erwachsene regelmäßig zur Zigarette und somit zum Tabak greift. Die Zahl der potenziellen Raucher ist somit hoch, auch wenn diese insgesamt seit Jahren rückläufig ist. Gerade bei den Jugendlichen ist der Anteil an Nichtrauchern so gering wie noch nie, was als gewisser Dämpfer für das Wachstum in der Tabakindustrie zu sehen ist.
 

Einige rauchende Fakten…

Was den konkreten Tabakkonsum betrifft, so liegt dieser bei der Mehrheit der Raucher zwischen 11 und 20 Zigaretten täglich. Ein weiterer wichtiger Fakt mit Blick auf die anzuvisierende Zielgruppe ist, dass statistisch gesehen Männer signifikant häufiger rauchen als Frauen. Was den eigentlichen Markt für Tabakerzeugnisse angeht, so wird dieser durch vier große Konzerne beherrscht, die zusammen auf knapp 90 % Marktanteil kommen (Philip Morris, British American Tobacco, Japan Tobacco International und Reemtsma). Insofern müsste dies kritisch mit Blick auf etwaige Kooperationen und Lieferbedingungen im Zuge der Geschäftsplanung gesehen werden. Diese geballte Marktmacht kann insbesondere für kleine Existenzgründungen hinderlich bei Vertragsverhandlungen sein.
 

Bedingungen für die Warenpräsentation

An der Kasse werden auch Nichtraucher mit Sicherheit schon die abschreckenden Bilder gesehen haben, die Tabakverpackungen seit der Umsetzung einer EU-Richtlinie 2016 zieren. Dieser Versuch seitens der Politik soll den Tabakkonsum reduzieren und die Lust auf das Rauchen nehmen (wenngleich paradoxerweise die Tabaksteuer eine sehr bedeutende Einnahmequelle für den Staat ist). Auch wenn bis dato nicht nachgewiesen werden konnte, dass diese Bilder den Rückgang des Tabakkonsums zu verantworten haben, so sind sie für die Warenpräsentation sicher alles andere als hilfreich. Insofern können in der Zukunft weitere Gesetzesverschärfungen in diesem Bereich einen deutlichen Einfluss auf die Nachfrage haben. In jedem Falle gilt es, Chancen und Risiken mit Hilfe einer SWOT-Analyse regelmäßig neu zu analysieren, um strategische Anpassungen ggf. rechtzeitig vorzunehmen.
 

Businessplan: diese strategischen Entscheidungen sind zu treffen

Generell ist der Businessplan der richtige formale Rahmen, um die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Tabakhandel‘ in allen relevanten Bereich ganzheitlich auszurichten. Und diese Arbeit kann sich auch im wahrsten Wortsinne auszahlen, denn mit dieser lesbaren Visitenkarte können Banken oder andere externe Investoren im besten Fall überzeugt werden.
 

Zielgruppe: Spezialisierung oder breites Angebot?

Mit Blick auf die Vielfalt an Marken und Erzeugnissen im Tabakbereich ist zu hinterfragen, mit welchem Sortiment gehandelt werden soll. Denkbar wäre ein breites Angebot, um möglichst viele Raucher anzusprechen. Es kann je nach eigenen Fachkenntnissen aber auch Sinn machen, sich mit Pfeifentabak oder Zigarren eher auf Nischen in diesem großen Markt zu fokussieren. Letztlich muss für die zentrale strategische Geschäftsausrichtung Klarheit über die Zielgruppe herrschen. Zu Beginn der Planung muss also die Frage beantwortet werden, für wen welche Tabakwaren gehandelt bzw. verkauft werden sollen.
 

Privatkunden oder Geschäftskunden?

Bei der Planung der Geschäftsausrichtung geht es vor allem auch um die Frage, ob sich der Tabakhandel an private oder geschäftliche Kunden richtet. Steht diese Ausrichtung, so herrscht auch meistens Klarheit über die Art des Geschäftsbetriebes. Wer an Privatkunden verkaufen möchte, wird einen Tabakladen oder einen Onlinehandel eröffnen. Wer gewerbliche Kunden beliefern möchte, wird eher ‚nur‘ über Lagerräume und eine entsprechende Logistik verfügen müssen.
 

Tabakwaren: Woher und zu welchen Konditionen?

Der Begriff Tabakhandel zeigt schon, in welchen Bereichen Existenzgründer ihre Hausaufgaben gut machen sollten. Wer professionell bzw. gewerblich mit Tabak handeln will, braucht neben einem ausgeprägtem Verhandlungsgeschick und fundierten Branchenkenntnissen vor allem auch gute Beziehungen. Nur so wird es möglich sein, Tabak gewinnbringend handeln zu können. Angesichts der großen Marktmacht der dominierenden Unternehmen wird die Aushandlung von Verträgen und Lieferbedingungen zu einem erfolgskritischen Faktor für eine nachhaltige Geschäftsbasis. Zu prüfen ist auch, ob mit dem Tabakhandel Zigarettenautomaten in der Umgebung regelmäßig befüllt werden können, um eine konstante Einnahmebasis zu erreichen.
 

