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Welche Krankenversicherung für Selbstständige?

Wer den Weg in die hauptberufliche Selbstständigkeit wagt, muss sich auch die Frage nach einer geeigneten Krankenversicherung stellen. Grundsätzlich haben Selbstständige und Freiberufler die Wahl, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern lassen möchten. Alleine aufgrund des Status selbstständig/freiberuflich ist der Weg in die private Krankenversicherung offen, und zwar völlig unabhängig von der Höhe der Einkünfte (im Gegensatz zu Angestellten). Die Beiträge richten sich nach dem Alter und dem jeweiligen Versicherungsrisiko, das in einer obligatorischen Gesundheitsprüfung ermittelt wird. Mit steigendem Einkommen erhöhen sich die Beiträge in der PKV für Selbstständige somit nicht. Hier zeigt sich ein Vorteil gegenüber der GKV, denn anfangs geringe Beiträge erreichen schnell die Obergrenze, sodass von einer günstigeren Versicherungsoption in vielen Fällen nicht die Rede sein kann.

Gesetzliche oder private Krankenversicherung für die Selbstständigkeit: Worüber dieser Beitrag informiert

In diesem Beitrag werden alle wesentlichen Faktoren beleuchtet, um eine Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Versicherungsform fundiert treffen zu können. Neben konkreten Kosten- und Leistungsaspekten, die einen aussagekräftigen Vergleich erlauben, sollen auch praktische Fragestellungen wie die spätere Rückkehr in eine andere Versicherungsform erläutert werden. Eine kompakte Zusammenfassung am Ende zeigt alle wesentlichen Schlüsselfaktoren, um die individuelle Vorteilhaftigkeit einer Versicherungsform bestimmen zu können. Natürlich werden auch einige aktuelle Zahlen präsentiert, um sich einen aussagekräftigen Eindruck zu verschaffen.
 

Was zahlen Freiberufler und Selbstständige in der "gesetzlichen Krankenversicherung"?

Ganz grundsätzlich richten sich die Beiträge nach den Einnahmen bzw. Gewinnen, wobei aber in der Startphase mit geringem Einkommen günstigere Tarife genossen werden können. Der mögliche Höchstbeitrag richtet sich nach der Beitragsbemessungsgrenze, die im Jahr 2017 bei monatlich 4.350 Euro liegt. Legt man die aktuellen Beitragssätze und die Kosten für die Pflegeversicherung an, so entsteht ein maximaler Monatsbeitrag von ca. 720 Euro (Höchsbeitragssatz ohne Krankengeldanspruch und ohne Zusatzbeitrag). Selbstständige können wählen, ob sie einen Tarif mit Krankengeld oder ohne wählen wollen. Gegen eine Mehrbelastung von etwa 16 Euro im Monat erhalten Selbstständige mit dieser sinnvollen Option Zahlungen, falls sie auch nach 42 Tagen Krankheit nicht arbeiten können. Der reguläre Mindestsatz für die gesetzliche Krankenversicherung liegt aktuell bei ca. 369 Euro monatlich inklusive Pflegeversicherung, ohne Krankengeldanspruch (herangezogene Rechengröße = 2231.25 Euro). Wer geringere monatliche Einkünfte hat, muss dies mittels Bescheid vom Finanzamt nachweisen. Im Jahr 2017 wird von den gesetzlichen Krankenkassen dann ein günstigerer Beitrag gewährt, wodurch sich monatliche Kosten inklusive Pflegeversicherung von etwa 246 Euro ergeben (die Bemessungsgrundlage liegt hier bei 1487.50 Euro im Monat). Dieser verminderte Beitrag richtet sich vor allem an Existenzgründer, die einen Gründungszuschuss von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Die Beitragssätze bei den gesetzlichen Krankenkassen sind seit einigen Jahren einheitlich, Unterschiede zeigen sich höchstens bei der Erhebung von Zusatzbeiträgen. Wer jedoch seinen Beitrag auf Antrag senken möchte, der muss dazu folgende Bedingungen erfüllen:

  • 50 % des Einkommens einer Bedarfsgemeinschaft dürfen 2231.25 Euro im Monat nicht übersteigen
  • bei keinem dürfen steuerpflichtige Einnahmen aus Kapitalvermögen vorhanden sein
  • weder der Versicherte noch der Partner dürfen ein Vermögen über ca. 11.300 Euro besitzen


GKV-Rechner zur Beitragsberechnung


2. Schritt: Als Privatpatient weniger bezahlen?

Für viele Selbstständige ist die Private Krankenversicherung trotz des weitaus umfangreicheren Versicherungsschutz die günstigere Wahl. Dies liegt unter anderem an einkommensunabhängigen Beiträgen und der flexiblen Gestaltung des Versicherungsschutzes. Viele Anbieter gewähren darüber hinaus Beitragsrückerstattungen im vierstelligen Bereich. Nutzen Sie unser Angebot eines kostenlosen PKV-Vergleiches und erfahren Sie, welcher Anbieter am günstigsten ist.

