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Selbstständig machen als Raumausstatter

Als Raumausstatter geht es im beruflichen Alltag darum, Innenräume ansprechend zu gestalten, wobei es sich um Wohnräume oder auch gewerbliche Flächen handeln kann. Neben der eigentlichen, ausstattenden Tätigkeit gehört die umfassende Beratung von Kunden zum Hauptaufgabenbereich. Nach der Planung müssen die benötigten Materialien gekauft und vor Ort fachmännisch angebracht werden. Arbeiten wie Verlegen von Bodenbelegen, Verkleidungen und Dekoration von Wänden und Decken mit Stoffen etc. sowie Lichtkonzepte gehören zum Berufsalltag eines Raumausstatters. Aus diesen einleitenden Schilderungen geht schon hervor, dass dieses Berufsbild neben kommunikativer Stärke vor allem ein breites Spektrum an handwerklichen Fähigkeiten verlangt.

Wer sich als Raumausstatter selbstständig machen möchte, muss neben der notwendigen Planung und Beratung handwerklich gut anpacken können. Da die Arbeitsergebnisse immer sichtbar sind und Kunden überzeugen sollten, sind Erfahrungswerte und Fachkenntnisse (in Form einer Berufsausbildung) für eine erfolgreiche Selbstständigkeit unabdingbar. Im folgenden Beitrag sollen die wichtigsten formalen und strategischen Faktoren für den Weg in die Selbstständigkeit als Raumausstatter praxisorientiert beleuchtet werden.
 

Existenzgründung als Raumausstatter: Auf welche Fragen dieser Fachbeitrag Antworten gibt

  • Welche Anforderungen und formalen Startvoraussetzungen gibt es?
  • Welche strategischen Varianten sind zu bedenken?
  • Marketing und Werbung: Wie kann das eigene Können wirkungsvoll angepriesen werden?
  • Aussichten und Perspektiven der beruflichen Selbstständigkeit als Raumausstatter


Grundsatzentscheidungen und formale Rahmenbedingungen

Üblicherweise finden Raumausstatter in entsprechenden handwerklichen Fachbetrieben Arbeit. Wer sich aber bewusst gegen ein Angestelltenverhältnis entscheidet, kann sich selbstständig machen. Grundsätzlich bietet die Selbstständigkeit die Chance, ein höheres Einkommen zu erzielen. Die große Entscheidungsfreiheit als sein eigener Chef hat aber immer auch den Nachteil, dass das wirtschaftliche Risiko auf den eigenen Schultern getragen werden muss. Grundsätzlich muss für die Tätigkeit als Raumausstatter ein Gewerbe angemeldet werden. Die Anlage B der Handwerksordnung sieht vor, dass es sich um ein zulassungsfreies Gewerbe handelt, für das keine Meisterpflicht besteht. Allerdings ist ein Meistertitel nötig, wenn im Betrieb Lehrlinge ausgebildet werden sollen. Die Eintragung in die Verzeichnisse der Handwerkskammer ist vorzunehmen.
 

Kreativer Einzelkämpfer oder handwerklicher Fachbetrieb mit Angestellten?

Zu überlegen ist in diesem Kontext noch, ob die Selbstständigkeit in Form eines Ein-Mann-Betriebes oder einer größeren Unternehmung mit Angestellten hochgezogen werden soll. Letzteres hätte den Vorteil, dass viele Arbeiten für Kunden aus einer Hand erledigt werden können. Wer alles selbst erledigen möchte, braucht neben den erforderlichen handwerklichen Kenntnissen natürlich auch viele zeitliche Ressourcen. In jedem Falle muss ein Raumausstatter immer auch ein guter Netzwerker sein, da er mit weiteren Fachbetrieben regelmäßig kooperieren wird. Zu denken ist etwa an Fachhändler für bestimmte Materialien oder auch andere Handwerker, die bestimmte Leistungen im Rahmen eines für Kunden ganzheitlichen Leistungsspektrums erbringen. Wer einen Fachbetrieb mit Angestellten gründen möchte, braucht natürlich auch entsprechende Geschäftsräume, in denen die Planung bzw. Vorbereitung der Materialien vorgenommen werden können.
 

Kunden wollen sehen und erfahren, was ein Raumausstatter kann…

Solche Geschäftsräume müssen aber immer auch einen gewissen repräsentativen Charakter aufweisen, denn die kreative Schaffenskunst eines Raumausstatters ist immer visueller Natur: Insofern kann ein Showroom helfen, die eigene Leistungsstärke wirkungsvoll in Szene zu setzen. Auch eine suchmaschinenoptimierte Homepage kann hier wahre Wunder wirken, wenn Bilder oder Videos von erfolgreichen Projekten genutzt werden, um neue Kunden zu gewinnen. Eine Internetseite bringt immer den praktischen und ressourcensparenden Vorteil mit sich, dass die ungeliebte Kaltakquise quasi rund um die Uhr automatisch im Hintergrund laufen kann. Es gilt, für suchende Kunden präsent zu sein und den Wunsch auszulösen, sich ein individuelles Angebot einzuholen. Ein Fachgeschäft mit entsprechender Außenwirkung bzw. einladende Schaufenster können den gleichen Effekt in der realen Welt haben. Insofern dürfte es schwer werden, komplett auf Geschäftsräume sowie eine ansprechend designte Homepage zu verzichten. Insofern wird deutlich, dass gute Raumausstatter auch gute Verkäufer sein müssen, die ihr Können wirkungsvoll in Szene setzen. Es versteht sich von selbst, dass mit der Anmietung von Geschäftsräumen Fixkosten entstehen, die im Businessplan konsequent gewürdigt werden sollten. Auch versteht sich von selbst, dass die Konkurrenzsituation in der unmittelbaren Umgebung analysiert werden sollte, um die Nachhaltigkeit des Standortes für die angestrebte Geschäftsentwicklung nachvollziehen zu können.
 