Nur Handel oder auch Ladenlokal eröffnen?

Natürlich muss im Businessplan deutlich werden, welche Formen die Selbstständigkeit mit einem Tabakhandel annehmen soll. Soll ein Ladenlokal eröffnet werden (hierfür müssen mittels Standortanalyse geeignete Räumlichkeiten gefunden werden) oder soll nur eine Art Zwischenhandel hochgezogen werden?
 

Einkauf/Beschaffung: Kooperationen und Konditionen

Ist der Umfang des Tabakhandels geklärt, so müssen tragfähige Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten etc. her. Nur so kann vertraglich ein Sortiment sichergestellt werden, dass den Bedürfnissen der Nachfrage (Zielgruppe) gerecht wird. Auch muss möglichst vertraglich sichergestellt werden, dass immer für ausreichenden Nachschub gesorgt wird.
 

Vertriebswege: Reichweite und Kostenfaktoren

Die nächste strategische Überlegung betrifft die Gestaltung der Vertriebswege. Sofern ein Ladenlokal eröffnet wird, kann neben dem stationären Handel noch das Internet als zusätzlicher Vertriebsweg genutzt werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, den Tabakhandel nur online aufzuziehen. Auf diese Weise lassen sich weltweite Märkte und Zielgruppen in kurzer Zeit erschließen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Tabak-Produktangebot dementsprechend attraktiv ist.
 

Kosten für Existenzgründung mit Tabakhandel

Was die Kosten für den Aufbau eines Tabakhandels betrifft, so sind diese für Geschäfts- und Lagerräume sorgfältig zu kalkulieren. Denn gerade in diesem Bereich warten die größten finanziellen Hürden, die im Falle unzureichender Planung schnell zu einem Stolperstein werden können. Ganz in dieser Hinsicht sind auch gerade in der Startphase der Existenzgründung zu hohe Lagerbestände zu vermeiden, da diese Kapital binden und die Liquidität unnötig gefährden.
 

Kiosk als Alternative für die Selbstständigkeit?

Alternative Geschäftsideen prüfen: Wer auch, aber nicht nur mit Tabak handeln möchte, kann ebenfalls mit der Geschäftsidee spielen, einen Kiosk zu eröffnen (=> https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/kiosk). Insofern wären Tabakwaren mit Sicherheit ein starker Anziehungspunkt, der auch zum Kauf anderer Produkte animieren könnte.
 

Tabakhandel eröffnen: Welche Rechtsform?

Mit der Wahl einer Rechtsform werden entscheidende Rahmenbedingungen mit Blick auf die Haftungsverhältnisse und die Befugnisse gesetzt, sofern der Tabakhandel von mehreren Gesellschaftern betrieben wird. Hier auf selbststaendig.de finden sich kompakte Porträts für alle gängigen Rechtsformen, sodass sich Existenzgründer mit allen Vor- und Nachteilen praxisorientiert vertraut machen können.
 

Neue Trends und Chancen nutzen

Wer mit einer Existenzgründung im Tabakhandel spielt, sollte auch neue Trends wie E-Zigaretten bzw. Liquids auf dem (Business)plan haben. Der Umsatz in diesem Bereich ist in den letzten Jahr stark gestiegen (von 5 Millionen in 2010 auf 400 Millionen im Jahr 2016), sodass es sich um eine prüfenswerte Geschäftsoption handelt. Mehr als 3 Millionen Deutsche benutzen schon mit steigender Tendenz entsprechende Dampfgeräte, weshalb ein breit aufgestellter Tabakhandel auch diese Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren sollte. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich nur auf E-Zigaretten zu fokussieren und die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Tabakhandel‘ modern zu interpretieren.
 

Tabakhandel eröffnen: Welche Formalitäten sind zu beachten?

Auch wenn die formalen Einstiegshürden eher gering sind, so erscheinen fundierte Fach- und Branchenkenntnisse unabdingbar, um sich erfolgreich selbstständig mit einem Tabakhandel zu machen. Es gilt, die Qualität der Ware mit Blick auf die Wünsche der Zielgruppe bewusst zu selektieren, wobei die angestrebten Gewinnmargen immer im Hinterkopf eine kaufmännische Rolle spielen sollten. Zudem ist Rauchen für viele Menschen ein Genuss bzw. Ritual, um sich eine kurze Auszeit zu nehmen. Ganz in dieser Hinsicht gehört auch eine persönliche Fachberatung zum Leistungsspektrum, sofern ein stationärer Handel ins Leben gerufen wird.
 

