Selbstständig machen als Innenarchitekt

Innenarchitekt bei der Planung mit Skizze

Wer eine kreativ-gestalterische Ader sein Eigen nennt und ein Studium im Bereich der Innenarchitektur aufnehmen will oder bereits angefangen hat, spielt eventuell langfristig mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Das Angebot an entsprechenden akademischen Weiterbildungsoptionen ist deutschlandweit breit gefächert, was vor allem mit Blick auf thematische Vertiefungen (und somit spätere Alleinstellungsmerkmale als selbstständiger Innenarchitekt!) von zentraler Bedeutung ist. Ganz in dieser beruflichen Hinsicht soll hier die Geschäftsideeselbstständig machen als Innenarchitekt‘ vorgestellt werden. Neben zentralen Planungsfragen soll vor allem auf formale Rahmenbedingungen eingegangen werden, die selbstständige Innenarchitekten auf der Rechnung haben sollten.

Alle Optionen sollten zu Beginn auf dem Tisch liegen

Wer sich selbstständig im Innenausbau machen möchte, kann auf diesem Portal auch weitere Geschäftsideen prüfen, die keinen akademischen Abschluss voraussetzen und somit wesentlich geringere Einstiegshürden aufweisen. Zu nennen sind in dieser Hinsicht die Tätigkeit als selbstständiger Raumausstatter (https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/raumausstatter ) oder im Bereich des stark nachgefragten Home Staging (https://www.selbststaendig.de/geschaeftsideen/home-staging).
 

Existenzgründung als Innenarchitekt: selbstständig machen mit zielfokussierter Kreativität

  • Einordnung der Chancen

  • Aspekte der strategischen Ausrichtung

  • Marketing, Kooperationen & Kundengewinnung

  • Voraussetzungen für die Existenzgründung als Innenarchitekt

  • Wer darf sich überhaupt Innenarchitekt nennen?

  • Status als selbstständiger Innenarchitekt
     

Anforderungsprofil für selbstständige Innenarchitekten

Zu Beginn der durchaus langfristigen Planung sollte Klarheit darüber herrschen, dass die berufliche Selbstständigkeit durchaus mit Herausforderungen verbunden ist. Anders als in einem Angestelltenverhältnis, das für Innenarchitekten durchaus eine attraktive Option sein kann, arbeiten sie als eigener Chef selbst und ständig. Das heißt, dass die Arbeitszeiten gerade in der Startphase deutlich über 40 Stunden in der Woche liegen können. Schließlich will das Büro bekannt gemacht werden, Kunden müssen gewonnen werden. Hinzu kommt, dass selbstständige Innenarchitekten die Verantwortung für ihr Handeln selber tragen. Auf der Gegenseite genießen sie aber alle Entscheidungs- und Handlungsfreiheiten, von denen ein Angestellter nur träumen kann.

Innenarchitekt und Unternehmer!

Insofern muss vor dem Weg in die Selbstständigkeit die Frage beantwortet werden, ob sich ein angehender selbstständiger Innenarchitekt auch als Unternehmertyp bezeichnet. Abgesehen vom fachlichen Wissen sind unternehmerische Fähigkeiten unabdingbar, um den Geschäftsbetrieb möglichst gewinnorientiert und nachhaltig zu führen. Zusammenfassend könnte das Anforderungsprofil also mit den Worten ‚Kreativität trifft auf Unternehmergeist‘ beschrieben werden.

Trends, die genutzt werden können…

Letztlich sind Innenarchitekten auch gute Manager, da sie Handwerker koordinieren und Einkäufe teils selbst fristgerecht erledigen müssen. In den letzten Jahren wird deutlich, dass dieses Berufsbild immer mehr psychologisches Feingefühl erfordert, da die Ansprüche der Kunden gewachsen sind. Immer mehr Menschen sind sich darüber im Klaren, dass bestimmte Farben, Formen oder Lichtkonzepte einen erheblichen Einfluss auf die wahrgenommene Lebensqualität haben. Hier liegt die große Chance, sich mit unternehmerischer Kreativität als Innenarchitekt beruflich zu verwirklichen.
 

