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Was kostet eigentlich eine Firmengründung?

Euro Münzen und Scheine mit Taschenrechner

Während der Gründungsphase müssen angehende Unternehmerinnen und Unternehmer zahlreiche bürokratische Hürden bewältigen. Dazu gehört die Erstellung diverser Dokumente, die teilweise eine notarielle Beglaubigung benötigen. Auch einige finanzielle Hürden erwarten die Gründer. Diese Kosten lassen sich relativ schnell steuerlich abschreiben.
 

Gründungskosten nicht auf den Cent genau kalkulierbar

Je nach Unternehmensform können die Gründungskosten stark schwanken. Beispielsweise fallen für eine GmbH andere Kosten an, als für die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Für eine GmbH-Gründung ist ein kostenpflichtiger Notar notwendig, das fällt bei einer GbR komplett weg. und auch die Einlage von Stammkapital in Höhe von 25.000 € ist zu leisten – wobei das Stammkapital streng genommen keine Kosten im steuerlichen Sinne sind, sondern ein Vermögenswert, der in den Büchern geführt wird. Dennoch, der Gründer muss das Kapital beibringen und es belastet sein persönliches Budget.

Damit die Gründungsdokumente, wie ein eventuell notwendiger Gesellschaftervertrag, wirklich rechtssicher sind, muss diese ein Profi erstellen. Die Gründungskosten sind Ausgaben, die ausschließlich im ersten Geschäftsjahr anfallen und von der Steuer absetzbar sind. Wie hoch sie ausfallen liegt an der Rechtsform und kann von 100 € bis zu 50.000 € und mehr reichen – nach oben ist noch viel Platz.
 

Kosten für Anschaffungen

Zu den Aufwendungen für den Gründungsakt kommen noch weitere Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Unternehmensgründung. Dazu gehören wichtige Anschaffungen, wie die Büroausstattung oder das Firmenauto. Bei der Anschaffung dieser Güter handelt es sich um Investitionen, die die Finanzämter anders handhaben, als die expliziten Gründungskosten. Investitionen stehen bei einer GmbH oder einer GbR am Ende des Jahres in der Bilanz oder im Jahresabschluss. Sie lassen sich je nach Absetzung für Abnutzung (AfA) über mehrere Jahre abschreiben.
 

Arbeitsmittel

Zu den Arbeitsmitteln zählt alles, was für die Verrichtung der täglichen Arbeit notwendig ist, wie Ablagekästen, Schreibtischlampen, Locher, Hefter, Tinte oder Toner für den Drucker. Handwerker brauchen eine Grundausstattung an Werkzeugen. Schnell summieren sich diese Dinge zu einem großen Posten, der zu finanzieren ist.
 

Firmenwagen

In manchen Fällen ist die Anschaffung eines Firmenwagens notwendig. Unternehmen können diesen finanzieren oder leasen. Die Beträge müssen in jedem Fall in die Kalkulation der Gründungskosten einfließen. Nicht zu vergessen sind dabei die laufenden Kosten.
 

Beratungskosten

Insbesondere in den ersten Jahren brauchen Start-ups Hilfe bei den Unternehmenszahlen. Zumindest sollte ein Steuerberater die Zahlen prüfen. Er weiß am besten, was ein Start-up alles steuerlich geltend machen darf und ob der Unternehmer vielleicht etwas übersehen hat. In manchen Fällen ist es ratsam, einen Rechtsanwalt zurate zu ziehen. Wer beispielsweise einen Online-Shop betreibt, braucht eine hieb- und stichfeste Widerrufsbelehrung, Rücksendebedingungen, Preisangaben und vieles mehr. Sie müssen genau den rechtlichen Bestimmungen entsprechen, sonst drohen kostspielige Abmahnungen, die schon manchen Gründer ruiniert haben.
 

Marketing-Maßnahmen

Am Anfang der Selbstständigkeit ist das Unternehmen noch relativ unbekannt. Um dies zu ändern muss das Start-up in entsprechende Marketing-Maßnahmen investieren. Dabei ist es wichtig, dass Flyer, Prospekte oder Visitenkarten professionell aussehen.