 


PKV vs. GKV: Kosten- und Beitragsvergleich

Wer nur sehr geringe Einnahmen unterhalb des Existenzminimums erzielt, der muss den Beitragssatz für freiwillig Versicherte zahlen. Im Monat belaufen sich die Beiträge dann auf etwa 165 Euro. Zu Beginn ist es üblich, dass Selbstständige ihre Einnahmen schätzen müssen, um von der Krankenversicherung richtig eingestuft zu werden. Sollte sich bei der obligatorischen Einreichung des aktuellen Steuerbescheides herausstellen, dass die Einnahmen tatsächlich höher ausgefallen sind, so sind Nachzahlungen zu leisten. In der GKV muss also buchstäblich immer gerechnet werden. Sollten die Einnahmen kurzfristig wegbrechen, so können die Beiträge ggf. auch kurzfristig auf Antrag gesenkt werden. Sobald aber die Einnahmen im Monat die Grenze von 2231.25 Euro übersteigen, entfällt der Mindesbeitragssatz.

Die Kosten für die PKV lassen sich aufgrund vielfältiger Tarifoptionen und Variablen nicht pauschalisieren. Je jünger und gesünder ein Versicherter beim Eintritt ist, desto geringer sind die Monatsbeiträge. Zudem lassen sich diese aktiv beeinflussen, indem bestimmte Variablen gezielt gestaltet werden (man denke an Selbstbehalte, die Zuzahlungen für Zahnbehandlungen/-ersatz, Chefarztbehandlung im Krankenhaus etc.). Der große Vorteil jedoch ist, dass die Beiträge von den Einnahmen entkoppelt sind, sodass Rechenspiele, wie sie in der GKV üblich sind, nicht nötig werden. In vielen Fällen ist ein maßgeschneiderter PKV Tarif nicht teurer als der Höchstsatz in der GKV, den gut verdienende Selbstständige schnell erreichen. Das Vorurteil, die PKV sei grundsätzlich teurer als die GKV, ist nicht richtig, zumal den Kosten auch erstklassige Gesundheitsleistungen gegenüberstehen. Im Falle der PKV kann eine professionelle Beratung schnell zeigen, mit welchem Monatsbeitrag gerechnet werden muss. Da die Zahlen der GKV als Vergleich offenliegen, kann eine individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung sehr schnell durchgeführt werden.
 

Welche Kündigungsfristen und sonstigen finanziellen Aspekte sind zu beachten?

Wer zuvor in der gesetzlichen Krankenversicherung war, kann dort einfach bleiben. Nachdem die Krankenkasse informiert wurde, ändert sich nur der Status. Sofern sich der Status ändert, kann mit dem Beginn der Selbstständigkeit sofort in die PKV gewechselt werden. Wer bereits selbstständig und freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, kann zum Ende des übernächsten Kalendermonats auf der Basis von Paragraf 175 Absatz 4 des Sozialgesetzbuches V kündigen. Wichtig zu wissen ist, dass die Kündigung nur in Kraft tritt, wenn der alten Krankenkasse ein Nachweis über die anschließende Versicherung erbracht wird, und dies innerhalb der Kündigungsfrist. Wer übrigens die selbstständige Tätigkeit nur in Teilzeit ausübt und verheiratet ist, kann in der GKV beitragsfrei familienversichert werden, sofern die monatlichen Einnahmen nicht über ca. 405 Euro liegen. Eine kostenlose Familienversicherung ist in der PKV übrigens nicht vorgesehen. Dieser langfristige Aspekt ist bei der persönlichen Entscheidung mit einzubeziehen. Beitragsanhebungen sind für beide Versicherungsformen zu erwarten, da die Gesundheitskosten langfristig alleine aufgrund der alternden Gesellschaft steigen werden. Mit dem medizinischen Fortschritt allerdings wird auch das Leistungsspektrum immer besser. Vor allem privat Krankenversicherte werden stärker von neueren Behandlungsmethoden profitieren können. Steuerlich absetzbar sind seit der Einführung des Bürgerentlastungsgesetzes im Jahr 2010 übrigens beide Versicherungsformen in stärkerem Maße.
 

Erweist sich die private Krankenversicherung als attraktive Alternative zur GKV?