Chancen für die Existenzgründung als Innenarchitekt bewerten

Die Leistungen von Innenarchitekten kommen immer dann ins Spiel, wenn es um die Planung sowie letztliche Gestaltung von sämtlichen Innenräumen geht. Es gilt, mit Blick auf bauliche Möglichkeiten und Wünsche der Kunden individuelle Einrichtungskonzepte zu entwickeln, die Funktionalität mit einem hohen Wohlfühlfaktor verbinden. Es muss gelingen, die anfänglichen Zeichnungen mit Leben zu füllen bzw. sie in realen Räumen wirkungsvoll erscheinen zu lassen. Ob Wände, Bodenbeläge, Farben, Tapeten oder ökologische Aspekte bei der modernen Raumgestaltung, die Chancen mit Blick auf das Leistungsangebot erscheinen groß. Konkretisiert werden können und müssen sie aber immer am ausgewählten Standort: Wie sieht es mit der potenziellen Nachfrage aus? Wie viele Bauvorhaben gibt es? Wie groß ist der Modernisierungsbedarf? Wie groß ist die unmittelbare Konkurrenz? Wie ist es möglich, sich mit dem Leistungsspektrum gegenüber der Konkurrenz abzuheben? Eine Google-Recherche mit dem Suchwort ‚Innenarchitekt in XX‘ vermittelt mit Blick auf die Konkurrenzsituation bereits einen ersten Überblick.
 

Gute Auftragslage in den nächsten Jahren zu erwarten

Ein Blick auf die generellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verspricht gute Aussichten für die nächsten Jahre. Die Bauwirtschaft als Basis für die Nachfrage präsentiert sich als sehr stabil und durch den akuten Wohnungsmangel vielerorts ist in den nächsten Jahren mit Investitionen in diesem Sektor zu rechnen. Abgesehen von guten Zahlen aus der Baubranche herrscht bei Innenarchitekten eine gute Stimmungslage, die als positiver Indikator anzusehen ist. Die konkreten Chancen lassen sich aber erst bemessen, wenn eine gründliche Analyse für den auserkorenen Standort vorgenommen wurde.
 

Geschäftsräume mit repräsentativem Charakter

Wer sich als Innenarchitekt selbstständig machen möchte, wird ein entsprechendes Büro finden müssen. Dieses bietet nicht nur Raum für Planungsaufgaben und Beratungsgespräche, sondern es muss auch das Können des Innenarchitekten sichtbar werden lassen! Ganz in dieser Hinsicht können showrooms beispielhaft zeigen, welche Effekte sich für das Raumklima mit welchen Mitteln erreichen lassen.
 

Alleinstellungsmerkmale für die Kundengewinnung

Idealerweise nutzt ein selbstständiger Innenarchitekt seine Geschäftsräume, um seine ganz persönliche Handschrift deutlich werden zu lassen. Dies kann nur ein Vorteil sein, denn viele Kunden streben bei der Einrichtung exklusive Individualität an. Idealerweise kann ein selbstständiger Innenarchitekt mit Alleinstellungsmerkmalen diese Nachfrage besser als die Konkurrenz bedienen. Sofern ein besonderes Können vorhanden ist, sollte es konsequent für die Vermarktung in den Mittelpunkt gestellt werden.
 

Innenarchitekturbüro gründen: Leistungsspektrum & Zielgruppe

Wer sind potenzielle Auftraggeber für Innenarchitekten? Hier sind in erster Linie neben vorhandenen Innenarchitekturbüros diverse Betriebe im Bereich Messe-, Laden- und Ausstellungsbau zu nennen. Hinzu kommen große Einrichtungshäuser und Betriebe aus den Bereichen Gastronomie und Hotellerie. Auch in den Bereichen Film, Fernsehen und Theater können die Fähigkeiten von Innenarchitekten zum Vorschein kommen. Grundsätzlich ist am gewählten Standort zu überlegen, welche Zielgruppe die nachhaltigste Auftragslage eröffnet.
 

Private oder gewerbliche Kunden?

Natürlich kann es als selbstständiger Innenarchitekt ebenfalls Sinn machen, sich nur auf Privatkunden zu fokussieren. Hierbei wird es sich eher um eine kleine, aber sehr zahlungskräftige Klientel handeln. Es erscheint logisch, dass das Leistungsspektrum erst dann nachfrageorientiert zusammengestellt werden kann, wenn die Zielgruppe klar benannt ist. Natürlich muss das Leistungsspektrum auch das Können des Innenarchitekten widerspiegeln, denn schließlich wird sicht- und erlebbare Qualitätsarbeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein, um sich nachhaltig zu etablieren. Dies wird nur gelingen, wenn ein gutes Image aufgebaut werden kann und zufriedene Kunden als ultimative Marketingwaffe persönliche Empfehlungen aussprechen.
 

