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Welche Krankenversicherung für Selbstständige?

Patient im Wartezimmer wird aufgerufen

Für hauptberuflich Selbstständige ist die Arbeitskraft ein zentrales Fundament der Erwerbstätigkeit. Insofern spielt eine leistungsstarke Krankenversicherung eine wichtige Rolle bei der Planung, auch mit Blick auf etwaige Zahlungen im Krankheitsfall (Stichwort Krankentagegeld). Wer selbstständig bzw. freiberuflich arbeitet, kann grundsätzlich freiwillig gesetzlich krankenversichert bleiben oder aber sich für eine private Krankenversicherung entscheiden. Im Gegensatz zu Angestellten kommt es bei Selbstständigen nicht auf die Höhe des Jahreseinkommens an. Sie können sich alleine aufgrund ihres Status privat krankenversichern lassen. Und im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach der Höhe des Einkommens, sondern nach individuellen Variablen wie dem Alter oder Gesundheitszustand. Dieser wird bei der Aufnahme in die PKV im Rahmen der so genannten Gesundheitsprüfung obligatorisch ermittelt.

Gesetzliche oder private Krankenversicherung für die Selbstständigkeit? Worüber dieser Beitrag informiert

  • Kosten für die gesetzliche und private Krankenversicherung
  • GKV/ PKV Beitragsvergleich und Kostenentwicklung
  • Versicherungswechsel: Welche Kündigungsfristen sind vorgesehen?
  • Rückkehr von der PKV in die GKV?
  • Welche Faktoren sollten bei der Entscheidung für eine Krankenversicherungsform beachtet werden?
     

Aktuelle Kosten für Selbstständige (und Freiberufler) in der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Beiträge für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich nach den Einnahmen (Gewinnen), die ein Mal pro Jahr anhand eines aktuellen Lohnsteuerbescheides nachgewiesen werden müssen. Sobald sich die Einkommensverhältnisse von Selbstständigen grundsätzlich ändern, müssen diese der Krankenkasse mitgeteilt werden, damit die Beiträge neu berechnet werden können.
 

Aktuelle Zahlen für die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung

Für 2018 gilt in der GKV eine jährliche Beitragsbemessungsgrenze von 53.100,00 Euro, was einem Monatsverdienst von 4.425 Euro entspricht. Geht man von einem beispielshaften Beitragssatz von 15.0 % aus, so ergibt sich daraus ein Monatsbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung von etwa 664 Euro. Zu bedenken ist, dass gesetzliche Krankenkassen jenseits des Einheitssatzes (dieser liegt 2018 bei 14.60 %) einen individuellen Zusatzbeitrag erheben können. Zur besseren Orientierung sei darauf verwiesen, dass die über 110 gesetzlichen Krankenkassen derzeit Beiträge zwischen 14.60 und 16.30 % erheben. Weitere Kosten können entstehen, wenn sich freiwillig gesetzlich Krankenversicherte für das Krankentagegeld entscheiden.
 

Höchstbetrag in der GKV 2018

Bei dem genannten Beitragssatz, der in Einzelfällen aufgrund der genannten Spanne an Zusatzbeiträgen auch deutlich über 700 Euro liegen kann, handelt es sich um den Höchstwert und somit die maximalen Kosten, die Selbstständige für die gesetzliche Krankenversicherung zu tragen haben. Wer weniger verdient, zahlt einen geringen Beitragssatz. Zudem gibt es die Option für Selbstständige mit geringem Verdienst, einen Antrag auf einen ermäßigten Beitragssatz zu stellen. In diesem Sinne kann für Existenzgründer auf Antrag eine Bemessungsgrenze von ca. 1.500 Euro herangezogen werden. Wer keine Einnahmen erzielt, muss Beiträge in Höhe der aktuellen Mindestbemessungsgrenze entrichten, die 2018 bei 1.015 Euro liegt. Hieraus ergibt sich ein Beitragssatz von etwa 150 bis 170 Euro pro Monat. Für Selbstständige ist des Weiteren eine Mindesteinkommensgrenze von derzeit 2.284 monatlich vorgesehen, woraus sich Beiträge in Höhe von etwa 370 Euro pro Monat ergeben.
 

Änderung in der Beitragserhebung für die gesetzliche Krankenversicherung ab 2018

Mit Beginn des Jahres 2018 greift in der gesetzlichen Krankenversicherung eines neues Verfahren zur Beitragsbemessung. Bis dato war es so geregelt, dass die Beiträge aufgrund einer Schätzung gezahlt wurden. Da Änderungen bei den Einkommensverhältnissen immer erst mit der Zukunft wirksam wurden, kam es nicht zu Nachzahlungsaufforderungen seitens der GKV. In Zukunft wird es erst zur finalen Beitragsfeststellung kommen, wenn der aktuelle Einkommenssteuerbescheid vorgelegt wird. Es kann dann zu Erstattungen oder auch Nachzahlungen kommen. Insofern sind die Beiträge als vorläufig zu betrachten. Ungeachtet dessen gelten natürlich die oben genannten Bemessungsgrenzen. In der privaten Krankenversicherung gibt es solche Grenzen nicht, einzig mit Blick auf die Versicherungspflichtgrenze von 59.400 Euro (2018). Angestellte müssen pro Jahr mindestens einen Bruttolohn in dieser Höhe erzielen, um in die PKV aufgenommen werden zu können.
 