Diese Frage muss ganz klar mit ja beantwortet werden, da alleine die Entkopplung von der Einkommenshöhe eine gewisse Planungssicherheit mit sich bringt. Grundsätzlich funktioniert das Versicherungssystem anders, was aber für den Versicherten viele Vorteile mit sich bringt. So können Tarife sehr flexibel ausgestaltet werden, wohingegen man in der GKV nur einen einheitlichen Standard bekommt. Die Gesundheitsleistungen sind hochwertiger, auch bekommen privat Versicherte in der Regel wesentlich schneller einen Termin bei einem Facharzt. Die jeweiligen Leistungen sind vertraglich vereinbart zu somit über einen langen Zeitraum gesichert. In der GKV sind wegfallende Leistungen und höhere Eigenanteile dagegen längst keine Seltenheit mehr. Durch gesetzlich vorgeschriebene Altersrückstellungen und zusätzliche tarifliche Entlastungskomponenten können Versicherte langfristig sicherstellen, dass die Beiträge bezahlbar bleiben. Wer über einen bestimmten Zeitraum keine Leistungen in Anspruch nimmt, bekommt Beiträge zurückerstattet. Je nach Höhe des jährlichen Selbstbehaltes und dem Umfang der gewählten Versicherungsleistungen lassen sich die Kosten gezielt beeinflussen, was in der GKV nicht funktioniert. Auf den wichtigen Baustein Krankentagegeld sollten Selbstständige allerdings nicht verzichten, da dieser Zahlungen leistet, wenn sich eine Erkrankung über einen längeren Zeitraum hinzieht. Aktuelle Vergleiche zeigen, dass eine gute Grundversorgung bei einem renommierten privaten Krankenversicherer schon zwischen 250 und 300 Euro erhältlich ist. Zu beachten ist, dass solche Werte aber letztlich nur aussagekräftig sind, wenn weitere Variablen zum Selbstbehalt oder konkreten Leistungsumfang bekannt sind. Sie können insofern allenfalls als große Orientierung dienen und zeigen, dass die private Krankenversicherung auch kostentechnisch eine attraktive Alternative im Vergleich zur GKV sein kann.
 

Wie gestaltet sich die Rückkehr von der PKV in die GKV?

Generell können Selbstständige in die GKV zurückkehren, wenn sie ihren Status ändern und insofern wieder ein Angestelltenverhältnis annehmen, das unterhalb der aktuellen Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Generell spielt in diesem Kontext der Faktor Alter eine große Rolle, denn ab dem 55. Lebensjahr ist der Rückwechsel so gut wie ausgeschlossen. Eine gangbare Alternative wäre noch die Familienversicherung über den Ehepartner. Allerdings ist ein Wechsel im höheren Alter nicht unbedingt erstrebenswert, da bis dato schon viele Rückstellungen für die Beitragsentlastung aufgebaut wurden. Zudem kann auch im Alter der PKV-Tarif immer wieder optimiert werden, sodass eine kostenrelevante Handlungsflexibilität in keiner Lebensphase abhandenkommt.
 

Fazit: Selbstständige und Freiberufler genießen eine erstrebenswerte Handlungsfreiheit mit Blick auf die Gesundheitsversorgung

Zur großen Verantwortung, die Selbstständige für sich und ihre Familie tragen, gehört die Handlungsfreiheit, sich für die gesetzliche oder private Krankenversicherung entscheiden zu können. Grundsätzlich erscheint die PKV als sehr prüfenswerte Option, da die Beiträge von der Einnahmeentwicklung entkoppelt werden und durch aktive Tarifgestaltung gezielt beeinflusst werden können. In jedem Falle ist eine persönliche Fachberatung sinnvoll, um die möglichen Kosten der PKV mit den bekannten aus der gesetzlichen Versicherungsvariante zu vergleichen. Langfristige Kostenaspekte wie die Familienversicherung sind bei der Auswahl sicherlich auch zu würdigen.
 

Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte: Vergleich GKV/PKV für Selbstständige und Freiberufler

  • Selbstständige und Freiberufler haben die Qual der Wahl: sie können unabhängig von der Höhe des Einkommens in die private Krankenversicherung wechseln
  • in der PKV richten sich die Beiträge nach dem Alter, individuellen Gesundheitsrisiken und dem konkret gewählten Versicherungsumfang (eine Gesundheitsprüfung ist bei der Aufnahme obligatorisch)
  • in der GKV werden Grenzen zur Beitragsberechnung herangezogen. Der einzureichende Steuerbescheid zeigt, ob ggf. Nachzahlungen fällig werden
  • der Höchstsatz in der GKV beträgt 2017 inkl. Pflegeversicherung ca. 794 Euro, der ‚Regelsatz‘ liegt monatlich bei etwa 350 Euro
  • Existenzgründer können in der GKV einen Antrag auf die Senkung des Beitrages stellen, sodass monatlich etwa 260 Euro fällig werden
  • der große Vorteil der GKV zeigt sich in der kostenlosen Familienversicherung
  • in der PKV genießen Selbstständige eine hervorragende Gesundheitsversorgung, die sehr flexibel (auf Wunsch auch mit Blick auf die Kosten) angepasst werden kann
  • bei der Wahl einer Versicherungsform langfristig denken: ein Rückwechsel von der PKV in die GKV ist möglich, ab dem 55. Lebensjahr wird es aber nahezu unmöglich

7 Schritte zur Selbstständigkeit

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