Strategische Optionen für die Selbstständigkeit als Innenarchitekt

Der Begriff Existenzgründung mag sich so anhören, als müssten Innenarchitekten immer bei null anfangen und ihrem Geschäftsmodell mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Businessplan ein überzeugendes Gesicht verleihen. Es besteht gerade für junge und noch unerfahrene Existenzgründer die Option, auf selbstständiger Basis in ein bereits vorhandenes Innenarchitekturbüro einzusteigen. Auf diese Weise können Kosten und Risiken erheblich minimiert werden, die der Weg in die Selbstständigkeit mit sich bringt. Je nach Altersstruktur der Inhaber kann es am Standort ebenso eine Option sein, ein vorhandenes Büro komplett zu übernehmen, also ebenfalls die komplette Infrastruktur und ein reichweitenstarkes Netzwerk. Allerdings darf die Übernahme eines bis dato erfolgreichen Innenarchitekturbüros nicht als Selbstläufer gesehen werden. Insofern wird es einige Bemühungen und Fingerspitzengefühl erfordern, damit Kunden dem Geschäft treu bleiben und damit neue Kunden nicht abgeschreckt werden.
 

Marketing, Kooperationen und Auftragsgewinnung

In Bezug auf das Marketing können die oben angesprochenen repräsentativen Geschäftsräume auf einer Homepage auch virtuell in Szene gesetzt werden. Auf diese Weise können sich Interessenten ein realistisches Bild vom Können des Innenarchitekten verschaffen. Idealerweise werden Bilder von erfolgreich abgeschlossenen Projekten zugänglich gemacht. Eine suchmaschinenoptimierte Homepage erhöht ferner die Sichtbarkeit für das eigene Innenarchitekturbüro. Es gilt, für suchende Kunden immer und überall präsent zu sein, also auf allen Endgeräten. Auf diese Weise kann die Auftragsgewinnung zu großen Teilen ressourcenschonend automatisiert werden.

Je nach Standort sind schon im Zuge der Planung Optionen auszuloten, mit denen sich (je nach Zielgruppe) eine gute Auftragslage erreichen lässt. Denkbar sind etwa Kooperationen mit Baugesellschaften oder Hausverwaltungen, die regelmäßig Aufträge für den Innenausbau zu vergeben haben. Dabei muss es sich keineswegs nur um Neubauten handeln, denn im Zuge von Kernsanierungen rückt der Bereich Innenausbau ebenfalls in den Fokus.
 

Formales für die Selbstständigkeit als Innenarchitekt

Zu beachten ist, dass die Bezeichnung Innenarchitekt streng geschützt ist. Selbst erfolgreiche Absolventen dürfen sich nach dem Studium nicht direkt so nennen geschweige denn vermarkten! Es bedarf nach dem Studium einer Praxiszeit, die zwei oder drei Jahr umfasst. Diese wird in der Regel in einem Büro unter der Aufsicht eines erfahrenen Innenarchitekten absolviert, sodass wertvolle Erfahrungen für den Weg in die eigene Selbstständigkeit gesammelt werden können. Ist diese Phase beendet, so können sich Innenarchitekten bei der für sie zuständigen Kammer eintragen lassen. Erst wenn dies erfolgreich geschehen ist, darf die offizielle Berufsbezeichnung Innenarchitekt getragen werden.
 

Status als selbstständiger Innenarchitekt

Wer sich als Innenarchitekt selbstständig macht, wird für gewöhnlich als Freiberufler eingestuft werden (vergleiche die Katalogberufe in Paragraf 18 des Einkommenssteuergesetzes). Insofern kann auch von einer Existenzgründung als freiberuflicher Innenarchitekt gesprochen werden. Wer vom Finanzamt als Freiberufler anerkannt wird, genießt erhebliche steuerliche Vorteile und Vereinfachungen. Es reicht in der Regel bei der Steuererklärung eine einfache Einnahme-Überschussrechnung und es muss kein Gewerbe angemeldet werden. Für die Anerkennung als freiberuflicher Innenarchitekt ist es erforderlich, dass alle fachlichen Leistungen in Eigenregie erbracht werden. Sofern dies nicht der Fall ist oder Leistungen außerhalb des eigentlichen Kerns dieser Berufstätigkeit angeboten werden, entsteht ggf. die Pflicht zur Gewerbeanmeldung. Eine klare Trennung kann aufgrund schwammiger Grenzen im Gesetz nur im Einzelfall getroffen werden. Ein Studium ist rein formal eine anerkannte Legitimation für Freiberufler.
 