Kosten- und Beitragsvergleich: gesetzliche vs. private Krankenversicherung

Generell steigen die Kosten in beiden Gesundheitssystemen seit Jahren, da die Gesellschaft immer schneller altert und der medizinische Fortschritt bezahlt werden will. Insofern überrascht es nicht, dass offizielle Zahlen beiden Krankenversicherungssystemen steigende Kosten attestieren, wobei diese in der privaten Krankenversicherung noch etwas moderater ausfallen. Ohnehin werden in diesem System mit dem Beiträgen auch Rücklagen für das Alter gesammelt, um die Kosten langfristig insgesamt auf einem bezahlbaren Niveau halten zu können.
 


Was die Höhe der Beiträge in der privaten Krankenversicherung angeht, so lassen sich diese seriöserweise nicht pauschalisieren. Es gibt zahlreiche Tarifoptionen und individuelle Faktoren, die sich unmittelbar auf die Beitragshöhe der privaten Krankenversicherung auswirken können. Einzig in Bezug auf den Basistarif, der seit Anfang 2009 ohne eine vorherige Gesundheitsprüfung angeboten werden muss, lassen sich die Kosten konkretisieren, denn im Grunde geht es um eine Gesundheitsversorgung, die dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht.
 

Konkrete Kostenfaktoren in der privaten Krankenversicherung

Grundsätzlich sind die Kosten für eine private Krankenversicherung geringer, wenn der Versicherte jung und gesund ist. Natürlich hat auch das individuell gestaltbare Leistungsspektrum einen unmittelbaren Einfluss auf die Höhe der Beiträge. Es versteht sich von selbst, dass der vertragliche Anspruch auf ein Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung teurer ist als der explizite Verzicht auf diese Leistung. Privat Krankenversicherte können sich bewusst für oder gegen bestimmte Bausteine entscheiden, sodass der Kostenrahmen sehr flexibel ist. Dies trifft auch auf den jährlichen Selbstbehalt zu. Auch Höhe und Beginn des Krankentagegeldes haben einen direkten Einfluss auf die Versicherungsbeiträge. Generell sollten die Kosten immer auch in Relation zur erwartbaren Leistung gesetzt werden, denn in der PKV besteht im Gegensatz zur GKV die Option, sich einen Tarif maßschneidern zu können. In einer individuellen Kosten-Nutzen-Rechnung sollten insofern abgesehen von Kostenfaktoren vor allem die gesundheitsrelevanten Mehrwerte mit einbezogen werden.
 

Welche Kündigungsfristen und sonstigen finanzielle Aspekte sind zu beachten?

Wer vor der Selbstständigkeit schon gesetzlich krankenversichert war, kann mit einem entsprechenden Antrag in der jeweiligen Krankenkasse bleiben. Durch den Statuswechsel ist es auch möglich, sich privat krankenversichern zu lassen. Neben dem Antrag ist auch eine obligatorische Gesundheitsprüfung vorgesehen. Eine vorhandene gesetzliche Krankenversicherung kann in der Regel zum Ende des übernächsten Kalendermonats gekündigt werden (vergleiche § 175 SGB V). Generell kann eine Versicherung nur gekündigt werden, wenn ein Nachweis über eine Folgeversicherung erbracht wird. Die Kündigungsmodalitäten der PKV sind den Vertragsdetails zu entnehmen. Je länger eine Versicherung in der PKV besteht, desto weniger lohnenswert ist eine Kündigung im wahrsten Wortsinne.
 

Ist die private Krankenversicherung eine echte Alternative für Selbstständige?

Diese Frage stellen sich viele angehende Existenzgründer. Im Einzelfall gilt es, die persönlichen Voraussetzungen und Ziele zu prüfen. Die Entscheidung für oder gegen ein Krankenversicherungssystem sollte immer ganzheitlich und vor allem langfristig gesehen getroffen werden. Insofern kann eine unabhängige Fachberatung schnell zeigen, inwiefern die private Krankenversicherung die bessere Option ist. Online lassen sich verschiedene Tarife schnell vergleichen, sodass auch die kostenrelevante Leistungsflexibilität in der PKV gut eingeschätzt werden kann. Folgende Vorteile sprechen ohnehin für die ernsthafte Prüfung der Option, sich als Selbstständiger (Freiberufler) privat krankenversichern zu lassen:

+ Entkopplung der Beiträge von der Einkommensentwicklung (Einkünfte müssen nicht offengelegt werden)
+ individuelle Wahl von Leistungen vs. Einheitsversorgung in der GKV
+ Zugang zu den modernsten Behandlungsmethoden
+ schnelle Terminvergabe bei gefragten Fachärzten
+ Kosten begrenzen: tarifliche Entlastungsoptionen (etwa Altersrückstellungen) sind wählbar

Natürlich müssen bei einer individuellen Entscheidung immer auch die eigenen Lebenspläne mit eingebunden werden. Mit Blick auf die Familienplanung sollte bedacht werden, dass eine kostenlose Familienversicherung wie in der GKV in der PKV nicht vorgesehen ist. Für jedes neue Familienmitglied müssten insofern Beiträge entrichtet werden.
 