WerbemittelWofür?
Flyer und BroschürenStellen das Unternehmen vor
VisitenkartenZum Verteilen an möglichst viele Leute
Google-Adwords-WerbungUm das Suchmaschinen-Ranking zu verbessern und neue Kunden zu gewinnen
Optimierung der InternetseiteDient ebenfalls der Suchmaschinenoptimierung und Kundengewinnung


Die Suchmaschinen-Optimierung, mit oder ohne Google-Adwords, kostet jeden Monat Geld. Dabei können leicht zwei- bis fünfhundert Euro zusammenkommen.
 

Kleidung für Kundentermine



Für persönliche Besprechungstermine mit bestehenden oder zukünftigen Kunden ist ein angemessenes Auftreten erforderlich. Dazu gehört natürlich auch die entsprechende Kleidung. Der Unternehmer /die Unternehmerin sollte eine Grundausstattung an Schuhen und Anzügen oder Kostümen haben.
 

Private Krankenversicherung

Selbstständige müssen sich freiwillig gesetzlich oder privat absichern. Wer im künstlerischen Bereich tätig ist, kann sich in der Künstlersozialkasse versichern.
 

Geschäftsräume / Ladenlokal

Um in Ruhe arbeiten zu können, ist mindestens ein Raum notwendig. Alle notwendigen Gerätschaften und Utensilien, wie Computer, Telefon, Drucker, Unterlagen, Kalender oder Fachbücher sollten sich in Reichweite befinden. Ein beengter Arbeitsplatz wirkt mit der Zeit kontraproduktiv. Dazu sollte der Unternehmer am besten einen Raum anmieten oder zumindest einen eigenen Raum im Haus oder der Wohnung ausschließlich für die Arbeit reservieren.
 

Geschäftseinrichtung

Als Geschäftseinrichtung sind im Büro einen großen Schreibtisch, einen ergonomischen Stuhl, einen Schrank für Unterlagen und Bücher erforderlich. Das lässt sich für unter 1.000 € bewerkstelligen, kann aber auch schnell fünfstellig werden: Wer nämlich zudem eine Produktion einzurichten hat, ein Warenlager benötigt oder weitere Arbeitsplätze für Mitarbeiter benötigt, braucht sicherlich sehr viel mehr Geld. Die Einrichtung macht einen großen Posten bei den Gründungskosten aus. Oft ist dafür nicht ausreichend Budget vorhanden und ein Kredit wird nötig.
 

Weitere Versicherungen

Selbstständige müssen sich selbst darum kümmern, dass sie ausreichend versichert sind. Zu den wichtigsten Versicherungen neben der Krankenversicherung gehören:

  • Rentenversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Haftpflichtversicherung

Zusätzlich sind noch Versicherungen notwendig, die das Unternehmen betreffen:

  • Rechtschutzversicherung
  • Betriebshaftpflichtversicherung

Je nach Geschäftszweck sind weitere Branchenspezifische Versicherungen abzuschließen, deren Notwendigkeit jeder Gründer selbst prüfen muss.
 

Steuern und Gebühren – der Staat kassiert mit

Bei den Kalkulationen der Gründungskosten sollten Selbstständige die Posten Steuern und Gebühren nicht vernachlässigen. Sie sind zwar keine klassischen Gründungskosten im engen Sinne, aber sie belasten die Firmenkasse. Wer vergisst, sie einzukalkulieren, der manövriert sich in eine finanziell prekäre Situation. Je nach Größenordnung und Geschäftszweck sowie Rechtsform des Unternehmens fallen unter anderem diese Steuern an:

  • Einkommensteuer
  • Umsatzsteuer
  • Gewerbesteuer
  • Körperschaftssteuer
  • Kirchensteuer
  • Gebühren für die IHK
  • Rundfunkgebühren
  • Kontoführungsgebühren
     

Fazit

Eine Unternehmensgründung ist immer mit Kosten verbunden, die Selbstständige vorher gründlich kalkulieren müssen. Je nach Rechtsform des Unternehmens und persönlichen Ansprüchen variieren die Kosten sehr stark. Eines haben alle Unternehmen gemeinsam: Am Anfang sind Investitionen notwendig. Damit das Unternehmen nicht von Beginn an mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen hat, muss im Vorfeld sichergestellt sein, dass die Kosten für die Unternehmensgründung und die Anlaufphase abgedeckt sind. Das kann über ein Darlehen erfolgen oder über eigene Mittel.

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