Mitarbeit in Innenarchitekturbüros: selbstständig oder nicht?

Der Status Freiberufler hat jedenfalls nichts mit dem Begriff ‚freier Mitarbeiter‘ zu tun. Als solcher können Innenarchitekten auf selbstständiger Basis arbeiten, wenn sie kein eigenes Büro hochziehen wollen. Ob sie bei dieser Tätigkeit immer noch selbstständig arbeiten, hängt von der Eigenart des Verhältnisses zum Auftraggeber ab. Wer in Strukturen fest integriert ist und letztlich weisungsgebunden arbeitet, wird eher scheinselbstständig und somit eigentlich ein Angestellter sein, dem die Hälfte der Arbeitgeberzuschläge für die Sozialversicherung entgeht. Insofern sind die vertraglichen Bedingungen genau zu prüfen, um nicht der Gefahr der Scheinselbstständigkeit zu unterliegen. Ein Werkvertrag kann in der Praxis ein Mittel sein, um die Selbstständigkeit zu wahren. Denn in diesem Fall trägt der freiberufliche Innenarchitekt selber die Verantwortung für die Umsetzung des Projekts.
 

  • Praxistipp: Klarheit über den Status als Selbstständiger erlangen
    Sofern Zweifel über den eigenen sozialversicherungsrechtlichen Status bestehen, kann eine Auskunft bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung für mehr Rechtssicherheit sorgen.

     

Private Vorsorge als selbstständiger Innenarchitekt

Um finanzielle Risiken zu minimieren, sollte eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Fehler beim Innenausbau können dahingehend Folgen haben, dass Kunden Schadensersatzansprüche geltend machen. Was die Haftungsrisiken angeht, so ist die Rechtsform mit Bedacht zu wählen. Eventuell kommt der Zusammenschluss mehrerer freiberuflicher Innenarchitekten in der Partnergesellschaft in Frage, um Kosten und Risiken zu teilen sowie das Leistungsspektrum konkurrenzfähiger aufzustellen. Zu denken ist bei einer langfristigen Planung der Selbstständigkeit als Innenarchitekt an die private Rentenvorsorge als wesentliche Säule. Was die notwendige Krankenversicherung angeht, so öffnet sich für Selbstständige unabhängig von der Höhe des Einkommens der Weg in die private Krankenversicherung.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Innenarchitekt‘

  1. Wer als Innenarchitekt auf selbstständiger Basis arbeiten will, braucht ein entsprechend erfolgreich abgeschlossenes Studium

  2. Raumausstatter und Home Staging sind zwei ähnliche Geschäftsideen, die keine akademische Qualifikation voraussetzen

  3. Die Berufsbezeichnung Innenarchitekt ist streng geschützt, Absolventen dürfen sich nach dem Studium nicht sofort so nennen. Vielmehr muss eine 2-jähirge Praxisphase absolviert werden. Erst danach darf nach der Eintragung bei der Berufskammer die Berufsbezeichnung Innenarchitekt offiziell getragen werden

  4. Die Chancen stehen in den nächsten Jahren gut, da mit Investitionen im Wohnungsbau zu rechnen ist. Die relevante Bauwirtschaft präsentiert sich seit Jahren als stabil

  5. In jedem Falle müssen die Chancen am auserkorenen Standort konkretisiert werden, das Leistungsspektrum muss auf die anvisierte Zielgruppe abgestimmt werden

  6. Wer als freier Mitarbeiter in einem Innenarchitekturbüro arbeitet, unterliegt der Gefahr der Scheinselbstständigkeit

  7. Rundum finanziell absichern durch eine Betriebshaftpflichtversicherung und eine private Altersvorsorge

  8. Die Rechtsform ist auch mit Blick auf Haftungsverhältnisse und den möglichen Zusammenschluss mit anderen Innenarchitekten zu wählen

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2018 zwischen ... [ weiter... ]

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