Gewerbeanmeldung für einen Tabakhandel

Bevor der Geschäftsbetrieb offiziell aufgenommen werden darf, ist eine Gewerbeanmeldung vorzunehmen. Im Zuge dessen müssen in aller Regel keine bestimmten beruflichen Qualifikationen, wohl aber Kenntnisse in Bezug auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen nachgewiesen werden. Dies betrifft vor allem das Jugendschutzgesetz, demzufolge der Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige untersagt ist. Ansonsten richtet sich eine etwaige Erlaubnispflicht nach dem konkreten Leistungsspektrum, das auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung ohnehin detailliert zu schildern ist. Was das Ladenlokal angeht, so sind Formalitäten wie eine Nutzungsänderung oder Anträge für etwaige Umbaumaßnahmen rechtzeitig zu klären. Darüber hinaus müssen ab einer bestimmten Größe Parkplätze und sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt werden (die Gewerbeaufsicht und das Bauamt sind die richtigen Ansprechpartner in diesem Kontext). Was den Geschäftsbetrieb angeht, so sind die gesetzlichen Öffnungszeiten des jeweiligen Bundeslandes zu beachten.
 

Rechtliche Rahmenbedingungen für den Handel mit Tabak

Existenzgründer sollten wissen, dass auf Tabakwaren mit der Tabaksteuer eine gesonderte Verbrauchssteuer erhoben wird. Ähnlich wie bei Büchern besteht eine Preisbindung, sodass der auf dem Siegel angegebene Preis eingehalten werden muss. Es ist also mit Blick auf den Verkauf an Endkunden nicht möglich, sich über den Preis zu differenzieren. Grundlage für die Besteuerung in diesem Bereich ist das Tabaksteuergesetz, in das angehende Selbstständige rechtzeitig einen Blick werfen sollten. Das Tabaksteuergesetz (TabStG) regelt n den Paragrafen 24, 25 und 26 die für den Handel sehr relevanten Themen Beipackverbot (keine Zugaben sind erlaubt), Verbot des Siegelbruchs (Siegel auf den Verpackung dürfen nicht beschädigt werden) sowie das Verbot der Abgabe unterhalb des Kleinverkaufspreises. Was die wesentlichen rechtlichen Rahmenbedingungen angeht, so müssen sich Tabakhändler an folgende Vorschriften halten:

1. Jugendschutzgesetz
2. Preisbindung
3. Tabaksteuergesetz
4. Werbevorschriften bzw. Verbote

 

Tabakhandel: Grenzen für Werbung und Marketing

In Paragraf 10 des Jugendschutzgesetzes wird im Detail geregelt, inwiefern der Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige verboten ist. Dort können Existenzgründer auch nachlesen, welche Pflichten sie in diesem Bereich zu erbringen haben. Was die Werbung bzw. das Marketing für Tabakerzeugnisse angeht, sind einschlägige Verbote strikt zu beachten. In dieser Hinsicht ist es verboten, für alle Arten von Tabakerzeugnissen (auch elektronische Zigaretten) in Printmedien oder im Hörfunk offensiv zu werben. Ferner darf durch Werbung in diesem Bereich nicht der Eindruck erweckt werden, dass der Konsum von Tabakwaren gesundheitlich unbedenklich wäre. Auch darf Werbung in keiner Weise Jugendliche zum Tabakkonsum animieren. Unter Beachtung dieser gesetzlichen Rahmenbedingungen bewegen sich Existenzgründer in einem recht engen Korsett, das die Handlungsspielräume in vielen Bereichen einschränkt. Darüber sollte schon im Zuge der Ausarbeitung des Businessplans Klarheit herrschen, um über tragfähige Strategiealternativen nachdenken zu können.
 

Selbstständig machen mit Tabakhandel: Praxisorientierte Kurzzusammenfassung

  1. Tabakhandel: Es handelt sich um einen umsatzstarken Markt, der allerdings seit Jahren rückläufig ist
  2. Wie oben angeführt, sind bei der Ausarbeitung des Businessplans zahlreiche strategische Ausrichtungen vorzunehmen
  3. Chancen durch wachstumsstarke Trends nutzen: E-Zigaretten und Liquids erweisen sich als aufstrebende Märkte
  4. Vor der Eröffnung eines Tabakhandels ist in jedem Fall eine Gewerbeanmeldung vorzunehmen
  5. Rechtliche Rahmenbedingungen für den Handel mit bzw. den Verkauf von Tabakwaren werden im Tabaksteuergesetz und im Jugendschutzgesetz geregelt. Ferner sind die Preisbindung und die Werbeverbote schon bei der Geschäftsplanung zu beachten.

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