Neben aller Kreativität darf die kaufmännische Perspektive nicht zu kurz kommen

Kreativität und Liebe zum Detail erweisen sich als wichtige Voraussetzungen in diesem Beruf. Eine erfolgreiche Selbstständigkeit setzt aber auch voraus, dass sich Gründer mit allen wichtigen Aspekten wie einer soliden Finanzplanung und einer sinnvollen Preiskalkulation beschäftigen. Natürlich sollte eine Orientierung an den üblichen Preisen erfolgen, je nach Kundensegment bzw. Zielgruppe können die Preise aber auch steigen, wenn z.B. exklusive Ausstattungskonzepte umgesetzt werden. In den Preisen sind neben den Materialien natürlich insbesondere die Arbeitskosten zu würdigen. Am Ende des Tages sollte unter dem Strich ein Verdienst stehen, der das unternehmerische Risiko rechtfertigt. Dieses Risiko kann sich im Berufsalltag konkret darin äußern, dass Raumausstatter Kosten für Materialien zunächst aus gut gemeinter Kundenorientierung vorstrecken und erst später in Rechnung stellen. Neben einer vernünftigen Liquiditätsplanung müssen auch finanzielle Risiken einkalkuliert werden, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden (das Forderungsmanagement wird somit auch zu einem Bestandteil einer ganzheitlichen Buchhaltung, die regelmäßig zu erledigen ist). Insofern sollte überlegt werden, wie die Verträge abgewickelt werden, um für alle Beteiligten ein hohes Maß an Sicherheit herbeizuführen.
 

Strategische Alternativen bedenken, um finanzielle Risiken zu minimieren

Denkbar wäre es, 50 % der Kosten sofort zu verlangen oder zumindest die Materialien in Rechnung zu stellen, sodass das Risiko minimiert wird. Letztlich wird auch hier das Branchen- oder Ortsübliche den Ausschlag geben, um potenzielle Kunden nicht abzuschrecken. Wer Angestellte beschäftigen möchte, muss sich mit allen Aufgaben auseinandersetzen, die für einen Arbeitgeber in diesem Zusammenhang anfallen. Zu denken ist hier mit Blick auf die Buchführung insbesondere an die pünktliche Überweisung der Sozialversicherungsbeiträge und der Lohnsteuer an das Finanzamt. Was die beruflichen Risiken generell angeht, so ist auch über eine Berufshaftpflichtversicherung nachzudenken. Es kann passieren, dass bei Arbeiten Schäden verursacht werden, die schnell große Dimensionen erreichen können.
 

Fazit und Perspektiven zur Selbstständigkeit als Raumausstatter

Wer es schafft, sich einen guten Ruf zu erarbeiten und Kunden mit seinem Können zu begeistern, wird an einem guten Standort Erfolg haben können. Feste Kooperationen mit Hotels/Hotelketten oder Unternehmen können dafür sorgen, dass die Einnahmen dauerhaft gesichert sind. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich im Sinne einer Differenzierungsstrategie auf eine bestimmte Zielgruppe zu fokussieren: Im Zuge des Strebens nach Individualität ist es möglich, sich als Luxusausstatter mit entsprechenden Preisen zu etablieren. Da keine Meisterprüfung erforderlich ist, können viele gelernte Raumausstatter den Weg in die Selbstständigkeit wagen. Da Kreativität und handwerkliches Geschick quasi die wichtigsten ‚kostenlosen‘ Erfolgszutaten sind, halten sich die Investitionskosten für den Weg in die Selbstständigkeit als Raumaussatter in Grenzen. Finanzielle Risiken entstehen eher im Tagesgeschäft, wenn Materialien oder Rechnungen bezahlt werden müssen.
 

Selbstständiger Raumausstatter: Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte

  • Es handelt sich laut Anlage B der Handwerksordnung um ein zulassungsfreies Gewerbe (=> anmeldepflichtig!), sodass kein Meistertitel erforderlich ist (dies ändert sich, wenn Lehrlinge ausgebildet werden sollen)
  • Eine entsprechende Berufsausbildung und handwerkliches Geschick sind unerlässlich, da die Arbeitsresultate immer sichtbar und somit wichtig für die Auftragsgewinnung sind
  • Grundsatzentscheidung: Ein-Mann-Betrieb oder Fachbetrieb mit Angestellten?
  • Marketing & Kundengewinnung: Showroom und moderne Homepage als wirksame Mittel, um das handwerkliche Können überzeugend anzupreisen
  • Stillstand bedeutet Rückschritt (oder: Was Kunden wollen): Raumausstatter sollten neue Trends (er)kennen, aktiv forcieren und immer am Puls der Zeit agieren
  • Die kaufmännische Perspektive darf neben der gebotenen Kreativität nicht zu kurz kommen (relevante Stichworte in diesem Kontext: Preiskalkulation, Liquiditätsplanung, Rechnungswesen und Forderungsmanagement)
  • Strategische Schwerpunktsetzung bedenken: Welche Zielgruppe soll angesprochen werden (z.B. Fokus auf Luxussegment als Alleinstellungsmerkmal)

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