Ist eine Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung möglich?

Sofern Selbstständige ihren Status aufgeben und wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückehren, können sie sich gesetzlich versichern lassen, sofern das Einkommen unterhalb der aktuell geltenden Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Grundsätzlich spielt bei dieser Frage der Faktor Alter eine Schlüsselrolle. In der Praxis ist es so, dass jenseits des 55. Lebensjahres ein Wechsel von der PKV zurück in die GKV so gut wie ausgeschlossen ist. Der Gesetzgeber möchte ausdrücklich verhindern, dass Versicherte je nach Lebensabschnitt die spezifischen Vorteile beider Systeme ausnutzen können. Hinzu kommt, dass ein Wechsel in finanzieller Hinsicht auch nicht erstrebenswert wäre, da ein Großteil der über Jahre angesammelten Rückstellungen verloren ginge (zu beachten wären im konkreten Fall immer die vertraglichen Details). Insofern kann es sinnvoller sein, das Leistungsspektrum anzupassen und so die Kosten aktiv zu senken. Im Falle der Eheschließung ergäbe sich noch die Option der Familienversicherung in der GKV.

Experten raten ohnehin dazu, regelmäßig Tarifoptimierungsoptionen zu nutzen. Von Anfang an sollte schon in jungen Jahren großer Wert auf Entlastungskomponenten gelegt werden, sodass die eingangs gestellte Frage aufgrund nicht zu stark anwachsender Beiträge erst gar nicht aufkommt.
 

Fazit: Selbstständige/Freiberufler genießen Handlungsfreiheit mit Blick auf die Gesundheitsversorgung

Grundsätzlich sollten sich Selbstständige glücklich schätzen, da sie mit Blick auf die Wahl des Krankenversicherungssystems wählen können. Sie sind durch ihren Status nicht an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden, was schon durch den Status ‚freiwillig‘ versichert deutlich wird. Mit der PKV öffnet sich aufgrund des Status als Selbstständiger die Tür zu einer besseren Gesundheitsversorgung, die tariflich perfekt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Im Grunde muss jeder Versicherte selber entscheiden, wie viel ihm die Gesundheitsversorgung wert ist. Es versteht sich von selbst, dass neben den reinen Kosten auch weitere persönlich bedeutsame Aspekte betrachtet werden sollten. Schließlich ist die Gesundheit die Grundvoraussetzung, um als Selbstständiger dauerhaft Einnahmen erzielen zu können.
 

Zusammenfassung: Vergleich von GKV/PKV Tarifen für Selbstständige &Freiberufler

  1. Wahlfreiheit: Selbstständige/Freiberufler können sich freiwillig gesetzlich krankenversichern lassen oder aber in die private Krankenversicherung wechseln
  2. In der GKV herrscht zwar ein Einheitssatz (14.60 % im Jahr 2018), doch durch Zusatzbeiträge kann dieser auf bis zu 16.60 % steigen (auch ein Vergleich innerhalb der GKV kann sich daher lohnen)
  3. Eine Entscheidung sollte immer ganzheitlich und langfristig getroffen werden, auch mit Blick auf die individuelle Familienplanung
  4. Die Beitragsbemessungsgrenze in der GKV liegt 2018 bei monatlich 4.425 Euro, wodurch sich ein Höchstbetrag von etwa 700 Euro ergibt
  5. Ab 2018 tritt ein neues Verfahren zur Beitragsermittlung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Kraft, sodass es nach vorläufigen Beiträgen zu Nachzahlungen oder Erstattungen kommen kann
  6. Pauschale Kosten können für die private Krankenversicherung nicht angegeben werden, da die Tarife sich nach dem Alter, dem Gesundheitszustand und den gewählten Leistungsmerkmalen (und NICHT nach dem Verdienst) richten
  7. In den letzten Jahren sind die Kosten in beiden Systemen gestiegen, in der GKV sogar noch etwas stärker
  8. Seit Inkrafttreten des Bürgerentlastungsgesetzes 2010 sind die Beiträge für beide Versicherungsformen von der Lohnsteuer grundsätzlich absetzbar.


1. Schritt: Das kostet die gesetzliche Krankenversicherung


2. Schritt: Als Privatpatient weniger bezahlen?

Für viele Selbstständige ist die Private Krankenversicherung trotz des weitaus umfangreicheren Versicherungsschutz die günstigere Wahl. Dies liegt unter anderem an einkommensunabhängigen Beiträgen und der flexiblen Gestaltung des Versicherungsschutzes. Viele Anbieter gewähren darüber hinaus Beitragsrückerstattungen im vierstelligen Bereich. Nutzen Sie unser Angebot eines kostenlosen PKV-Vergleiches und erfahren Sie, welcher Anbieter am günstigsten ist.

 



 

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